Hallo!

Wow ... vielen Dank für Eure Reviews!
Die 200 geknackt hat Sweet-Teenie + köpft die Sektflasche und verteilt Schnittchen + Herzlichen Glückwunsch!

Wie immer danke ich besonders meiner Beta Callista Evans – Du bist die Beste!

Viel Spaß beim nächsten Kapitel ...
Maria

Blood Money – Jesus Christ Superstar

Selbstverständlich hatte Hermine ihre Verlobung auch ihrem eigentlichen Arbeitgeber, dem amerikanischen Zaubereiministerium, mitgeteilt.
Und ebenso selbstverständlich war der neue Lebenspartner der Grenzgängerin von den zuständigen Auroren auf Sicherheit geprüft worden – ohne Ergebnis.

Zu sehr war die zweite Identität Adam Young auf Draco Malfoy übergegangen – niemand hatte es bemerkt – niemand hatte ihn erkannt.
„Siehst du, deine Sorgen waren unbegründet ..." Oft zog Hermine ihren Verlobten damit auf.
Als Antwort hob er nur skeptisch die Augenbraue ...

Auch Hermine ging die Version des Lebens Adam Youngs in Fleisch und Blut über ... Nie wäre sie auch nur im Entferntesten auf die Idee gekommen, sich zu verraten. Es wäre ihr überhaupt nicht möglich gewesen, sich zu versprechen.
Ihr heutiges Leben, ihre Liebe hatte nichts mehr mit ihrer Vergangenheit zu tun, nichts mit Hogwarts, nichts mit England und nichts mit der Zaubererwelt. Sie war mit Adam Young verlobt, nicht mit Draco Malfoy.
Es hatte nicht lange gedauert, bis sie sich daran gewöhnt hatte.
Sie lebten in der Gegenwart, sie lebte jeden Tag mit Adam Young, und mit jedem Tag wurde Draco Malfoy mehr Vergangenheit ...

Draco Malfoy war ... eine Erinnerung. Sonst nichts.
Draco Malfoy war tot.

Bis es doch geschah, dass nach einer der monatlichen Besprechungen einer der Auroren ihr winkte, ihm zu folgen und sie in das Büro der Zaubereinministeriums des Inneren der Vereinigten Staaten führte.

Hermine kannte das Büro von früheren Besuchen und schüttelte dem Assessor für Medien die Hand.
„Miss Granger, Sie sind schon seit Jahren eine unserer besten Grenzgängerinnen. Niemand hat so viele Informationen weitergeleitet wie Sie, niemand hat so erfolgreich vermittelt ... und da Sie nun mit einem wirklich einflussreichen Muggel liiert sind, erhoffen wir uns natürlich um so mehr einen vermehrten Einsatz von Ihnen." Hermine schluckte. Und nickte. Sie ahnte, was auf sie zu kommen würde ...
„Miss Granger, wir gehen davon aus, dass Sie Ihrem Verlobten über Ihr Dasein als Hexe und damit als Grenzgängerin informiert haben." Hermine nickte vorsichtig ... eine innere Stimme warnte sie vor.
„Nun, damit ist er natürlich besonders geeignet, gerade in seiner Position, Einfluss zu nehmen auf das Verhältnis von Muggeln zu unserem Ministerium. Würden Sie bitte nächste Woche, am Montag, den 23.05. um 15:00 Uhr noch einmal zu uns kommen, um gewisse Einzelheiten mit den Abgesandten der Ministerien zu besprechen? Sie können ja bei Ihrem Verlobten schon einmal ansprechen, was wir planen."
Wieder konnte Hermine nur nicken.
Ohne zu wissen warum, hatte sie ein ungutes Gefühl in der Magengrube.

Draco spürte, dass bei dem Treffen etwas schlecht gelaufen war, doch auf seine Nachfragen schüttelte Hermine nur den Kopf.
„Sie denken, sie könnten aus unserer Partnerschaft Profit schlagen. Aber ich war zurückhaltend, damit sie sich nicht zu eingehend mit dir beschäftigen." Draco nickte. Er zögerte kurz. „Ich weiß, dass du vorsichtig bist. Aber ich misstraue diesen Politikern, Beamten und Diplomaten zutiefst, wie du weißt ..." Hermine nickte.

Pünktlich um 15 Uhr war Hermine am Montag eingetroffen.

