Auch hier wieder vielen Dank an Callista Evans und Nici Cavanaugh fürs Betalesen! Ihr seid einfach die Besten!

Everybody gets a second chance

Gute zwanzig Minuten nachdem Hermine wieder an ihrem Schreibtisch saß, blinkte erneut das Symbol für eine neue Nachricht auf ihrem Bildschirm auf.

Soll ich Dich dann heute Abend abholen? So gegen 19.00Uhr?
PS: Der Idiot wollte noch mehr Geld für einen Football – Bericht aus Texas – kannst Du Dir das vorstellen?
PPS: Ich liebe Dich.

Jenny sah auf - Hermines Lächeln war ihr nicht entgangen. „Was ist?"

Hermine schwindelte ohne rot zu werden. „Nichts, warum?", erwiderte sie ohne zu zögern ... und wechselte das Thema.


Hermine stand schon am Straßenrand, um auf den Mercedes zu warten, und gemeinsam fuhren sie zu ,ihrem´ Italiener.

Bevor Schweigen aufkommen konnte, ergriff Draco das Wort und machte unverbindlich Small talk.
Sie unterhielten sich, er fragte nach, warum Hermine auf die Idee gekommen war, nach Amerika zu gehen.
Hermine erzählte, Draco hörte ihr zu. Schweigend, aufmerksam.

Sie sprach von ihrer Unruhe, der Suche nach dem Sinn, von Rons Tod, vom Tod Draco Malfoys, des Mannes, den sie liebte, mehr als ihr eigenes Leben ...

Sie berichtete, wie sie plötzlich ihr altes Leben nicht mehr hatte ertragen können. Wie sie der alten Welt den Rücken kehrte hatte und in die Vereinigten Staaten gezogen war.

Draco lächelte, fragte nach … dann foppte er sie: „Also ist es eigentlich meine Schuld, dass wir jetzt hier zusammen in New York sitzen?"
Hermine sah ihn an, dann musste sie grinsen. „Ja, ich denke, das kann man so sagen."
Draco lachte, Hermine stimmte mit ein, lachte zum ersten Mal bei diesem Thema, laut, wie befreit, auf.
Eine Last war von ihr genommen worden, schwerer als Felsgestein ...

Dann, später, im Restaurant, begann Draco wieder von seiner Flucht nach Amerika zu erzählen.
Dabei wurde er ausführlicher ... Angestaut, wie ein See kamen seine Worte erst langsam, dann immer eindringlicher hervor.

Er erzählte von seiner Flucht, von den Klinikaufenthalten, von seinem Studium. Von George und auch von Leon ...
Er versprach, sie Hermine vorzustellen.

Das Essen kam, sie aßen, schweigend, nicht ungemütlich, aber weil fürs Erste alles gesagt war, hing jeder seinen eigenen Gedanken nach ...

Trotzdem konnte Hermine es sich nicht verkneifen.
Auch wenn sie wusste, wie gemein sie war ...
Sie musste das Thema ansprechen, sie musste das Wort aussprechen, sie konnte es nicht herunterschlucken, sie wäre daran erstickt.

„Und jetzt sitzt du doch mit dem Schlammblut hier ... und bist dabei, die seit Jahrtausenden gezüchtete Reinheit des Blutes der Familie Malfoy zu zerstören ..."

Draco ließ ein kurzes, trockenes Lachen hören. „Kinder, wenn ich früher gewusst hätte, was mich diese Scheiße, die mein Vater da verzapft hat, noch kosten würde in meinem Leben ..."
Er zögerte, nicht böse wegen des Themas, aber nachdenklich. „Wenn nicht kurz vor dem letzten Kampf eine gewisse Person zu mir gekommen wäre, hätte ich wahrscheinlich nie über den Sinn und Unsinn dieses Mistes nachgedacht ..." Er lachte leise und ergriff Hermines Hand. „Irgendwie hat sich da etwas in meinem Kopf gelöst. Ich habe nachgedacht, weißt du, ... gerade jetzt, gerade in den letzten Tagen, immer wieder ... und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dieses Mädchen, das mir da über alle Schranken hinweg seine Verliebtheit gestanden hat, klüger und weiser war als alle meine Vorfahren zusammen. Vielleicht wollte ich auch nur den jugendlichen Helden für sie spielen, ich weiß nicht, unbewusst vielleicht ... ich weiß es nicht."

Er hob kurz Hermines Hand, küsste sie zart in die Handfläche. „Ich meine, ich weiß nach wie vor, dass ich damals im letzten Kampf eigentlich nicht an dich gedacht habe. Aber trotzdem war es gut, dass du mir den Kopf noch rechtzeitig zurechtgerückt hast. Sonst hätte ich wahrscheinlich nie mehr den Absprung gefunden."

Hermine stütze das Kinn auf den Ellenbogen, sah ihm in die Augen. „Dann denkst du, wenn ich damals nicht zu Dir gekommen wäre, oder zu einem anderen Zeitpunkt, dann ... dann hätte dein Vater dich nicht verletzt?"

