Hallo!
Aus verschiedenen Gründen habe ich den Titel der Story geändert.
Aus „Schatten der Vergangenheit" wird „Objects in the rear view mirror" ...
Auch für dieses Kapitel danke ich meinen beiden Betaleserinnen Nici Cavanaugh und Callista Evans! Ich seid die Besten!
Vielen Dank für Eure lieben Reviews:
Crimegirl, black-eyed-april, Kira Gmork, Nici Cavanaugh und Callista Evans!
Eine Runde Butterbier, Kekse, Chips, Muffins und Kuchen für alle!
Ich hoffe, Euch gefällt auch das nächste Kapitel!
Still haven´t found ...
Grenzgänger.
Sie sind zahlreich in der Zaubererwelt; sie sind zahlreich in der Muggelwelt.
Zwischen uns, unter uns allen ...
Meistens unerkannt.
Und Grenzgänger sind sie wirklich ...
Grenzgänger zwischen Magie und „Normalität".
Grenzgänger zwischen Zauberern und Muggeln.
Grenzgänger zwischen zwei Welten.
Sie würde nie ganz zu einer der beiden Welten gehören, das wusste Hermine.
Aber sie war ein Bindeglied zwischen den Welten und ein Teil beider Welten.
Sie würde nie Karriere machen mit dieser Arbeit, das wusste sie auch. Sie würde nie reich werden.
All das waren Dinge, die ihr schon lange nicht mehr wichtig waren. Zu viel hatte sie schon gesehen und erlebt.
Aber sie selber war wichtig. Sie hatte eine Aufgabe.
Lange genug hatte sie nach dem Sinn des Lebens gesucht.
Versucht, mit sich selber klar zu kommen.
Herauszufinden, was sie wirklich wollte.
Mit sich selbst ins Reine zu kommen ...
Jetzt, hier, bei der Arbeit als Grenzgänger hatte sie eine Beschäftigung gefunden, die sie in mehrfacher Hinsicht forderte.
Sie arbeitete im Auftrag des Zaubereiministeriums für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Zauberern und Muggeln. Und sie arbeitete für den Verlag in der Politikredaktion, sie bildete Meinungen, sie bewirkte etwas, sie arbeitete an einer besseren Welt.
Sie bewirkte etwas ...
Das alleine zählte.
Schon seit Jahren arbeitete Hermine Granger im Auftrag des Zaubereiministeriums in einem kleinen Verlag in New York, gab Informationen ans Ministerium weiter, steuerte gezielt Informationen, die in die Muggelwelt gelangen sollten.
Sie war ausschließlich von Muggeln umgeben.
Nur durch wenige Tage, die sie als „Extrafortbildungsurlaub" bezeichnete und die sie beim Ministerium verbrachte, unterschied sie sich von ihren Kollegen.
Es war ein kleiner Verlag, nur lokalpolitisch orientiert, und eigentlich nicht besonders interessant oder wichtig. Aber Hermine fühlte sich wohl.
Nach dem Kampf, dem Sieg über Voldemort, hatte sie ihr bisheriges Leben auf einmal nicht mehr ertragen können.
Nicht, dass sie etwa einen wirklichen Grund zur Flucht gehabt hätte.
Nein.
Aber sie spürte, dass die Zeit für eine Veränderung gekommen war.
Und so ging sie, packte ihre Sachen, und verließ das Land ...
Ob es Harry war, den sie nicht mehr ertragen konnte und wollte?
Harry, der als ein großer Held gefeiert wurde und erfolgreich als Auror arbeitete? Nein, die vergangenen zehn Jahre hatte sie den Kontakt zu ihrem ehemaligen Schulfreund nie abbrechen lassen, sorgfältig gepflegt.
Ob es das Gedenken an den gemeinsamen Freund Ron war?
Manchmal verspürte Hermine noch ein latent schlechtes Gewissen gegenüber ihrem toten Klassenkameraden, weil sie seine Kinderliebe nie wirklich und echt erwidert hatte. Noch immer sah sie die Enttäuschung auf dem sommersprossigen Gesicht, die Kränkung, als sie ihm erklärte, dass sie seine Gefühle schon lange nicht mehr erwiderte.
Nein – eigentlich konnte es auch das nicht sein. Schnell hatten Hermine und Ron einen Weg gefunden, mit den Gefühlen umzugehen, schnell waren sie wieder zu guten Kameraden geworden.
Nein – daran konnte es auch nicht liegen ...
Aber woran sonst?
Lag es an ... konnte es an dem Mann liegen, der ihre Liebeserklärung genau so zurückgewiesen hatte, wie sie kurz zuvor Rons? ... nein, das war einfach zu blödsinnig, um darüber nachzudenken. Vielleicht hätte es ein Grund sein können, aber Hermine kämpfte den Gedanken rasch nieder. Er war tot, ebenfalls tot, gefallen im letzten großen Kampf.
Gelegentlich dachte die dunkelhaarige junge Frau darüber nach, wenn sie sich morgens mit ihrem geliebten alten Auto auf den Weg zur Arbeit machte.
Wie viel einfacher wäre ein Leben nur unter Zauberern, ein Leben mir Magie ...
Doch sie liebte ihre Arbeit, und lebte nur für ihre Arbeit …
Und heute, heute würde ein besonders unangenehmer Tag werden, das war vorhersehbar.
Schon seit Monaten wurde die ... finanzielle Lage des Verlages diskutiert.
Seit Monaten drohte dem kleinen, privaten Verlag das Aus, die Entlassung der Mitarbeiter.
Nicht dass Hermine wirklich Angst um ihren Lebensunterhalt hätte haben müssen – schließlich war ja das Zaubereiministerium ihr eigentlicher Arbeitgeber – aber sie sorgte sich um die liebgewonnen Kollegen, um den Verlag, die Institution an sich ...
