„Was ist denn hier los?", fragte Sev würgend. Alastor, der einen Kopfblasenzauber trug, antwortete knurrend: „Frag das mal die beiden Vollidioten, die hier einen Test für ihren Furztee gestartet haben!". Sev legte auf sich und den schon röchelnden Harry ebenfalls den Kopfblasenzauber, dann warf er Fred und George, die selbstzufrieden vor sich hin grinsten, einen bösen Blick zu und schaute sich weiter um. Remus und Tonks standen etwas abseits von den Anderen und Remus furzte gerade krachend. Fred und George kicherten und ließen sich von den Todesblicken der Anderen nicht im Geringsten beeindrucken. Was sie jedoch beeindruckte, war Sev. Blitzschnell hatte er die beiden Chaoten entwaffnet und mit einem" Finite" ihre Kopfblasenzauber gelöscht. Die Zwillinge begannen zu husten und zu röcheln und versuchten zu flüchten, aber diesem Ansinnen schob Rufus Scrimgeour mit einem Verschluss-Zauber auf die Tür einen Riegel vor.
Dann baute er sich vor ihnen auf und fragte: „Nur so Interesse halber, gibt es denn ein Gegenmittel für euren Tee? Nicht, dass wir es brauchen würden, aber mit euch sieht die Sache ja anders aus, oder?". „Ich bewundere Euch, ohne Kopfblasenzauber würde ich das nicht aushalten", fügte Flittwick kichernd hinzu. Ein weiterer Furz in der Lautstärke eines Ferraris ohne Auspuff kam diesmal von Tonks. Fred begann hektisch in seinen Taschen zu wühlen und zog schließlich 2 Bonbons hervor, die in rotes Papier eingewickelt waren. Er warf Remus und Tonks jeweils eins der Bonbons zu. Kaum lutschten die Beiden an den Bonbons, so hörte die Furzerei auf. Sev hingegen ging zu den noch halb vollen Teetassen und schnupperte daran, nachdem er todesmutig seinen Kopfblasenzauber verschwinden ließ.
„Na da wird mir einiges klar", sagte er kopfschüttelnd, nachdem er den Kopfblasenzauber wieder hergestellt hatte. „Und ich habe Hermines Kater verdächtigt, meine Drachenleber gefressen zu haben. So, Jungs, das macht dann 60 Galleonen".
Mit wenig Begeisterung bezahlten die Zwillinge die geforderte Summe, die keinesfalls zu hoch war, denn billiger wären sie nicht einmal bei Mundungus Fletcher weg gekommen, der das Zeug ohnehin irgendwo geklaut hätte. Einige Minuten später war der Gestank verschwunden und als Harry sich nun genauer umsah, bemerkte er, dass noch zwei Personen dazu gekommen waren. Da war Hermine und neben ihr, Harrys Herz setzte für einen Moment aus, Ginny!
„Ihr seid ja auch hier!", rief Harry begeistert. Die Antwort darauf war eine doppelte Umarmung, wobei Hermine sich schnell wieder zurück zog, um Ginny das Feld zu überlassen. Das nutzte die Rothaarige aus, um sich ganz dicht an Harry zu schmiegen und bevor er es sich versah, hatte sie ihm einen zärtlichen Kuss auf den Mund gedrückt. Harry bekam einen leicht abwesenden Blick, was Ginnys Brüder und Tonks zum Kichern brachte. „Unser Schwesterlein!", gab George von sich. „Probt im Grimmauldplatz den Aufstand!", fiel Fred ein. „Und wickelt den Auserwählten um den kleinen Finger", beendete George.
„Aufstand?", fragte Harry, der Ginny noch immer umarmte und nicht im Traum daran dachte, sie loszulassen. Dass er sich ja eigentlich von ihr getrennt hatte, ignorierte er einfach mal. „Wer klärt ihn auf?", fragte Bill in die Runde. „Ich!", rief Fred und begann: „Also, mein Kleiner, wenn sich ein Junge und ein Mädchen sehr lieb haben". „Silencio!", ging Remus dazwischen und bedachte Fred mit einem vorwurfsvollen Blick. Dann wandte er sich fragend an Sev: „Willst du es ihm nicht erklären? Immerhin hast du das hier ja alles erst ermöglicht und bist der Einzige, den Albus in seine Pläne vollständig eingeweiht hat". Sev nickte zustimmend und schlug vor, sich an den Tisch zu setzen. Als alle Platz genommen hatten (Ginny auf Harrys Schoß), begann er zu erzählen.
