Hallo!

Auch bei diesem Kapitel möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Betaleserinnen Nici Cavanaugh und Callista Evans bedanken. Ihr seid wunderbar!


Vielen Dank für Eure lieben Reviews:

Loki Slytherin: Solche Tage kennt glaube ich jeder ... ;) Aber der Abstand zwischen zwei Fettnäpfchen heißt ja bekanntlich ein Maria, stimmt´s? Und ob der Abend dann besser enden wird, sehen wir ja dann heute ...

Kira Gmork: Mein armer, armer Golf ... – seufzt – legt Gedenkminute für ihr Auto ein – kommt dann aber in die Puschen, um doch näher an das Ideal der Echtzeitstory heranzukommen ...

Hexe Lea: Wow! Du bist einfach klasse … gleich so viele Reviews – strahlt immer noch – Ja, jetzt kommt erst mal ein schönes Abendessen ... und dann sehen wir weiter ;)

Callista Evans: Jep, solche Tage kennt jeder ... und auch diesmal werden Dir ein paar „Impulse" auffallen, da bin ich mir sicher ... ;)

Nici Cavanaugh: Autobiografisch? – lacht – wie kommst Du darauf? ;) ... Außerdem brauche ich momentan wegen der Reviewdauer selber einen ganzen Eimer Asche, den ich mir über das edle Haupt schütten sollte – schielt ihre ToDo Liste an ...

Hoffe, Euch gefällt auch das nächste Kapitel ...


Hermines Herz machte einen kleinen Satz, als sie sich erneut auf den Beifahrersitz des Luxusautos fallen ließ.
„Trocken?", erkundigte sich Draco mit einem boshaften Grinsen.
Hermine lachte. Müde war sie nicht mehr - Nicht eine Spur ...

Draco fragte nach ihren Vorlieben, welches Lokal sie besuchen sollten: „Chinesisch, Italienisch, Japanisch, Griechisch, Persisch, Indisch, gutbürgerlich ... was du willst ..."
Hermine überlegte, entschied sich für einen Italiener.

Als der Regen aufgehört hatte und die Abendsonne hervorkam, ließ Draco mit einem Knopfdruck das Verdeck verschwinden, setzte sich die Sonnenbrille auf und lachte: „Man gönnt sich ja sonst nichts."

Er fuhr zu einem kleinen Italiener, etwas außerhalb des Zentrums gelegen.
Hermine wartete und beobachtete kurz, wie Malfoy vom Auto in den Rollstuhl wechselte.
Auf seinen fragenden Blick lächelte sie und folgte ihm in das Restaurant.

Die beiden wählten einen kleinen Tisch, weiter hinten im Lokal, wo es etwas ruhiger war.

Hermine zögert kurz, doch bevor sich eine peinliche Stille breit machen konnte, begann Draco über die Arbeit zu plänkeln. Er kam auf den Artikel zu sprechen, den Hermine heute fertig gestellt hatte – nur aus Interesse, ohne Vorwurf über die verspätete Abgabe. Ihr höchster Vorgesetzter spielte den charmanten Gastgeber.

Der Kellner brachte die Speisekarten, das Gespräch wechselte zu den Speisen. Draco schlug einen trockenen Rotwein vor, Hermine nahm an.
Erst als der Kellner den Tisch verlassen hatte, schlug Malfoy das Thema an, das er, das sie beide seit Tagen, nein, seit Wochen zu vermeiden suchten.

Ohne Vorwarnung sagte er mitten in ein Lachen Hermines über einen seiner Sprüche über den Rotwein hinein: „Danke dafür, dass du mich nicht verraten hast ..."

Hermine sah auf, sah ihm in die Augen: „Du hast ja auch nicht erzählt, wer ich bin und was ich mache ... Es war also ein Quid pro quo- Geschäft, oder?"
„Und was machst du genau? Ich denke mir mal, dass du auch fürs Ministerium arbeitest, oder?"
„Mhm!" Hermine nickte zustimmend.
„In fast jedem meiner Verlage arbeiten ein paar Grenzgänger – ich finde es immer ganz interessant, es herauszufinden, wenn sie sich manchmal verraten ... Aber bisher bin ich noch niemandem begegnet, den ich kannte. Aber siehst du, Granger, ich hätte mich dann nur selber geoutet. Wenn ich im Verlag oder sonst irgendeinem Muggel etwas von deinem Doppelleben erzählt hätte, hätte man mich nur für verrückt erklärt. Wenn du mich aber in der Zauberergesellschaft ...", er stockte.

