Sodele, nun geht es also weiter ...
Vielen Dank wie immer Callista Evans für´s Betalesen!
Vielen lieben Dank auch allen, die mir ein Review hinterlassen und meine Story auf ihre Favs setzen! Ihr seid die Besten!
Den anonymen Reviewschreibern auf diesem Weg – statt einer Mail – ganz herzlichen Dank!
I´m still standing – Elton John
Zwei Tage nachdem Hermine ihre Wohnung endgültig aufgelöst hatte und bei Draco eingezogen war, hatte sie auch die Adressänderungen verschickt ...
Wieder drei Tage später läutete das Telefon.
„Young", meldete Draco sich. Ein kurzes Zögern am anderen Ende der Leitung. „Guten Tag, mein Name ist Potter ... ich suche eine Hermine Granger."
Dracos Augen glitzerten gefährlich, als er seiner Freundin den Hörer reichte, und ein unergründliches Lächeln umspielte seine Lippen. „Es ist für dich ..."
Harry war überrascht. Er freute sich, dass Hermine wieder einen Freund hatte und wollte alles wissen.
Hermine erzählte die Standardversion:
Ihr Chef, erfolgreich, ein Muggel, nett, gebildet, intelligent, reich ...
Harry gratulierte ihr, sie redeten lange. Hermine schwärmte, erzählte, gestand, dass sie endlich glücklich war.
Und sie erzählte die Geschichte über den Motorradunfall ...
Harry und Hermine telefonierten in der darauf folgenden Zeit wie immer alle paar Wochen; unregelmäßig, aber treu.
Durch Harrys aktuellen Auftrag war es ihnen allerdings zunächst nicht möglich, sich zu treffen; doch auch Hermine drängte nicht, was ein Treffen anbelangte. Noch wusste sie nicht, ob Draco dazu bereit war.
Bis fast ein halbes Jahr vergangen war ..
Da sie mittlerweile langsam begannen, einen festen Termin für die Hochzeit zu suchen, konnte Hermine nicht mehr anders – sie lud ihren alten Schulfreund ein, ihren zukünftigen Ehemann kennen zu lernen.
Nach dem Auflegen zögerte sie kurz und schloss die Augen.
„Und? Was hast du mit Potter besprochen?" – „Du hast doch gehört, was ich gesagt habe. Er will vorbei kommen ...".
Draco zuckte die Schultern. „Früher oder später war das zu erwarten ... und jetzt?" – „Wir können es ihm einfach sagen ..." Draco schüttelte den Kopf. „Nein, nein ... nicht Potter. Wir lassen es darauf ankommen ..." Seine Antwort kam etwas zu schnell, als dass es Hermine nicht aufgefallen wäre.
Hermine sah ihn fragend an. „Du weißt aber, dass du ihm vertrauen kannst. Er wird uns nicht verraten, nicht Harry. Niemals!"
„Weißt du, es ist ... schwierig. Ich mache mir ja nicht nur Sorgen wegen meines Vaters. Ich meine, außer dir, Albus, Poppy und Dobby natürlich hatte ich nie wieder Kontakt zur magischen Welt. Wer mich hier und jetzt kennt, kennt mich nur im Rollstuhl.
Hermine, ich ... ich war nie dem Problem ausgesetzt, was passieren würde, wenn ich jemandem begegne, der mich noch gekannt hat, als ich gesund war. Ich habe nie die Frage beantworten müssen: „Was ist Ihnen denn passiert?"
Harry und ich haben Quidditch gegeneinander gespielt, waren beide Mannschaftskapitän, waren beide Sucher ... Ich habe keine Lust, ihm ins Gesicht zu sehen, wenn ... wenn er sieht ... was aus mit geworden ist." Er stockte.
Hermine sah ihm in die Augen. Sie verstand ihn, doch sie wusste nicht, wie sie ihm helfen könnte ...
Sie beugte sich vor, um den Mann zu küssen, den sie so sehr liebte ...
Draco hielt sie fest, hielt sich fest wie ein Ertrinkender.
Der Tag von Harrys Ankunft in New York war gekommen – und wie es früher so oft gewesen war, wartete Harry nicht den verabredeten Termin am Abend ab, sondern suchte Hermine gleich nach seiner Ankunft im Verlag auf.
