Vielen Dank wie immer an meine beste Betaleserin Callista Evans!
Und vielen Dank für Eure Reviews! Ihr seid die Besten!
Viel Spaß beim nächsten Kapitel …
Maria
The Winner Takes It All - ABBANur kurz war Severus im Zimmer auf und ab geeilt und hatte seiner Wut, seinem Zorn, seiner Erleichterung freien Lauf gelassen … nun, da Hermine den Raum verlassen hatte, saßen sich die beiden Männer schweigend gegenüber.
Wie lange dieses Schweigen angehalten hatte … beide vermochten es nicht zu sagen. Sie saßen nur da und hatten das Gefühl, sich nicht satt sehen zu können, nicht genug bekommen zu können nur alleine an der Gesellschaft des jeweils anderen. Nur zusammen Schweigen … jedes Wort hätte dem Moment zerstört.
Langsam, sehr langsam entspannte sich Severus Snape, lehnte sich ruhig im Sessel zurück. Minuten später stellte er nur eine Frage.
"Warum?"
Draco musste über diesen direkten Anfang des Gespräches leise lachen …
Und stellte die Gegenfrage: "Warum was? Warum ich geflohen bin? Was passiert ist? Warum ich mich nicht gemeldet habe …? Severus …" Er stockte. "Severus, ich bin so froh, dass du da bist …"
Wieder breitete sich eine kurze Stille aus, bevor Draco wieder das Wort ergriff.
„Aber was soll ich dir denn erzählen? Das meiste wirst du dir denken können ..." Severus schüttelte den Kopf.
Draco setzte erneut zu einem Satz an. „Severus, es ist ... vorbei, es ist Vergangenheit. Es vorbei, es ist geschehen, lass uns doch einfach nur froh sein, uns wieder getroffen zu haben ..."
Aber sein Pate widersprach: „Natürlich bin ich froh ... aber ... du weißt, du bist dir dessen voll bewusst, dass du mich zehn Jahre lang betrogen hast? Dass du mich zehn Jahre lang hast glauben lassen, du seiest tot? Dass ich um dich getrauert habe ..."
Hilflos zuckte Draco die Schultern.
Wie sollte er das alles nur erklären?
„Aber du musst auch verstehen, dass ich mich nicht melden konnte ...
Und ich denke, das meiste muss ich dir gar nicht erzählen, denn ich denke, du weißt bereits mehr über mich als jeder andere. Du warst während meiner gesamten Erziehung derjenige, der mich immer ein wenig … von den Machenschaften der Todesser ferngehalten hat. Der mir auch einen anderen Blickwinkel geben wollte. Nie zu deutlich, um es die anderen und vor allem meinen Vater nicht merken zu lassen, aber du hast es getan … Und ich habe verstanden."
Severus nickte.
Wieder ließ er eine kurze Pause ins Land gehen, bevor er fragte: „Du hast also die Seiten gewechselt?"
Draco nickte. „Und ich bin froh darüber …"
„Aber du bist trotzdem geflohen, obwohl die gute Seite gesiegt hat …"
Wieder breitete sich eine eher unangenehme Stille aus, bevor Severus fortfuhr …
„Du bist immer noch auf der Flucht vor Lucius!"
Es war keine Frage, es war eine Feststellung.
Und bevor er eine Antwort erwarten konnte, fuhr er mit einem knappen Nicken auf Dracos Rollstuhl fort: „Hermine hatte Ginny erzählt, dass ihr Verlobter nicht laufen kann – noch lange bevor ich wusste, wer es ist. Ich hatte mich schon gewundert ... war er das?" Draco schloss kurz die Augen, bevor er mit klarem Blick antwortete: „Ja, das war er."
Severus ließ ihn nicht aus den Augen. „Seit zehn Jahren?" – „Seit dem großen Kampf." – „Kommst du zurecht?" – „Wie du siehst ...", antwortete Draco knapp und spürte kurz ein schlechtes Gewissen ob der harten Antwort auf die wahrscheinlich gut gemeinte Frage seines Paten.
„Es hat ein bisschen gedauert ... bis ich mich daran gewöhnt hatte. Aber es gibt ausreichend Möglichkeiten bei den Muggeln. Es gehört zu meinem Leben.
Eine Kombination aus Crutiatus und Immobile – sicher und erprobt", fügte er mit einem ironischen Lachen hinzu.
Severus nickte, und Draco merkte, dass es eine halbe Entschuldigung war, als sein Pate hinzufügte: „Wie oft habe ich diese Kombination selber verwendet ..."
Draco lachte ein wenig: „Severus ... wir alle haben das. Nur meist mit etwas anderem Erfolg ... Sev, vorbei ist vorbei. Es ist gut so, wie es gekommen ist, meine Entscheidung war richtig und ich bereue nichts. Und wenn ich an unsere Todesserzeiten denke, dann bist und bleibst du der Einzige, der mir Halt gegeben hat ... Mach dir keine Gedanken um etwas, was mein Vater verbrochen hat. Du warst der Einzige ... Mein gesamtes Leben lang. Halt – und Richtung." – „Aber ..." – „Kein Aber. Die richtige Richtung."
