Wie immer danke ich meiner Beatline Callista Evans!


All I want for Chrismas – Mariah Carey

Das Jahr neigte sich dem Ende und damit Weihnachten zu.
Schokoladefiguren tummelten sich im Kaufhaus, Bing Crosby sang aus den Lautsprechern ...

Hermine liebte New York zu Weihnachten. So kitschig wie nirgends sonst auf der Welt, so weiß wie sonst nie, an jeder Ecke ein Weihnachtsmann, Lichter und Schnee ...
Frisch verliebt in New York zur Weihnachtszeit ... mehr Romantik auf einmal war fast nicht vorstellbar.

Noch immer hatten sie ihre Beziehung im Verlag nicht bekannt gemacht. Ein Verhältnis am Arbeitsplatz ist immer ein Problem, und ohne es angesprochen zu haben, hatten sie bisher Diskretion walten lassen ...

Am letzten Abend im November waren die Einladungen zur Betriebs-Weihnachtsfeier des Verlags erschienen, und mittags fand Hermine die Einladung in ihrem Postfach.
Sie überflog rasch die Zeilen, doch an der letzten Zeile blieb ihr Blick hängen.
„Mit Begleitung, U.A.w.g. bis zum 07.12., über ein zahlreiches Erscheinen würden wir uns freuen".

Abends fragte sie ihren Freund ... „Sollen wir uns ... gemeinsam anmelden? Was meinst du?" – „Warum nicht?", fragte Draco mit zusammengezogenen Augenbrauen.
„Ich meine ... warum haben wir uns bis jetzt nicht gezeigt? Ein Verhältnis am Arbeitsplatz ist immer ... schwierig, mit dem höchsten Chef sowieso ... Möchtest du denn wirklich mit einer deiner Angestellten gesehen werden? Und dann mit einer popeligen, zu allem Überfluss demokratisch wählenden Politikreporterin?"

„Ich denke, wir sollten jetzt langsam ruhig allen zeigen, dass wir zusammen gehören – wenn du es willst. Wenn du ..."
Draco zögerte, überlegte, ob er es seiner Freundin freistellen sollte.
Ob er wieder - schon wieder - fragen sollte, ob sie trotz des Rollstuhls zu ihm stand, obwohl sie die letzten Wochen doch immer zu ihm gestanden hatte ...
Es kam ihm selber widersinnig , fast beleidigend, vor, sie zu fragen, nach allem, was er in den letzten Wochen erfahren hatte ... und doch nagte ein kurzer Zweifel in ihm ...
Bisher waren es Fremde gewesen, denen gegenüber Hermine Zusammengehörigkeit gezeigt hatte ... nun jedoch ...
Aber Hermine unterbrach ihn schon, schüttelte den Kopf und lächelte.
Sie verstand. „Natürlich sollten wir das ..."

Draco meldete sich mit Begleitung an ...

In der folgenden Woche wurde Hermine von ihrem Abteilungsleiter angesprochen, ob
sie denn kommen wolle. „Doch, doch, ich bin angemeldet." – „Die Sekretärin sagte, es läge noch keine Zusage von Ihnen vor ..." Hermine wurde rot. „Doch, ich komme." – „Ich frage nur, mir ist es ja eigentlich egal ... Aber das Essen scheint hervorragend zu sein, ich habe mich gefragt, wo er das Buffet hat bestellen lassen."
Hermine lachte. „Nein, nein. Ich komme, ich habe nur die Antwort noch nicht abgegeben."

Auch Jenny hakte zwei Tage später noch einmal nach: „Youngs Sekretärin hat angerufen, weil von dir noch keine Anmeldung vorliegt zu der Weihnachtsfeier. Du hattest doch gesagt, du kommst?" Hermine nickte. Jenny fuhr fort, „Ich habe mal mündlich zugesagt, aber sie wartet deine schriftliche Anmeldung ab. Du solltest es wirklich nicht verpassen, Sara kennt diese Feiern ja schon, und sie sagt, dass Young auf das vollständige Erscheinen seiner Mitarbeiter achtet. Jetzt mal abgesehen davon sollen die Feiern immer wirklich gut sein ... Und ich habe keine Lust, alleine mit unserem Chef und der Sportredaktion rumzuhängen."

Hermine lachte und versprach zu kommen.
Woraufhin Jenny neckend ergänzte: „Vielleicht schafft es Robin ja dieses Jahr, dich endlich unter einen Mistelzweig zu ziehen."
Hermine schüttelte den Kopf. „Danke für die Warnung, das werde ich doch hoffentlich vermeiden ..."

Am Abend der Feier wurde die Arbeit im Verlag etwas früher beendet. Draco und Hermine waren gegen Nachmittag nach Hause gefahren, und Draco sah Hermine beim Ankleiden zu.

Das kleine Schwarze, mit einem durchsichtigen schwarzen Seidenschal um die Schultern ... „Komm her!" Draco zog die Freundin auf seinen Schoß, nahm eine Kette mit einem Herzen aus Perlen aus der Tasche, legte sie Hermine um den Hals.
Hermine musste lachen, freute sich ... ihr Dank verzögerte die Abfahrt nicht unwesentlich.

Gemeinsam fuhren sie in dem silbernen Mercedes bei der Weihnachtsfeier vor.
Hermine war so schön wie nie zuvor, fand Draco.

Als sie hinter Draco den Raum betrat, ihre Hand auf seiner Schulter, verstummte eine Stimme nach der anderen. Stille breitete sich im Raum aus, als langsam einer nach dem anderen der Festbesucher registrierten, dass die kleine Politikreporterin und der große Medienmogul Mr. Adam Young gemeinsam erschienen waren.

