Eine Kneipe betretend ließ Eden ihren Blick, nach June suchend, über die Gäste gleiten. Allerdings konnte die Piratin ihre Freundin nicht entdecken, also setzte sie sich an den Tresen und bestellte sich einen Rum. Hmm, wollte June nicht eigentlich schon hier sein?, dachte die junge Frau und nahm einen Schluck von ihrem Getränk. „Hey Kleine, was machst du denn hier so alleine?", kam es von der Seite und Eden warf einen kurzen Blick auf den Fragenden. Eine großer, blonder Mann der allem Anschein nach schon einiges intus hatte. Den Typen ignorierend widmete sich die Lilahaarige wieder ihrem Drink und versank in Gedanken. Doch dieser war über dieses Verhalten gar nicht begeistert und packte die junge Piratin am Arm. „Hey hast du nicht gehört? Ich rede mit dir!" Abwertend blickte Eden der Mann an und meinte: „Ich aber nicht mit dir." Damit wollte sie ihren Arm zurückziehen, was dem anderen jedoch nicht passte. Mit einem Ruck hatte er das Körperteil an sich gerissen, was zur Folge hatte, dass die junge Frau ihr Glas durch die Gegend schleuderte und damit einen anderen Gast traf.

„Ey, sag mal spinnst du?", keifte der nun der nasse Gast und erhob sich von seinem Hocker. „Entschuldigen sie bitte, aber dieses Rindvieh hier hat Probleme mit seinen motorischen Fähigkeiten.", entschuldigte sich Eden und deutete mit der freien Hand auf den Rüpel, welcher perplex neben ihr stand.

„Dir hab ich also diese Schweinerei hier zu verdanken?", fragte der Typ, der den Rum abbekommen hatte und baute sich bedrohlich vor den beiden Personen auf. Oh oh, Zeit zu verschwinden.

Doch noch immer hielt das von ihr betitelte Rindvieh einen ihrer Arme fest, was es ein wenig erschwerte ihre Gedanken in die Tat umzusetzen. „Alter, halt mal den Ball flach. Ich war grad mit dem Püppchen hier zu Gange, also verzieh dich.", meckerte nun der blonde Mann und wandte sich wieder der jungen Piratin zu. „Also meine Kleine, wie wärs wenn wir hier verschwinden würden?" Anzüglich grinsend zog er erneut an ihrem Körper, sodass sie vom Barhocker genau gegen seinen stinkenden Oberkörper fiel. Oh, ich sterbe. Der stinkt!

Sich umdrehend, wollte der Kerl gerade ansetzten zu gehen und Eden dabei mit sich zuziehen, als ihm der geschädigte Gast an die Schulter tippte. Den Kopf wendend, wollte der Besoffene etwas erwidern, fand sich jedoch von einer Faust getroffen plötzlich am Boden wieder. In seinem Schreck die junge Frau loslassend, taumelte diese durch den unerwarteten Stoß etwas, ehe sie an einem Tisch zum Halten kam.

Sich kopfschüttelnd auf einen freien Stuhl plumpsen lassend, bestellte Eden sich einen Latte Macchiato und beschloss trotz der gerade stattgefundenen Barprügelei weiter auf June zu warten. An dem heißen Kaffeegetränk nippend, schrak die junge Frau plötzlich auf, als sie eine Stimme neben sich vernahm.

„Das war ja eine sehr interessante Prügelei. Falls du es wissen magst, der Nüchterne hat dem Besoffenen die Nase gebrochen und ist dann sauer abgezogen. Nun hat er auch noch Blutstropfen aus seinem Hemd."
Den Kopf drehend, um zu sehen wer sie da einfach so ansprach, erblickte sie eine junge Frau in einem violetten Korsagenkleid, welches knapp bis zu den Knien reichte. Der violette Grundstoff wurde von einem schwarzen, Spitzenstoff überzogen, der das Kleid dunkler wirken ließ und perfekt auf die dunklen, brombeerfarbenen Haare abgestimmt war, welche glatt und schulterlang das ebenmäßige Gesicht rahmten. Die dunkelroten Lippen zu einem Lächeln verzogen, sah die Frau Eden aus rotgoldenen Augen schelmisch an, ehe sie sich einen Stuhl heranzog und gegenüber der verdutzten Piratin Platz nahm. Die langen Beine geschäftsmäßig übereinander schlagend, kamen die passend zum Kleid schwarz-violetten HighHeels zu voller Geltung und ließen eben jene Körperteile noch eleganter wirken. Kurz schluckend musterte Eden den mysteriösen Neuankömmling, ehe sie höflich fragte: „Was kann ich für sie tun?"

