Hallo!
Dann geht es jetzt also weiter ...
Auch für dieses Kapitel danke ich meinen beiden Betaleserinnen Nici Cavanaugh und Callista Evans! Vielen Dank! Ihr seid die Besten!
Vielen Dank für Eure lieben Reviews:Loki Slytherin, Hexe Lea, Kira Gmork,Nici Cavanaugh, sarah.easyund Callista Evans! Eine Runde Butterbier, Kekse, Chips, Muffins und Kuchen für alle!
Ich hoffe, Euch gefällt auch das nächste Kapitel!
It´s a hard life
Der silberne Mercedes passierte die Schranke.
Draco zögerte kurz – es war nicht seine Art, so früh die Arbeit zu beenden, und er hatte den Verlag nur deshalb verlassen, weil er sich sowieso nicht mehr dazu aufraffen konnte zu arbeiten.
Zu Hause erwartete ihn nichts, und so gab er Gas und bog auf den Highway ab, ließ die Stadt hinter sich und raste über das Land. Mit Sonnenbrille und heruntergelassenem Verdeck saß er am Steuer und genoss er die Fahrt. Er stellte das Radio auf volle Lautstärke und gab erneut Gas, ziellos, rastlos, suchte er die Geschwindigkeit.
Er liebte dieses Auto, hatte viel Zeit, Geld und Mühe investiert, um genau dieses Sondermodell aus Deutschland importieren und auf seine Bedürfnisse umrüsten zu lassen.
Er fühlte sich – frei. Er genoss den Rausch der Gefühle, den Fahrtwind, seine Möglichkeit der Geschwindigkeit, seine Möglichkeit der Bewegung.
Er fühlte sich kurz, nur sehr kurz an seinen Rennbesen erinnert, weilte Sekundenbruchteile in der Erinnerung an ein Quidditchspiel, die Jagd nach dem Schnatz, den Kampf um Millimeter, den Kampf um Sekunden, den Kampf gegen Harry Potter. Er jagte weiter, bis er einen Ort gefunden hatte, um nachzudenken.
Das Auto bog in eine Straße ein, die zu einer kleinen, verlassenen Anhöhe führte, von der aus man einen Blick auf die Küste hatte.
Er ließ den Wagen ausrollen, lehnte sich im Fahrersitz zurück und genoss den Ausblick ...
Granger.
Hermine Granger ...
Jetzt, da er einige Stunden Abstand von dem Wiedersehen mit ihr gewonnen hatte, versuchte er sich darüber klar zu werden, was er in ihren Augen gelesen hatte...
Was sie gedacht hatte, als sie ihn sah ... und als sie ihn erkannte.
Schreck? Entsetzen? ... oder doch ... vielleicht ... nur ein kleines bisschen, auch ... Freude?
Doch: Was lag ihm eigentlich daran, was eine Hermine Granger von ihm dachte? Hermine Granger, das Schlammblut? Hermine Granger, die kleine, unbedeutende Journalistin?
Verdammt!
Er hatte sich damals keine Gedanken gemacht, warum er sich gegen seinen Vater gestellt hatte.
Zu viel war damals geschehen, zu viel hatte er erlebt und zuviel war zu tun ...
Er hatte damals einfach keine Zeit gehabt, sich über Granger Gedanken zu machen.
Und er war dankbar dafür gewesen.
Albus Dumbledore hatte von weitem beobachtet, was geschehen war.
Er hatte gesehen, wie Lucius Malfoy Harry Potter in den Rücken fallen wollte...
Der Schuleiter war zu dem Kampf gestoßen, hatte Dracos Vater in Schach gehalten, solange, bis Harry den dunklen Lord besiegt hatte.
Dumbledore hatte ihn sofort nach dem Kampf gesucht.
Er hatte ihn gefunden, hatte ihm geholfen und ihn gerettet, um ihn dann auf die Krankenstation nach Hogwarts zu bringen.
Er erinnerte sich daran, als wäre es gestern gewesen, als er - in der Krankenstation, damals, neunzehn Jahre alt – aus Schmerzen erwachte und spürte, dass ihm das Gefühl für seine Beine fehlte.
Das war alles... so viel.
Zu viel.
Als Poppy ihm langsam und sehr, sehr vorsichtig erklärte, wie die Lähmung zustande gekommen war... dass die Kombination aus Cruciatus und Immobile normalerweise die sicherste und qualvollste Art des Tötens ist sei. Nur Todesser verwendeten diese Flüche zusammen, nur wenige, sehr starke Zauberer überlebten diese Flüche.
Weil der Körper die Schmerzen nicht durch Bewegung, nicht durch ein ... Winden vor Schmerzen kompensieren kann, werden die Schmerzen so unerträglich, so tödlich, wie ein Cruciatus alleine niemals sein könnte ... Die Flüche richteten nicht zu regenerierende Schäden an den Nerven an.
Poppy hatte alles getan, alles versucht. Überall gefragt und geforscht, um eine Heilung zu finden – erfolglos.
