An Alle: Wie ihr sicher mittlerweile wisst, dürfen die Autoren nicht mehr in den Kapiteln die Reviews beantworten. Signierte Reviews werden von mir in Zukunft per Replyfunktion beantwortet, die anderen per EMail. Wenn ihr anonym reviewt und keine Mailadresse da lasst, kann ich Euch leider nicht mehr antworten, auch wenn mit das sehr leid tut! Ich freue mich trotzdem über JEDES Review, egal wie!

Auch diesmal danke ich besonders meinen Betaleserinnen Nici Cavanaugh und Callista Evans – was wäre ich ohne Euch!

Viel Spaß beim neuen Kapitel:


Der Zeiger der dunklen, alten Westminsteruhr in seinem Büro bewegte sich langsam, aber unerbittlich auf die neun zu.

Draco hatte in der Nacht keine Minute geschlafen, hatte wach gelegen und nachgedacht. Mittlerweile kam er sich reichlich dämlich vor
So spät abends war keine sehr gute Zeit, um lebensentscheidende Fragen zu lösen, stellte er fest.

„Granger, ich muss mit dir reden ..." Nein.
„Hermine, was ich noch sagen wollte, ich habe mich in dich verliebt ..." Nein.
„Granger, könnest du dir vorstellen ..." Nein.
„Hermine, ich weiß, wir hatten schon einmal ein Gespräch zu dem Thema ..." Ganz schlecht, Malfoy, ganz, ganz schlecht.
„Hermine, jetzt, nachdem wir uns wiedergetroffen haben ..." Auch dumm.
„Willst du ...?" NEIN!

Er kam sich selber vor wie in einem ziemlich schlechten Teenie – Film.

Was soll es, notfalls kann ich ja dann wirklich auf den Artikel mit den Bürgermeisterwahlen ausweichen.
Eben. Irgendwie beruhigend. Er würde einfach über den Artikel reden und gut.
Er würde schnell den Artikel besprechen, und damit ist war dann die Sache erledigt.

Nein, würde er nicht ...

Blöde Ausrede, wirklich blöd.
Er würde nicht einfach den Artikel besprechen.
Erstens durfte er nicht kneifen.
Und zweitens gab es an dem Artikel beim besten Willen nichts auszusetzen.

Hermine saß seit fünf Minuten vor neun bei der Chefsekretärin auf einem Wartestuhl und starrte auf den Kunststich an der Wand gegenüber. Ein handsigniertes Original, natürlich.

Norman Rockwells vier Freiheiten hingen genau abgemessen im Quadrat ... Daneben hing Rockwells Stich von dem kleinen schwarzen Mädchen im weißen Kleid, dass von Polizisten in die Schule begleitet wird.

Hermine wusste, dass diese Bilder bei ihrem letzten Chef noch nicht dort hingen ... Malfoy, der konservative Mister Young hängte Rockwells vier Freiheiten in seinem Vorzimmer an die Wand? Sie hob die Augenbrauen.

Die Zeit verstrich, und Hermine starrte noch immer auf die Bilder.
Ihre Gedanken blieben am gestrigen Abend hängen ...

Hermine war gerade dabei gewesen, ihre Papiere auf einen Haufen zu sortieren, bevor sie endlich Feierabend machen wollte, als ihr Bildschirm plötzlich zu blinken begann.
„Sie haben Post."
Jetzt?
Sie blickte in die rechte untere Ecke ihres Bildschirms – fast zwölf Uhr, Mitternacht, das konnte doch nicht sein ...

Young?
Morgen?
... sie hatte die Augen verdreht.

Was hatte er eigentlich um diese Uhrzeit noch im Verlag zu suchen? Ein Chef hat doch die Arbeit den anderen zu überlassen, oder? Bisher war sie der einzige Workaholic gewesen, der länger blieb ...
Und mit dem Artikel ... sie war sich ehrlich gesagt keiner Schuld bewusst. Und sie hatte keine Lust, den Artikel, der eigentlich fertig war, noch zu ändern...

Scheiße.