Draco wurde sehr plötzlich sehr ernst. „Hermine, erstens denke ich, wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, wie die Dinge gekommen wären, wenn etwas anders gelaufen wäre. Wir haben genug mit den Dingen zu tun, wie sie sind. Zweitens war es meine eigene freie Entscheidung, was ich getan habe. Du hast mir allenfalls den Anstoß dazu gegeben. Und drittens, und das ist das Wichtigste, bin ich sehr, sehr froh, dass du mir diesen Anstoß gegeben hast. Glaube mir, mein Leben wäre anders, aber sicher nicht besser verlaufen, wenn ich nicht gegen meinen Vater angetreten wäre. Ich wäre nicht verletzt worden, nein, wahrscheinlich nicht. Ich hätte ... ich wäre kein verfluchter Krüppel. Aber ich wäre in anderer Weise gefangen, in einer Weise, die du dir nicht vorstellen kannst. Ich würde alles wieder genauso machen, auch wenn ich den Preis dafür vorher kennen würde."

Er machte eine kurze Pause. „Ich weiß nicht, ob ich das genauso sagen würde, wenn ich nicht gerade jetzt, in diesem Augenblick", nun neckte er Hermine, „das Gefühl hätte, dass eben diese Frau mich auch so mag, wie ich jetzt bin. Ich glaube, wenn du mich so nimmst, wie ich bin, und vielleicht als ... Partner akzeptierst, dann habe ich wirklich keinen Grund mehr, eine einzige Entscheidung, nein, auch nur eine Sekunde meines Lebens zu bereuen."

Hermine lächelte, sah ihm in die Augen und zog leicht die Augenbrauen zusammen. „Wieso vielleicht als Partner akzeptierst?"

Draco zögerte. „Weißt du, ich denke, wir sollten trotz alledem noch ... einige Dinge besprechen, bevor wir wirklich von ‚Partnerschaft' reden."
Er drehte am Stiel seines Weinglases und fuhr fort. „... ich meine, nein, ich denke ... du kannst dir gar nicht der vollen Tragweite dessen bewusst sein, was ich von dir verlange ...
Erstens darf und möchte ich nach wie vor keine Magie verwenden, um nicht von meinem Vater entdeckt zu werden. Du wirst bei deiner Arbeit im Ministerium sehr auf das aufpassen müssen, was du sagst."

„Nun, das werde ich schaffen, darauf kann ich achten ... du bist in deine ‚neue' Identität so hineingewachsen, dass niemand nachfragen wird. Wenn ich heute mit dem Muggel Adam Young zusammen bin, hat das nichts, aber auch gar nichts mit dem vor Jahren verstorbenen Draco Malfoy zu tun."
Draco musste lachen. „Ja, dafür wäre ich dir dankbar ..."
Hermine wollte ihn unterbrechen, näher nachfragen, aber er schüttelte den Kopf und fuhr energisch fort, wechselte das Thema und kam zu dem, was ihm heute Abend wichtig war.
„Aber es ist auch ... alles andere. Es wird immer Menschen, Leute geben, die uns ... nicht akzeptieren. Die sich nicht vorstellen können, dass eine Beziehung mit mir funktionieren kann."

Hermine schüttelte den Kopf. „Das ist doch ... unwichtig ..."
Aber Draco beharrte auf seiner Meinung. Hob eine Augenbraue – nicht fragend, sondern eher belustigt. „Das kann verletzender sein als du dir vielleicht vorstellen kannst ..."

Er zögerte kurz, bevor er fortfuhr. „Du kennst mich, und du weißt, wie ich mich im Verlag verhalte ... aber es gehört soviel mehr dazu. Der Rollstuhl betrifft mein gesamtes Leben, Hermine. Kannst du dir vorstellen, mir zuliebe darauf zu verzichten, irgendwo hinzugehen, nur weil das Haus eine Treppe hat? Und noch mehr ... Ich muss mich in wirklich jeder Beziehung darauf einstellen."
Hermine versuchte ihn zu unterbrechen, aber er redete weiter, ignorierte ihre Ansätze zu sprechen mit einem selbstironischen Lächeln, war entschlossen, das Thema zu Ende zu bringen.
„Ich weiß, dass du jetzt sagst, das ist alles nicht entscheidend und zählt nicht für dich.
Und dass du das auch wirklich glaubst, was du sagst, ... aber ich möchte, dass du mir versprichst, dass du mir – wenn es dich jemals abstoßen sollte – Bescheid sagst.
Bitte.
Lüg mich nie an ... Ich kann es akzeptieren, wenn du das alles nicht erträgst.
Aber ich akzeptiere keine Lüge ... lüg mich nie an."
Der Tonfall war härter geworden während er sprach; der letzte Satz kam fast als Befehl ...

Hermine sah ihm in die Augen. In ihr tobte das Bedürfnis, Draco in den Arm zu nehmen, zu beteuern, dass seine Sorgen unbegründet waren ... tobten mit einer Wut, einem schier unbändigen Zorn, wie er überhaupt auf solche Gedanken kommen konnte ...

Aber sie wusste, dass jede dieser Reaktionen verkehrt gewesen wäre, und so nickte sie nur.

Draco senkte den Blick und starrte in sein Weinglas, als er fortfuhr. „Und beim ... Sex, ich meine, ich weiß, es funktioniert, aber ..." Er merkte, dass er sich nun endgültig in das Thema verrannt hatte, stockte und blickte Hermine in die Augen.

Sie stand auf, griff nach ihrer Garderobe, lächelte und küsste ihn zart. „Nun – ich denke, es gibt nur eine Methode, dir zu zeigen, ob ich das mag, oder?"


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