Die Zusammengehörigkeit zwischen den beiden war in Gestik und Auftreten deutlich zu erkennen. Hermine nickte ihrem Abteilungsleiter zu. Dieser rührte sich in dem ganzen Raum dann auch wieder als erster, kam auf die beiden zu, lachte, gratulierte, verwickelte Hermine in ein Gespräch.

Beide genossen den Abend. Genossen es, sich nicht mehr verstellen zu müssen, und auch in der Öffentlichkeit zusammen zu gehören.
Draco machte die Runde, redete mit seinen Angestellten, Hermine war bei ihm, meistens, manchmal auch blieb sie im Gespräch hängen ...
Alle gratulierten ihr, niemand hätte es vermutet, niemand wäre auf diese Idee gekommen.

Jenny schüttelte nur völlig fassungslos den Kopf: „Und du bist dir sicher, dass ihr zwei zusammenpasst?" Hermine lachte nur.

Robin hatte sie eintreten sehen.
Hermines Augen trafen die seinen.
Robin wendete seinen Blick ab.
Hermine versuchte später, Robin alleine zu treffen, um mit ihm zu reden.
Doch er vermied den Kontakt, sah an ihr vorbei und verschwand nach dem Essen.

So blieb Hermine mit ihrem Abteilungsleiter und Jenny ins Gespräch vertieft stehen. Jenny lachte noch einmal, sie schien sich für Hermine zu freuen, zog sie auf, wollte alles mögliche wissen ...

Sie blieben in Gruppen verteilt, redend stehen.
So war das Gespräch am Nachbartisch deutlich zu verstehen und Hermine kam nicht umhin, mitzuhören.
„Er kauft die Kleine sowieso nur jetzt, solange er Spaß daran hat. Als ob eine Frau, die aussieht wie Granger, freiwillig mit einem Krüppel ins Bett gehen würde ... Wenn er keine Lust mehr hat, wird er sich sowieso nach neuen Spielzeugen umsehen. Er kann es sich ja leisten ..."

Mister Grant, der Sportredakteur, natürlich. Nicht laut, aber doch laut genug, dass sie es hören sollte.
Hermine war blass geworden. Sie holte gerade tief Luft, wollte ihrem Gegenüber die entsprechende Antwort geben, als Draco das Wort ergriff ...
Niemand hatte in der Menschenmenge bemerkt, dass er hinter ihnen stand und zuhörte, niemand wusste, ob er die letzten Worte des Sportredakteurs gehört hatte. Das übliche arrogante Lächeln umspielte seine Lippen.

„Sie irren sich, Mister Grant ..." Der Sportredakteur war nun ebenfalls blass geworden. Damit hatte er nicht gerechnet. „Ich denke nicht, dass ich Lust auf ein anderes Spielzeug haben werde. Ich denke vielmehr, dass ich, wenn Sie so weiter machen, Lust auf einen anderen Abteilungsleiter für Sport habe ... Und mein Spielzeug und ich gedenken im Verlauf des nächsten Jahres zu heiraten." Mit diesen Worten ließ er die kleine Gruppe stehen. Hermine sah ihm mit leicht geöffnetem Mund nach ...

Heiraten?
Hatte dieser Mann eben von Heirat gesprochen?
Ihr Herz klopfte ihr auf einmal bis zum Hals.
Malfoy und Granger, Granger und Malfoy?
Hermine und Draco, Miss Granger und Adam Young ...
Ihre Gedanken drehten sich im Kreis.

Die Gesichtsfarbe des Sportredakteurs wechselte jäh zu hochrot, er schnaufte und verschwand ohne ein weiteres Wort in die andere Richtung.
Hermines Abteilungsleiter lachte immer herzlicher, umarmte die noch immer sprachlose Hermine und gratulierte ein weiteres Mal am heutigen Abend. „Dass Sie beide sogar schon so weit sind ..."

Hermine fing sich wieder, beantwortete Fragen und ließ sich von Jenny und ihrem Chef feiern. Sie überspielte die Tatsache, dass sie ebenfalls gerade erst von ihrer Verlobung erfahren hatte, und holte Champagner.

Abends fuhren sie gemeinsam nach Hause. Schweigend saßen sie nebeneinander im Auto, aufmerksam beobachtete Hermine ihren Freund.
Bis dieser schließlich zu lachen begann. „Was ist?"
„... na ja ..." – „Machst du dir Gedanken wegen dieses Blödmanns? Lass es! Er ist keinen weiteren Gedanken wert ... so etwas sollte einen nicht stören. Glaub mir, er ist nur neidisch und zittert jetzt mehr um seinen Job, als dass ich mich über ihn ärgere."
Hermine nickte.
Kurzes Schweigen.

An der nächsten Ampel sah Draco seine Beifahrerin an. Und begann langsam und nachdenklich zu lächeln.
„Aber - falls es das ist, was du meinst – heiraten sollten wir natürlich trotzdem." Tausend kleine Teufel tanzten hinter seinen Augen.
Hermine musste lachen. „Einen Heiratsantrag habe ich mir immer anders vorgestellt ..."
Er sah ihr in die Augen. „Willst du mich denn heiraten? Ich meine ...", er holte kurz Luft, „nicht gleich jetzt sofort, aber vielleicht irgendwann, in noch ein paar Monaten, und nur wenn du wirklich willst ..."

Hermine lachte. „Ja, ja, natürlich. Ich will ..."

Das Hupkonzert hinter dem silbernen Mercedes wurde unerträglich ...
Die Ampel sprang zum dritten Mal auf Grün.


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