Wir verbrachten einige Tage im Düsterwald und genossen die Gastfreundschaft der Waldelben. Und deren, bisweilen gewöhnungsbedürftigen, Humor. Dann brachen wir wieder auf. Unsere Reisekleidung erwarben wir bei ihnen neu, da wir die alten Sachen verbrennen mussten. Einer der Waldelben kannte sogar den alten Magier aus Imladris, der damals den Torstein im Ered Mithrin Gebirge verloren hatte.
Er war mit dabei gewesen. Er konnte sich daran erinnern, dass sie auf der Hochebene von Uthnael Beese gewesen waren. Dort in der Nähe soll der Kampf stattgefunden haben, wobei der Magier den Stein verloren hatte. Nun wussten wir zumindest ungefähr die Gegend, wo das gewesen war.
Legolas begleitete uns den Taurduin aufwärts bis zum Rand des Düsterwaldes. Hier verabschiedeten wir uns von einander. "Cui anann, Anordil Glordoronion – lebe lang, Anordil", sagte Legolas, "han annant 'lass nin, ýr-en-râd govad gen - es hat mir Freude bereitet, Euch ein Stück Eures Weges zu begleiten." "Han annant 'lass nin - auch mich erfüllte es mit Freude", antwortete Anordil, "cui anann, Legolas Thranduilion." "Cuio vae – lebe wohl", verabschiedete ich mich von ihm, "íron i chalad govad bo vâd lîn a i lû-i-tôl dogo vae nad gen - möge ein Licht auf deinen Pfaden leuchten und die Zukunft dir Gutes verheißen." "Cui anann, Arwen Ceridwen", erwiderte er, "mathon ad'ovadithar vâd mîn - ich habe das Gefühl, dass unsere Pfade sich erneut kreuzen werden." Wir entfernten uns ein Stück. Als ich zurückblickte, bemerkte ich, dass Legolas uns noch eine ganze Weile hinterher sah. Er hob die Hand zum Gruß. Ich winkte ebenfalls.
Vor uns lag eine Ebene. Gelegentlich waren Herden wilder Rinder oder Wildpferde zu sehen. Fettes Grasland, durchzogen von vielen duftenden Kräutern, erstreckte sich bis zum Fuß der Berge. Dahinter stieg das Ered Mithrin Gebirge auf. Grau und bedrohlich lag es vor uns. Ein mächtiges Bollwerk gegen die Hexenkönigreiche weit im Norden. Wir benötigten einen Tag bis zum Fuß des Gebirges. Immer noch folgten wir dem Taurduin. Am Cirith Himminend, ein Pass, der nach Norden führte, bogen wir zu einem Seitenarm des Taurduin ab. An diesem wanderten entlang bis zu seiner Quelle. Manchmal konnte man Bergziegen beobachten oder Losrandir, die Rentieren ähnlich sahen. In der Nacht war von Ferne das Fauchen eines Schneelöwen zu hören. Auch Wölfe heulten. Es hallte unheimlich in den Felsen wider. Das Gelände wurde unwegsam. Wir stiegen bis zur Schneegrenze hoch. Es wurde sehr kalt und würde es auch die nächsten Wochen bleiben. Von der Quelle des Flusses aus querten wir einen schroffen Gebirgskamm. Ganz weit im Westen konnte man einen einsamen großen Adler fliegen sehen.
Dann lag die Hochebene von Uthnael Beese vor uns. Schnee und Eis bedeckte die Fläche. Fern am Horizont konnte man Ruinen erkennen. Diese waren erst mal unser Ziel. Wir brauchten drei Tage um sie zu erreichen. Unser Weg führte uns immer am Gebirgszug entlang nach Osten. Es war bitterkalt. Ich war froh um die warme Kleidung, die uns die Waldelben gegeben hatten.
Die Ruinen wirkten bedrohlich, als wir uns ihnen näherten. Es mussten einst große Festungen gewesen sein. Jetzt war nur ein Haufen Steine und einige wenige Außenmauern übrig. Wir durchsuchten zuerst die vordere Ruinenanlage.
Vorsichtig kletterten wir über die Schuttberge, bis wir einen Einstieg gefunden hatten. Anordil machte ein wenig Licht, damit wir in den Ruinen überhaupt was erkennen konnten. Es war dämmerig hier unten. Durch Ritzen drang spärlich Tageslicht ein. Schatten tanzten an den Wänden. Modriger Geruch stieg uns in die Nase. In mir machte sich ein unangenehmes Gefühl breit. Immer weiter folgten wir der teilweise verschütteten Treppe nach unten.
Als wir im Gewölbe ankamen, war es stockfinster. Anordil verschwendete einen weiteren Zauberspruch um das Licht größer zu machen. In der gnadenlosen Helligkeit des magischen Feuers konnten wir eine Grabanlage sehen. Steinerne Sarkophage standen hier aufgereiht. Ein paar waren zerstört oder unter Schutt begraben. Ein paar schienen intakt zu sein. Vorsichtig gingen wir weiter. Auf der einen Seite war eine Art Altar zu erkennen. In den Ecken und auf dem Boden sahen wir Skelette in Rüstungen liegen. Zum Teil in erheblich verrenkten Haltungen. Anordil war in höchster Alarmbereitschaft. Er verharrte kurz.
