Holmes
Ich begreife das nicht. Wie konnte das alles nur so enden? In dieser unertragbaren Stille.
Es ist jetzt schon sieben Monate her, und noch immer hat sich das Problem nicht in Wohlgefallen aufgelöst. Ich hatte wirklich gehofft, wenn ich das Thema nicht mehr anspreche, würde sich Watson wieder beruhigen, werde ich mich wieder beruhigen. Fast fürchte ich, dass Gegenteil ist eingetreten. Seit Watson mit diesem Buch nach Hause kam, ist nichts mehr wie es war. Mit mir ist nichts mehr wie es war. Ich schlafe nicht mehr richtig, was ich ohnehin nicht sehr häufig fertig bringe. Aber wenn gerade mal kein Fall meinen Kopf beschäftigt, drängen sich Gedanken und Wortfetzen in meinen Verstand und wühlen meine Gefühlswelt auf - es treibt mich um.
Dieses verdammte Buch! Wie dumm war ich nur, Watson es zu entreißen. Meine Neugier war in diesem Fall nur schadhaft. Desaströs!
Ich kann gar nicht sagen wie es am Ende dazu kam, dass wir uns Aug in Aug, Körper an Körper gegenüber standen. Dieser Moment, seine Blicke, ich konnte seine Zuneigung sehen. Welche Versuchung. Für einen Bruchteil des Augenblicks war ich drauf und dran mich zu ihm zu beugen, seinem drängen nachzugeben... Aber es durfte nicht sein. Es darf nie sein!
Ich bin kein Liebender, ich würden dem armen Watson nur noch mehr Schaden als bisher zufügen. Das könnte ich nicht ertragen, dafür sind meine Gefühle viel zu stark, aber ich darf Sie nicht zulassen. Um seinetwillen und auch um meinetwillen. Für so ein Leben bin ich nicht gemacht, ich habe keine Kenntnis von dieser Art von Gefühlen.
Vielleicht wird es Zeit einen Schnitt zu machen. Watson jeden Tag zu sehen und zu merken, dass etwas zwischen uns steht, dass wird auf Dauer nicht funktionieren. Obwohl der Gedanke äußerst schmerzlich ist, hat sich in den letzten Tagen öfter der Impuls aufgedrängt, dass eine Trennung sinnvoll wäre.
Wenn Watson die Baker Street verlässt, wird es anfänglich für uns Beide ungewohnt sein, aber die Zeit wird die Wunden heilen. Das hat sie schon immer getan.
Morgen früh werde ich Ihn als aller erstes darüber in Kenntnis setzen, dass wir nicht mehr zusammen die Baker Street bewohnen können und er gehen muss.
Ich fürchte, dass wir dem Ende entgegen gehen.