Und die Zeit wurde knapp ... Kurz nachdem Draco erwacht war, drei Tage, nachdem er erfahren hatte, dass er nie wieder würde laufen können, war Dumbledore an sein Bett getreten und hatte ihm eröffnet, dass Lucius Malfoy von dem internationalen Tribunal freigesprochen worden war.
Frei.
Sein Vater war frei ...
Albus hatte ihm klar gemacht, dass die einzige Möglichkeit die Flucht war.
Die Flucht vor seinem Vater, der ihn hatte auf die grausamste Art töten wollen, vor seinem Vater, der ihn jetzt nur als unliebsamen Zeugen sehen würde ...
Sein Vater, der ihn aber – noch - für tot hielt ...
Und Albus hielt es für das Sicherste, es dabei zu belassen.
Albus überzeugte ihn davon, dass es das Beste für ihn wäre, unter Muggeln zu leben. Unerkannt. Ohne Magie ... Damit er nicht zu orten sein würde, damit er unauffindbar war, tot für die Zaubererwelt.
Ohne Magie ... wie sollte das funktionieren? Wie sollte, nein: wie konnte man ohne Magie leben?
Außerdem: Auch wenn er sich gegen seinen Vater gestellt hatte im letzten Kampf, auch wenn er das Falsche, das Widersinnige der Lehre des dunklen Lords erkannt hatte ...
Spät, sehr spät - fast zu spät - erkannt hatte ...
Und auch wenn er erkannt hatte, dass Lucius Malfoy alles andere als ein Ehrenmann war: Tief saß trotz alledem in seinem Kopf verwurzelt die Meinung, dass Muggel, dass Schlammblüter wertlos seien, unwürdig, nutzlos ...
Unter Muggeln leben ...
Ohne Magie ...
Um vor dem Mann zu fliehen, der ihn zum Krüppel gefoltert hatte, den er spät, sehr spät als Verbrecher erkannt hatte, vor seinem Vater, der jetzt frei war ... frei ...
Sein Vater sollte frei sein, ein freies, reiches Leben führen, ein Leben wie immer ... ein Leben ohne Schmerzen, ohne Entbehrungen ... und er sollte untertauchen? Er würde nie wieder laufen können und sollte unter Muggeln leben? Ohne Magie?
Nach langem Wüten hatte er es akzeptiert ...
Er musste leise lachen, als er daran dachte, wie oft er Albus damals dafür verwünscht hatte, dass er ihn nicht einfach hatte sterben lassen.
Albus ... ob Albus wusste, dass Granger auch in den Vereinigten Staaten gelandet war?
Wie auch immer – Dumbledore hatte damals nie erfahren, dass er ... nein, dass Granger ...
Aber es wäre auch keine Zeit dazu gewesen, sich darüber Gedanken zu machen, darüber zu reden ...
Poppy hatte Kontakte geknüpft ... zu anderen Kliniken, zu Muggelärzten ...
Sie suchte einen Platz für ihn, weit weg von zu Hause, weit weg von Hogwarts, weit weg von Lucius Malfoy.
Und in dieser Muggelklinik hatte er Leute kennen gelernt, Muggel, die das gleiche Problem hatten wie er, er war nicht mehr alleine und es ging ihm besser ...
Dadurch, dass sie ja alle eine einschneidende Änderung in ihrem Leben zu verarbeiten hatten, war ihnen nicht aufgefallen, dass er nicht nur lernen musste, im Rollstuhl zu leben, sondern dass er gleichzeitig übte, sich wie ein Muggel zu benehmen ...
Im Nachhinein fiel es ihm leichter. Aber ... gut, er hatte versucht, langsam zu akzeptieren, was seine Zukunft sein sollte.
Er war damals froh gewesen, dass soviel zu tun war, um sich keine Gedanken um Hermine Granger machen zu können.
Machen zu müssen.
Er hatte nie wieder an sie gedacht ...
Er hatte nie wieder nachdenken wollen ...
Mit seinem damaligen Zimmernachbarn hatte er noch immer Kontakt. Er hatte ihm sehr, sehr viel geholfen ... George, ja, er lebte mittlerweile im Süden der USA und war dort Anwalt. Er hatte einen Autounfall gehabt und war seitdem querschnittgelähmt.
George war damals zwanzig, die beiden waren also fast gleich alt, als sie sich kennen gelernt hatten. Seine Freundin hatte ihn sofort verlassen, nachdem sie erfahren hatte, dass er für den Rest seines Lebens im Rollstuhl sitzen würde, und es hatte lange gedauert, bis er das überwinden konnte.
Draco selbst hatte seinem Freund daraufhin erzählt, seine Verletzung wäre entstanden, weil er mit seinem schnellen Motorrad einem Mädchen imponieren wollte und unvorsichtig geworden sei ... Einem Mädchen, dem er zuvor gesagt hatte, dass er es nicht mochte. Und dass er sich jetzt so, im Rollstuhl, nicht trauen würde, ihr zu gestehen, dass er sich getäuscht habe und dass er sie doch liebe ...