Ein leichter Strom von Magie war zu fühlen. Er versuchte zu spüren, ob sich der Torstein hier befand. Magische Artefakte verfügten über eine magische Aura und diese konnte wahrgenommen werden, wenn man danach suchte. Mir liefen Schauer über den Rücken. Ich fühlte mich gar nicht wohl. Lautlos tat ich es Anordil nach und zog ein Schwert. Das Geröll knackte unter unseren Füßen. Von irgendwoher hörte ich unbestimmbare Geräusche. Leicht schlurfend.
"Pen toli – jemand kommt", wisperte Anordil, "coelian 'yrth i chuinar – vermutlich Untote." Moment, hatte ich richtig gehört? "Gyrth i chuinar? – Untote?", fragte ich überrascht. Er nickte schweigend und lauschte. "Mae, ned Ennor anna 'yrth i chuinar - ja, in Mittelerde gibt es tatsächlich Untote", flüsterte er leise, "schlage ihnen den Kopf ab, damit kannst du sie töten." Klasse Aussichten. Bisher dachte ich immer, es gäbe Untote nur in Hollywoods einschlägigen Filmen. Hier in Mittelerde hatte ich sie für Horrorgeschichten gehalten. Aber anscheinend holte mich wieder die Realität ein.
Sekunden später bog aus einem der finsteren Gänge die erste Schauergestalt in die Grabstätte ein. "Bei Lugh!", brach es aus mir heraus. Ich musste an mich halten um nicht zu erbrechen. Heftiges Würgen befiel mich. Scheußlicheres hatte ich bisher nicht gesehen. Und es roch widerwärtig. "Hollywood, du hättest deine Freude", murmelte ich in mich hinein und packte das Schwert fester. Jetzt sah ich immer mehr von den Gestalten. Das konnte heiter werden. Wir zogen uns zurück. Doch wir fanden den Rückweg von diesen Kreaturen versperrt. Ich zog mein zweites Schwert. Ich machte mich kampfbereit, so wie Anordil. Unser Gepäck und die Bögen hatten wir oben am Eingang gelassen. Sie wären zu sperrig gewesen, um sie mit hinunter zu nehmen.
Wie auf Kommando starteten wir gemeinsam unseren Angriff. Die Klingen fuhren in weiches modriges Fleisch. Wir metzelten uns durch die Untoten hindurch. Der grauenhafte Geruch nach verwestem Fleisch nahm enorm zu. Ekel stieg in mir auf. Ich musste mehrfach würgen. Nach endlos scheinenden Minuten hatten wir die Treppe erreicht. Anordil stieß mich hinauf.
"Lagor na gaw! - Rasch nach oben!", rief er mir zu. Er steckte seine Schwerter weg. In seinen Händen sah ich es aufleuchten. Er würde Feuer werfen. Hastig stürmte ich die Treppe hinauf. Ein paar Mal stolperte ich derart, dass ich mich im letzten Moment noch fangen konnte. Dann sah ich endlich Tageslicht. Unter mir hörte ich eine Explosion. Der Boden rumpelte. Steine fielen. Nur mit Mühe konnte ich den fallenden Geröllbrocken ausweichen. Ein paar trafen mich. Sie hinterließen kleine Schrammen.
Außer Atem stand ich oben und wartete auf Anordil. Doch er kam nicht. Beunruhigt nahm ich ein Schwert wieder in die Hand. Vorsichtig tastete ich mich die Treppe hinunter. Mein Atem ging schnell. Mein Herz raste in meiner Brust. Ich hatte Angst!
Auf halber Höhe nach unten sah ich seinen Haarschopf. Er lag bewegungslos auf der Treppe. Blut rann ihm über das Gesicht. Er war fast gänzlich mit Staub und Geröll bedeckt. Anscheinend hatte ihn ein herunterfallender Stein getroffen. Ich lauschte zuerst nach unten in die Dunkelheit. Außer rollenden Steinen konnte ich keine Geräusche hören. Nichts Verdächtiges war zu riechen. Ich steckte das Schwert weg. Mit zitternden Händen berührte ich ihn. "Anordil, echui! - Wach auf!", flüsterte ich leise, "bitte!"
Aber er rührte sich nicht. Vorsichtig fühlte ich seinen Puls. Erst fand ich ihn nicht und war verzweifelt. Tränen rannen mir über das Gesicht. Dann hatte ich den Puls endlich gefunden. Er schlug sacht, aber er war da. Ich versuchte jetzt Anordil unter dem Geröll hervorzuziehen. Aber das gelang mir nicht. Er war zu schwer. Ich fegte das Zeug zur Seite. Staub wirbelte auf. Ich musste husten. Dann versuchte ich es erneut. Jetzt bekam ich ihn ein wenig bewegt. Aber immer noch war er zu schwer.
