Hallo!

Dann geht es jetzt also weiter ...

Auch für dieses Kapitel danke ich meinen beiden Betaleserinnen Nici Cavanaugh und Callista Evans! Ich seid die Besten!

Vielen Dank für Eure lieben Reviews:
Hexe Lea, black-eyed-april, Kira Gmork, Nici Cavanaugh und Callista Evans!
Eine Runde Butterbier, Kekse, Chips, Muffins und Kuchen für alle!
Ich hoffe, Euch gefällt auch das nächste Kapitel!

As time goes by

Die Gesellschaft hatte den Verlag aufgekauft, ändern sollte sich für die Journalisten wohl erst mal wenig.

Der Chefredakteur eröffnete die Morgenbesprechung.
Er kündigte für den Mittag die Vorstellung des neuen Besitzers des Verlags an.

„Nächste Woche ändern sich die Besetzungen im Verwaltungstrakt ... wir werden davon nicht berührt..." – „Außer, dass es weniger Geld gibt!", brummte der Hermine am nächsten sitzende Abteilungsleiter für Sport.

„Der neue Vorstand soll ein ganz scharfer Hund sein, habe ich gehört. Noch ganz jung, und ein knallharter Geschäftsmann", sprach der Chefredakteur weiter.

Gemurmel erfüllte den Raum. „Jedenfalls pflegt er die ersten Monate die Verlage persönlich zu betreuen. Er wird uns also direkt auf dem Pelz sitzen", fuhr der Chefredakteur fort, und mit einem boshaften Lächeln Richtung der Sportredaktion, „wir sollten uns also anständig benehmen, verstanden? Also, heute Mittag treten wir alle geschlossen vor den großen neuen Richter. Und jetzt an die Arbeit!"

Nach vier Stunden am Computer betrat der Abteilungsleiter Politik Hermines und Jennys Büro und sah seine Assistenten an. „Ich denke, wir müssen." Mit einem leichten Lächeln fügte er hinzu: „Kann es sein, dass es meinem Kollegen ganz schön stinkt? Er wird weniger Kohle bekommen als die Jahre zuvor, und das weiß er ganz genau. Aber ich denke, das ist unsere Chance, nicht wahr, Kinder?" Hermine lachte ebenfalls und nickte. Wenn der neue Verwaltungschef nicht mehr die Sportredaktion bevorzugte, hatten sie endlich die Chance auf ein vernünftiges Auslandsbudget.

Ihr Vorgesetzter stieß sie in die Seite und machte sie leise darauf aufmerksam, dass die gesamte Sportredaktion vollständig, geschniegelt und gebügelt angetreten war, nur um einen besseren Eindruck zu schinden.

Dem Chefredakteur folgend betraten sie das Zimmer.

Hinter dem Schreibtisch saß ein junger blonder Mann, etwa in Hermines Alter mit einem ausgesprochen teuer wirkenden, wahrscheinlich maßgeschneiderten Anzug in einem Rollstuhl.

Hermine betrat als Letzte den Raum. Ihr Blick blieb kurz, sehr kurz an dem Gesicht Mr. Youngs hängen. Nur an einem Zucken in seinen Augen merkte sie, dass er sie ebenfalls erkannt hatte.

Malfoy ...

Hermine spürte, wie ihre Knie nachgaben. Der Boden verschwand unter ihren Füßen, sie hielt sich unwillkürlich am Türrahmen fest, um nicht zu zittern, bevor auch nur einer ihrer Kollegen ihre Verblüffung registrierten konnte.

Das konnte doch nicht ...
Das war nicht wahr ...

Er war doch tot, gestorben im Kampf an der Seite seines Vaters!

Nur kurz war eben der Blick des jungen Mannes an ihr hängen geblieben, aber es war lange genug, um zu zeigen, dass auch er sie erkannt hatte.

Einen weiteren Beweis brauchte sie nicht mehr, keinen mehr als dieses kurze Zögern.

Also war er es doch.
Ehrlich und wirklich.

Jeder schüttelte dem neuen Verwaltungsdirektor die Hand.
Hermine hatte sich aufgerafft, als letzte in die Reihe eingeordnet. Einen kleinen Augenblick länger als bei den anderen hielt er ihre Hand fest, so kam es ihr vor ... "Miss Granger!" Sie erwiderte seinen Blick. "Mister Young ..."

Sie nahm an dem Besprechungstisch Platz. Wie durch Watte lauschte sie der Rede des neuen Vorsitzenden.

Dass Leser als Kunden zu sehen seien, gut und freundlich ... das Übliche. Dass er aber davon ausgehe, dass dies hier der Fall sei, sonst hätte er ja den Verlag nicht übernommen.

Wirtschaftliches Arbeiten, Kosten einsparen, Arbeitseffizienz, Zertifizierung, Iso 9000...

All das klang nun so typisch, so eindeutig nach Malfoy, dass Hermine das Gefühl unterdrücken musste, dass sich ihr der Magen herumdreht.

Ihre Gedanken schweiften ab, sie konnte das Zuhören nicht ertragen.

Sie versuchte, Kontrolle über ihre Gefühle zu bekommen.
Ob sie Freude empfand?

Nein, sie wusste es nicht.

Hätte sie Freude empfinden sollen?

Verletzt, ja, verletzt war sie immer noch, auch noch nach 10 Jahren.

Aber ... Es war auch ...

