Hallo!
Vielen Dank für Eure lieben Reviews: Kasumi, Kira Gmork, Loki Slytherin, flantermaus, Callista Evans und Nici Cavanaugh!
Und wie immer ein riiiiesiger Dank an Nici und Callista fürs Betalesen!
It´s a heartache
Kinder, es gibt doch ätzende Tage.
Tage, an denen man morgens aufwacht, die Augen aufschlägt und feststellt, dass der Wecker nicht geklingelt hat und man noch genau zwanzig Minuten hat, um zum Verlag zu kommen.
Wenn man in den Badezimmerspiegel schaut und feststellt, dass man besser zurück ins Bett gehen sollte. Und zum Friseur müsste man auch mal wieder.
Wenn man sich hektisch fertig macht, um dann festzustellen, dass keine passenden Schuhe vorhanden sind, sich noch einmal umzieht, dadurch noch später kommt und dann als Krönung direkt am Aufzug dem Abteilungsleiter der Sportredaktion begegnet...
„Na, Miss Granger, gut geschlafen?"
Aber warum kommt eigentlich immer alles auf einmal?
Streit mit dem Abteilungsleiter, diverse Kollegen krank, unzählige Überstunden, nicht einmal der Gedanke daran, sich einen Moment hinzusetzen, nur gearbeitet, keine Mittagspause, absolut genervt.
Und dann, abends, als sie noch am Computer versunken war, musste Malfoy erscheinen.
Wenn man ihn wirklich überhaupt nicht gebrauchen konnte – natürlich.
Erstens weil eine Inspektion durch den Chef immer unpassend kommt: Immer wenn man gerade an einer Arbeit saß, die seit Tagen schon fertig sein sollte.
Zweitens, weil sie noch immer ... nicht wusste, ob sie auf ihn wütend war.
Nicht, dass er unfreundlich gewesen wäre.
Nein, wenn er ihr wenigstens diesen Gefallen getan hätte ...
Aber nein, sachlich, professionell, durchdacht und etwas autoritär, bestimmend wie ein Chef sein darf und sein sollte, hatte er die zwei Artikel besprochen.
„Schönen Abend noch", wünschte er, ohne zu lächeln. Und beinahe automatisch antwortete sie: „Danke gleichfalls", als er das Zimmer schon verließ ...
Arschloch. Arschloch, Arschloch, Arschloch.
Zähneknirschend und unkonzentriert hatte Hermine die beiden Artikel beendet.
Zwei Stunden später hatte sie Feierabend gemacht.
Sie war ins Auto gestiegen, und ...? Keine Ahnung, was diese ... Möhre schon wieder hatte. Man könnte ja auch einfach mal ein neues Auto kaufen, sie hatte schon mehr Geld in die Klapperkiste gesteckt als unbedingt nötig.
Irgendetwas bereitete ihr immer noch Schwierigkeiten, Geld in ein Auto zu investieren, wenn apparieren doch schneller und günstiger war.
Aber es waren zu viele Leute auf der Straße, zu viele Beobachter.
Hermine stöhnte leise. Sie würde sich wohl nie wirklich daran gewöhnen, einen Teil ihres Lebens wieder unter Muggeln zu verbringen.
Egal, sie hatte sich jedenfalls zu Fuß auf den Nachhauseweg gemacht.
Ihre Laune erreichte einen neuerlichen Tiefpunkt, als sie die ersten Regentropfen auf der Haut spürte.
Sie hatte nur noch einen Gedanken: nach Hause, eine heiße Dusche, ein Glas Rotwein oder vielleicht auch zwei und dann direkt ins Bett.
Und einen guten alten Film auf Video, vielleicht.
Der Regen wurde stärker, und einen Schirm hatte sie natürlich auch nicht dabei. Doch - hinten, auf der Hutablage ihres Autos.
Da lag er gut!
Scheiße noch mal, sie hätte vielleicht doch den Bus nehmen sollen oder sich schon vor Monaten ein neues Auto kaufen.
Als ihre Gedanken diesen Kreis geschlossen hatten, sah sie aus ihren Augenwinkeln, wie ein silberner Mercedes langsam an ihr vorbeifuhr – und bremste. Das Fenster der Beifahrerseite senkte sich elektrisch, und vom Fahrersitz aus kam der ironische Kommentar: „Du siehst irgendwie nass aus, Granger."