Plötzlich fiel mir ein, dass Anordil ein paar Phiolen im Gepäck dabei hatte. Es wären elbische Heiltränke, hatte er mir mal gesagt, gemischt von Elrond. Hastig lief ich die Stufen wieder hinauf. Mit zitternden Fingern wühlte ich im Gepäck. Dann hatte ich eine der Phiolen gefunden. Ich sah auf die Gravur. Es war das Tengwarzeichen, das für Heilung stand. So schnell ich konnte, eilte ich die Treppe hinunter.
Anordil lag da und hatte sich nicht gerührt. Vorsichtig rollte ich ihn gänzlich auf den Rücken. Blut und Staub verklebte sein Haar. Das Gesicht war mit einer schmierigen Schicht aus derselben Mischung bedeckt. Ich bettete seinen Kopf in meinen Schoss und träufelte ihm den Inhalt der Phiole in den Mund. Jetzt konnte ich nur warten. Von unten waren keine verdächtigen Geräusche zu hören. Die Zeit dehnte sich unendlich. Immer wieder fühlte ich nach dem Puls. "Ú-ereb nin! - Lass mich nicht allein!", flüsterte ich leise.
Nach einer Ewigkeit machte er einen tiefen Atemzug. Dann schlug er die Augen auf. Er sah leicht benebelt aus, aber er war wach. Tränen der Erleichterung rannen mir über das Gesicht. Er hob schwach die Hand und wischte sie mir fort. "Nir? – Tränen?", fragte er kratzig, "anim? - Wegen mir?" Ich nickte, unfähig zu antworten. "Ich brauche ein paar Minuten, dann kann ich wieder aufstehen", wisperte er.
Von Minute zu Minute konnte man sehen, wie die Kraft in ihn zurückkehrte. Eine Stunde nach dem ich ihm die Flüssigkeit eingeträufelt hatte, konnte er aufstehen. Langsam stiegen wir die Treppe hinauf. Oben an der Luft streckte er sich. An einer vereisten Wasserfläche blieb er stehen. Er rieb die Oberfläche blank, damit er sein Spiegelbild betrachten konnte. "Da habe ich noch einmal Glück gehabt", murmelte er und tastete die sich schließende Wunde ab, "ich hatte nicht damit gerechnet, dass das Gemäuer dermaßen morsch war." Wir säuberten uns notdürftig. "Ich schlage vor, dass wir hier lagern", sagte Anordil. "Und was ist mit diesen Kreaturen?", fragte ich fröstelnd.
Er schüttelte den Kopf. "No pen-drass - sei unbesorgt", antwortete er mir, "sen naur garir ú-vronar. Na ur deved dagra 'yrth i chuinar. - Dieses Feuer haben sie nicht überstanden. Auch mit Feuer kann man Untote bekämpfen." "Ú-vaethon - mir ist nicht wohl dabei." Er lächelte mich an. "Annon gen beth nin, ú-drastathar ven, Arwen. Estelio nin. Lachatham rim naur. - Ich gebe dir mein Wort, dass wir nicht von ihnen behelligt werden, Arwen. Vertraue mir. Wir werden ein kleines Feuer machen." Der Himmel über uns war sternenklar. So viele Sterne wie heute, hatte ich bisher nicht am Nachthimmel von Mittelerde gesehen. Es war ein grandioser Anblick. Wir wachten abwechselnd. Bei meiner Wache war ich sehr unruhig. Der Anblick der Untoten hatte sich in mein Gehirn gebrannt. Bei jedem Knacken des Eises schreckte ich auf. Aber die Nacht verlief ereignislos.
Am nächsten Morgen waren wir wieder bei Kräften und konnten weiterziehen. Die zweite Ruine betraten wir vorsichtiger. Hier fanden sich aber keine Grabstätten. Auch Untote waren nicht zu sehen oder zu riechen. Die Ruine war auf natürlichen Tropfsteinhöhlen gebaut. In der Kälte konnte das Wasser nicht fließen, sondern hatte die Höhle in eine dicke Schicht aus Eis gehüllt. Da der Boden uneben war, war es nicht ganz so rutschig, wie man es sich erst vorstellte. Man konnte ab und zu das Knacken von Eis hören. Auch hier versuchte Anordil den Torstein zu erspüren. Nach einer Weile schüttelte er den Kopf. Er hatte keine magische Aura gefühlt. Ich schaute mich in der Tropfsteinhöhle um. Beeindruckt hielt ich den Atem an.
Nur um im selben Moment zu erstarren. An der gegenüberliegenden Seite hatte ich eine Bewegung im Eis gesehen. "Anordil", wisperte ich und deutete hinüber. Er folgte mit dem Blick meiner Hand. Mit einer raschen Handbewegung deutete er mir in Deckung zu gehen. "Helltorog - ein Eistroll", antwortete er leise, "wenn wir kein Geräusch machen, werden wir es vermutlich bis nach draußen schaffen. Er scheint zu schlafen." Ich war wirklich nicht scharf auf einen Kampf mit dem Eiswesen dort.
Langsam und vorsichtig, jeden Schritt abwägend, bewegten wir uns lautlos auf den Ausgang zu. Ich fing an zu schwitzen, so sehr strengte mich das an. Aber wir gelangten hinaus, ohne den Eistroll zu wecken. Wir sammelten unser Gepäck auf und rannten schnell weiter.
