Hi!

Also auf zum nächsten Kapitel :D ... ich hoffe, es gefällt Euch!

Vielen Dankfür Eure liebe Reviews! Ihr seid wunderbar!

Und natürlich danke ich wie immer meiner Betaleserin Callista Evans!


Summer of ´69 – Brian Adams

Am nächsten Morgen hatte Draco das Gefühl, kein Auge zugetan und nicht eine Minute geschlafen zu haben.

Er saß in der Morgenbesprechung, und es geschah, was ihm seit Jahren – eigentlich seit seinem Studium – nicht mehr passiert war: er kämpfte gegen den Schlaf. Er zuckte auf, spürte, dass er schon Sekunden lang weggedämmert sein musste ...

Er erinnerte sich deutlich an die Träume der vergangenen Nacht.
War das ein Widerspruch?
Wachgelegen und doch geträumt ...?

Lange, lange schon hatte er diese Träume nicht mehr gehabt ... seit seinem Studium, seit dem Zeitpunkt, da er glaubte, das Unrecht durch seinen Vater psychisch verarbeitet zu haben.

Doch nun waren sie wieder da ...

Er sagte sämtliche Termine für den heutigen Tag ab, und rief Hermine kurz an, um ihr mitzuteilen, dass er einen Termin in einem der anderen Verlage habe.

Und er begann das zu tun, was er immer tat: er ließ seinem geliebten Mercedes freien Lauf ... Ziellos gab er Gas und raste den Highway entlang.

Harry Potter.
Hogwarts.
Quidditch ...

Er hatte von Quidditch geträumt ... er war über das Spielfeld gerast, abwärts, mit ausgestreckter Hand, Seite an Seite mit Potter, um Millimeter, um Sekunden kämpfend ...

Slytherin gegen Gryffindor ...
Nimbus 2001 gegen Feuerblitz ...
Besen gegen Besen ...
Malfoy gegen Potter ...

Sport, keine Ideologie ... nun ja, oder doch? Ein bisschen schon ... er lachte kurz auf. Natürlich hatte es sich miteinander vermischt, natürlich hatte er es dem Aufschneider und Muggelfreund Potter auch mal gehörig zeigen wollen. Und wo ging das besser als auf dem Spielfeld?

Quidditch.

Er hatte sich gewünscht, Profispieler zu werden ... Er hätte seine Karriere als Todesser aufgegeben für das Quidditchspiel. Zum Donnerwetter – er war damals ein Jugendlicher ... ein Kind.

Wenn er damals, als er ehrgeizig trainierte, nur um Potter und Krum in die Pfanne zu hauen, geahnt hätte, dass er nun hier sitzen würde ...
Wieder gab er Gas ...

Er lachte selber.
Damals ... damals hatte er daran geglaubt.
Damals war all das seine Welt.

Ein Schnatz, Sucher, Besen, grün, rot, gold, Tore, Punkte, Verlage, Geld, Gewinn ... Besen ...
alles verschwamm miteinander ...

Was wohl aus seinen Mitspielern von damals geworden war ...
Was wohl aus seinen Mitschülern geworden war ...

Crabbe, Goyle, Blaise ...
Kurz nur weilten seine Gedanken bei der kleinen dicken Pansy, die sein Vater ob ihres reinen Blutes für ihn zur Frau vorgesehen hatte und die ungefähr soviel Reiz auf ihn ausgeübt hatte wie ein Flubberwurm.
Mittlerweile war Pansy mit Neville Longbottom verheiratet und hatte schon drei Kinder, das hatte Albus einmal mehr beiläufig erzählt.

Was war von damals übrig geblieben?
Was war überhaupt übrig geblieben?

Wenig.
Nichts ...

Grab, Goyle, Pansy und Slytherin ...

Nichts von alledem bedeutete ihm etwas – und das wäre auch nicht anders, wenn er noch Kontakt zur Zaubererwelt gehabt hätte –

Und doch ...

Es war damals alles so einfach gewesen ...
Es gab keine Probleme, seine Welt war einfach, unterteilt in gut und schlecht, böse und gut, reich und arm, Muggel und Zauberer ...

Verdammt!

Er gab noch mehr Gas, jagte sein Auto, schnell, so schnell wie noch nie. Er kostete den letzten Millimeter, drückte das Gas durch ...

Auch damals hatte Hermine zu seiner Welt gehört …

Hermine Granger, das Schlammblut, die Streberin, Potters Freundin …

Potter.

Jedes Mal, wenn er die Augen geschlossen hatte, jedes Mal seit gestern Abend sah er Potters Gesicht vor sich.
Potter, der mit Hermine lachte wie in alten Zeiten,
Potter, als er seinen ehemaligen Feind erkannte,
Potter, als sein Blick auf seinen Rollstuhl fiel,
Potter, mit dem er sich doch eigentlich den Rest des Abends gut verstanden hatte …

Eigentlich war Potter gar nicht so verkehrt.

Draco musste lachen, als ihm einfiel, dass er Harry schon einmal um seine Freundschaft gebeten hatte, noch vor ihrem ersten gemeinsamen Schultag – doch mit ganz anderen Motiven, mit anderen Vorstellungen ... mit den Vorstellungen seines Vaters.

