Hallo!
Dann geht es jetzt also weiter ...
Auch für dieses Kapitel danke ich meinen beiden Betaleserinnen Nici Cavanaugh und Callista Evans! Ihr seid die Besten!
Vielen Dank für Eure lieben Reviews: Tishea, sportygirl, Loki Slytherin, Hexe Lea, Kira Gmork, Sachmet, Nici Cavanaugh und Callista Evans! Eine Runde Butterbier, Kekse, Chips, Muffins und Kuchen für alle!
Ich hoffe, Euch gefällt auch das nächste Kapitel!

It must have been love

Mittlerweile war es Abend geworden.

Hermine saß am Computer und überarbeitete ihre letzten Artikel.

Sie starrte für einen Augenblick aus dem Fenster. Als sie den blonden Mann im Rollstuhl erblickte, als er das Haus verließ, kniff sie die Augen unwillkürlich ein wenig zusammen ...

Sie beobachtete, wie er seinem letzten Gesprächspartner für heute, dem Leiter der Druckerei, die Hand schüttelte und sich dann auf ein silbernes Auto deutscher Herkunft zu bewegte.
Das Auto verkörperte Luxus, war sehr teuer, sehr gepflegt, natürlich ...
Ein Auto von der Sorte, die aussieht wie eine Limousine und sich trotzdem in ein Cabriolet verwandeln kann, den Namen hatte sie vergessen.

Aber der Preis für dieses Auto lag außerhalb jeglicher Reichweite für einen normalen Menschen, das wusste Hermine.

Es versetzte ihr einen kleinen Stich in der Magengrube, als sie beobachtete, wie er das Auto aufschloss. Mit einem Griff, der viel Gewohnheit verriet, hatte er sich vom Rollstuhl in den Wagen geschoben.

Sie versuchte sich wieder auf ihren Artikel zu konzentrieren.

Aber eine kleine Stimme in ihrem Inneren hielt sie davon ab.
Ein leises Flüstern, dass in ihrem Kopf, in ihrem Bauch festsaß ...

Und der Gedanke an kalte, graue Augen.

Ihre Gedanken wanderten zurück. Irgendwann gegen Ende der Schulzeit hatte sie sich eingestanden, in Draco Malfoy verliebt zu sein. In ihren persönlichen Erzfeind, ja.

Sie schüttelte kurz den Kopf, um mit den Gedanken wieder auf ihren Artikel zurück zu kommen.

Das war Jahre her, und sie hatte seit einer Ewigkeit nicht mehr daran gedacht. Also.
Seit ... gestern, zum Beispiel.

Trotzdem – sie hätte nicht, sie hätte nie und nimmer, nein, sie hätte niemals damit gerechnet, ihm wieder gegenüber zu stehen.
Niemals.

Er ... war doch ... tot ...

Jahrelang, jahrzehntelang hatte sie versucht, über Draco Malfoy, über seinen Tod hinweg zu kommen.
Manchmal hatte sie gedacht, es geschafft zu haben ...
Manchmal hatte sie gedacht, sich wieder verlieben zu können.
Aber keine ihrer Freundschaften hatte sehr lange gehalten.

Irgendetwas hatte ihr gefehlt.

Jede ihrer Beziehungen hatte in ihr nur ein noch größeres Gefühl der Leere hinterlassen.

Und jetzt stand er wieder vor ihr.
Und: Er war ihr Chef.
Draco Malfoy war ihr Chef.
Gott steh ihr bei!

Doch ... in Hinblick auf ihr letztes Gespräch - damals - war er heute eigentlich sehr nett zu ihr gewesen.

Aber er wusste, dass er jetzt abhängig von ihr war. Abhängig von dem Wissen , das sie über ihn hatte - und er über sie.
Dass sie durch dieses Wissen – aneinandergekettet waren, auf eine ganz eigene Art.

Malfoy ...

Sie verlor sich in ihren Gedanken.

Warum hatte sie sich denn nur damals in diesen Mann verliebt?
Er war damals widerlich, er hatte sie verachtet dafür, dass sie ein „Schlammblut" war. Er hatte versucht Hagrid, ans Messer zu liefern, er hatte Seidenschnabel dem Henker ausgeliefert. Er war arrogant, überheblich und sah noch nicht einmal besonders gut aus.

War damals ihre Meinung.

War sie heute der Meinung, dass er gut aussah?
... groß, dunkelhaarig und gutaussehend war eigentlich etwas anderes, oder?

Hermine schüttelte den Kopf über diese merkwürdige Idee.

Ihre Gedanken wanderten wieder in die Vergangenheit zurück ...
Sie hatte sich trotz all dieser Widersprüche in seinen Augen verloren ...

Warum machte es nur mehr Spaß, mit einem Draco Malfoy zu streiten, als sich mit Ron und Harry brüderlich zu verstehen?
Warum nur hatte sie diese Auseinandersetzungen mit Malfoy mehr genossen als die Abenteuer mit Harry? Oder die Gespräche mit Ron?
Warum hatte sie hinter diesen kalten grauen Augen soviel Intelligenz vermutet?
Warum erschienen sie ihr reizvoller als das vertraute sommersprossige Gesicht, der offene Blick Rons?

Sie hatte Intelligenz hinter diesen Augen vermutet …
Genug Intelligenz, um das Widersinnige seines damaligen Handelns zu begreifen.

Warum hatte sie Vertrauen gefasst in diese so kalten Augen?
Warum hatte sie sich in seiner Gegenwart wohl gefühlt?
Nicht nur ... wohl gefühlt. Sondern sicher.
Sicher, obwohl sie muggelstämmig war und er ein Todesser.

Warum hatte sie ihm vertraut?

Gut, er hatte ihr damals ja die entsprechende Antwort gegeben.
Die Antwort, die sie erwartet hatte. Die Antwort, die sie trotzdem verletzt hatte.
Die Antwort, die sie trotzdem nicht hatte heilen können von der Trauer ...

Mittlerweile sollte sie wirklich endlich vernünftig geworden sein.

Nur ganz langsam erreichte der letzte Satz Malfoys in ihr Bewusstsein: „Mein Vater, als er gemerkt hat, dass ich nicht mehr auf seiner Seite stehe ..."

Erst jetzt realisierte sie, was er damit ausgesagt hatte.

... dann hatte er sich also gegen Voldemort gestellt im letzten Kampf, hatte alles riskiert, um gegen den dunklen Lord zu kämpfen – warum?

Sie konnte sich nicht vorstellen, was diesen plötzlichen Sinneswandel hervorgerufen hatte.

Und er hatte wie es schien einen hohen Preis dafür bezahlt.
Einen sehr hohen Preis ...

Was ihn wohl mehr Überwindung kostete – das Leben unter Muggeln oder das Leben im Rollstuhl? Bitter stellte sich Hermine diese Frage. Sie war sich dessen bewusst, dass die Frage eigentlich lächerlich war – aber zu tief hatte der Spott Malfoys die verliebte junge Frau damals getroffen.

Und nun stand sie ihm wieder gegenüber.
Und war … hilflos. Schutzlos.
Es gibt keine größere Blamage als eine verschmähte Liebeserklärung.


Der silberne Mercedes rollte gerade durch die Schranke des Parkplatzes.

Hermine spürte noch immer dieses Stechen in der Magengrube.

Sie setzte die Lesebrille ab und vergrub das Gesicht in den Händen.