Enttäuscht wanderten wir vier Tagesreisen weiter nach Osten. Dort ragte ein Gipfel weit über die anderen hinaus. Es war der Gondmaeglon. Dort war die Gruppe mit dem Elbenmagier damals ebenfalls gewesen. Mittlerweile hatte ich einen ungeheueren Respekt vor dunklen Höhlen. Man konnte nie wissen, was einem dort erwartete. Jedes Mal stieg mir der Adrenalinpegel hoch.
Als wir in dieses Höhlensystem hineinkrabbelten, war mir unwohl im Magen. Anordil nahm einen Hauch einer magischen Aura wahr. Er konnte jedoch nicht genau sagen, ob es sich dabei um den Torstein handelte. Die Höhlen waren komplett mit Eis ausgekleidet. Offenes Wasser war zu einer Eisfläche erstarrt. Wir drangen weiter in die Höhle ein. Das Licht in Anordils Händen wurde vielfach in den Eiskristallen wiedergespiegelt.
Und plötzlich in einem Augenpaar. Grollend schob sich ein eisgrauer, mit Eiskristallen bedeckter Schädel aus einem Gang heraus. Erschrocken wich ich zurück und zur Seite. Diese Bewegung rettete mir mein Leben. Eine Böe aus Eiskristallen schoss mir entgegen. Ich spürte, wie sie mich an der rechten Seite traf. Sie zerfetzte mir die Kleider und riss mein Fleisch auf. Als hätte jemand mit Schrot auf mich geschossen! Anordil stand auf der anderen Seite. Ich sah, wie dem riesigen Kopf ein langer Hals und ein bauchiger Körper folgten. Schwingen entfalteten sich halb, als das Wesen sich aufrichtete.
Jetzt war mir klar, was Anordil gespürt hatte, denn auch magische Wesen besitzen eine spürbare Aura. Es war ein Eisdrache. Seine Haut schillerte in hellem Eisgrau durchzogen mit blauen Sprengseln. Er schnaubte wütend und nahm mich erneut ins Visier. Anscheinend hatte er Anordil nicht bemerkt. Oder er war eher auf Frauen aus. Nur mit Mühe konnte ich dem nächsten Eisschrot entgehen. "Istannen emlyg 'wann - ich dachte, Drachen wären ausgestorben", schrie ich Anordil zu, während ich in Deckung hechtete, "Smaug i law vedui i nûr dhîn? - War Smaug nicht der letzte seiner Art?" "Ed-chened si hen brona - anscheinend hat dieser hier überlebt", gab Anordil trocken zurück. In seinen Händen glomm es auf. Mit einem Mal sah ich einen hellen Flammenstrahl, der wie ein Blitz in den Drachenkörper einschlug. Wütend peitschte der Schwanz durch die Luft. Anordil hatte sich erhöht gestellt, um ein besseres Schussfeld zu haben.
Er zauberte jetzt Blitz auf Blitz. Flammen tanzten in seinen Händen. Es sah wirklich beeindruckend aus. So stellt man sich den Kampf eines Magiers vor! Nach einer Weile zog sich der Drache zurück. Er war schwer verwundet. Es würde Wochen dauern bis er sich erholen würde, wenn überhaupt. Erleichtert rannten wir aus der Höhle. Wir nahmen unser Gepäck und legten erst ein wenig Strecke zwischen uns und der Drachenhöhle, bevor wir rasteten und Anordil meine Wunden heilen konnte.
"Bisher hatte ich angenommen, dass Smaug tatsächlich der letzte Drache auf Mittelerde war." Allmählich beruhigte sich mein Puls. "Womöglich war er der letzte der Feuerdrachen", erwiderte Anordil ruhig. Seine Hände bewegten sich sanft und bestimmend über meine Wunde.
"Eisdrachen sind sehr selten. Sie bewegen sich nicht aus dem Norden weg", sagte er, "wir bewegen uns an der Grenze zu den Nordlandreichen. Es kann sein, dass dort noch mehr Drachen in den unwirtlichen und kaum zugänglichen Gebieten überlebt haben. Aber du hast Recht – seit Smaugs Ableben hat es keine Drachen mehr in den wärmeren Landstrichen Mittelerdes gegeben. Demzufolge musste man annehmen, dass Smaug der letzte seiner Art war." "Solange diese Biester im Norden bleiben, sollen sie ruhig leben", brummte ich vor mich hin, "auf eine weitere Begegnung lege ich keinen gesteigerten Wert." "Auch einen Drachen kann man besiegen", entgegnete Anordil belustigt.
Vor Kälte zitternd zog ich meine abgelegten Gewänder wieder über. Rasch breitete sich Wärme aus. Wir schulterten unsere Waffen und unser Gepäck und setzten unseren Weg fort.