Der Verlag, ihre Arbeit waren der Sinn ihres Lebens.
Schon als sie das Gebäude betrat, nahm sie eine gespannte Atmosphäre, die gereizte Stimmung wahr.
Als sie den Mantel ablegte, zischte ihr ihre Freundin Jenny vom Schreibtisch gegenüber zu: „Zieh bloß den Kopf ein, der Chef hat heute ein neues Angebot von einem Interessenten bekommen ..." Hermine seufzte.
„Die Schlinge zieht sich langsam zu, mh?"
„Ja, aber diesmal sieht es wirklich schlecht für uns aus ..."
Hermine blickte ihr Gegenüber an. „Schlechter als sonst?"
„Mh ... Young."
„Oh ... ." Wie ein Schwert hing der Name des Medienmoguls in der Luft. Fast greifbar standen die Worte im Raum geschrieben.
Seit einigen Jahren stand der Name „Young" für einen stetig wachsenden Verlagskonzern, der kleinere Verlage aushungerte, aufkaufte und seiner konservativen Linie anpasste ...
Gegen die durchdachte wirtschaftliche Taktik, gegen das finanzielle Polster des Namen „Young" hatte der kleine, vertraute Familienbetrieb nicht die geringste Chance. Wenn sich dieser Konzern für den Verlag interessierte, hatten sie bereits so gut wie verloren.
Es war eine Chance, dass der Verlag überleben würde.
Aber die Situation würde sich nicht verbessern.
Auch ihre eigene Situation nicht.
Der alte Verlagsinhaber hatte von ihrem Dasein als Grenzgänger gewusst, sie gefördert und akzeptiert. Mit ihr gemeinsam auf ein gutes, friedliches Zusammenleben zwischen Muggeln und Zauberern gehofft.
Ob ein riesiger, konservativer, auf Geld und Macht ausgelegter Medienkonzern wie Young Grenzgänger akzeptieren würde?
Ob sie überhaupt von den Grenzgängern wussten?
Das Zaubereiministerium hatte bislang noch keinen Kontakt zu der Konzernleitung geknüpft, das hatte Hermine bereits in Erfahrung gebracht. Einige Grenzgänger waren eingeschleust worden, aber es bestand keine Zusammenarbeit mit der Verlagsleitung.
Ein riesiges Medienuniversum wie Young würde wahrscheinlich über diese Bestrebungen lachen, wenn es überhaupt an Magie glauben konnte. Wahrscheinlich würde ein solcher Konzern Zauberer sowieso nach Disneyland schicken ...
Abends darauf rief der Leiter des Familienunternehmens zu einer Konferenz.
Alt sah er aus, der Mann, der nun vor seinen Mitarbeitern stand und den Hermine als energiegeladenen Mittfünfziger kennen gelernt hatte.
„Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, leider muss ich ihnen mitteilen, dass heute Mittag unsere letzten Reserven aufgebraucht worden sind. Uns bleibt keine Möglichkeit mehr als der Verkauf ..."
Ein wildes Gemurmel erfüllte den Saal.
Young hatte gewonnen.
Der Mann am Rednerpult erhob erneut das Wort.
„Ab dem 15. des nächsten Monats leitet Mr. Adam Young diesen Verlag.
Ich möchte mich bei Ihnen allen für die fortwährende Loyalität und Freundschaft bedanken und bedauere den Ausgang dieses Unternehmens. Wie Mr. Young bekannt gab, wird er in den nächsten Wochen diesen Verlag persönlich leiten, um unter anderem die politische Linie zu überprüfen. Wir würden uns freuen, wenn Sie unter der neuen Verlagsleitung genauso motiviert und sorgfältig arbeiten wie bisher. Wir bedanken uns für die vergangenen Jahre."
Der ehemalige Verlagsvorstand trat zurück, verließ schweigend den Saal.
Sch ...
Auch das noch.
In Hermine brodelten die Gedanken. Auch noch ein Aufpasser, ein Maulkorb. Toll, ganz toll.
Der als konservativ bekannte Young – Konzern übernahm mit Vorliebe eher progressive Verlage, um sie „anzupassen".
„Unterwerfen" hätte Hermine als Beschreibung auch passend gefunden ...
Jenny seufzte.
„Immerhin behalten wir so unsere Arbeitsplätze ... oder zumindest ein Teil von uns."
Hermine blickte ihre Freundin an. Diese fügte hinzu: „Du kennst doch meine Freundin Sara, oder?" Hermine nickte. „Die arbeitet doch bei Wilcoxon und Söhne, die sind schon vor Monaten von Young aufgekauft worden. Und sie meint, es wäre gar nicht so schlecht ... Naja, in der ersten Zeit würde er jede Sekunde Tag und Nacht anwesend sein und im Verlag herumhocken und alles überwachen. Wie ein scharfer Hund ... Er scheint ja auch kein anderes Leben zu haben als seine Verlage, sagt Sara. Er sitzt ja selber seit einem Unfall im Rollstuhl. Aber irgendwann würde er sich dann das nächste Spielzeug kaufen und da weiter machen. Sobald er sieht, dass es nach seinen Vorstellungen läuft, geht er und macht weiter. Kauft weiter Verlage auf und scheffelt weiter Geld ... Aber wir haben immerhin Sicherheit für die Zukunft."
Entsetzt sah Hermine ihre Freundin an. Dass man sein Gewissen für Geld und Sicherheit opfern konnte, manchmal musste, hatte die Gryffindor erst in Amerika gelernt.
Aber Jenny hatte eine kleine Tochter, für die sie alleine, ohne Mann, ohne Eltern sorgen musste – Hermine fühlte mit ihr.
„Lassen wir es auf uns zukommen."
Tbc ...