Ein helles Lachen erklang. „Meine Liebe, die Frage ist wohl eher, was… kann ich für dich tun?" Verwirrt sah die Piratin ihr Gegenüber an und verstand nicht wirklich, was dieses meinte. Ihr war diese Frau unheimlich. Sie wirkte auf die Lilahaarige, als ob sie ziemlich viel Macht in ihren Händen hielt.

Eden eine perfekt manikürte Hand entgegen haltend, meinte die Frau: „Kyu Matsomoto. Und mach den Mund zu Kleines sonst ziehts!"

Eden, der während der Vorstellung, der Mund aufgeklappt war, schloss diesen, aufgrund des Hinweises schnell, konnte jedoch ein gebanntes Anstarren nicht verhindern. Sie kannte den Namen. Hatte ihn ein paar Mal gehört. Immer wenn Marco neue Bestellung von Whitebeards Spezialsake aufgab. Aber das vor ihr….war ja eine…eine Frau. Die Piratin dachte immer, dass das ein Mann war, weil Kyu Matsomoto den kompletten Schwarzmarkt beherrschte.

„Ähmmm…sie sind…sie sind ja eine Frau", kam es fassungslos von Eden. Na toll. Jetzt hält sie dich für eine totale Bekloppte. Gut gemacht, Eden., schalt sich die junge Frau innerlich.

„Oh du kennst mich? Hmmm ich könnte mich nicht entsinnen, dich zu meinem Kundenstand zu zählen. Obwohl ich hoffte, dass du es vielleicht werden würdest", sagte Kyu und gab mit einem Winken ihres Fingers, dem Wirt zu verstehen, dass sie einen Cocktail wünschte.

„Wie?" Einem Goldfisch ähnelnd, saß die junge Piratin nun da. Sie? Will MICH als Kunden?

„Liebchen, du siehst wie eine vielversprechende Piratin aus. Und ich helfe Anfängern gerne mal auf die Sprünge", erzählte Kyu im Plauderton und nahm mit einem entzückten Lächeln ihre Bloody Mary in Empfang. „Danke schön!" Und der Wirt lag mit Nasenbluten am Boden. Wow. Die hat's drauf. Aber woher weiß sie dass ich Piratin bin?

„Ganz einfach. Ich erschnüffel Piraten zwei Meilen gegen den Wind", grinst Kyu und nahm, nachdem sie ihre Getränk reichlich mit Tabasco gewürzt hatte einen tiefen Schluck.

Kann die etwa Gedanken lesen? Misstrauische beäugt von Eden, stellte die Schmugglerin ihr Glas ab und sah der Piratin direkt in die Augen. „Nein kann ich nicht", meinte sie ruhig, „Aber ich bin gut in der Interpretation von Gesichtern und dich, meine Liebe, kann man lesen wie ein offenes Buch. Kleiner Tipp: Wenn du erfolgreich werden willst, dann solltest du deine Mimik unter Kontrolle bekommen. Die verrät nämlich so einiges über die jeweilige Person."

Perplex sah die Lilahaarige die junge Frau an. Man konnte sie lesen wie ein offenes Buch? Und dabei hatte sie gedacht, durch das intensive Training mit June, wäre diese Schwäche nicht mehr ganz so offensichtlich... Ein resigniertes Seufzen entwich ihren Lippen. Sie musste wohl noch etwas härter an sich arbeiten.

„Also noch mal zurück, du kennst mich? Darf man erfahren woher?" Den Kopf schief legend, sah Kyu Eden an und wartete auf eine Antwort. „Ähmmm…ähh…", stotterte diese, „der Opa. Der… ähh….Spezialsake."

„Oha. Ein Saufkunde also….hmm Spezialsake, also. Das verringert den Kreis potentieller Personen. Hmm…"

Ihr Kinn auf eine der feingliedrigen Hände ablegend, musterte sie die Piratin eingehend. „Aber da, nur einer von diesen Personen Frauen an Bord hat, kannst du nur von Whitebeard stammen. Wie merkwürdig. Ich hatte gar nicht gehört, dass sich das eine neue Piratenmannschaft bildet…es sein denn…..hmmm."

