Liebe und Freundschaft sind Dinge, vor deren Beschreibung man sich hüten soll.
Man kann nur Tatsachen aufzeigen.
- Meines Vaters Pferde -
Clemens Laar

Deswegen widme ich dieses Kapitel wieder meiner Beta Callista Evans.

Vielen Dank an alle Reviewer – leider kann ich den anonymen Reviewern nicht persönlich antworten, aber lasst Euch auf diesem Wege ganz herzlich danken! Ich freue mich über Eure Reviews!


Love Story

Ein Flug wäre schneller und bequemer gewesen.
Dennoch hatte Draco Hermine vorgeschlagen, die Reise um George zu besuchen über mehrere Tage auszudehnen. Sie wollten mit dem Auto die Küste hinunter fahren, gelegentlich in einem Hotel übernachten … es genießen, als den ersten gemeinsamen Urlaub.

Hermine hatte zugestimmt, und sie freute sich auf die Fahrt.

Es würde wunderbar werden. Fahren, bei heruntergelassenem Verdeck die Küste entlang, reden ... viel Zeit füreinander haben.

Aber trotz allem spürte sie auch eine gewisse Nervosität. – Diese Menschen, die sie nun kennen lernen sollte, waren in den vergangenen zehn Jahren Dracos Familienersatz gewesen. Sie hatte Lampenfieber wie eine junge Braut, die zum ersten Mal ihren Schwiegereltern vorgestellt wird, und sie hatte das Bedürfnis, einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Ob sie es Draco verraten sollte, wie sie sich fühlte? Hermine entschied sich dagegen. Wer weiß ...

Ihre Nervosität stieg.

Langsam bog der silberne Mercedes in eine ruhige Straße einer gehobenen Wohngegend ein, und Hermines Herz schlug bis zum Hals, als sie vor der Einfahrt eines sauberen weißen Bungalows abbremsten.

Noch als der Wagen ausrollte, öffnete sich die Tür, und während sie aus dem Auto ausstiegen, kam ein kleiner Junge von etwas mehr als zwei Jahren auf sie zugestürmt. Geschickter als in diesem Alter erwartet, hatte er sich auf Dracos Schoß gezogen und schlang die Arme um ihn. Draco lachte und zog ihn ebenfalls an sich.

Mit dem Kind auf dem Schoß rollte er Richtung Haustür, wo er herzlich von George und seiner Frau Erica, die das Baby auf dem Arm hielt, begrüßt wurde.

Draco stellte Hermine vor. – Lächelnd wurden sie empfangen und ins Haus gebeten.

Sie musste sich eingestehen, dass sie sich das Ehepaar anders vorgestellt hatte – nicht dass sie sagen konnte warum, aber sie war überrascht über den jungen, dunkelhaarigen Mann in Dracos Alter, der trotz des Rollstuhls eher an einen Preisboxer als einen Spitzenanwalt denken ließ. Seine hübsche blonde Frau wirkte dagegen zart, fast zerbrechlich und schien eher von ruhiger Art zu sein.

Als Hermine sich diskret umsah, konnte sie nicht umhin, sich spontan wohl zu fühlen – ein schönes, helles und sympathisches Haus, dem man ansah, dass es auch auf die Kinder eingestellt war. Sauber und doch nicht zu ordentlich – Hermine bemerkte, dass selbst im Wohnzimmer die oberen Bücherregale mit ledergebundenen juristischen Folianten, die unteren Regalreihen mit Teddybären besetzt waren. Ein Schaukelpferd mit deutlichen Gebrauchsspuren hatte seinen Platz neben einem teuren Sofa – es war ein richtiges gemütliches Familienhaus.

Eine dreifarbige Katze kam, die Besucher ebenfalls zu begrüßen ... Hermine begann, sich zu entspannen, spürte aber, dass sie von George genauso aufmerksam gemustert wurde, wie sie sich umsah.

Ein lockeres Gespräch entspann sich zwischen George und Draco, immer wieder unterbrochen von Spielen mit Leon und dem kleinen Frank.

Doch Hermine spürte, wie sie die ganze Zeit über beobachtet wurde – nur selten ließ Erica den Blick von ihr, nahm einzelne Gesten wahr, Blicke zwischen ihr und Draco.

Als die junge Frau sich erhob, um das Essen zu bereiten, fragte Hermine, ob sie helfen dürfe, und folgte Erica in die Küche ...