Seltsam, nie hätte er gedacht, dass durch den Wandel seines Verhältnisses zu Hermine, sich auch das Verhältnis zu Harry Potter ändern würde ...

Nein: eigentlich hatte sich gestern Abend sein Leben verändert ...
Zum zweiten Mal hatte Hermine Granger zusammen mit Harry Potter sein Leben auf den Kopf gestellt ...
Das erste Mal war mehr als zehn Jahre her ...
Und heute?

Damals hatte er erst über Hermine gespottet.
Und dann ... genau das getan, was sie gedacht und gewünscht hatte.

Heute ...

Wenn er heute wieder das tun würde, was sein Bauch ihm sagte?

Was war es? Was wünschte er sich seit gestern?

Er kämpfte den aufkeimenden Gedanken an eine Rache an Lucius nieder –
Dies geschah nicht zum ersten Mal seit gestern Abend,
seit seinem Gespräch mit Harry,
seit Hermines Gespräch mit Harry ... seit dem Blick in Harrys Augen, als er ihn erkannte ...

Seine Gedanken kehrten zurück nach Hogwarts ...
Das war sicherer, viel sicherer, als Gedanken an seinen Vater.

Er hatte sich in der Schule nie besonders angestrengt – Einerseits hatten seine Leistungen auch ohne besondere Mühe für ein recht gutes Ergebnis genügt. Andererseits hatte er stets die ruhige Gewissheit, dass sich niemand so sehr gegen seinen Vater auflehnen würde, einen Draco Malfoy durch eine Prüfung fallen zu lassen ...

Niemand hätte sich gegen Lucius Malfoy aufgelehnt ...

Niemand.

Auch er selber, sein Sohn, wagte dies nicht, sogar nicht, um sein einziges und sein höchstes Ziel zu erreichen – Quidditch zu spielen, statt als aufgeblasenes Mitglied der höheren Zauberergesellschaft Lord Voldemort zu folgen ...

Er wäre sicher dazu zu feige gewesen.

Wenn nicht ...

Wenn nicht alles ganz anders gekommen wäre.
Wenn nicht … Hermine gewesen wäre, damals noch ein kleines Mädchen, so schien es ihm heute ... ein Mädchen, das er noch nicht einmal gut leiden konnte, und das gekommen war, sein Leben auf den Kopf zu stellen.

Er war sich sicher, dass er richtig gehandelt hatte ...
Und doch vermisste er gerade ... sein Leben. Seine Jugend. Quidditch ...

Die Verlage, das Geld und der Erfolg waren ein mehr als schlechter Ersatz für all das ...

Doch wenn er damals anders gehandelt hätte, wo wäre er jetzt?
Wäre er Profi-Sucher?

Oder wäre er nicht vielmehr etwas ganz anderes? Wenn er ehrlich war, wäre er niemals Quidditch Spieler geworden.
Wenn Voldemort gesiegt hätte – was ja ohne seine Eingreifen gar nicht so unwahrscheinlich gewesen wäre – wäre er ein Abbild seines Vaters geworden.
Wenn aber Harry Sieger geblieben wäre, dann ... würde er wahrscheinlich seit mehr als zehn Jahren in Askaban sitzen.

Beides keine wirklichen Alternativen ...

Er hatte sich gegen Lucius Malfoy aufgelehnt ... er war nicht zu feige gewesen.

Aber nicht, um Quidditch zu spielen.
Er würde nie wieder Quidditch spielen, er würde nie wieder auf einem Besen sitzen ...

Hermine hatte nie nachgefragt, und er hatte nie mit ihr darüber geredet – aber unter seinem Bett ruhte ein Koffer, in dem sich noch eine slytheringrüne Quidditchrobe, ein ebensolcher Festumhang und sein Zauberstab befanden.

Er zögerte kurz, dann griff er nach dem Hörer seines Autotelefons. Normalerweise hätte er nun George angerufen ... Aber fast ohne es selber zu wollen, wählte er die Nummer, die er gestern Abend eingespeichert hatte. Er lud Harry ein, bevor er New York wieder verlassen würde, auch noch den heutigen Abend bei ihnen zu verbringen und erst morgen zu fahren. Harry war überrascht, aber er sagte erfreut zu ...

Draco war sich sicher.
Er wollte die Zeit, er wollte sein Leben von damals nicht wiederhaben ...

Er war froh, dass Hermine damals zu ihm gekommen und mit ihm gesprochen hatte – und ihm etwas von Liebe erzählt hatte ...

Damals hatte er gar nicht gewusst, was Liebe wirklich bedeutet.

Heute, heute wusste er es ...

Und Hermine?
Hermine wusste es schon lange ...

Er beendete das Telefongespräch mit einem Tastendruck und machte sich wieder auf den Weg Richtung Stadtinneres, in den Verlag.

Er freute sich auf heute Abend.


Wollt Ihr wissen, wie es weitergeht?
Ja?

Vielleicht kann ich ja ein paar Schwarzleser dazu animieren, ein Review zu schreiben: Schafft Ihr es, mit dem nächsten Kapitel die 150 Reviews zu knacken? Dann gibt es Mitte der Woche ein Extrachap!