Hermine schwieg ein paar Sekunden, überlegte sich, was sie sagen sollte.

„Aber warum hätte ich das tun sollen? Ich meine, du scheinst dich ganz in die Muggelwelt zurückgezogen zu haben, wie ich es einschätze. Jeder denkt, der Erbe der Malfoys ist im Kampf für den dunklen Lord gefallen. Zumindest jeder, den ich kenne. Was hätte ich davon gehabt, dich zu verraten, Malfoy?" Sie sah ihn an und drehte den Stiel ihres Weinglases zwischen den Fingern.

Er nickte, zuckte dann die Achseln. „Ich weiß nicht. Ich bin mir nur nicht sicher, was ich an deiner Stelle im umgekehrten Fall getan hätte."
Hermine musste lachen. „Wieso? Warum weißt du es nicht? Warum sollte man jemanden verraten?"
„Ich weiß es nicht. Genugtuung? Es ist ja nicht so, als hätte ich dir nicht genug Anlass gegeben, mich zu hassen ..."

Der Kellner brachte die Vorspeise, beide begannen zu essen.

Die Stille zwischen ihnen hielt an bis Draco das Schweigen brach: „Dumbledore. Albus Dumbledore weiß als Einziger die ganze Wahrheit. Poppy, also Miss Pomfrey, hat mich auch unterstützt, anfangs. Aber Albus hat mir geholfen, vor meinem Vater zu fliehen. Er hat mir die Flucht nach Amerika ermöglicht, um möglichst weit aus der Reichweite meines Vaters zu gelangen. Na ja", er führte das Glas zum Mund, „und da ich nichts anderes kann, als mit Geld umzugehen, bin ich auf einer Universität für Wirtschaft gelandet. Den Rest kannst du dir ja denken ..."

Hermine grinste. „Und ich habe durchaus den Eindruck, als würdest du deine Arbeit genießen."

Auch Draco musste lachen: „Jede Sekunde, darauf kannst du wetten. Ich mag meine Arbeit. Ich weiß nicht, was mich geritten hat, mich ausgerechnet auf das Verlagswesen zu stürzen – wahrscheinlich, weil es auch ein Stück Politik, Macht ausmacht ... Doch, es macht mir Spaß ... Und weißt du was: Es ist ... irgendwie unwirklich, hier zu sitzen und mit jemandem über Albus Dumbledore zu reden. Ich gehöre mittlerweile in die Muggelwelt. Mit meinem früheren Leben verbindet mich nichts mehr."
„Gar nichts?"

„Du meinst, ob es noch einen Rest Magie in meinem Leben gibt?"
Er grinste. „Schon, ja. Aber ich sage dir gleich, es wird dir nicht gefallen ..."

„Und warum nicht?"
Er sah auf, und es klang wie eine verschmitzte Beichte. „Nun ja, wenn ich mich da an gewisse Aktivitäten während unserer Schulzeit erinnere ..."

Hermine schaute ihn fragend an.
„Erinnerst du dich noch an B.ELFE.R?"
Langsam breitete sich ein ungläubiges Lächeln auf Hermines Gesicht aus. „Sag nicht ..."
Draco nickte und fuhr in einem fast foppenden Tonfall fort. „Doch ... du wirst es nicht glauben, aber ich habe einen Hauself. Ich habe damals Dumbledore darum gebeten, dass Dobby seine Stellung in Hogwarts aufgeben und mich begleiten darf. Albus hatte mir zur Flucht geraten, und ich ... konnte ... oder wollte ... einfach nicht alleine gehen. Nicht, nachdem Poppy mir klar gemacht hatte, dass ich mich abzufinden habe ... mit der Lähmung."