Dort erläuterte Erica Hermine mir kurzen Worten, wo sie die Zutaten zum Salat finden würde, und beide begannen schweigend mit den Vorbereitungen für das Essen ...

Hermine sah aus den Augenwinkeln auf die hübsche junge Frau neben ihr. Auf Anhieb waren ihr das Haus und die Art von Erica sympathisch gewesen, aber sie spürte, dass ein latentes Misstrauen ihr gegenüber herrschte.

Aber ... erstens hatte sie es erwartet. Und zweitens war ihr Erica vielleicht gerade dadurch noch sympathischer, als wenn sie es ohne Widerspruch, ohne Nachfrage akzeptiert hätte, dass eine junge Frau sich für Adam Young interessierte.

Sie mochte die Art, dass Erica eine Art Schutzinstinkt zu haben schien ... und sie mochte diese Frau. Auf Anhieb. Ohne sagen zu können warum, fühlte sie sich wohl in ihrer Gegenwart.
Hermine hatte das Gefühl, sich und ihre Liebe zu Draco Malfoy, zu Adam Young vor dieser Frau verteidigen zu müssen.
Sie hatte das Bedürfnis, dass diese Frau ihre Liebe akzeptierte.
Aber Hermine spürte auch, dass sie sich nicht verstellen musste, um genau das zu erreichen ...
Und sagte deswegen, unvermittelt in das Schweigen hinein: „Ich liebe ihn wirklich. Ehrlich ..."

Es war ihr einfach nur herausgerutscht ohne darüber nachzudenken.
Erica sah sie an – und plötzlich mussten sie beide lachen. Sie konnten nicht anders ...

Zum ersten Mal an diesem Tag sahen sich Erica und Hermine wirklich und ehrlich in die Augen ... Erst jetzt wurde beiden bewusst, dass sie bisher einen direkten Blickkontakt eher vermieden hatten. Sie sahen sich an und lachten immer herzlicher ...
Erica fragte: „Hat man es mir so sehr angemerkt?"
Hermine nickte, bis Erica ergänzte: „Natürlich machen wir uns Sorgen ... weißt du, wie viele Frauen ihn schon haben wollten? Sein Geld und seine Macht? Gut, er hatte bisher nie wirklich Interesse an jemandem ... Aber George hat mich instruiert, dir auf den Zahn zu fühlen ... ob du ihn liebst oder nur auf sein Geld aus bist ... Er macht sich Sorgen, weißt du? Adam hat es verdient, eine Frau zu haben, die ihn wirklich mag. Er ... ist so wunderbar, einer der besten Menschen auf der Welt. George sagt immer, sein größtes Talent sei ,Freund zu sein´.

Auch wenn er es nicht zeigt, sind ihm die anderen Menschen immer wichtiger als er selber und er hat viel für George und für uns getan. Er ist immer da, wenn wir ihn brauchen ...
Und George macht sich Sorgen um ihn ... Adam braucht jemanden, der ihn liebt, weißt du? Aber ich denke, ich habe ein gutes Gefühl, was euch beide betrifft ..."
Hermine lächelte und hatte das Gefühl, lange kein so schönes Kompliment mehr bekommen zu haben.
Und sie spürte, dass sie eine neue Freundin, eine Freundin fürs Leben gefunden hatte.

Währenddessen saßen Draco – Adam Young – und George im Wohnzimmer, redeten, sprachen ...

Selbstverständlich wechselte ihr Thema auf Hermine, sobald die Frauen das Zimmer verlassen hatten.
George hob die Augenbrauen und fragte sogleich – sein Tonfall klang noch wie vor Gericht: „Du liebst sie?"
Draco nickte.
George behielt den Tonfall bei. „Sie dich auch?", und sein Freund begann über dieses Kreuzverhör zu lachen.
„Machst du dir Sorgen? Nein, das brauchst du nicht. Ich denke – ich bin mir mittlerweile sicher – dass Hermine und ich – dass wir zusammen gehören. Sie ist in Ordnung, wirklich ... und ja, ich denke, sie liebt mich. Sie ist wunderbar ... in jeder Beziehung." – „Adam, missversteh mich nicht ... du hattest seit ich dich kenne, und das sind mehr als zehn Jahre, keine wirklich feste Beziehung. Warum nicht? Und warum jetzt ausgerechnet sie?"