Sie hatte leise geflucht, als sie sich noch einmal setzte und den Artikel hoch lud, um nach Fehlern oder politischen Fallstricken zu suchen.

Nun blickte sie nervös auf die Uhr.
Ein probates Mittel der Chefetage, um Mitarbeiter mürbe zu machen ...
Der alte Spruch „Je länger man wartet, um so größer der Anpfiff" fiel ihr ein.

Warum konnte er nicht einfach sagen, was er wollte, sie änderte diesen verdammten Artikel und alles war gut? War diese Demonstration der Macht wirklich nötig?

Draco versuchte Zeit zu schinden, indem er die Papiere auf seinem Schreibtisch auf die andere Seite schob und Eck auf Eck anordnete.
Erst viertel nach neun leuchtete die Sprechanlage, die Sekretärin öffnete die Tür und ließ Hermine eintreten.

Möglichst kühl versuchte sie zu wirken. Musterte den wieder etwas zu korrekt gekleideten, arrogant lächelnden Mann hinter dem Schreibtisch.
„Mister Young?"
Malfoy sollte ruhig merken, dass sie mit solchen Managertricks nicht klein zu bekommen war.
Wenn er nur nicht so verdammt ... beunruhigend wäre.

Draco registrierte diesen kühlen, etwas abweisenden Gesichtsausdruck und schluckte.

„Ich habe deinen Kommentar zu den Bürgermeisterwahlen gelesen..."
Innerlich ohrfeigte er sich. Feigling. Feigling. Feigling.

Hermine setzte sofort zum Gegenangriff an, wie sie sich vor der Tür vorgenommen hatte. „Mister Young. Ich habe den Artikel auf ihren besonderen Wunsch geschrieben, und ich habe ebenfalls auf ihren besonderen Wunsch die Streichung der Kindergartenplätze weggelassen und die Einsparungen im sozialen Bereich „wertfrei" dargestellt."

Draco sah die Frau sprachlos an, die ihm gerade politisch Gift und Galle ins Gesicht spucken wollte. Die bewusste Haarsträhne hatte sich wieder gelöst und fiel ihr in die Stirn.

Jegliches Konzept war ihm davongeschwommen. Falls er jemals ein Konzept gehabt hatte.
Draco, du bist und bleibst ein Idiot.
„Nein, nein, der Artikel ist ganz gut so ..."

Hermine, die gerade wieder Luft geholt hatte, um fortzufahren, blieb jetzt ebenfalls im Satz hängen.
Sie zögert kurz und sah dann den großen Medienzar Adam Young an.
Der größte und mächtigste Mann der Welt der Worte wirkte im Moment reichlich sprachlos.

„Du hast mich also hier herbestellt, per Mail und dringend, hast mich 20 Minuten warten lassen, um mir zu sagen, dass du meinen Kommentar „ganz gut so" findest?"

Draco schüttelte den Kopf – jetzt gab es nur noch einen Ausweg, die Flucht nach vorne. Vielleicht war es gut so, dass das Gespräch diesen Verlauf genommen hatte. Jetzt gab es kein Zurück mehr ...

Er schluckte.

„Ja?" Hermine erwartete noch immer einen Kommentar seitens ihres obersten Chefs.
„Hermine, könnest du ... hast du Lust, heute Abend wieder mit mir Essen zu gehen?"

Gut ... es war draußen. Zwar nicht unbedingt das, was er hatte sagen wollte wollen, aber ein Schritt in die richtige Richtung.
Hermine glaubte, sich verhört zu haben. „Wie bitte?"

Das konnte doch nicht sein Ernst sein. Männer sind manchmal eigenartig, natürlich, und dieser Mann sowieso, aber das konnte doch nicht sein Ernst sein.

„Ich meine, wenn es dir nichts ausmacht ... wir könnten doch heute Abend oder wenn du magst morgen ... wieder zusammen essen gehen." – „Wieso sollte es mir etwas ausmachen?"