Severus schüttelte den Kopf. „Obwohl du vor Lucius auf der Flucht bist. Immer noch ..."
„Nein. Es ist gut so ... ich habe ein gutes Leben, jetzt, hier und heute. Und dass ich damals nicht ganz verrückt geworden bin, dass ich die Chance ergriffen habe, die Hermine und Harry und Albus mir boten– das verdanke ich dir – zu dem Preis, den du jetzt siehst.
Und ich würde es immer wieder tun. Dir zuliebe, und Hermine zuliebe.
Und natürlich auch ein bisschen um Harry und die Welt zu retten."
Er lachte leise .. „Du warst immer mein Vater, nicht Lucius Malfoy ..."
Draco dachte kurz nach, dann schüttelte er kurz den Kopf, bevor er fortfuhr. „Ja, doch, kurz habe ich mit mir selber gehadert … ob ich wirklich das Richtige gemacht habe. Ich habe auf der sogenannten guten Seite gestanden, ja.
Aber spätestens seit Hermine bei mir ist, bin ich mir wirklich, wirklich sicher …"
Severus lachte ... „Wenn du wüsstest, wie oft selbst ich noch immer zweifle ..." Draco sah ihn überrascht an. „Wieso?" – „Gut, ja, ich habe immer gewusst, auf welcher Seite ich stehe. Aber ... du wirst zugeben müssen, dass meine Methoden gelegentlich mehr als zweifelhaft waren ..."
Draco schüttelte den Kopf, widersprach: „Du hast das getan, was mit Albus besprochen war ... einer musste es tun. Und du ... du warst der Einzige ..."
Severus unterbrach ihn: „Der mutig genug war, die Drecksarbeit zu machen? Der mutig genug war, dem dunklen Lord zu folgen und auf seinen Geheiß Leute zu töten und zu foltern ... unter anderem mit der Kombination Crutiatus und Immobile?"
Wieder schüttelte Draco den Kopf. „Hör auf damit! Es bringt nichts, sich nach mehr als zehn Jahren darüber Gedanken zu machen. Du änderst nichts damit. Abgesehen davon, um wieder auf das eigentliche Thema zurückzukommen: obwohl du derjenige warst, der die Drecksarbeit gemacht hat, warst du mehr Mensch als alle anderen Todesser zusammen. Das hat mir den Verstand und das Leben gerettet. Und dafür bin ich dir dankbar. Noch etwas: auch diese Arbeit war sehr wichtig. Diese Arbeit muss gemacht werden im Krieg – ob man will oder nicht, es ist nötig. Es gibt keinen Krieg, der ohne Opfer auskommt. Ohne dich hätte der Krieg nie gewonnen werden können."
Severus schüttelte den Kopf. „Würdest du das als wirklich gewonnenen Krieg bezeichnen? Lucius Malfoy ist frei ... und er ist mittlerweile reicher und einflussreicher als je zuvor. Und du bist noch immer auf der Flucht vor deinem Vater. Ist das ein gewonnener Krieg?"
„Nein, das ist kein gewonnener Krieg. Das ist ein Einzelschicksal. Und – um es noch einmal zu betonen – ein Einzelschicksal, mit dem ich eigentlich sehr zufrieden bin. Eigentlich schon immer, und seit Hermine hier ist, sowieso."
Severus sah seinem Patenkind fest in die Augen. „Und du bist wirklich der Meinung, dass du als normaler Muggel gut lebst? Dass du die Zauberei nicht vermisst, die Möglichkeiten, sich das Leben zu erleichtern? Ein normales Leben? Ein normales Leben eines Zauberers mit allem, was dazugehört. Also überlege gut, was du antwortest: Willst du sagen, dass du mich nicht vermisst hast?"
Draco wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte, weil sein Pate sich erneut im Themenkreis gedreht hatte. „Severus, ich habe dich vermisst. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich dich manchmal gebraucht hätte ... Aber was hätte ich tun sollen? Ich hätte mit einer vorschnellen Aktion nicht nur mein Leben gefährdet, sondern auch deins und das deiner Familie ..."
Severus zog die Augenbrauen nach oben. „Und auf die Idee, statt unter allgemeiner Gefährdung magische Kontakte zu knüpfen, einfach den normalen und legalen Weg zu gehen, bist du nicht gekommen?" Seine Stimme wurde noch härter als zuvor.
Draco lachte auf, und es klang bitter. „Was denkst du denn? Dass ich das Ministerium anschreiben soll: Sehr geehrte Damen und Herren, ich lebe, ich bin kein Kriegsverbrecher, ich bin kein Todesser und will gegen den mittlerweile wieder freien und mächtigen Lucius Malfoy aussagen. Bitte glaubt mir! Falls ihr mir nicht glauben sollt, bin ich euch halt leider ausgeliefert, und meine Anonymität habe ich auch verloren. Aber normal und legal, klar ..."