Zuerst zog Draco kurz die Augenbrauen zusammen wegen der direkten Frage. – Aber George kannte ihn lange genug, und wenn jemand ihm diese Frage stellen durfte, dann er.
Und so ließ er sich die Worte durch den Kopf gehen und lachte dann.
„Warum ausgerechnet sie? Vielleicht weil ich ausgerechnet auf sie gewartet habe. Weil keine andere so wundervoll, intelligent, witzig und mutig ist wie sie. Weil alle anderen – wie ich ja durchaus zugebe – wirklich oft mehr an meinem Geld interessiert waren als an mir. Hermine ist anders, glaub mir."
Mit einem Lachen fügte er in einem bewusst ironisch-schnoddrigem Tonfall hinzu - wissend, dass sein Freund den Witz verstehen und spätestens im Laufe des Abends aufgreifen würde: „Hey, sie wählt demokratisch. Denkst du, sie nimmt mich wegen meines Geldes oder was?" Nun lachte auch George.

„Sei mir nicht böse, ich mache mir doch nur Sorgen ... wir haben schon gedacht, du würdest dich verfangen im ewigen Traum von der Schönen, wegen der du damals auf das Motorrad gestiegen bist. Ich bin froh, wenn du darüber hinweg bist und endlich anfängst, richtig zu leben. Es wird Zeit, dass du eine Familie bekommst."
Draco bemühte sich um einen ernsten Gesichtsausdruck und ein eher kaltes Lächeln. „Darüber hinweg?" – „He, Adam, nimm es nicht böse. Ich erinnere mich nur ... das Mädchen, dem du damals imponieren wolltest ... du hast es doch erzählt ..."
Draco lachte nun wirklich und sah ihm direkt in die Augen. „Natürlich habe ich dir davon erzählt. Und ich bin nicht darüber hinweggekommen." George zog die Augenbrauen zusammen, bis Draco den Satz ergänzte.

„Hermine ist das Mädchen, dem ich damals imponieren wollte ..."

Sekunden hielt sich ein ungläubiges Staunen in Georges Gesicht und ein leichtes schlechtes Gewissen in Dracos ob dieser Beichte, dann lachten beide gleichzeitig los.
„Nein ... Hermine ist ..."
Draco nickte. „Wir haben uns im Verlag wiedergetroffen. Es hat dann noch ein bisschen gedauert, bis wir uns ausgesprochen haben, aber ja, Hermine ist die Frau, die ich damals geliebt habe und die ich heute liebe ... Es scheint einfach doch so etwas zu geben wie ,ewige´ oder ,wahre´ Liebe ... wir gehören einfach zusammen, verstehst du?"
George nickte mit einem Augenzwinkern ... „Und mir davon nichts zu erzählen ... aber ... es freut mich."

Dann wechselte George erneut wieder in den Tonfall des Kreuzverhörs. „Und sie kommt zurecht mit deiner Behinderung? Es klappt?" – „Bis jetzt ja – Hermine ist wirklich wunderbar, glaub mir. Sie ist die Frau, auf die ich gewartet habe ... in jeder Beziehung. Sie nimmt die Tatsachen als… selbstverständlich, sie scheint oft völlig unbewusst zu wissen, worauf es ankommt. Bis jetzt hat es einfach gut funktioniert ..."
George sah Draco kurz in die Augen, bevor er den Blick auf seinen Schoß senkte und leise fortfuhr. „Adam, ich weiß, dass du damals ... sehr, sehr oft mit Erica zusammengesessen hast. Ich weiß, dass es am Anfang oft schwer war für sie, und ich weiß, wie viel ich dir verdanke ... Ich denke nicht, dass wir es ohne dich so gut geschafft hätten, eine funktionierende Partnerschaft aufzubauen.
Du hast viele Probleme zwischen uns zu klären geholfen, und oft ist es ihr damals leichter gefallen, mit dir über meinen Rollstuhl, über meine Behinderung zu reden als mit mir selber. Aus Rücksicht, aus Mitleid, egal, was es damals war, aber ... ich weiß durchaus, wie oft ihr damals die Nächte durchdiskutiert habt über mich.
Und ich möchte, dass du weißt, dass - wenn ihr zwei euch wirklich liebt - Hermine dann ebenso zur Familie gehört wie du.
Ich möchte, dass sie weiß, dass sie immer kommen kann, egal was ist, auch einfach nur so ... zum Reden, zum Helfen, was auch immer. Du warst immer mein bester Freund und mein Bruderersatz, und ich möchte, dass auch Hermine weiß, dass wir immer für sie da sind, wenn sie etwas braucht.
Wenn es gut funktioniert, bin ich glücklich. Aber wenn einer von euch oder wenn ihr beide uns braucht, dann sind wir für euch da, Erica und ich."

