Wie immer danke ich besonders meiner Betaleserin Callista Evans – vielen, vielen Dank!

Außerdem danke ich natürlich allen Reviewschreibern und auch allen, die meine Story in die Favs aufnehmen!

Wie einige von Euch wissen, bin ich dieses Wochenende auf Kongress und deswegen ist meine Zeit eher knapp. Ich wollte auf alle Fälle trotzdem updaten, aber ich hoffe, Ihr habt Verständnis, wenn die Reviewantworten und die Antworten auf die Mails erst Anfang nächster Woche kommen ...

Take good care of my baby – Bobby Vee

Am nächsten Montagmorgen wurde Hermine von ihrer Freundin genauso herzlich wie immer begrüßt.
Und doch machte sich nach dem fröhlichen „Guten Morgen" eine eher gespannte Stille breit ...

Die beiden Frauen saßen wie üblich vor der Morgenbesprechung noch kurz an ihren Schreibtischen, um ihre Papiere vorzubereiten, und keine traute sich so recht, das Gespräch zu beginnen.
Hermine schielte schüchtern zu ihrer Freundin, wartete deren Reaktion ab, nun, da sie beide unter vier Augen waren.
Jenny hingegen schien zu warten, bis Hermine das Thema anschnitt.

Die Stille schien sich auszudehnen.

Erst Minuten später hob Jenny doch den Kopf und platzte heraus: „Also, jetzt erzähle ... erzähl schon, ich will Einzelheiten. Wie lange seid ihr schon zusammen? Und wie um alles in der Welt ist das passiert?"

Hermine lachte. Und begann zu erzählen ... sie hielt sich streng an die Muggel–Motorrad-Version, aber zum ersten Mal berichtete sie Jenny davon, wie lange sie und Adam Young sich wirklich schon kannten, und wie lange sie ihn schon liebte. Sie berichtete von ihrem ersten Liebesgeständnis und seinen Folgen ... Sie kam auf den Augenblick zu sprechen, da sie ihn wiedererkannt hatte und berichtete die gesamte Geschichte, bis hin zu dem Augenblick, als sie ein Paar geworden waren.

Jenny hörte staunend zu ...

Fragte, warum Hermine nie etwas erzählt hatte ...
Hermine sah kurz wieder ihren Computerbildschirm an.
„Weißt du, es war schwierig ... Ich habe es doch zuerst selber gar nicht wahrhaben wollen. Ich wollte nicht in ihn verliebt sein, nicht in den Jungen, der mich damals so hat abblitzen lassen, nicht in den Monopolbildner und Kapitalisten ..."

Sie sah Jenny an und grinste. „Aber es gibt es an ihm auch sehr, sehr viele liebenswürdige Seiten. Auch wenn er sie manchmal recht gut zu verstecken weiß." Sie lachte wieder. „Aber er ist ... sehr intelligent. Witzig. Liebevoll ... und besorgt ..." Sie wurde rot und senkte den Blick. Dann grinste sie.
„Außerdem gibt es in Afrika ein Sprichwort,Liebe ist wie Husten. Man kann sie nicht unterdrücken.´"
Jenny musste lachen.

„Ich denke ja nach wie vor, dass du überhaupt nicht zu ihm passt. Aber wenn er dich glücklich macht ... dann will ich auch glücklich damit sein. Und wenn er dich jemals unglücklich macht ... dann bekommt er es mit mir zu tun!"
Hermine lachte und schüttelte den Kopf. „Mach dir da keine Sorgen."

Jenny umarmte ihre Freundin. Dann sah sie ihr in die Augen und fügte hinzu: „Aber du würdest es mir sagen?", fragte sie ernst. Hermine nickte, plötzlich gerührt von der Anteilnahme und dem Schutzbedürfnis der Freundin.

„Aber, ... Hermine, ... sei mir nicht böse, ... ich meine, wenn ich zu dir – zu euch – komme ... ich muss ihn nicht duzen, oder? Ich meine, es ist mein Chef ... Ich habe ihn als ... na ja, als Medienhai kennen gelernt, und die Vorstellung, dass er dabei ist, wenn wir wie früher einen trinken gehen, fällt mir irgendwie ... nun ja, nicht direkt schwer, aber ..."
Hermine lachte. „Sieh es nicht so verkrampft. Er ist eigentlich ein ganz ruhiger Typ, ehrlich ... er ist – wenn man ihn richtig kennt – sehr nett, gut, ein bisschen ... versnobt manchmal, das gebe ich zu, aber er ist wirklich sehr nett."
Sie war froh, mit Jenny reden zu können.


