Hallo!

Vielen Dank wie immer an meine beste Betaleserin Callista Evans!
Und vielen Dank für Eure Reviews! Ihr seid die Besten!

Viel Spaß beim nächsten Kapitel …

Maria


Hope of deliverance – Paul McCartney

Hermine und Draco trafen am Tag der Taufe schon vormittags auf Hogwarts ein; die übrigen Besucher kamen erst im Laufe des frühen Nachmittags.
Es war eine Feier im kleinen Kreis, und die Weasleys hatten Draco nie genug gekannt, um ihn wiederzuerkennen. Die eine oder andere amüsierte Bemerkung war zu hören, dass ausgerechnet Severus Snape einen Muggel als Paten für seinen Sohn gewählt hatte, aber ansonsten reagierten die Besucher höflich und aufgeschlossen.
Ginny hatte ihren Vater vorab gebremst, um Draco nicht für den Rest des Tages in ein Gespräch über Hilfsmittel für Behinderte bei Muggeln zu verwickeln.

Stolz hielt Draco Malfoy den Sohn seines Paten im Arm. Albus Dumbledore vollzog den uralten Taufritus. Hermine stand neben ihrem Verlobten und nur kurz kam ihr der Gedanke, wie unwirklich und verzaubert ihr diese Szene erschien: Sie an der Seite von Draco Malfoy, endlich glücklich, das Glück vollkommen durch ein Kind, das sie bald bekommen würden, sie beide wieder auf Hogwarts wie vor mehr als zehn Jahren, um Paten zu werden für den Sohn von Professor Severus Snape und Ginny, Hermines ältester Freundin ... Sie lächelte.

Auf dem Weg von der Feier zum Essen hielt Harry Draco kurz zurück. „Malfoy?"
Der Angesprochene stoppte und wendete kurz vor der Tür. Sie waren alleine im Zimmer.
„Malfoy ... Ich habe Albus gefragt, mich mit ihm unterhalten ... Er hat erzählt ..." Harry musterte seine Schuhspitzen.

Draco sah ihn an - und musste lächeln. „Lass gut sein, Potter. Es ist besser, manche Sachen nicht auszusprechen."
Sein Lächeln erleichterte Harry trotzdem das Reden. „Draco, aber ich wusste nicht ... Ich meine, ich spiele hier den großen Helden und den erfolgreichen Auror, während du ..."

Jetzt lachte Draco, aber seine Stimme hatte einen energischen, fast wütenden Unterton, als er Harry unterbrach: „... und ich bin in meiner Welt erfolgreich, ich bin mit einer wundervollen Frau zusammen und habe mehr Ruhm, Macht und Erfolg, als ich brauche. Ich mag mein Leben, wie es ist, Potter!" – „Trotzdem steht dir ein großer Teil von dem Ruhm zu, den ich bekommen habe ... Draco, ich habe wirklich nicht gewusst, was passiert ist. Ich war während des Kampfes so auf Voldemort fixiert, dass ich dich oder deinen Vater oder auch Albus gar nicht wahrgenommen hatte. Alles, was ich von dir gehört hatte, war, dass du tot seiest ..."
„Und was hättest du getan, wenn du es gewusst hättest?" Draco stellte diese Frage in einem bewusst neutralen Tonfall, der tiefer traf, als wenn er geschrieen hätte.
Harry sah ihn an und hielt seinem Blick stand. Minuten maßen sich die zwei Männer gegenseitig.

Draco sah in der Miene seines Gegenübers zunächst eine Frage, dann Nachdenken und zuletzt Verstehen. Dann zögerte er kurz. „Ich hätte mich zumindest bei dir bedankt. Ich weiß, es ist zu wenig, was ich dir hier sage oder anbiete, aber ich hätte mich zumindest bedankt. Ich bin mir dessen bewusst, was ich dir verdanke, und ich weiß, wie tief ich in deiner Schuld stehe, so tief, dass ich es nie zurückzahlen oder wiedergutmachen kann.
Aber ich hätte mich ... bedankt."

Jetzt wurde Dracos Lachen echt. „Potter – lass es wirklich einfach gut sein. Es ist gut so, wie es ist, glaube mir ... Komm, unser Essen wird kalt."
Harry Potter lachte nun auch und wiederholte noch einmal: „Danke. Danke, Draco! Für alles ..."


Nach dem Abendessen lichteten sich die Reihen der Gäste. Familie Weasley verabschiedete sich fast geschlossen auf einmal.

Als zum Abschluss des Abends der letzte Umtrunk gereicht wurde, hatte Hermine das Gefühl, dass Severus es absichtlich so organisiert hatte, dass außer ihr und Draco nur noch Harry und Albus als Gäste geblieben waren.
Gemeinsam saßen sie vor dem Kamin, ließen den Tag noch einmal an sich vorbei ziehen und genossen die Ruhe.