Hermines Herz hüpfte. Essen gehen ... auch wenn es ein wenig verrückt war, sie deswegen in die Chefetage zu bestellen. Sehr verrückt. Aber diese Chance wollte sie nicht so unprofessionell beantworten wie beim letzten Mal. Nein, sicher nicht.

Diesmal würde sie wie eine Dame reagieren ...

„Wenn ... es dich nicht stört, dich mit mir zu zeigen ..." Hermine sah ihn nur fragend an.
Draco wendete den Rollstuhl zum Fenster.

Sekunden verstrichen, ohne dass gesprochen wurde.

Er starrte aus dem Fenster, dem Zimmer den Rücken zugewandt: „Weißt du, Granger, ich selber habe mich wirklich daran gewöhnt. Es macht mir nichts mehr aus, wirklich nicht, schon lange nicht mehr ... Ich meine, ich kann nicht mehr alles machen, aber sehr viel schon. Aber ich brauche für alles etwas mehr Zeit. Die Behinderung bestimmt mein Leben, nicht umgekehrt. Ich habe mein Leben auf den Rollstuhl ausgerichtet. Ich weiß nur nicht ...", er wendete seinen Rollstuhl und sah ihr gerade in die Augen: „... ob ich das auch von einer Frau erwarten kann. Zumal, wenn ich behaupte, diese Frau zu lieben ...". Er zögerte kurz. Und schluckte. „Hermine - glaubst du, du kannst mir jemals verzeihen, was ich dir damals gesagt habe?"

Völlig verblüfft starrte Hermine ihr Gegenüber an. Ihr Herz klopfte so laut, dass sie dachte, dass auch Malfoy es hören musste. Er liebte sie!

Draco Malfoy hatte ihr eben gesagt, dass er sie liebt!

Sie trat einen Schritt nach vorne und streckte ihre Hand vor, ergriff die seine.
„Draco, weißt du: Du bist einfach umwerfend. Finde dich damit ab, dass ich einfach der Meinung bin, dass du, so wie du bist, denkst und handelst und so wie du aussiehst - egal ob früher Todesser oder nicht, und egal ob heute Rollstuhl oder nicht - mehr Sexappeal hast als ein Mann, der laufen kann, aber nicht denken, und der aussieht wie Quasimodo ... Malfoy, ich war schon in der Schule verrückt nach dir. Und seit dem Augenblick, an dem wir uns wiedergetroffen haben, weiß ich, dass sich daran nichts geändert hat."

Sie beugte sich zu ihm und verschloss seine Lippen mit den ihren.
Der Kuss wurde leidenschaftlicher, und Draco zog Hermine zu sich auf den Schoß.
Jahrelange, jahrzehntelang unterdrückte Emotionen nahmen ihren Lauf und bahnten sich ihren Weg in die Freiheit ...

Sie unterbrachen den Kuss und hielten sich fest, lange und schweigend. Hermine hatte das Gesicht an Malfoys Hals vergraben und atmete mit geschlossenen Augen seinen Duft ein.

Schließlich murmelte sie undeutlich an seinem Hals. „Beantwortet das deine Frage?" Draco lachte. „Ich würde es mal zumindest nicht als ´nein deuten, oder?" Hermine küsste ihn noch einmal, doch als die Lämpchen der Sprechanlage zu blinken begannen, erhob sie sich rasch, zog ihr Kostüm glatt und gab ihm noch einen Kuss auf die Wange.

Als sie den Raum verließ, führte die Sekretärin den Leiter der Sportredaktion herein ...

Wütend funkelte dieser seine Kollegin an.
Schon wieder hatte die Politik dem Sport den Rang abgelaufen ...

Ihre Kollegin begrüßte sie mit besorgtem Gesichtsausdruck: „Und, wie war es? Du warst lange weg ... Hat er noch einen Satz von Deinem Artikel übriggelassen?"

Hermine lächelte.

„Doch, es ging ... Er war sogar ganz nett heute."


Ja ... soll es noch weitergehen? Ein paar Kapitel hätte ich noch! Schreibt mir einfach ein kleines Review ... ;)