Doch eine Frage hatte auch Jenny nicht gestellt, obwohl Hermine gespürt hatte, dass sie ihr auf der Zunge lag.

„Und Robin?"

Mittags war Robin nicht in der Kantine erschienen. Hermine war sich nicht sicher, ob sie es erwartet hatte. Als er auch am nächsten und übernächsten Tag nicht auftauchte, begann ein Kampf in ihr.

Sie hatte gewusst, dass Robin schon immer mehr in ihr sah als eine gute Freundin. Aber sie hatte ihm nie Hoffnungen gemacht – auch nicht vor der Übernahme des Verlages durch den Young – Konzern.

Es hatte nichts mit Draco zu tun, dass Robin nie mehr für sie sein würde als ein Freund.
Aber auch nicht weniger.
Sie vermisste ihn, sie vermisste ihn sehr und kämpfte nun mit sich selber, ob sie den Schritt wagen und einfach bei ihm anrufen sollte.
Doch was sollte sie ihm sagen?

Nach drei Tagen griff sie zum Telefon und wählte die Nummer der Druckerei.
Zweimal ließ Robin sich verleugnen, bis Hermine ihn am anderen Ende der Leitung hatte.
Seine Reaktion war, wie Hermine es erwartet hatte. Aber es verletzte sie trotzdem ...

Zunächst abweisend und nur auf das Geschäftliche beschränkt, wurde Robin in dem Augenblick, als Hermine vorsichtig auf Adam Young zu sprechen kam, richtig gemein.

Es fielen Worte wie „Käuflichkeit" und „wer es nötig hat". Von „verkauften Idealen" war die Rede und von „Prinzipientreue".
Worte, die tief trafen und Worte, die nicht wieder zurück genommen werden konnten.

Hermine wusste, dass Robin nur seine eigene Verletztheit damit zum Ausdruck brachte, dass er nie und nimmer so ein schlechtes Bild von ihr haben konnte. Aber sie war trotzdem getroffen.
Tief getroffen ...


Abends spürte Draco, dass Hermine bedrückt war, sich nicht wie immer sonst verhielt ...

Hermine wollte ihm nicht erzählen, was geschehen war. Besorgt, dass es ihn verletzen könnte, schwieg sie und erst auf eine gezielte Frage erzählte sie, dass sie seit dem Weihnachtsessen nichts mehr von Robin gehört und darum heute telefonisch nachgefragt hatte.
Draco nickte. Er konnte sich denken, wie dieses Gespräch verlaufen war ...

Hermine wechselte rasch das Thema.
Doch in dieser Nacht schlief Draco nicht eine Minute .


Draco hatte Robin einbestellt. Gleich morgens nach seinem Eintreffen im Verlag hatte er ihn per Mail zu einem Treffen in seinem Büro geladen.
Beide musterten sich über seinen dunklen, edlen Schreibtisch hinweg.
Und beiden war klar, dass es sich hierbei um keine geschäftliche Besprechung handelte.

Aus dem Verlagsinhaber und dem Druckereileiter, aus dem Chef und dem Angestellten, dem Medienhai und dem Sozialisten waren zwei Menschen geworden.

Zwei Männer, die um eine Frau kämpften.

Draco – Adam Young – versuchte sich gar nicht erst damit, um das Thema herumzureden.
„Hermine hat mir von Ihrem Gespräch gestern erzählt ..."

Robin senkte seinen Blick.
Draco fuhr fort, leise, fast um sich zu verteidigen, um Robin von seiner Ehrlichkeit zu überzeugen.
Er hätte ihm drohen können, ihn zurechtweisen können, alles ... Aber er wusste, dass Hermine die Meinung dieses jungen Mannes wichtig war. Und deswegen ... wollte er ihn überzeugen.
Überzeugen, dass er Hermine liebte und sie glücklich machen wollte. Überzeugen, dass er kein Schwein war, kein Versager, kein ... Er wollte sich rechtfertigen.

Er erlebte dieses Gefühl zum ersten Mal in seinem Leben: Er wollte von diesem unwichtigen kleinen Angestellten gemocht oder zumindest verstanden werden.
Hermine zuliebe ...

Auch wenn er auf einmal das Gefühl hatte, nicht mehr er selbst zu sein, nicht mehr Draco Malfoy, nicht mehr Adam Young ... Auch wenn er zum erstem Mal in seinem Leben wirklich und ehrlich in die Defensive ging ... Er wollte Robin erklären, dass er, Adam Young, Hermine glücklich machen wollte.

„Ich liebe sie wirklich. Hermine ist so eine ... großartige Frau, sie hat alles, was man sich nur wünschen kann ... sie ist schön, sie ist ..."