„Nun, Harry, Albus hat vorausgeahnt, dass das Ministerium sich auf die Dauer nicht gegen Voldemort behaupten könnte und hat Vorkehrungen getroffen. Das, was du hier siehst, ist der harte Kern des Phönix-Ordens oder anders ausgedrückt, wir sind die, die noch zu kämpfen bereit sind. Fawkes hatte den Auftrag, die Spreu vom Weizen zu trennen, wie die Muggel das ausdrücken. Dann hat er mit Alastor diejenigen kontaktiert, die du hier siehst. Zu unserer großen Überraschung hat er auch einige Leute ausgewählt, die in keiner Verbindung zum Orden standen. Da ist zunächst Rufus, der wohl eingesehen hat, dass seine bisherigen Aktionen nichts gebracht haben. Fawkes hat ihn in letzter Sekunde gerettet, er hat ihn direkt vor Voldemort Augen aus dem Ministerium geschafft. Rufus steht jetzt auf der Fahndungsliste des neuen Regimes auf Platz zwei, direkt hinter dir und gefolgt von meiner Wenigkeit.
Dann, und das war ein echter Schock für uns, brachte er heute Morgen Bellatrix Lestrange, Narzissa Malfoy und ihren Sohn Draco hierher".
Harry sprang mit einem lauten: „Was?" auf und beachtete nicht, dass er dadurch Ginny von seinem Schoß auf den Boden beförderte. Er bemerkte den Blick, den ihm die Rothaarige zuwarf, zu seinem Glück nicht, sonst hätte er sich wirklich Sorgen gemacht. Und das zu Recht, denn Ginny dachte gerade ernsthaft darüber nach, ihn in einen Homo Kastratus zu verwandeln, aber ihr fiel noch rechtzeitig ein, dass sie sich damit ja ins eigene Fleisch schnitt. Sie griff nach Bills Hand und ließ sich hoch ziehen, dann rieb sie ihren schmerzenden Hintern. Harry bemerkte das und murmelte eine Entschuldigung, aber das reichte Ginny nicht. Sie trat an ihn heran und flüsterte ihm ins Ohr: „Entschuldigen reicht nicht, mein Lieber, du schuldest mir ausgiebige Streicheleinheiten, wenn wir alleine sind". Harry wurde knallrot und wieder einmal wurde über ihn gekichert, was ihn sich wünschen ließ, die ganze Bande ungestraft verfluchen zu können.
„Bevor du jetzt an die Decke gehst, lass es mich erklären, Harry", sagte Sev und wartete kurz ab, bis Harry sich wieder etwas beruhigte. Dann fuhr er fort: „Bellatrix war nicht sie selbst, war es eigentlich nie, denn schon als kleines Kind wurde sie von ihren Eltern mit Kontrollflüchen belegt. Später übernahmen Rodolphus und Voldemort die Kontrolle über sie. Nachdem wir die Flüche gebrochen haben, ist sie zusammen gebrochen, da wurde ihr nämlich erst bewusst, was sie getan hatte und das entsprach nie ihrem Naturell. Ich habe ihr die schlimmsten Erinnerungen aus dem Kopf geholt, aber sie wird sich ihnen nach und nach stellen müssen, um sie zu verarbeiten und endlich sie selbst zu werden".
Stand sie unter dem Imperius?", fragte Harry. „Nein, der Fluch, unter dem sie stand, ist viel subtiler und uralt. Eigentlich gilt er in der heutigen Zeit als Legende, aber die Familie Black hat eine Bibliothek, in der etliche Bücher stehen, die mehr als nur schwarzmagisch sind. Dieser spezielle Fluch ist mit dem Imperius nicht zu vergleichen. Wenn du unter dem Imperius stehst, erhältst du deine Befehle und findest alles gut und richtig, was man dir befiehlt, es interessiert dich eigentlich gar nicht. Der andere Fluch beeinflusst deine Einstellung. Wenn ich den Fluch auf dich anwenden würde, könnte ich dir zum Beispiel einreden, dass du Muggel und Muggelgeborene hasst und dich deshalb Voldemort anschließen willst. Du würdest genau das tun, ohne je daran zu zweifeln, ob du das aus eigenem Antrieb tust. Was glaubst du, warum Bella immer so irre und fanatisch gewirkt hat? Sie war praktisch als Vorzeige-Todesserin programmiert, außerdem als Geliebte Voldemorts. Diese Erinnerungen waren die Schlimmsten, ich habe sie alle aus ihrem Geist geholt", sagte Sev und Harry begann die Frau, die seinen Paten auf dem Gewissen hatte, zu bemitleiden. Er hätte sich nie vorstellen können, dass Voldemort überhaupt ein Sexualleben hatte, aber dass seine Vorstellungen von Spaß für die Frau nicht gerade angenehm waren, das konnte er glauben. „Und was ist mit Narzissa?", fragte er. „Kontrollfluch von Lucius, aber zum Glück ist ihr Voldemort erspart geblieben. Bei Draco war es etwas anders, er war nicht verflucht, aber Lucius ist ein großartiger Manipulator, er hat ihn mit Geschenken in einen kleinen, eingebildeten Snob verwandelt. Wenn er aber einmal nicht so funktioniert hat, wie der liebe Lucius es gerne gehabt hätte, sah er sich plötzlich dem falschen Ende von Lucius Zauberstab gegenüber. Was dabei herauskam, hast du in Hogwarts kennen gelernt", erklärte Sev. „Und wieso ist er hier, wenn er doch so auf Lucius und seine Ideale schwört?".
