Authors Note:

Ich weiß, dass es sehr, sehr lange gedauert hat, aber hier ist es: das nächste Kapitel von „Objects in the rear view mirror" ...

Hoffentlich verzeiht Ihr mir die Wartezeit – schuld daran ist eine Kombination aus Zeitmangel, Jobwechsel (über den ich aber noch immer sehr froh bin – es war eine lange gereifte, sehr gute Entscheidung!), hartnäckigen PC- und Internet-Problemen und daraus resultierend dann auch einfach keine Ruhe und keine Lust zum Schreiben ...

Wenn etwas kommt, dann kommt alles auf einmal :-D, aber ich denke, dass ist halt Murphys Gesetz.

Motiviert, jetzt doch endlich weiterzuschreiben, haben mich vor allem zwei Freundinnen:

meine unentbehrliche, unvergleichliche, beste Betaleserin und Beraterin Callista Evans, ohne die hier sowieoso nichts funktionieren kann, und Kira Gmork, deren Mails dafür verantwortlich sind, dass ich nicht frustriert in meinem Schreibtief sitzen geblieben bin, sondern es als solches akzeptiert habe und dann, als wieder mehr Zeit war, mit der alten Freude wieder ans Schreiben gegangen bin.

Ich danke Euch beiden – ohne Euch wäre die Geschichte nicht weitergegangen, und Euch widme ich auch das nächste Kapitel!

Besonders danken möchte ich aber auch ArwenundOmriel, Neara, Valpuri, Mamma Katze und Sirendipity für Eure Mails und Reviews während der Wartezeit.

Es hat mich immer wieder motiviert, wenn auch in einer längeren Pause Leser Gefallen an meiner Geschichte finden und wollen, dass sie weitergeht – vielen Dank, ihr seid einfach toll!

Sodele – kommt aber wirklich das nächste Chap.

Nothing at all – Ronan Keating

Alles, alles hätte Hermine erwartet, als sie am nächsten Morgen erwachte.
Ein Lächeln, ein liebevolles Wecken, einen Kuss ...
Aber als sie die Augen aufschlug, blickte sie geradewegs in Dobbys große, weit aufgerissene Augen, der begeistert quietschte: „Miss Granger!"
Schnell schloss Hermine die Augen wieder.

Das war nicht wahr, oder?

Am Vorabend hatte sie nichts anderes wahrgenommen außer Draco, und hatte auch wirklich nicht mehr an den Hauselfen gedacht ... er hatte sich wohl zurückgezogen, noch bevor sie im Haus eingetroffen waren.

Aber jetzt war Dobby nicht mehr zurückzuhalten. „Ich habe bemerkt, dass mein Meister nicht alleine ist ..." Hermine hätte nie gedacht, dass eine Hauselfe so ein ... anzügliches ... Grinsen haben kann. „Und dann habe ich gesehen, dass Sie es sind! Wie sehr ich mich freue, Sie wieder zu sehen! Und dann auch noch hier!" Hermine zog sich die Decke über den Kopf. Draco, neben ihr, war wach geworden, und konnte einfach nicht anders – er platzte vor Lachen.


Bereits am nächsten Tag war es für beide völlig normal, gemeinsam zu Abend zu essen.

Hermine lächelte leise bei ihrer Arbeit ...

Wie selbstverständlich hatten sie eine Beziehung aufgenommen. Sie hatten nicht darüber reden müssen – Hermine fühlte sich schon seit dem ersten Abend, seit der ersten Nacht nicht mehr wie jemand, der einen neuen Freund hat, sonder eher wie eine glücklich verheiratete Ehefrau.
Keine weitere Nacht hatte sie alleine in ihrem eigenen Bett verbracht.

Und Hermine gefiel es.
Sie brauchte keine Werbung, sie wollte keine Schmeicheleien.
Sie benötigte keinen Flirt.

Sie wünschte sich vielmehr Sicherheit.
Sie genoss die Vertrautheit, die mit jedem Tag noch zuzunehmen schien, ohne jemals verkrampft zu sein.