Er schluckte kurz, dann sah er Hermine lächelnd in die Augen. „Du kennst ja Dobby. Er war ein knallharter Verhandlungspartner, von dem sich manch einer hier eine Scheibe abschneiden könnte. Er ist mit mir gekommen, nicht sofort, aber seit ich in Amerika eingetroffen bin, ist er bei mir."
Seine Stimme nahm einen fast liebvollen Tonfall an, als er fortfuhr. „Und er hat freiwillig auf Magie verzichtet, damit wir nicht gefunden werden können ... nur mir zuliebe. Natürlich hat er freie Kost und Logie, und weil ich ihn hier in den USA ja schlecht bezahlen kann – ich meine, wo soll ein Hauself hier einkaufen? – hat er freien Zugriff auf mein Konto und aufs Internet, dass er sich bestellen kann, was er möchte. Es ist also nicht so, als würde ich ihn nicht entlohnen oder so ..." Verlegen grinste Draco Hermine an.

Hermine lachte, lachte bis sie keine Luft mehr bekam, über das verlegene Gesicht Malfoys und über die Tatsache an sich. „Dobby? Dobby ist hier?"
„Ja, und ich würde mich auch nie, nie und nimmer von ihm trennen. Niemals."
Die Worte Malfoys berührten ungewollt Hermines Inneres, so dass sie fast augenblicklich ernst wurde.

Sie zögerte, wollte fragen, wie ein Hauself ohne Magie zu leben vermag, wollte jetzt doch fragen, warum Draco Malfoy auch jetzt noch, nach Jahren, auf Magie verzichten wollte oder musste ...
Doch Hermine spürte, dass Draco noch nicht bereit war, mit ihr darüber zu sprechen.

Und sie konnte nicht anders, sie musste auf die eigentliche Frage zurückkommen.
Die Frage, die sie seit Wochen und Monaten beschäftigte. Sie sah ihrem Gegenüber in die Augen.

Dem Mann, der damals ihre Liebe verschmäht hatte – und sich trotzdem auf ihre Seite, auf die richtige, auf die gute Seite gestellt hatte ...

„Und du hast dich im letzten Kampf gegen deinen Vater gestellt?" Draco erwiderte ihren Blick und hielt ihn.

Er nickte.
Draco wusste, was jetzt kommen musste ...
Er hatte gewusst, dass sie diese Frage heute stellen würde.
Und doch hätte er jetzt, in diesem Moment am liebsten die Flucht ergriffen.

Aber er wollte ihr nicht wieder ausweichen, er wollte ihr nicht wieder wehtun. Nicht noch einmal ... Er wusste nicht, warum ihm ihre Meinung auf einmal wichtig war.
Aber jetzt, hier und heute, war es ihm wichtig, ihr zu sagen, dass sie damals Recht hatte.
Dass es ihm Leid tat, was er ihr damals gesagt hatte.
Es war ihm heute wichtig, ihr die Wahrheit zu sagen.

Trotzdem schnitt diese Frage in die Stille, in sein Gewissen. „Warum?"
Er zuckte die Schultern. „Hermine, ich weiß es nicht. Ich habe wirklich und wahrhaftig versucht, mir darüber klar zu werden, was damals über mich gekommen ist. Eine plötzliche Erkenntnis? Keine Ahnung. Ich meine, ja, das ... das Gespräch mit dir hängt schon damit zusammen, da bin ich mir sicher. Aber ich hatte, nachdem du gegangen warst, eigentlich keinen weiteren Gedanken an dich verschwendet, um ehrlich zu sein."
Sein Blick wurde forschend, er sah ihr in die Augen, suchte nach einer Reaktion. „Und doch war es, als wäre dadurch ein Schalter in meinem Kopf umgelegt worden. Ich konnte nicht anders – als ich sah, dass mein Vater in den Kampf Voldemorts gegen Harry eingreifen wollte, Harry von hinten in den Rücken fallen wollte – habe ich einfach wie aus einem Reflex heraus gehandelt. Ich hätte das ... nicht zulassen können."

Hermine nickte. Sie aßen schweigend.