Hatte sie nicht gedacht, dass der Tag nicht mehr schlimmer werden konnte?
Hermine wünschte in diesem Augenblick nichts so sehr, wie einen Metallhammer zum Bearbeiten der Motorhaube des teuren deutschen Autos.
„Es regnet!", war die einzige Antwort, die sie noch zustande bringen konnte.
Super. Richtig intelligent. Gut gemacht, Hermine!
Draco grinste. „Na komm, steig schon ein! Wo musst du hin?"
Hermine kapitulierte. Sie nannte ihre Adresse und ließ sich – pudelnass, wie sie war, auf den Beifahrersitz fallen. Ledersitze, natürlich ... Sie dachte an die angestaubten schwarzen Sitze ihres Kleinwagens, die seit Jahren keinen Staubsauger mehr gesehen hatten.
„Danke."
Aus dem Augenwinkel beobachtete sie, wie Draco den Blinker setzte und sich in den Verkehr einordnete. Mehr nebenbei registrierte sie, dass sie zum ersten Mal sah, wie ein Auto mit Handgas zu bedienen war.
Sie fühlte sich nass, müde und sehr, sehr unprofessionell.
Los, Hermine, sag was, mach Konversation! Du sitzt neben deinem Chef, neben deinem ehemaligen Traummann, der dich außerdem gerade vorm Regen gerettet hat, und wirkst wie ein Stoffel. Wie ein nasser Stoffel, nebenbei bemerkt.
Draco fädelte sich in die Abbiegespur ein, schimpfte über einen Busfahrer, der ihn zum Bremsen zwang. Hermine musste lachen. Draco lachte ebenfalls und drehte für Hermine die Heizung an.
Hermine spürte, dass auch Draco gerne die Stille unterbrochen hätte, nach einem Gesprächsansatz suchte.
Und dadurch kam sie sich umso dümmer vor.
Schließlich unterbrach Draco doch die Stille: „Granger – wollen wir noch schnell etwas zusammen essen, bevor ich dich absetzte?"
Hermine starrte ihn an.
Das hätte sie nicht erwartet, alles, aber nicht das.
Folglich war auch ihre Antwort nicht sehr schlagfertig: „Ich bin nass ..."
Sofort schlug sie sich innerlich gegen die Stirn.
Oh Nein!
Hermine, das hast du eben nicht gesagt! Ich bin nass?
Als Antwort auf die Einladung zu einem Date – von Malfoy!
Jahre träumst du von dieser Gelegenheit, und jetzt antwortest du: Ich bin nass.
Sofort zog sich Draco zurück. „Wenn du keine Lust hast ..."
Halt ihn auf! Halt ihn auf! Sag was! Irgendwas!
„Ähm ... Doch ... Wenn du kurz warten kannst, bis ich mich umgezogen habe ... oder die Haare gefönt ... oder morgen ... oder ..."
Sie zeigte fragend ihren Zauberstab.
„Keine Magie in diesem Fahrzeug ...", zischte Draco, leise, gefährlich leise ...
Hermine nickte hastig, fast entschuldigend: „Aber so feucht wie ich bin kann ich doch nicht ..."
Sie stockte mitten im Satz.
Und bekam einen hochroten Kopf, als Draco auch noch begann, anzüglich zu grinsen.
Verdammt! Waren es nicht langsam genug Fettnäpfchen für den heutigen Tag?
Aber wenigstens konnten Beide hierdurch Dracos Reaktion auf Hermines Frage nach dem Zauberstab, nach der Verwendung von Magie überspielen …
Und beide begannen gleichzeitig zu lachen.
Draco sah Hermine kurz und prüfend an, die Ampel war gerade rot. „Wir brauchen ja nicht lange zu bleiben, oder irgendwo, wo es ganz vornehm ist, hinzugehen. Trockne dir schnell die Haare, dann fahren wir in eine kleine Kneipe. OK? Nur, wenn du Lust hast ..."
Und Hermine lächelte. „Gut, ich bin in 10 Minuten wieder da."