Wider Erwarten war es Harry, der zuerst die Stille unterbrach. Hermine hätte beinahe gelacht, als er sich völlig unschuldig nach ihrem Job erkundigte, um dann mit einem unauffälligen Themenwechsel auf Jenny zu sprechen zu kommen – wie es ihr erginge, ob sie in letzter Zeit auch einmal über ihn gesprochen hätten, was sie gesagt hätte ...

Draco hob die Augenbraue und unterbrach ihn mitten im Satz. „Warum fragst du Jenny nicht einfach?" Hermine hätte sich fast an ihrem Tee verschluckt.
Harry musterte Draco, dann musste er doch grinsen. „Das ist gar nicht so einfach." – „Aber es ist das Einzige, was hilft. Vertrau mir. Frag sie!", ergänzte Draco mit einem ironischen Lächeln.
Aber Harry widersprach: „Du weißt aber auch, dass – wenn ich mit Jenny ausgehen würde – sie früher oder später erfahren würde, dass ich Zauberer bin. Ich kann sie nicht anlügen." Mit einem Lächeln zu Ginny sagte er: „Ich habe mir geschworen, nie wieder eine Frau anzulügen, an der mir etwas liegt. Aber dann ... müsste ich auch über Hermine etwas erzählen."
Draco nickte. Er verstand. Doch bevor er antworten konnte, wurde das Gespräch von Severus unterbrochen, der bisher nur stumm zugehört hatte.
„Und auch das ist ein Argument, sich deiner Vergangenheit zu stellen, Draco. Du kannst dich nicht dein Leben lang verbergen!"
Auch wenn er gewusst hatte, dass dieses Thema heute Abend angesprochen werden würde -mit so einem offenen Angriff hatte Draco nicht gerechnet.

Entsprechend wütend fuhr er auf: „Ich kann es seit zehn Jahren und werde es auch weiter so machen. Ich trage schließlich auch so etwas wie Verantwortung für meine Familie. Außerdem – mit Verlaub – bin ich mit meinem momentanen Leben sehr glücklich und zufrieden und sehe nicht ein, warum alle anderen es ändern möchten."

Sanft lenkte jetzt Albus ein. „Niemand möchte, dass du dein Leben änderst. Aber trotzdem ist es eine Überlegung wert, wie viel Freiheiten du gewinnen würdest, wenn du dich deiner Vergangenheit stellst."
Sekunden des Wartens verstrichen, bevor Draco antwortete. „Albus, du warst derjenige, der mir immer davon abgeraten hat, wieder Kontakt mit der Zaubererwelt aufzunehmen. Als ich alleine war, hätte ich vielleicht meine Tarnung und mein Leben riskiert. Aber jetzt werde ich das nicht tun ..."

Albus lächelte. „Draco, natürlich ist es die sicherere Variante, sich weiter vor deinem Vater zu verbergen. Und ich verstehe, wenn du dich eurem Kind zuliebe für die sicherere Variante entscheidest. Aber andersherum weißt du genauso gut wie ich, dass dieses Kind auch eine neue Chance ist, deinen Vater endlich zu besiegen. Die Macht ist stark in deiner Familie und wächst mit jeder Generation – egal ob reinblütig oder nicht, nebenbei bemerkt. Auch wenn Lucius anderer Meinung ist …" Er schenkte mitten im Satz Hermine ein verschmitztes Lächeln. „Dein Vater weiß das auch, und deswegen hat er, als du dich gegen ihn gestellt hast, auch so schnell und seiner Meinung nach so gründlich reagiert. Er wusste, wenn du überlebst und nicht auf seiner Seite bist, hat er keinerlei Chance. Und euer Kind wird noch stärker sein als du ... und das weißt du auch."

Draco schüttelte den Kopf. „Albus, vergiss es. Ich bin kein Zauberer, seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Und ob das Kind die Macht hat, sich einem Lucius Malfoy zu stellen, ist, glaube ich, im Moment zu früh zu entscheiden. Oder?"

Albus legte den Kopf schief und nickte nach einiger Überlegung.
Doch Severus konnte und wollte diese Richtung des Gesprächs nicht akzeptieren.
Die Tatsache, dass Draco den Sieg seines Vaters so ruhig und so unehrgeizig akzeptierte, auch jetzt noch, nachdem sich die Dinge ja zu ändern begannen, machte ihn richtiggehend wütend.
Natürlich verstand er rational gesehen, dass sein Patenkind damals, vor zehn Jahren, keine andere Wahl gehabt hatte.
Natürlich verstand er, dass alles andere als ein Versteckspiel in diesen vergangenen zehn Jahren ein unverantwortliches Risiko gewesen wäre.
Natürlich verstand er, dass Draco viel Zeit und wahrscheinlich auch Mühe aufgewandt hatte, diesen ... Status quo ... psychisch zu verarbeiten und zu akzeptieren, und dass er deswegen jetzt keine Änderungen wünschte.

Aber Severus Snape sah auch, dass Draco Malfoy ... etwas fehlte.