Hermine und Jenny blickten auf, als sich die Tür öffnete und der dunkelhaarige, große junge Mann in ihr Büro kam. Stürmisch begrüßten sich die beiden Schulfreunde – Aber ein leises Lächeln umspielte Hermines Lippen, als Harry Jenny herzlich die Hand drückte und diese mit gesenktem Blick und einem gemurmelten „Ich habe gleich einen Termin" den Raum verließ. Jenny mochte Harry, mochte ihn sogar sehr, das hatte Hermine schon bei seinen letzten Besuchen gemerkt.
Harry hielt Hermine kurz auf eine Armeslänge Abstand, sah ihr tief in die Augen: „Du siehst gut aus. Doch, ich denke, du bist glücklich ..." Er lachte.
Sie begannen zu reden, zu erzählen, beide lachend. Sie redeten durcheinander wie in alten Zeiten. Harry lehnte sich halb gegen Hermines Schreibtisch, zog kurz die Augenbrauen zusammen und griff nach dem Foto, das neben ihrem Bildschirm stand.
„Es freut mich, nachher endlich den Mann kennen zulernen, der dich vor der ewigen Einsamkeit bewahrt hat ..." Hermine lachte und schüttelte den Kopf, als Harry fortfuhr: „Oder vor der ewigen Trauer um Draco Malfoy."
Hermine wandte sich ab, wollte sich nicht verraten ...
Harry deutete das falsch: „Herm, es ist doch gut, wenn du endlich über ihn hinweg bist. Aber", er zog die Augenbrauen hoch „ irgendwie stehst du immer auf den gleichen Typ Mann." Hermine lächelte: „Warum?" Harry stellte das Photo zurück, nickte mit dem Kopf. „Weil ich mir Malfoy genauso vorstellen würde, wenn er überlebt hätte und in unserem Alter wäre ..."
Eine schneidende Stimme kam von der Tür.
„Aber Draco Malfoy ist tot, seit über 10 Jahren, Potter. Er ist tot ..." Das letzte Wort klang nach einer Warnung ...
Durch Zufall hatte Draco die offene Tür des Büros gesehen und die letzte Hälfte des Gesprächs mitgehört.
Schwarze Jeans, hellblaues, halbaufgeknöpftes Hemd, locker und attraktiv wie immer, stand Harry Potter am Schreibtisch und lachte, er lachte gemeinsam mit Hermine ...
Draco Malfoy konnte nicht anders.
Mit einem Schlag kam er sich mehr als ... spießig vor.
Unattraktiv.
Das fröhliche Lachen seiner Freundin klang in seinen Ohren ...
Er konnte nicht anders, er musste diese vertraute Szene unterbrechen.
„Draco Malfoy ist tot ..."
Die beiden ehemaligen Rivalen musterten sich quer durchs Zimmer.
Auch wenn die Eifersucht, die Gefühle in ihm tobten – trotzdem vermittelte der junge Mann im Rollstuhl Arroganz, eine gewisse Distanz und Überlegenheit.
Erkennen war in Harry Potters Augen zu sehen, dann Misstrauen ... und schließlich, nach einigen Sekunden, Verstehen. Man las in seinem Gesicht, wie er das, was er hier sah, mit den Dingen, die Hermine ihm erzählt hatte zusammenfügte... und er verstand.
Draco las in seinem Mienenspiel ...
Kurz, Bruchteile einer Sekunde nur, blitzten eine Mischung aus Wut, Trotz und Scham in seinen Augen, als er beobachtete, wie Harry ihn musterte, und dessen Augen auch am Rollstuhl hängen blieben, an der Decke, die über seinen reglosen Beinen lag ...
Sekunden später schon war alles vorbei.
Ein Lächeln umspielte Harrys Lippen. Er hob seine Kaffeetasse so als wolle er damit anstoßen und lächelte. „Ja, das ist er wohl. Draco Malfoy ist vor über 10 Jahren gestorben, im letzten großen Krieg gegen Voldemort."
Draco rollte in die Mitte des Zimmers, sie schüttelten sich die Hand, Harry erfreut, Draco jedoch lächelte zurück mit einem Lächeln, das nicht die Augen erreichte ...
Abends war Harry wie verabredet zum Essen gekommen.