Draco nickte und fuhr langsam Richtung Küche. „Danke!"
Dann lachte er und boxte im Vorbeikommen seinem Freund in die Seite: „Aber das weiß ich auch so. Lass uns schauen, was Leon macht und ob die zwei mit dem Essen fertig sind."

Der Rest des Abends verlief in einer entspannten Stimmung ...

Die beiden Frauen spürten, dass auch die Männer die Zeit zu einer Aussprache genutzt hatten, und Hermine war damit in die Familie aufgenommen.
Das Essen verlief in ausgelassener Stimmung; das Gespräch wechselte zwischen ruhigen und interessanten Themen, von den Verlagen und Georges Verhandlungen, von Leon und Frank. Später kam es zu lebhaften Diskussionen.

Lachend berichteten Hermine und Draco nun auch Erica, wie lange sie sich schon kannten und zwischen den Frauen entspann sich eine Diskussion über die Darstellung von ewiger Liebe in Hollywoodfilmen. Leon bestand darauf, dass sein Pate ihn zu Bett bringen möge, und Draco unterwarf sich lachend der Diktatur.
Auch über Politik wurde diskutiert, und natürlich nahm George die Bemerkung seines Freundes über die demokratische Grundeinstellung Hermines zu Anlass für einige Frotzeleien.
Es war ein gelungener Abend, bis sich die Beteiligten gegen drei Uhr früh in die Betten zurückzogen.

„Draco?" – „Mh?" Ihr Freund war bereits halb eingeschlafen.
„Draco ... heute ... als du mit Leon gespielt hast ... wie wichtig ist es dir eigentlich?" – „Was?" Ein halblautes Schnauben signalisierte, dass der Mann neben ihr wieder wacher geworden war. Sie zögerte. „Naja ... die Kinderfrage ... möchtest du welche?" Draco lachte und zog sie sanft zu sich hinüber. „Weißt du was? Der Gedanke ist mir heute auch irgendwie gekommen ... Was meinst du?" Hermine lachte. „Ja, ich denke, das wäre eine gute Idee ..."
Draco brummte und ließ seine Hand an Hermines Rücken hinuntergleiten. „Dann ist doch alles klar ... Herm, ich weiß nicht, ob es nicht bei mir ein wenig schwieriger werden kann als sonst ... Wenn wir ein bisschen Zeit brauchen ... ist das schlimm für dich?"
Hermine lächelte und murmelte etwas von „Anfangen zu üben", als sie spürte, dass Draco zögerte und noch weiter reden wollte.
„Ich ... weißt du, … aber ich denke, wir unterhalten uns morgen noch einmal genauer darüber ... ich meine ... verstehe mich nicht falsch, ich will Kinder, ich will Kinder von dir, mein Schatz, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. Es wäre alles für mich ...
Aber bevor wir anfangen, sollten wir noch ... ein bisschen genauer darüber reden. Hermine, ich bin meine gesamte Kindheit von Leuten betreut worden, die nicht meine Eltern waren ... Mein Vater hat mich immer durch Dritte erziehen lassen, und meine Mutter hat immer und in jeder Beziehung das gemacht, was mein Vater von ihr verlangt hat. Sie konnte gar nicht anders ...
Meine erste wirkliche Bezugsperson war Severus Snape. Ich möchte nicht, dass es meinen Kindern genauso ergeht ... Ich meine, du bist erfolgreich in deinem Beruf, ich bin erfolgreich, und wir müssen einen Weg finden, wie wir die Kinder betreuen, wenn wir beide arbeiten und sie trotzdem unsere Kinder bleiben, verstehst du? Ich denke, wir finden einen Weg, aber wir sollten vorher darüber reden ..." Hermine nickte im Dunkeln und rückte noch näher zu ihrem Mann. „Wir werden schon eine Lösung finden, denkst du nicht?"

Draco lachte, und seine Hand rutschte noch tiefer, als er antwortete: „Was hast Du eben zum Thema Üben gesagt?"


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