„Es sei denn?", fragte Eden neugierig, aber auch panisch, da diese Dame offensichtlich wusste woher sie kam. „Es sei denn… du bist das kleine Mädchen, das vermisst wird…. Stimmt's oder hab ich Recht, Eden?", schmunzelt Kyu und nahm erneut einen Schluck ihres Getränks. Erschrocken starrte die junge Frau ihr Gegenüber an und machte sich bereit zu rennen, als Kyu erneut ansetzte. „Keine Sorge. Ich hab hege nicht die Absicht, dich zurück zu bringen. Außerdem wäre das schlecht fürs Geschäft! Naja, ich muss dann auch mal wieder." Die Bloody Mary austrinkend, zog sie einige Berry und eine Visitenkarte hervor. Die Berry auf den Tisch fallen lassend, streckte sie Eden die Karte entgegen, welche diese perplex entgegennahm. „Dein Kaffee geht auf mich. Einfach anrufen, wenn du was brauchst. Bis dann.", verabschiedetet Kyu sich und wandte ihren Körper gegen Ausgang, ehe sie sich noch einmal mit einem wissenden Zwinkern umdrehte. „Achso.. die sind wohl etwas in Aufruhr über den Verschwinden. Das Hühnchen und die Sommersprosse klangen ganz schön sauer. Tschau." Damit verschwand die junge Frau endgültig aus der Kneipe und ließ eine verdutzte Eden zurück.

„So?" June legte nachdenklich den Kopf schief, als Eden ihre Geschichte über die seltsame Begegnung am Morgen beendet hatte.

„Kennst du sie?" Eden wippte noch immer aufgeregt auf ihrem Stuhl herum und sah die Kopfgeldjägerin neugierig an. Junes Lippen verzogen sich zu einem amüsierten Grinsen. „Kann man wohl sagen... Sie gehört zu meinen begehrtesten Beutestücken." Sie zwinkerte der verblüfften Piratin verschwörerisch zu. „Oder hast du etwa nicht gewusst, dass auf ihren Kopf eine Unsumme von sagenhaften 550 Millionen Berry ausgesetzt ist?" Edens Kiefer schlugen mit einem gewaltigen Rums auf der Tischplatte auf. „Echt jetzt?" In ihrem Kopf ratterte die Zahl wieder und wieder durch die Gehirngänge. „Das macht sie ja...zu der meistgesuchten Frau weltweit!" June nickte belustigt. „Nur dass kaum jemand weiß, dass sie weiblich ist. Sie ist eine echte Herausforderung." Die Kopfgeldjägerin nippte mit einem nostalgischen Lächeln an ihrem Sake. „Wirklich nicht einfach zu fangen."

Später Nachmittag, beim Kartenspielen.

„Ok dein Einsatz, Kleine", verlangte June und nahm einen Schluck aus der Sakeflasche. Nachdenkend legte die Angesprochene den Kopf schief und ging durch, was sie noch anzubieten hatte. Alles Unwichtige hatte sie bereits gesetzte und ihm letzten Spiel verloren. „Wie wärs damit, ich knutsch den ersten Typen der `ne Feder trägt?", fragte Eden und sah die Kopfgeldjägerin erwartungsvoll an. Diese überlegte kurz und stimmte dann zu. Hei das würde ein Spaß werden. Gut gemischt wurden die Karten erneut ausgegeben und nach kurzer Zeit hieß es von der Schwarzhaarigen: „Mau Mau."

Grinsend sah die Frau ihre Begleiterin an, die fluchend die restlichen Karten auf den Tisch warf. „Gewonnen. Pay Up!", rief die Kopfgeldjägerin aus und zog die Lilahaarige aus dem Wirtshaus auf die Straßen, um den Wetteinsatz einzulösen. Doch weit und breit kein Mann mit Feder in Sicht. Mist! Warum musste ich mich auf so etwas einlassen. Nen Mann mit Federn. Lol wo soll der denn herkommen?, dachte June mürrisch und drehte sich um die eigene Achse. Genau in diesem Moment sah sie ihn. Den Mann, mit der Feder. Fies grinsend zupfte die Schwarzhaarige die Piratin am Ärmel und deutet auf den Mann. Mit aufgerissenen Augen guckte Eden den Fremden an. Fuck. Und ich dachte, die Feder sei abwegig genug gewesen, schalt die Lilahaarige sich innerlich. „Hehe, na dann mal los" Mit diesen Worten schubste die Kopfgeldjägerin ihre Freundin in Richtung des Unbekannten.

Mihawk Dulacre, auch genannt Falkenauge, wanderte, dass schöne Wetter genießend, durch die Straßen der Stadt. Sein Plan für heute: Das Wetter bei einem Spaziergang genießen, relaxen und dann bei einem delikaten Abendessen eine guten Wein zu kosten. Womit er nicht gerechnet hatte? Eine junge Frau, welche eine absurde Wette erfüllen musste.