Ob es an der langen Dauer der Bekanntschaft zuvor liegen mochte?
Nachdem sie bereits jahrelang gestritten hatten, diskutiert hatten, sich vermisst hatten, wollten beide nur die Zweisamkeit genießen – ohne wenn und aber.

Ob es vielleicht auch ein wenig an der Behinderung ihres Geliebten liegen mochte?
Beide waren gezwungen, manche Dinge ... deutlicher auszusprechen, über manche Dinge schneller zu reden als andere Paare.
Oder ob es an der geradezu schonungslosen Nüchternheit lag, mit der Draco hierbei über sich selber sprach?
Nach der zweiten Nacht, die Hermine bei ihm verbracht hatte, hatte Draco sie mit dem Satz: „Du musst wissen, worauf du dich einlässt", geradezu genötigt, seinem morgendlichen Badezimmerritual beizuwohnen.
Mit völlig neutralem Gesichtsausdruck hatte er dargestellt, welche Funktionen seines Körpers nicht mehr seinem Willen gehorchten, sondern nur noch auf einfachen Reflexen beruhten; er schilderte die Folgen nicht nur in sexueller Hinsicht, sondern eben auch für die völlig alltäglichen Fragen morgens im Badezimmer.
Erst nach Beendigung der gesamten Morgentoilette, als er in Anzug und Krawatte das Badezimmer verließ, drehte er kurz hinter der Tür herum und blickte ängstlich wie ein kleiner Junge, der etwas angestellt hat, zu Hermine auf. „Denkst du, dass du das ein Leben lang erträgst?"
Hermines Antwort war kurz, aber eindeutig wie sie nur sein konnte ...

Es konnte natürlich auch an der Art liegen, wie Draco ... sich um sie sorgte.
In der vierten Woche seit sie ein Paar waren, hatte Draco ihr mit dem Kommentar „nur falls etwas sein sollte", beim Frühstück ein Bündel Briefe in die Hand gedrückt, die sie einen nach dem anderen öffnete.
American Express Centurion Partnercard, Master Card Gold Partner, Visa Gold Partner, Geheimzahlen, Codeworte ...
Hermine wollte fast beleidigt auffahren. Doch er stoppte sie mit den Worten: „Du musst sie nicht benutzen, wenn du nicht willst, aber steck sie ein, falls irgendwann etwas sein sollte."
Mit den letzten Worten war er aus dem Raum verschwunden.

Spontan hatte Hermine Schwierigkeiten, mit diesem ... Angebot umzugehen. Oder war es ein Vertrauensbeweis? Was, zum Donnerwetter, hatte er sich dabei gedacht?
Fast den ganzen Morgen hatte Hermine während ihrer Arbeit darüber gegrübelt ... erst Abends, wieder im Gespräch mit ihrem Freund, war ihr bewusst geworden, dass er eigentlich nichts anderes gemacht hatte, als ihr in einer für einen Malfoy typischen Weise seine Sorge um sie zu zeigen ...
Sie steckte die Karten in ihre Handtasche und vergaß sie bald darauf ...


Im Verlag ließen sie noch nichts von ihrem Verhältnis verlauten.

Ohne darüber gesprochen zu haben, blieb die Beziehung zunächst diskret auf das private Leben beschränkt.

Und doch ... wenn sie sich im Verlag sahen, durch Zufall, oder auch absichtlich ...
Bei der nächsten Abteilungsbesprechung lächelte Hermine, als Draco in den Raum kam ... und er lächelte unmerklich zurück.
In der Cafeteria, die in der Mittagszeit von den Angestellten des Verlages überfüllt war, spürte Draco, wenn Hermine mit ihrem Kollegen den Raum betrat. Die Verbundenheit zwischen ihnen zeigte ihm, wo sie sich befand ... Durch Blicke wussten sie sich zu verständigen ...
Ohne dass jemand es sah, schenkten sie sich ein Lächeln quer durch den Raum. Beim Verlassen der Cafeteria kam Draco an ihrem Tisch vorbei, nickte höflich ... das anzügliche Blitzen in seinen Augen wusste nur eine am Tisch richtig zu interpretieren ...
Oder wenn sie sich im Aufzug begegneten, alleine ... niemand fiel auf, wie sich die Journalistin Hermine Granger rasch die Haare ordnete und den Rock glatt zog beim Verlassen des Aufzugs ...