Da unsere Suche auch in diesem Gebiet nicht von Erfolg gekrönt war, machten wir uns wieder auf den Rückweg zum Cirith Himminend. Am Ufer des Taurduin überlegten wir, was wir tun sollten. Wir hatten ein paar Fische gefangen, um unseren mageren Speiseplan ein wenig aufzubessern. "Langsam wird unsere Zeit knapp", sagte Anordil zu mir, "wir können die Suche nicht mehr lange fortsetzten." "Ich stimme dir zu", erwiderte ich, "schließlich müssen wir pünktlich zum Imbolc-Fest wieder am Kultplatz sein. Aber ich würde gerne noch ein wenig hier im Gebirge suchen. Es gibt einige Stellen, wo wir noch nicht waren." "Gut, so sei es, Arwen. Doch in spätestens sechs Wochen müssen wir den Weg zurück einschlagen."
Daraufhin durchstreiften wir das Gebirge in verschiedenen Richtungen und krochen in vielen Höhlen herum. Ab und zu nahm Anordil eine magische Aura wahr, doch meist handelte es sich um uns feindlich gesonnene Wesen, die wir bekämpfen mussten. Die Wochen verstrichen erfolglos und so spät es ging, schlugen wir den Weg Richtung Westen ein. Ich war enttäuscht, aber ich hatte die Hoffnung, dass Luvalaes erfolgreicher war als wir.
Wir querten den Gebirgsausläufer, der bis zum Düsterwald reichte. Zwei Tagesreisen vor dem Cirith Mithlin machten wir vor einem Gebirgseinschnitt Rast. Der Cirith Mithlin war der Pass, an dem der Mithlin-Fluss aus dem Gebirge herunter kam. Es sah bedrohlich aus. "Hier müssen wir durch die Schlucht", sagte Anordil, "leider können wir nicht den direkten Weg hindurch nehmen. Wir müssen ein kleines Stück bergauf." Ich sah ihn fragend an. "Yngol - Spinnen", antwortete er, "diese Schlucht ist eine Brutstätte für Riesenspinnen, hatte Legolas mir verraten. Um diese Jahreszeit besteht allerdings kaum Gefahr, meinte er. Es könnten höchstens ein paar in der Schlucht verstreute Spinnenwächter vorhanden sein." Na klasse, dachte ich. Spinnen gehörten nicht unbedingt zu meinen Lieblingstieren.
"Ich hoffe, du hast recht", sagte ich stattdessen, "ich hasse Spinnen. Wie groß werden die denn?" Anordil sah mich scharf an. "Sen ú-istach - das willst du nicht wissen, Arwen." Wenn er schon so anfing, dann konnten sie nicht klein sein. Ich schüttelte mich im voraus. Anordil lachte leise. "So schlimm sind sie auch wieder nicht. Eher lästig. Aber wir sollten die Schlucht bei Tageslicht durchqueren. Wenn wir uns nicht auf einen Kampf mit den Spinnen einlassen wollen, müssen wir sie an einem Tag hinter uns lassen." Ich nickte. "Ich bin wirklich nicht scharf darauf", antwortete ich, "lass uns morgen ganz früh aufbrechen." Wir lagerten ohne Feuer. Anordil bedeutete mir mich schlafen zu legen. Er würde, wie so oft, Wache halten.
Am nächsten Morgen brachen wir früh auf. Wir aßen das letzte Stück Lembas, das wir besaßen und liefen danach los. Den Sonnenaufgang genoss ich während des Laufens. Die Strecke erinnerte mich an einen Marathon, den ich vor einigen Jahren mitgemacht hatte. Die Elben hatten meinen Laufstil allerdings ein wenig verändert. Ich lief jetzt energiesparender und lockerer. Gegen Mittag machten wir eine kurze Rast. Ich bekam Gelegenheit in die Schlucht hinunter zu schauen. Was ich sah, ließ mich frösteln.
Die Schlucht schien aus einem einzigen Gewirr von Spinnfäden zu bestehen. Dazwischen sah man vereinzelte Kokons. Einige davon menschengroß. Tief unten konnte man verhaltene Bewegungen sehen. Ich sah Anordil an. "Werden die wirklich so groß?", fragte ich ihn ungläubig mit leiser Stimme. Er nickte kurz. "Brechen wir auf, damit wir die Schlucht mit der Dämmerung hinter uns lassen." "Nichts lieber als das, Anordil." Ich beschleunigte sogar ein wenig das Tempo. Um nichts in der Welt wollte ich die Nacht in dieser Schlucht erwarten. Gegen späten Nachmittag hatten wir sie endlich durchquert.
Nach einem weiteren Tag lag der Cirith Mithlin vor uns. Hier würden wir wieder in die Ebene hinuntersteigen. Auf halbem Wege nach unten hielt Anordil mich plötzlich zurück. "Tangado maetho gen - halte dich bereit", wisperte er angespannt. Ich packte meinen Kampfstab fester. Abwehrbereit hielt ich ihn in der Hand. Anordil zog seinen Bogen über den Kopf und legte einen Pfeil ein. Da er damit wesentlich schneller war als ich, ließ ich ihm den Vortritt. Angespannt bewegte er sich vorwärts, um mit einem Mal zur Seite zu hechten. Im selben Moment schoss er.