Doch er hatte sich damals nicht eingestehen können, was an dieser Geschichte der Wahrheit entsprach und was nicht.
Er hatte damals vermieden darüber nachzudenken, ob er selber an diese Geschichte glaubte, als er sie George erzählte.
Aber ... sie erschien ihm stimmig. Und sie erfüllte ihren Zweck – George war getröstet. Mittlerweile war er verheiratet, glücklich.
Er hatte selber nicht an diese Geschichte geglaubt ...
Was glaubte er heute?
Natürlich hatte er nicht wegen Hermine Granger ... das war doch absurd.
Er schüttelte den Kopf, um wieder klare Gedanken zu bekommen.
George, ja ... George. Sein bester Freund, vielleicht sein einziger. Jemand, der ihn verstand ... egal, worum es ging.
Wen konnte er sonst als seinen Freund bezeichnen?
Crabbe und Goyle, die nur den Namen Malfoy schätzten und die ihn schon lange für tot hielten? Gott sei Dank, niemals hätten sie toleriert oder akzeptiert, dass – und wie – er unter Muggeln lebte?
Severus, sein Pate ... Er vermisste ihn, ja, er vermisste ihn sehr ... den Mann, in dem er immer eher einen Vater gesehen hatte als in Lucius Malfoy. Aber er hatte Albus´ Entscheidung akzeptiert. Wenn er sich wirklich vor seinem Vater verbergen wollte, durfte er nie wieder Kontakt zu Severus Snape haben ...
Seine Kommilitonen aus Harvard?
Er musste wieder leise lachen – auch in der Fakultät war er immer ein Außenseiter geblieben. Nicht nur wegen der Behinderung, nicht nur, weil er im Grunde seines Herzens diese Distanz zu den Muggeln wollte ... Die Harvard – Studenten hatten in ihm auch nie einen der Ihren sehen können. Er gehörte nicht zum amerikanischen Geldadel, er finanzierte sich trotz der widrigsten Umstände das Studium an der teuersten Universität der Vereinigten Staaten selber – wie sollte er mit den anderen mithalten? Auf der Universität hatte er immer als eine Art Möchtegern – Dennis Hopper gegolten. Die Kombination aus der Geschichte mit dem Motorradunfall und diesem eigenartigen Totenkopf – Tattoo hatte auf der Elite – Universität Anlass zu den wildesten Spekulationen gegeben. Ausgerechnet Draco Malfoy und ein Rocker!
Aber George ... George verstand ihn.
George, mit dem er sich gemeinsam in ein „normales" Leben zurückgekämpft hatte.
Jeder freute sich über den Erfolg des anderen. George, der einzige Mensch, der ihn selber sah, nicht den reichen und mächtigen Medienmogul. Der Mann, der sich mit ihm über seine Erfolge freute, über jeden einzelnen.
George, dessen Trauzeuge er war und Taufpate seines ältesten Sohnes.
Er griff nach dem Autotelefon und wählte ...
Sie redeten, redeten über Gott und die Welt, erzählten von der Arbeit, von Georges Familie, diskutierten über Politik, er erzählte von dem neuen Verlag ...
Draco erzählte nicht, dass in diesem Verlag die Frau arbeitete, von der er damals erzählt hatte.
Aber das Gespräch tat ihm gut.
Zum Abschluss war Leon am Telefon, sein Patenkind, und übte „Adam" zu sagen. Kein Verlagskauf konnte Draco soviel Freude bereiten wie dieses eine Wort ...
Lange Minuten verstrichen und noch immer starrte Draco auf die Bucht ... Es war dunkel geworden.
Damals hatte er vermeiden können darüber nachzudenken, ob er all dies Hermine Granger zuliebe getan hatte.
Darüber nachzudenken, was er für diese Frau fühlte ...
Aber damals war sie nicht da gewesen, er hatte er sie nicht sehen müssen, nicht sehen können ...
Er konnte vermeiden, ja verdrängen, an das zu denken, worüber er nicht nachdenken wollte.
Damals ...
Und warum wollte er heute nicht darüber nachdenken? Was würde er erfahren - wovor hatte er Angst?
Niemals, nicht einen Moment seit er in der Muggelwelt lebte, hatte er auch nur einen Gedanken an eine feste Bindung, an die Liebe einer Frau verschwendet.
Er hatte doch seine Arbeit, seine Verlage, seine Macht, sein Geld ...
Er hatte doch überhaupt keine Zeit für eine Frau.
Und warum sollte er ausgerechnet jetzt darüber nachdenken?
Es gab keinen Grund. Granger ... Granger wusste doch, was er von ihr hielt, er hatte es ihr ja deutlich genug gesagt.
Keine Frau konnte so etwas vergessen... jede Grübelei darüber war müßig.
Verdammt!
... kann man die Zeit zurückdrehen?
... kann man die Vergangenheit ungeschehen machen?
Er schüttelte den Kopf, startete das Auto.
Und fuhr langsam nach Hause.