„Weil er hier die einzige Chance zum Überleben sieht. Bei Voldemort ist er in Ungnade gefallen, weil er seinen Auftrag, Albus zu töten, nicht erfüllt hat. Das Ministerium steht unter der Kontrolle Voldemorts, also ist das auch keine Option. Und Draco ist nicht so begeistert von Voldemorts Zielen, wie du glaubst. Er glaubte früher, dass ein Malfoy über allem steht, so wie Lucius es ihm eingetrichtert hatte. Als er aber einmal seinen vergötterten Vater sah, wie er vor Voldemort gekrochen ist und dessen Robe geküsst hat, begann er nachzudenken. Er begann die Ziele des dunklen Ordens zu hinterfragen und er ist nicht dumm. Dann passierte etwas, das ihm vollständig die Augen geöffnet hat. Voldemort verlangte von Lucius, ihm Draco für dessen Versagen auszuliefern und Lucius hätte es wirklich getan, wenn Fawkes nicht eingegriffen hätte. Seitdem hasst Draco seinen Vater. Auch wenn du es mir nicht glauben wirst, Draco hat sich bei Hermine und Ginny für sein Verhalten entschuldigt. Und er hat es ernst gemeint", sagte Sev und Harry schaute verblüfft erst Ginny, dann Hermine an. Die beiden Mädchen nickten bestätigend und Harry schüttelte ungläubig den Kopf. „Doch Harry, Sev hat Recht und irgendwie ist Draco richtig umgänglich geworden. Bitte, gib ihm eine Chance!", sagte Hermine fast flehend.
„OK, eine Chance bekommt er, aber nur eine. Wo ist eigentlich der Rest deiner Familie, Gin?" Ginny strahlte ihn an, als er ihren Kosenamen verwendete, aber dann wurde ihr Gesicht sehr böse. „Was von meiner Familie noch von Bedeutung ist, sitzt hier an diesem Tisch. Meine Eltern wollten, dass ich dich fallen lasse und Ron, dieses feige Aas, ist ganz ihrer Meinung. Als Alastor im Grimmauldplatz war, um mit ihnen zu reden, haben sie ihm die Hölle heiß gemacht. Sogar Hermine wollten sie verbieten, sich uns anzuschließen, obwohl sie volljährig ist und nicht einmal zur Familie gehört. Es ging über Stunden, Mum hat mir und Hermine die Hölle heiß gemacht, Ron hat sich daran beteiligt und dann einen Eifersuchts-Anfall bekommen, als Hermine sagte, dass sie auf jeden Fall an deiner Seite kämpfen will. Es war wirklich schlimm, aber dann kam Fawkes und hat uns hierher gebracht, dann hat er auch Charlie, Bill und Fleur geholt. Die durften sich noch das Geschwafel meiner Mutter anhören, dass es besser gewesen wäre, wenn Ron sich nie mit dir angefreundet hätte. Du würdest unsere Familie in Gefahr bringen und deinetwegen wären wir ins Visier der Todesser geraten. Dass du Ron und mich schon mehrfach gerettet hast, hat sie wohl vergessen", erzählte Ginny bitter.