Sie saßen bei Tisch, Harry erzählte von seiner Arbeit. Berichtete über den letzten Einsatz, über die weiteren Pläne. Hermine fragte interessiert nach. Draco legte den Kopf schief, hörte zu und beteiligte sich nicht an dem Gespräch – er zog es vor, sich zurückzuhalten.
... bis Harry auf Lucius Malfoy zu sprechen kam. Dass Dumbledore noch immer versuchte, ihn als Kriegsverbrecher, als Kriegsgewinnler zu überführen.
Keine Regung war in Dracos Gesicht zu sehen, als der Name seines Vaters genannt wurde.
Keine.
Nur ein leises Zucken in seinen Augen.
Aber Harrys scharfe Augen hatten es doch bemerkt.
Er lächelte.
Wenige Sekunden sagte niemand etwas.
Harry erhob sein Weinglas kurz in Richtung Malfoy, nickte und trank einen Schluck. Draco erwiderte den Gruß, prostete Harry Potter ebenfalls zu, ohne zu lächeln.
Hermine legte ihre rechte Hand über die linke ihres Gefährten.
In die Stille hinein fuhr Harry fort, im gleichen Tonfall wie zuvor, als hätte es diese Pause nie gegeben. „Das Ministerium geht davon aus, dass zur Verurteilung Malfoys ein einziger weiterer Zeuge des letzten Kampfes genügen würde. Der Einzige, der gegen ihn aussagt, bin ich ... und das Ministerium geht davon aus, dass ich durch die Konfrontation mit Voldemort keine sichere Aussage zu Lucius Malfoys Verhalten machen kann." Dracos Hand verkrampfte sich in Hermines.
Hermine antwortete für ihren Mann: „Aber Albus weiß Bescheid. Wenn es nur an einer Aussage hängen würde, hätte er doch ..."
Harry schüttelte den Kopf. „Dumbledore sagt, wenn das Ministerium an dem Fall arbeitet, wird Lucius sich immer wieder frei kaufen. Er ist ... deswegen eher auf einen Kampf aus. Auf einen ... echten ... tödlichen oder auch ... endgültigen Kampf. Aber er möchte nicht selber gegen ihn antreten, und mich will er für andere Aufgaben schützen ... Albus würde in dieser Beziehung, wenn es um Lucius Malfoy geht, nie einen Handel eingehen, dessen Ausgang er selber anzweifelt ... "
Draco hatte Harry fest in die Augen geblickt. Nun wandte er sich ab, wendete den Rollstuhl und ließ seinen Blick durch die Glastür in den riesigen, dunklen Garten schweifen ...
„Harry, dieser Mann nannte sich mein Vater und hat trotzdem versucht, mich umzubringen. Qualvoll und schmerzhaft umzubringen, nebenbei bemerkt.
Nannte sich mein Vater und hat mich zum Krüppel gefoltert ... Damit habe ich mich abgefunden. Es ist gute elf Jahre her, das ist mehr als ein Drittel meines bisherigen Lebens. Es ist nicht mehr wichtig für mich. Ich habe keine Rachegefühle ihm gegenüber, und es sind andere Dinge, die für mich zählen. Aber wenn ich ... gegen ihn in irgendeiner Form aussagen würde oder antreten würde ... er würde jetzt nicht nur mich verfolgen, er würde auch meine Frau töten wollen ... Zumal", er lächelte Hermine kurz zu, „ich ja den Fehler begehe, zu allem Überfluss ein Schlammblut heiraten zu wollen ..."
Er wendete den Rollstuhl zurück an den Tisch, fixierte Harry mit glasklaren grauen Augen „Und er würde unser ungeborenes Kind töten. Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass er es nicht tolerieren würde, dass die Reinheit seines Blutes durch mein Kind verwässert wird ..."
Harrys Augen sprangen zwischen Hermine und Draco hin- und her.
„Oh! ... Wann ...?" – Hermine lächelte. „In der elften Woche." – „Und ich werde dieses Kind schützen, mit allem was ich habe, allem was ich kann, allem, was ich besitze, mit meinem eigenen Leben!", ergänzte Draco, den Blick immer noch fest auf Harry gerichtet.
„Und wenn mein eigener Vater damals seinen einzigen Sohn töten wollte, werde ich mein Kind beschützen, wo ich nur kann. Ich möchte ... ich würde so gerne ein guter Vater sein ..."
Harry nickte. Er verstand.
Sie wechselten das Thema ...
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