Es ging ihm nicht um Rache für die zugefügten Schmerzen oder die verlorene Zeit.
Es ging ihm ... um die Identität. Die Wahrheit. Das Leben ...
Und das machte ihn wütend.

Und so fuhr er fort, auf dem Thema zu beharren. „Draco, du bist der Einzige, der deinen Vater stellen könnte. Es muss ja nicht – wie ihr bisher hier ja wohl voraussetzt – zu einem Machtkampf in irgendeiner Weise kommen. Es ist ja so, dass du der Einzige bist, der gegen Lucius Malfoy aussagen kann, was den Kriegsverbrecherprozess angeht ... Deine Aussage alleine würde genügen, um ihn für immer nach Askaban zu bringen ..."

„Ich soll mich zur Schau stellen als ,Opfer´ des großen Kriegsverbrechers, meinst du wohl? Nein, danke, darauf kann ich gut und gerne verzichten. Denn darauf würde es letztendlich hinauslaufen – und nur, damit mich anschließend seine Schergen einholen? Mein Vater sitzt dann in Askaban, aber ich darf mich weiterhin verstecken? Nein, so wichtig ist mir die Rache an meinem Vater nicht ..."

Severus hob zu einer Antwort an, wurde jedoch von Harry unterbrochen, der bisher nur zugehört hatte. „Das kann man so nicht sagen – das Ministerium wäre ausgesprochen dankbar, wenn endlich jemand einen Angriffspunkt bieten würde, Lucius Malfoys habhaft zu werden. Ich denke, die Schergen wären anschließend eine Frage, die das Ministerium nur zu gerne auf dem kleinen Dienstweg lösen könnte und würde."

Albus ergänzte zustimmend: „Der Zaubereiministerin ist Lucius Malfoy schon von Anfang an ein Dorn im Auge. Er mag sich seinen guten Namen zurück erkauft haben, aber jeder weiß, dass er eigentlich nach wie vor die Ziele und Werte Lord Voldemorts vertritt.

Und er schafft es, durch geschickte Politik, Bestechung und Beziehungen immer den Posten innezuhaben, an dem er größtmöglichen Einfluss in dieser Beziehung hat." Mit einem leichten Lachen fügte er hinzu: „Sie vergleicht ihn immer mit einem Stück Seife in der Badewanne: Man glaubt ihn zu haben, und dann gleitet er einem schon wieder aus den Fingern ..."

Alle mussten lachen, und Albus nutzte die Gelegenheit, das Thema aufzulockern und von der Zaubereiministerin auf Politik im Allgemeinen zu sprechen zu kommen.

Er spürte, dass genug gesagt war, um Dracos Gedanken in neue Bahnen zu lenken, und dass der junge Mann jetzt Zeit benötigte.
Eine Fortführung des Themas hätte sie nicht weiter gebracht, sondern nur zum Streit geführt – und damit zu einem erneuten Rückzug Draco Malfoys.
Und auch wenn die Stimmung leicht angespannt blieb, waren alle dankbar, und gingen auf das neue Gesprächsthema ein.

Doch abends zog Draco seine Freundin näher an sich heran.
„Du hattest Recht. Es war gut, nach Hogwarts zu kommen, mein Schatz."
„Auch wenn Severus und Harry versucht haben, dich von einer Rückkehr in die Zaubererwelt zu überzeugen?"
Draco lachte. „Das war aber von vorneherein klar, dass Severus so eine Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lässt. Aber ... nach wie vor ... Ich weiß es noch nicht ... Hermine, ich brauche noch Zeit."

Minuten später ...
„Hermine?" – „Mh?" – „Hermine, was ich vor Severus nicht ansprechen wollte ... wenn ich gegen meinen Vater aussage ... wenn ich wirklich wieder in die magische Welt zurückkehre, vor Gericht stehe ..." – „Ja?" – „Du weißt, dass ich ebenfalls ein Todesser war ..." – „Ja ..." – „Was machen wir, wenn sie Anklage erheben?" – „Das werden sie nicht. Harry wird für dich aussagen und Albus, und schließlich bist du dann Kronzeuge gegen deinen Vater ..."
„Hermine, ich weiß nicht, ob das genügt ..." – „Das würde ich Albus und Harry überlassen."
Die Antwort kam schnell, fast zu schnell. „Das kann ich nicht. Ich kann nicht mein Leben in die Hand von anderen Menschen legen. Das kann ich nicht, meinetwegen, deinetwegen und auch wegen unseres Kindes nicht. Nicht, nachdem ich solange niemandem mehr vertraut habe. Ich kann mein Leben niemand anderem in die Hand geben." Hermine sah ihn an und wartete, bis er leise zu sprechen fortfuhr. „Lass mir einfach noch ein bisschen Zeit ... lass mich noch darüber nachdenken. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit ..."


Und auch diesmal wieder meine Frage:
Wollt Ihr wissen, wie es weitergeht?
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