Es war eine ... unbändige Wut, die sie empfand.
Nachdem sie 10 Jahre grundgute Trauer empfunden hatte gegenüber dem Jungen, der ihre Liebe verschmäht hatte, hatte dieser ... widerliche ... unverschämte ... diese Ratte, dieses Frettchen die Dreistigkeit, ihr jetzt gegenüber zu sitzen und den Kampf überlebt zu haben.

Er hatte den Kampf überlebt ...

Er besaß doch tatsächlich die Unverschämtheit, den Kampf überlebt zu haben.

Wahrscheinlich hatte sein Vater ihn freigekauft, um ihm Askaban zu ersparen.
Lucius Malfoy konnte mit Geld noch immer fast alles erreichen.

In Hermine brodelte kalte Wut.

Aber auch in Draco Malfoy war das Erstaunen purem Entsetzen gewichen.

Hermine.

Nein: Granger.

Was zum Teufel ...

Das hier war doch ein Muggel – Verlag, oder?

Gut, er hatte schon mehr Grenzgänger in seinen Verlagen gefunden. Hatte sie entdeckt, aber nicht aufgedeckt – er wollte niemandem zeigen, wer er war.

Und jetzt war da nicht nur irgendjemand, den er kannte, sondern ausgerechnet sie, ausgerechnet Granger.

... Gott sei Dank, wirklich Gott sei Dank hatte Draco diese Rede nach der Übernahme eines Verlages so oft gehalten, dass er automatisch, mechanisch fortfahren konnte.

Er konnte nicht denken.

Er wollte nicht denken.

Mechanisch schloss er die Rede ab, verabschiedete die Redaktionen nach draußen.

Hermine drängte mir den anderen Richtung Flur.

Doch bevor sie ganz den Raum verlassen konnte ...

„Miss Granger?" Hermine blieb wie angewurzelt in der Tür stehen.

Was auch immer Malfoy ihr jetzt sagen wollte – sie wollte es nicht hören.

„Sie sind doch für die finanzielle Planung ihres Ressorts verantwortlich. Ich würde mich gerne noch einmal kurz mir Ihnen über die Finanzen der Politikabteilung unterhalten. Würden Sie bitte ...?"

Hermine sah ihren Abteilungsleiter an. Dieser nickte ihr nur kurz und erfreut zu, verließ dann mit den anderen den Raum. Voller Hass wurde sie von den Augen des Leiters der Sportabteilung verfolgt.

Er hatte geahnt, dass nun eine schlechte Zeit für ihn anbrechen würde.

Hermine drehte sich langsam um. Sehr langsam.

Sie sah dem Mann hinter dem Schreibtisch in die Augen.

„Malfoy."

Dieser erwiderte ihren Blick: „Granger."

Sie holte tief Luft: „Ich dachte ..." Draco nickte. „Jeder dachte das. Weiß jemand, wer du bist?"

Hermine schüttelte nur leicht den Kopf. „Nein. Mein ehemaliger Chef wusste es, sonst niemand."

„Dann ... belassen wir es dabei?" Malfoy hob fragend die Augenbrauen. Hermine nickte.

Ihren Blick festhaltend, fügte er hinzu: „Ich erzähle immer, es wäre ein Motorradunfall gewesen ... die wenigsten fragen näher nach. Taktvoll, wie Muggel nun mal sind. Ich wäre ... dir dankbar, wenn wir es auch hier dabei belassen könnten ..."

Hermine nickte. Sie sah dem Mann im Rollstuhl dabei noch immer fest in die Augen.

„Und was war es wirklich...?" Draco sah sie überrascht an. Irgendwie hatte er sich nie Gedanken darüber gemacht, wie er ausgerechnet Hermine Granger jemals die Geschehnisse jener Nacht erzählen könne ...

„Mein Vater. Im letzten Kampf, als er merkte, dass ich nicht mehr auf „seiner" Seite stand. Eine kleine Überdosis Cruciatus, mit einem vorausgeschickten Immobile. Die beiden Flüche sollte man nicht mischen – finde ich. Mein Vater würde das wahrscheinlich anders sehen ..." Er hob ironisch den Mundwinkel. „Aber egal. Ich lebe damit, und bisher hat mir noch jeder Muggelarzt die Version mit dem Motorradunfall abgekauft. Also."

Hermine sah ihn kurz an.

Dann nickte sie.

Ohne Übergang kam Draco auf die finanzielle Lage der Politikredaktion zu sprechen.

Nach wenigen unmissverständlichen Sätzen, die politische Ausrichtung des Verlages betreffend, beendete er das Gespräch und komplimentierte Hermine vor die Tür.

Nachdem Hermine den Raum verlassen hatte, blieb Malfoy einige Sekunden reglos und starrte auf die Tür.

Dann wendete er, ließ den Blick aus dem Fenster schweifen.

Verdammt!

Er hatte gedacht - nein, er hatte gehofft, sie nie mehr wiederzusehen.

Stimmte das?

Oder hatte er es sich nicht doch mehr als alles andere gewünscht, sie wiederzusehen?

Sein Blick ruhte jetzt auf der leichten grauen Decke, die über seinen Beinen lag, farblich selbstverständlich genau passend zu seinem teuren Anzug. Zehn Jahre ... nach zehn verdammten Jahren würde er sich nicht jetzt ...

Nein: er würde sich niemals von der Angst unterkriegen lassen.

Er schloss die Augen eine Sekunde, griff zum Telefon und rief seine Sekretärin: „Die Werbeabteilung ist als nächstes bestellt... Sie können herein kommen."