Dann konnte ich sehen, was uns angriff. Sechs Riesenspinnen hatten uns auf ihren Speiseplan gesetzt. Oder wollten sie uns eher als Nahrungskonserve für die Brut? Sie umkreisten uns blitzschnell und attackierten sofort. Ihre Bisswerkzeuge klackerten ekelerregend, als sie auf uns zu krabbelten. "Du musst sie zwischen Kopf und Körper treffen", sagte Anordil ruhig, "oder von unten zwischen die Mandibeln." Na Klasse, dachte ich, ich wusste, warum ich Spinnen hasste!
Zwei von ihnen schossen jetzt Fäden auf uns. Es gelang mir ihnen auszuweichen. Anordil bewegte sich lässig. Er hatte jetzt den Bogen gegen seine Kurzschwerter getauscht. Ich schlug einige der behaarten Spinnenbeine zur Seite und warf die Spinne zu meiner Linken damit auf den Rücken. Sie würde einige Zeit zu tun haben, um sich wieder aufzurichten. Folglich konnte ich mich mit der zu meiner Rechten beschäftigen. Diese kam mir gefährlich nahe. "Ú-nagar gen! - Lass dich nicht beißen!", rief Anordil mir zu, "trî saew dîn tharn gen - ihr Gift wirkt lähmend." Geschickt wich ich zur Seite, um mich der nächsten Spinne gegenüber zu sehen.
Ich tauschte rasch den Kampfstab gegen die Schwerter. Den Stab warf ich erst einmal achtlos hinter mich. Mit den Schwertern fühlte ich mich plötzlich wohler. Ich wehrte eine Attacke der Spinne zu meiner Rechten ab, in dem ich ihr die vorderen Beine abtrennte. Ein ohrenbetäubendes Kreischen war die Antwort. Sie zuckte mit ihren Mandibeln hektisch vor mir herum. Ich nutzte die Gelegenheit, als sie sich versuchte aufzubäumen und stieß das rechten Schwert mit aller Kraft zwischen Kopf und Körper dieses Tieres. Sie zappelte einmal kurz. Das Kreischen nahm an Intensität zu, bis es abrupt endete. Plötzlich sank die Spinne in sich zusammen. Die Beine rollten sich nach innen ein. Der Körper erstarrte. Damit hatte ich eine erledigt.
Die zu meiner linken war zwischenzeitlich wieder auf die Beine gekommen. Sie versuchte mich in diesem Moment von hinten mit einem Faden einzuspinnen. Ich sah etwas auf mich zufliegen. Doch ich konnte mich rechtzeitig ducken. Der Faden schoss über mich hinweg. Ich tauchte zur Seite. In relativer Sicherheit sondierte ich die Lage. Anordil hatte ebenfalls eine erledigt und beschäftigte sich mit seiner zweiten, die er in diesem Moment außer Gefecht setzte.
Die zwei übrigen hatten in sicherer Entfernung erst einmal beobachtet. Jetzt setzten sie sich in Bewegung und hielten auf Anordil zu. Sie hielten ihn wohl augenscheinlich und auch zu Recht für den gefährlicheren Gegner. Meine Spinne bewegte sich jetzt vorsichtig auf mich zu. Es schien, als würde sie abwägen, wie sie mich zur Strecke bringen könne. Bevor sie zu einem Entschluss kommen konnte, griff ich sie an. In diesem Falle erschien mir der Angriff die beste Verteidigung zu sein.
Ich attackierte ihre Augen. Wenn sie nichts mehr sah, konnte sie mich nicht angreifen. Mit einem ekelerregenden Geräusch platzte ihr linkes Facettenauge. Grünlichklare Flüssigkeit rann aus der Augenhöhle. Der Kopf der Spinne pendelte hin und her und wieder hörte ich dieses unheimliche Kreischen. Ich musste mehrmals unter dem Kopf hinwegtauchen. Ein paar Sekunden später hatte ich endlich freie Bahn. Ungeschützt lag der weiche Bereich unter den Mandibeln vor mir. Ohne eine Sekunde zu zögern, stieß ich zu und rammte beide Schwerter in diese Stelle. Ich spürte einen knorpeligen Widerstand. Mit einem schmatzenden Geräusch schnitten die Klingen in den Spinnenkörper. Diesmal erstarb das Kreischen augenblicklich. Die Spinne schien in der Bewegung zu erstarren. Die Beine zogen sich zusammen und sie sank zu Boden. Das Adrenalin ließ mein Herz schneller schlagen.
Hektisch schaute ich mich um. Anordil erledigte seine dritte Spinne, als er gleichzeitig von hinten durch die Vierte angegriffen wurde. Ohne zu überlegen schleuderte ich das eine Kurzschwert auf den Körper der Spinne. Ich traf gut. Zwar nicht schwerwiegend, aber es genügte, um die Spinne von ihrem Angriff abzulenken. Augenblicke später war sie tot. Angeekelt zog ich das Schwert aus ihrem Körper. Dickes grünliches Sekret tropfte herunter.