Abends kochten sie gemeinsam. Auch wenn Draco sich früher immer von Dobby ein schnelles Essen hatte zubereiten lassen ... die gemeinsame Arbeit in der Küche entwickelte sich rasch zum liebevollen Ritual.

Wie selbstverständlich hatte sich Hermines Haushalt, Hermines gesamtes Leben in Dracos Haus verlagert.

Schon alleine, weil Hermine im dritten Stock ohne Aufzug wohnte ...
Schon alleine, weil Dracos Haus größer, komfortabler und schöner war ...

Morgens erwachte Hermine alleine in dem riesigen, komfortablen Bett. Schon bald hatte sie bemerkt, dass sie sich in einen Mann verliebt hatte, der noch früher aufstand als sie ...
Noch vor dem Frühstück absolvierte Draco ein hartes Programm im eigenen Trainingsraum und im eigenen Pool, das er noch aus der Zeit in den Rehakliniken beibehalten hatte, während Hermine sich noch einmal auf die andere Seite drehte.
Lächelnd wurde sie erst Stunden später zu einem großzügigen Frühstück zärtlich geweckt ...

Sie war endlich zu Hause angekommen.

Verblüfft musste Draco feststellen, dass sich Hermine ohne größere Schwierigkeiten an sein Leben angepasst hatte.

Ohne darüber zu reden, vielleicht sogar unbewusst beachtete sie die Einschränkungen, die er hatte, und passte sich ihm an ...
Als wären sie schon seit Jahren, als wären sie schon immer zusammen ...
Auch wenn sie unterwegs waren, gemeinsam, wusste Hermine, worauf es ankam, war sie bei ihm, zeigte sich gerne mit ihm.
Akzeptierte ihn, wie er war.

Ignorierte das Starren mancher Leute ...
Er selber war damit immer zurecht gekommen. Er hatte es nach seiner Flucht in die Muggelwelt einfach als Teil der Veränderungen in seinem Leben akzeptiert, als er nach Amerika ging ...
Zuviel war für ihn zu tun, um sich wirklich Gedanken darüber zu machen, ob ihn beim Einkauf zwei oder drei Leute anstarrten.
Es war für ihn fast selbstverständlich.
Doch auch wenn er nicht damit gerechnet hätte, auch wenn er mehr um Hermines als um seiner selbst Willen Angst vor der Reaktion anderer Leute gehabt hatte ... es tat ihm gut, wenn er dem Starren, dem Tuscheln nicht mehr alleine ausgesetzt war.
Wenn Hermine bei ihm war.
Es tat gut, wenn jemand zu ihm stand.

Sie nahm ihn, wie er war – natürlich, ohne Aufhebens.
Er sprach über seine Behinderung, sprach sie immer wieder an, um sicher zu gehen, dass seine Gefährtin damit zurecht kam ...
Sie würde es nie ansprechen ...
Sie würde es nie auch nur erwähnen.
Für sie war er selbstverständlich, für sie war er liebenswert, genau so, wie er war ...
Mit jedem Tag wurde er ruhiger, wurde er mehr er selber ... mit jedem Tag begriff er mehr, dass diese Frau ihn liebte.
Ihn liebte, nicht das Geld, die Macht, die Verlage ... sondern einfach nur ihn selber, seine Art, seine Gegenwart. Ja, und auch ihn selber. Zum ersten Mal in seinem Leben wurde er nur um seiner selbst willen geliebt.

Und mit jedem Tag wurde er sich dieser Tatsache mehr bewusst.

Er war zu Hause angekommen.


Tbc ...