„Ja, das ... glaube ich Ihnen sogar. Ich glaube Ihnen, dass Sie diese Frau lieben. Ich ... liebe sie doch auch. Und ich weiß, wie wundervoll sie ist. Ich habe die vergangenen zwei Jahre nichts anderes getan, als es ihr immer wieder zu sagen ... wie großartig sie ist. Aber ich habe sie nicht bedrängen wollen, ich habe ihr Zeit gelassen. Und ... was ich nicht verstehe ..." Er unterbrach sich, als er merkte, was er zu sagen im Begriff war.

Adam Young sah seinem Angestellten in die Augen und ergänzte leise seinen Satz. Sehr leise ... gefährlich leise. Auch wenn er sich vorgenommen hatte, nett sein zu wollen ... mit einem Schlag wurde er wieder zum Slytherin.

„Was Sie nicht verstehen, ist warum diese Frau mich liebt. Warum sie sich für mich entschieden hat -. und nicht für Sie. Nicht für den netten, politisch korrekten, smarten, gesunden Robin Brookman ... Und wissen Sie was, ich verstehe es selber nicht. Es gibt für diese wundervolle, einzigartige Frau keinen Grund, mich zu lieben ...

Warum sie es trotzdem tut, warum um alles in der Welt sie mich trotzdem liebt, weiß ich nicht, und werde ich nie verstehen. Aber gerade deswegen werde ich nicht nachfragen.
Sondern ich werde einfach ... dieses Geschenk annehmen.
Hermine ist keine Lügnerin ... und deswegen glaube ich ihr einfach.
Warum auch immer sie es tut, aber wenn sie sagt, dass sie mich liebt, ich glaube ihr!"

Robin kniff leicht die Augen zusammen ... er hatte nichts zu verlieren. Die Tatsache, dass der Mann, der vor ihm saß, ihm die Frau seines Lebens genommen hatte, war ihm wichtiger als alles andere, wichtiger als sein Job, wichtiger als sein Leben. Er musste es loswerden, konnte seine Wut nicht herunterschlucken ...

„Natürlich ist es leicht für Sie, zu akzeptieren, dass eine Frau sie liebt. Welche Frau würde nicht einen Mann nehmen, der ..."

Draco unterbrach ihn, noch immer unheimlich ruhig.

„Wenn Sie darauf anspielen, dass es mit meinem Geld zu tun haben könnte, dann beweisen Sie nur, wie schlecht Sie die Frau kennen, die Sie behaupten, zu lieben. Mein ganzes Geld und die Verlage waren für sie eher ein Grund, mich nicht zu nehmen, als umgekehrt ... Sie hat mehr Schwierigkeiten mit meinem „Kapitalismus und Wertesystem" als dass sie es als gut oder positiv ansehen würde. Sie ist der Typ Frau, der mich nicht wegen, sondern trotz des Geldes nimmt ... und das wissen Sie im Grunde Ihres Herzens auch.
Trotz Geld, trotz Rollstuhl, ich weiß nicht warum, aber sie hat sich für mich entschieden ..."

Robin zuckte die Schultern. Er wusste dem nichts entgegenzusetzen.

Draco drehte sich herum, starrte aus seinem Fenster ...
Nach minutenlangem Schweigen begann er leise zu sprechen.

„Hermine hat gesagt, es wäre ihr egal, was andere Leute von ihr denken. Und es wäre ihr egal, wenn andere unsere Partnerschaft nicht akzeptieren. Sie sagt, sie wird immer zu mir halten.
Aber ich denke, es ist ihr nicht egal.
Gerade bei Ihnen ... Ihre Meinung ist ihr sehr, sehr wichtig.
Und ich will nicht, dass sie verletzt wird.
Aber ich weiß, dass es noch oft geschehen wird, dass sie noch oft verletzt werden wird meinetwegen und wegen unserer Partnerschaft. Auch wenn sie diese Frage wesentlich mutiger angeht, als ich das tue, weiß ich, dass sie angefeindet werden wird und dass unsere Partnerschaft immer wieder auf Unverständnis stoßen wird, aus mehr als einem Grund.
Sie braucht ihre Freunde, gerade jetzt ... und ich möchte nicht, dass sie ihre Freunde um meinetwillen verliert", schloss er heiser.

Wieder folgte minutenlanges Schweigen ...

Bis Robin sich leise erhob. „Passen Sie gut auf sie auf, ja?"

Draco nickte, noch immer mit dem Rücken zu ihm, als Robin leise das Zimmer verließ.

Er stand noch lange und blickte aus dem Fenster.