Von Ekel geschüttelt wischte ich die Schwerter im Gras sauber. Ich würgte und musste mich übergeben. Anordil betrachtete mich amüsiert. "Kann es sein, dass du Spinnen nicht besonders magst?", fragte er leicht ironisch. Ich sah ihn angewidert an. "Fuion yngol - ich hasse Spinnen", presste ich zwischen den Zähnen hervor, krampfhaft bemüht einen weiteren Brechreiz zu unterdrücken, "si devim bado? - können wir jetzt gehen?" Er lachte leise, als er seine Schwerter säuberte. "A si, bado ven - nun denn, lass uns weiterziehen", meinte er fröhlich. Ich würgte immer noch, als wir unten im Tal ankamen.
Am Abend entzündeten wir endlich wieder ein Feuer. Auf unserem Weg hatten wir ein junges Bergzicklein erlegt. Das würde unser Abendessen sein. Ein paar Kartoffelknollen konnten wir ebenfalls sammeln. Während das Zicklein über dem Feuer brutzelte, konnte ich meine Gedanken ein wenig schweifen lassen. Jetzt hatten wir etliche Wochen im Ered Mithrin Gebirge zugebracht. Doch den Torstein nicht gefunden. Und keinen weiteren Hinweis auf diesen. Stattdessen querten wir den Weg von einem Höhlentroll und einigen größeren Spinnen, die wirklich eklig waren. An den Höhlentroll erinnere ich mich äußerst ungern. Er hätte mir beinahe das Leben gekostet.
Wir waren in eine von den vielen Höhlen hineingekrochen, die es nun mal im Gebirge so gibt. Immer auf der Suche nach dem Torstein. Allmählich hatten wir die Gegend, in der er verschollen war, gänzlich und ohne Erfolg durchforscht. Nach etlichen Schritten hatte sich der schmale Durchgang geweitet. Als Anordil ein wenig Licht zauberte, bot sich uns ein atemberaubendes Bild.
Wir standen in einer Tropfsteinhöhle von riesigen Ausmaßen. Es glitzerte und funkelte überall um uns herum. Stalaktiten und Stalakmiten formten ein überwältigendes Panorama. In der Mitte der Höhle hatte sich ein kleiner See gebildet. Das Wasser war kristallklar, so dass man bis auf den Grund sehen konnte. In dem Wasser tummelten sich sogar ein paar Fische und Molche, die sich an das Leben in Dunkelheit angepasst hatten. Ihnen fehlten nämlich sämtliche Sehorgane. Fasziniert von diesem Naturschauspiel drangen wir tiefer in die Höhle ein. Es war wieder einmal Anordil der mich warnte. Mit einer raschen Armbewegung bedeutete er mir stehen zu bleiben.
Plötzlich konnte ich den Boden unter mir zittern spüren. Ich hörte Fußtritte, die schwer und schnell in unsere Richtung kamen. Ausweichen konnten wir nicht mehr. Die Tropfsteinsäulen bildeten nur eine trügerische Deckung. Dann sah ich aus einem der Gänge, die von dieser Halle abzweigten, einen Höhlentroll hervorbrechen. Gesehen hatte ich bis dahin keinen mit eigenen Augen. Aber es musste einer sein. Er war ungefähr zwölf Fuß groß. Von der Gestalt eher kompakt. Seine Arme waren überlang und seine Beine stummelkurz. In der linken Hand schleifte er eine riesige Keule hinter sich her. Der Troll grunzte ein paar Mal. Schnaufend hielt er inne. Anordil legte lautlos einen Pfeil in seinen Bogen. Auch ich hatte mich als erstes für den Bogen entschieden.
Der Troll näherte sich schnüffelnd der Tropfsteinsäule, hinter der ich mich versteckt hatte. Ich konnte seinen fauligen Atem riechen. Ich sah zu Anordil hinüber. Er nickte kurz und rief: "Jetzt!!" Mit einer geschmeidigen Bewegung schwangen wir mit den Bögen im Anschlag hinter den Säulen hervor. Blitzschnell zielen und schießen, war jetzt die Devise. Die Pfeile trafen ihr Ziel. Allerdings töteten sie den Troll nicht.
Jetzt wurde er wütend. Er stürmte auf meine Säule zu. Ich rannte zu einer anderen. Im Laufen legte ich den nächsten Pfeil ein. Der Troll musste an Anordil vorbei, der schon den nächsten Pfeil abschoss. An dem Aufbrüllen hinter mir konnte ich hören, dass er empfindlich getroffen wurde. Sechs Fuß neben mir schlug eine Keule in den Boden ein. Wenn mich diese mit voller Wucht getroffen hätte, wäre ich jetzt Brei, schoss es mir durch den Kopf. Sekunden später zielte ich wieder auf den Troll. Ich hatte Glück und traf erneut. Er wandte sich wieder in meine Richtung, als Anordil ihm einen weiteren Pfeil in den Rücken jagte. Wütend drehte sich der Troll herum und schwang dabei seine Keule. Mir gelang es mich rechtzeitig zu bücken, bevor er mich treffen konnte. Die Säule neben mir zerbröselte unter dem Hieb. Nur mit Mühe wich ich den Kalksteinbrocken aus.