Und so stand plötzlich Eden vor ihm und musterte den schwarzhaarigen Mann von oben bis unten. Pfiff, gar nicht mal so übel, dachte die Piratin und fand die Wette mit einem mal alles andere als dämlich.

Währenddessen hatte sich June näher an die beiden Personen herangeschlichen und bekam beinahe einen Herzinfarkt. Sie hatte ihren kleinen Schützling in den Tod geschickt. Denn der Mann mit der Feder war niemand anderes als der Samurai Falkenauge, der beste Schwertkämpfer. Hart schluckend rief die sonst so draufgängerische Frau, alle Mächte an die sie kannte, damit ihre Eden unbeschadet oder wenigstens lebend wieder aus der Sache rauskam.

Diese kümmerte sich jedoch nicht großartig um Junes Fürbitten und bereitete sich darauf vor ihren Wetteinsatz einzulösen. Wer Falkenauge war wusste sie zwar, doch wie der Typ aussah war der jungen Frau nicht bekannt und so war es nicht verwunderlich, dass auch nach gründlichen Mustern des Mannes keinerlei Zweifel an ihrem Geisteszustand anfielen.

Mihawk hingegen wusste nicht ganz was er von dieser Situation halten sollte. Da versperrte ein kleines lilanes Ding seinen Weg, machte allerdings nicht den Eindruck gegen ihn kämpfen zu wollen oder gar gefährlich zu sein. Doch mit dem was dann passierte hatte niemand gerechnet. Eden stellte sich auf die Zehenspitzen und gab dem verdutzen Samurai einen Kuss genau auf die Lippen. Hoppla, dachte Falkenauge und musste sich stark zusammenreißen, dass ihm seine coolen Gesichtszüge nicht entglitten. Ich bestell schon mal das Begräbnisbouquet, waren Junes innere Worte. Und Eden, die mit ihrer Zunge kurz über die geschlossenen Lippen des Schwertkämpfers fuhr dachte nur: Hmm Lecker! Den Kuss beendend, wünschte die Piratin ihm noch einen schönen Tag und hüpfte fröhlich pfeifend in Richtung June davon. Diese konnte nicht wirklich glauben, was da gerade passiert war. Dieses kleine, verzogene Etwas hatte doch tatsächlich den großen Mihawk Dulacre abgeknutscht und es überlebt. Und das Opfer selbst? Das fuhr sich mit einem Finger an seine Lippen und berührte diese ungläubig bevor sich ein kleines, kaum wahrzunehmendes Grinsen auf jene stahl. Dreist. Sehr dreist, aber ….interessant, dachte Mihawk, bevor er seinen unterbrochenen Tagesablauf wieder aufnahm.

„So erledigt", sagte Eden fröhlich, als sie ihre Freundin in der Menge fand, welche die junge Frau nur ungläubig anstarrte. „Hast du auch nur irgendeinen blassen Schimmer, wen du da gerade abgeschleckt hast?", fuhr die Schwarzhaarige die Piratin an, zog diese am Arm und machte dass sie so schnell wie möglich Land gewannen. „Öhmm nö! Sollte ich?" fragte Eden etwas verdatterte über die plötzliche Laune ihrer Begleiterin. „Das da, meine Liebe, war Mihawk Falkenauge, einer der sieben Samurai", klärte die Kopfgeldjägerin die Unwissende auf. „Echt jetzt?", fragte Eden mit Sternchen in den Augen, „Ist ja cool." Bei Enel, dachte June und schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.

„Komm jetzt!", bestimmte June, nachdem sie sich von ihrem Schock wegen soviel Naivität erholt hatte. „Was machen wir denn?" Neugierig blickte die Piratin ihre Freundin an, welche sie am Handgelenk gepackt hatte und nun die Straße entlang zog, immer die Augen offen haltend, um nicht noch einmal dem Samurai über den Weg zu laufen. Wer wusste schon wie dieser auf eine erneute Begegnung reagieren würde.

„Trainieren!" „Aber Junnnn~niee, das haben wir doch schon gestern.", weinte Eden und versuchte sich aus dem festen Griff der Kopfgeldjägerin zu befreien.

„Deine Blase, du Depp!", grinste June hinterhältig, „Als Piratin solltest du schließlich Trinkfest sein…und mehr als nur Mau Mau spielen können."