In diesem Moment ging ein Alarmzauber los. „Mist, sind die schnell! Harry, gewährst du uns allen Zugang zu Godrics Hollow?" fragte Sev hastig. „Ja, natürlich!", antwortete Harry. „Gut. Fawkes, du hast es gehört, bring alle dahin, dann hol mich als Letzten ab, ich sammele unser Gepäck ein!", forderte Sev den Phönix auf. Fawkes gurrte zustimmend und bevor Harry es sich versah, war Fawkes auf seine Schulter geflogen und hatte ihn teleportiert. Fawkes war schnell, keine 2 Minuten später hatte er Sev als Letzten im Garten von Harrys Elternhaus abgesetzt. Fleur, Narzissa und Draco sah man an, dass sie geschlafen hatten, sie wirkten reichlich desorientiert. Bellatrix war überhaupt nicht zu sich gekommen, sie lag regungslos im Gras, wurde aber direkt von Winky, die plötzlich aufgetaucht war, in einen Schwebezauber genommen. „Willkommen in ihrem Haus, Mr. Potter, Sir!", sagte die kleine Elfe strahlend. Plötzlich kippte Harrys Welt, denn ein mehr als begeisterter Hauself umklammerte seine Beine und schluchzte wild vor sich hin. „Schon gut, Dobby, ich freue mich auch, dich zu sehen, aber dürfte ich bitte wieder aufstehen?", fragte Harry amüsiert. „Verzeihung, Harry Potter, Sir!", rief Dobby und ließ Harrys Beine los. Harry rappelte sich auf und schaute sich um. Sie standen vor einer schäbig aussehenden Backsteinmauer mit einem verschlossenen, rostigen Gittertor. Als Harry durch die Gitter spähte, sah er etwas, für das das Wort Ruine noch geschmeichelt wäre. Einige Mauerreste, die sich in den Nachthimmel streckten, Scherben und Steinbrocken auf dem verwilderten Rasen und einige tote Bäume. „Ich dachte, Dobby und Winky hätten das Haus wieder aufgebaut, Sev", sagte Harry verwundert. „Haben sie auch, öffne doch einfach mal das Tor", gab Sev belustigt zurück.
Harry trat näher und drückte die Türklinke hinunter. Er musste Kraft aufwänden, um das Tor zu öffnen, dass nicht nur sehr schwergängig war, sondern auch entsetzlich quietschte. Kaum hatte Harry einen Schritt in das Grundstück getan, stockte er und rieb sich die Augen. Keine Ruine mehr, kein verwilderter Rasen und abgestorbene Bäume. Nun war da ein geschmackvolles, weiß gestrichenes, zweistöckiges Haus, das mitten in einem gepflegten Garten stand. „Was du zuerst gesehen hast, war nur eine Illusion, die dem entsprach, wie es hier bis vor einigen Monaten ausgesehen hat. Für Außenstehende sieht es immer so aus, auch kann man von außen keine Personen sehen, die sich auf dem Grundstück befinden. Unsere beiden kleinen Freunde haben hier fantastische Arbeit geleistet, findest du nicht?", meinte Sev. Harry konnte nur zustimmen und schnappte sich die beiden gerührten Hauselfen, um ihnen eine Umarmung in Molly-Stärke zu verpassen.
Da ertönte plötzlich Motorengeräusch. Zwei einzelne Lichter bewegten sich auf der Straße auf sie zu, offenbar waren es Motorräder. Harry wollte seine Begleiter auf das Grundstück drängen, aber Sev hielt ihn zurück. „Warte, ich glaube, die wollen zu uns", sagte er. Harry schaute ihn verwirrt an, da waren die beiden Motorräder schon heran und bremsten direkt vor ihnen ab. Auf dem vorderen Motorrad saß ein hochgewachsener, langhaariger und noch sehr junger Mann, der nun abstieg und sich genüsslich streckte. Dann tat er etwas, was Harry glauben ließ, dass der junge Mann lebensmüde wäre. Er trat auf Sev zu, tätschelte dessen Wange und sagte grinsend: „Hallo Sev, du Traum meiner schlaflosen Nächte. Hast du schon von der neuen Erfindung der Muggel gehört? Nennt sich Haarshampoo, solltest du mal ausprobieren". Harry erwartete gleich das grüne Licht des Avada Kedavra zu sehen, aber er sollte dich täuschen. Sev grinste nur schwach und antwortete:" Denk dir mal was Neues aus, Brian, der ist schon alt. Aber ich freue mich, dich zu sehen, uns hat nämlich noch ein abschreckendes Beispiel gefehlt". Brian gähnte gekünstelt und meinte: „Noch älter, den habe ich schon in der Cheops-Pyramide gesehen".
Plötzlich lachten die beiden Männer und umarmten sich herzlich, eine Geste, die Harry Sev nie zugetraut hätte. Nachdem sie sich los gelassen hatten, sagte Sev laut: „Darf ich euch mit dem größten Missvergnügen Brian Dumbledore vorstellen? Albus war sein Ururgroßonkel und jetzt ist er hier, um uns beizustehen, oder, was ich eher glaube, uns auf die Nerven zu gehen". In der Zwischenzeit waren die beiden Fahrer des anderen Motorrades abgestiegen und hatten sich der Gruppe genähert. Einer davon erwies sich als eine sehr attraktive, junge Frau, als sie den Helm abnahm und ihre langen, schwarzen Haare ausschüttelte. Der andere war ein Mann und als er den Helm abnahm, hatte Harry das Gefühl, man hätte ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. „Sirius!", krächzte er und dann wurde es dunkel um ihn herum.