Anordil hatte in der Zwischenzeit zwei weitere Pfeile in den Troll gejagt. Dieser blutete heftig aus den Wunden. Er wurde merklich langsamer. Ich schoss wieder. Aber ich war dem Troll zu nah. Seine Keule streifte mich und warf mich gegen die nächste Säule. Bei dem Aufprall dachte ich, mein Rückgrat bricht auseinander. Mir blieb die Luft weg. Schwarze Flecken tanzten vor meinen Augen. Ich spürte, wie ich die Säule hinunterrutschte. Heftig atmete ich einige Male durch. Meine Körper war völlig taub. Meine Muskeln gehorchten mir beinahe nicht. Langsam kroch ich hinter die Säule. Dort blieb ich einen Moment liegen.
Am Gebrüll des Trolls konnte ich abschätzen, wie Anordil ihn weiter durchlöcherte. Dann war ich wieder halbwegs fähig mich zu bewegen. Mein linkes Bein war gefühllos, aber ich konnte zumindest humpeln. Die Keule hatte, Belenus sei Dank, nicht mehr so viel Schwung gehabt. Als ich hinter der Säule hervorkroch, erlebte ich mit, wie Anordil dem Troll den Gnadenschuss verpasste.
Er schoss rasch hintereinander zwei Pfeile in seine Augen. Sie drangen mit voller Wucht bis ins Gehirn. Der Troll taumelte durch die Höhle und prallte gegen mehrere Tropfsteinsäulen. Davon zerbröselte er zwei, bevor er mit einem lauten Gebrüll zusammenbrach. Es dauerte einige Minuten bis der zuckende Körper plötzlich erschlaffte. Der Todesschrei des Trolls hallte in dem Höhlensystem nach. Danach war Stille. Man konnte nur noch unseren Atem hören.
Anordil hatte die ganze Zeit einen Pfeil im Anschlag. Jetzt löste er langsam die Spannung des Bogens und verstaute den Pfeil wieder im Köcher. Er kam auf mich zugelaufen. "Man mathach? – Wie geht es dir?", fragte er besorgt. Ich nickte. "Bis auf ein taubes Bein und dass ich mich zerquetscht fühle, geht es mir eigentlich ganz gut", presste ich hervor. Mühsam unternahm ich den Versuch auf ihn zu zugehen. Das misslang jedoch kläglich. Ich fiel in seine Arme. Er untersuchte mich schnell. Dann atmete er auf. "Du hast Glück", meinte er erleichtert, "es sind nur ein paar Nerven und Muskeln gequetscht. Die Knochen scheinen heil und bis auf ein paar Prellungen geht es dir gut. Ich werde einen Heilzauber sprechen. Allerdings werden die blauen Flecke von selber schwinden müssen." Das war mir egal. Ich wollte endlich mein Bein wieder spüren. Eine halbe Stunde später ging es mir viel besser. Die blauen Flecke taten zwar weh, aber ich konnte mich bewegen.
Wir beschlossen, uns aus der Höhle zu entfernen. Allerdings nahm ich mir ein kleines Andenken mit. Ich steckte einen von den Kalksteinsplittern ein. Sie sahen zu schön aus. Jedes Mal, wenn ich diesen auspackte, kam mir der Troll in Erinnerung. Es fröstelte mich immer ein wenig, wenn ich an diese Begegnung dachte. Sie hatte mir ins Gedächtnis gerufen, wie nah hier in Mittelerde Tod und Leben bei einander lagen.
"Ned noeth gen - du bist in Gedanken", hörte ich Anordil sagen. Mit einem Mal kehrte ich in die Realität zurück. "Mae, nauthannen bo lû 'ovannim gui gathtorog - ja, ich dachte an unsere Begegnung mit dem Höhlentroll", antwortete ich in Gedanken, "diese hat mich gelehrt, jeden Tag als ein Geschenk zu sehen. Wie schnell ist das Leben dahin. Auf unserer Wanderung sind wir ein paar Mal nur knapp dem Tod entronnen. Und auch die Spinnen vorhin. Hätten wir Pech gehabt, würden wir jetzt in einem Kokon darauf warten verspeist zu werden und nicht hier sitzen." Anordil nickte verstehend.
"Das Schicksal hat immer zwei Seiten, diese können in dem Bruchteil einer Sekunde über deinen weiteren Weg entscheiden", antwortete er. "Vielleicht ist es vorbestimmt, dass wir den Torstein nicht gefunden haben", sinnierte ich, "wer weiß wozu es gut war, dass wir erfolglos blieben." "Úbenn ista i râd en amarth - niemand kennt die Wege des Schicksals", lächelte der Elb mich an, "doch jetzt denke nicht mehr darüber nach. Es wird alles seinen Weg gehen. Es ist sowieso an der Zeit, wieder in Richtung der Kultstätte aufzubrechen. Ansonsten gelangen wir nicht pünktlich zum Treffpunkt. Si hiro îdh - du solltest ein wenig ruhen." Ich konnte nicht umhin trotzdem zu grübeln. Schweigend verspeiste ich meinen Teil des Zickleins und legte mich danach schlafen. Die Knollen sowie die Reste des Fleisches aßen wir am nächsten Morgen zum Frühstück. Nach dem wir die Glut gelöscht hatten, brachen wir auf.
to be continued ...
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