Severus versuchte, die Ironie in Dracos Worten zu ignorieren und fuhr fort. „Du wärst im Recht. Du könntest etwas bewirken ... Lucius Malfoy ist vielen Leuten nach wie vor ein Dorn im Auge ..."
„Lucius Malfoy ist reich und mächtig", widersprach sein Gesprächspartner.
Hier hakte Severus ein. „Das bist du doch mittlerweile auch, soweit ich mitbekommen habe. Oder?" – „Ja, in Muggelkreisen ... denkst du, ich könnte gegen meinen Vater vorgehen? Ich wäre schneller in Askaban als mir lieb ist, als Kriegsverbrecher und Todesser. Dafür kann mein Vater durchaus Sorge tragen. Und wenn es ihm nicht gelingen sollte – dann holen mich seine Schergen." – „Du bist auch ein mächtiger Zauberer – das weißt du genauso gut wie ich. Sonst hättest du die beiden unverzeihlichen Flüche nicht überleben können." Ein bitteres Lachen Dracos unterbrach Severus, der jedoch unbeirrt fortfuhr: „Und das ist auch der Grund, warum dein Vater dich lieber töten wollte, als dich als Todesser zu verlieren. Er hatte Angst vor dir ... die Magie in eurer Familie ist stark, sie nimmt mit jeder Generation zu. Du bist der Einzige, der ihn wirklich bezwingen könnte ..."
Draco schüttelte den Kopf. „Ich bin seit Jahren kein Zauberer mehr. Jetzt einmal abgesehen davon, dass ich rein körperlich keinen Kampf mit meinem Vater ausfechten könnte: Ich bin inzwischen Muggel, ich lebe als Muggel, und ich bin zufrieden damit. Ich bin in Sicherheit, und meine Familie ist in Sicherheit ... Danke, ich bleibe lieber, wo ich bin."
„Aber jetzt hast du die Anonymität aufgegeben ..."
„Nein, das habe ich nicht und das werde ich nicht. Hermine, du, Ginny und Harry – und Albus natürlich. Mehr Menschen werden nie von dieser ganzen Geschichte erfahren ..."
Severus lachte ein wenig. „Damit sind es schon fünf Personen mehr als das es wirklich sicher wäre, oder?" Draco sah ihn kurz an. Dann musste er auch leise lachen. „Du hast ja recht ..." Die Atmosphäre entspannte sich.
Sie wechselten das Thema.
Draco fragte nach Ginny und hörte lachend zu, als Severus davon berichtete, wie die allgemeinen Reaktionen auf seine Hochzeit mit seiner ehemaligen Schülerin, Harry Potters ehemaliger Freundin ausgefallen waren. Severus berichtete von den vergangenen zehn Jahren, von seiner Familie, von Hogwarts.
Und auch Draco berichtete selber von seinem Leben ...
Oft zögerten beide mitten im Gespräch, beiden war bewusst, wie sehr sie sich manchmal in dieser Zeit vermisst hatten ... wie oft sie sich gebraucht hätten ... wie oft sie sich unbewusst gefragt hatten, wie der andere wohl geholfen hätte, was er gesagt oder getan hätte.
Sie waren froh, sich wieder zu haben.
In dieser einen halben Stunde Gespräch schwanden die vergangenen zehn Jahre dahin ... sie hatten einander wiedergefunden.
Und Severus schloss Frieden mit Dracos Entscheidung.
Beide suchten nach Lösungen, wie Draco zu der Taufe von Severus´ Sohn unerkannt nach Hogwarts kommen konnte. Severus brannte es noch einmal kurz auf den Lippen, er wollte Draco noch einmal auffordern, zu seinem Leben, zu seinem Selbst zu stehen ... doch er tat es nicht.
Wenn Draco nach Hogwarts kommen würde – außer Harry und Albus, die bereits eingeweiht waren - kannte ihn keiner der anderen Taufgäste gut genug, um ihn zu erkennen. Ein Besuch der Taufe, eine Patenschaft war gefahrlos möglich.
Die beiden Männer verabschiedeten sich herzlich und verabredeten sich für das nächste Wochenende.
Draco schlief noch lange nicht ein.
Er war froh, seinen Paten wieder zu haben.
Aber ein schales Gefühl blieb ... er hatte den Abend damit verbracht, sein momentanes Leben zu rechtfertigen.
Warum?
Er hatte ein gutes Leben und war glücklich wie nie zuvor.
Warum musste er trotzdem rechtfertigen, was er tat und was er war?
Rechtfertigte er sein Leben nur vor Severus? Oder auch vor sich selber?
Seit dem Treffen mit Potter war ihm klar, dass er auch nach wie vor Teil der magischen Welt war – und immer bleiben würde.
Er hatte akzeptiert, dass er Severus wieder sah und er würde nach Hogwarts gehen.
Aber wo war die Grenze?
Wo war das Ziel?
Wer war er wirklich?
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