Der Kellner brachte den nächsten Gang, und wieder wechselte Draco Malfoy das Thema.

„Was ist eigentlich aus den anderen geworden? So in der Zwischenzeit? Hast du noch Kontakt ... zu irgendwem? Es ist eine Menge Zeit vergangen ..."
Hermine sah ihn an und lächelte.
„Den anderen? Ich denke, dass du gehört hast, dass Ron die letzte Schlacht nicht überlebt hat." Draco nickte. „Harry arbeitet als Auror ..." Draco schnaufte. Doch Hermine fuhr weiter fort: „... und er und Ginny sind eigentlich die einzigen unserer Mitschüler, zu denen ich noch Kontakt habe. Ginny ist Lehrerin für Muggelkunde in Hogwarts."
Hermine grinste. „Sie hat sich im Übrigen vor zwei Jahren mit unserem heißgeliebten Professor für Zaubertränke liiert ..."
Jetzt musste Malfoy lachen. „Ginny Weasley und Snape? Du willst mich auf den Arm nehmen, oder?"

Hermine verspürte ein wütendes Stechen in der Magengegend … hatte jemand wie Draco Malfoy das Recht, sich über irgendeine Partnerschaft zu mokieren? Jemandem, der selber damals so kalt über ihr Geständnis hinweggegangen war, stand Hermines Meinung nach eigentlich kein Urteil über die Liebe einer Ginevra Weasley zu ...

Draco registriere ihre zusammengezogenen Augenbrauen und hob immer noch lachend entschuldigend die Hände.
„Granger, nein, verstehe mich nicht falsch ... Es gibt keinen Menschen auf dieser Welt, dem ich mehr vertraue als Severus Snape."
Er zögerte kurz. „Du weißt, dass er mein Pate ist?"
Und als Granger nickte, noch immer etwas zögernd, fuhr er fort. „Er ist der einzige Mensch aus von damals, der mir wirklich fehlt, den ich wirklich vermisse ... Aber ich kenne ihn und ich weiß, wie schwer es ist, zu ihm durchzudringen. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Frau ..." Er unterbrach sich. „Aber ich freue mich. Ich freue mich sehr für ihn."

Nun wechselte Hermine das Thema und kam wieder auf den Verlag zu sprechen.
Draco hatte einen ihrer Artikel dreimal geändert, um auch die letzten eher linksgerichteten Tendenzen zu streichen.

Hermine traute sich nun, zog ihn damit auf. Wider Erwarten ging er darauf ein, statt sie zurechtzuweisen und sie begannen eine ernsthafte Diskussion über Politik, Pressefreiheit, Wirtschaft.
Darüber, dass er seine Arbeit nicht nur als Monopolbildung, als politische Polarisierung betrachtete, sondern auch als Sicherung von Arbeitsplätzen, dass er Wert legte auf die Absicherung der Mitarbeiter der Firmen, die er schon lange besaß.
Sie diskutierten, wogen gegeneinander ab, begannen dann, sich ernsthaft zu streiten.

Sie saßen lange, unterhielten sich auch über andere Dinge, lachten und stritten. Redeten ...

Und nun, gerade jetzt war der Augenblick, in dem Hermine spürte, dass sie immer Recht gehabt hatte ... Draco Malfoy war ... intelligent. Er war ihr gewachsen. Er war witzig. Es machte Spaß, mit ihm zu reden ... und es machte Spaß, mit ihm zu streiten …

Nach der Nachspeise tranken sie noch einen Espresso, bevor Draco Hermine wieder nach Hause fuhr. Beide schwiegen, hingen ihren Gedanken hinterher.

„Soll ich dich morgen früh abholen?", fragte Draco, als er vor ihrer Haustür das Auto bremste.

Sie sah ihn überrascht an.

„Wie kommst Du sonst morgen zur Arbeit?" Draco grinste breit. „... du erinnerst dich. Dein Auto. Es ist nicht angesprungen und steht noch immer vor dem Verlag ..."

Hermine musste lachen.
„Ja, danke. Wenn es dir nichts ausmacht ..."
Und so verabredeten sie sich für den nächsten Morgen, um acht ...


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