Eine kleine Gruppe Zauberer in den entsprechenden Roben warteten bereits vor dem Besprechungsraum.
Erst als die Männer sich zu ihr umwandten, erstarrte Hermine.
Ihr Chef gab ihr freundlich die Hand.
„Vielen Dank, Miss Granger, dass Sie uns helfen wollen. Das ist Professor Peter Bild vom Ministerium der inneren Angelegenheiten, das ist Minister Gottfried Nagel aus dem Ministerium für Medientechnik und das ist – extra heute zu Gast bei uns – Minister Lucius Malfoy, der zuständige Medienexperte aus England."

Lucius Malfoy.

Hermine starrte ihren zukünftigen Schwiegervater an.
Sie fühlte sich mit einem Mal leer, ... wie ausgehöhlt.

Lucius.

Während ihr Chef im Plauderton fortfuhr, kämpften in Hermine die Emotionen.

„Mister Malfoys besonderes Interesse neben der Zusammenarbeit Amerikas mit dem UK ist eine besondere Freundschaft zwischen Muggeln und der Zaubereigesellschaft."

Lucius Malfoy.

Sie stand tatsächlich, allen Ernstes, Lucius Malfoy gegenüber.

„Hierbei hat er sich auf Public Relation und Printmedien spezialisiert."

Dem Mann, der ...
Der Mann, der damals auf Voldemorts Seite stand und es heute jeder Zeit wieder tun würde.
Der Mann, der alles dafür gegeben hätte, Harry zu töten.
Der Mann, der alles dafür gegeben hätte, Draco zu töten.
Draco ... Ihren Mann.
Der Mann, der auf grausamste Art und Weise versucht hatte, ihren Mann, ihren Verlobten, seinen eigenen Sohn, zu ermorden.

„Da die meisten Zauberer den elektronischen Medien nach wie vor zurückhaltend gegenüberstehen, sieht Mister Malfoy die Printmedien als geeigneter an, um das Verständnis zwischen Muggeln und unserer Gesellschaft zu verbessern", fuhr ihr Chef in gleichem Tonfall fort.

Lucius Malfoy.

Der Mann, der in ihr nur ein „Schlammblut" sah ...
Auch wenn er jetzt lächelte ...
Hermines Blick wanderte zu ihrem Chef, wie um in dem seit Jahren bekannten Gesicht Sicherheit zu finden, wanderte weiter zu den beiden anderen Männern, die ihr aufmunternd zunickten.

Wanderte zurück zu Lucius.

Und Lucius Malfoy lächelte.
Was heißt lächeln?
Konnte dieser Mann überhaupt lächeln?
Er sah sie an und sein Gesicht glich einer Maske. Dennoch wusste sie genau, was er dachte.

Er sah sie an und erkannte sie, Hermine Granger, die Freundin Potters, das Mitglied des goldenen Trios, die Mitschülerin seines Sohnes ... das Schlammblut.
Er sah sie an ohne zu ahnen, wer sie wirklich war.
Er sah sie an, ohne zu ahnen, dass sein Blut, sein reines Blut längst mit dem ihrem vermischt war ...

„Wir freuen uns, einen so herausragenden Experten auf diesem Gebiet für die Zusammenarbeit gewonnen zu haben."

Verdammt noch einmal, wie raffiniert ...
Wie ... genial.
Wie slytherin.

Nicht nur, dass er wieder zu Macht und Ansehen gekommen war, nein, er hatte sich auch eine Stellung gewählt, die ihn zum Dreh- und Angelpunkt der Verbindungen zwischen Zauberern und Muggeln machte. Wo hatte er mehr Kontrolle? Wo mehr Einfluss? Wo hätte er auch nur annähernd so viel Schaden anrichten können – verbunden mit einer absolut perfekten Tarnung?

Sie hielt dem Blick aus Lucius´ Augen stand.
Lucius´ Augen ...
Dracos Augen ...

Wie ähnlich sich die zwei doch sahen ...

Sie sah in die Augen ihres Gegenübers und in Gedanken verschwammen diese stahlgrauen Augen, verwandelten sich in die Augen Dracos, in das Gesicht ihres Mannes.
Blitzartig erlebte sie die Momente wieder, als Draco fragte, ob es ihr etwas ausmache, mit ihm essen zu gehen und als er sie im Badezimmer fragte, ob sie seine Einschränkungen störten ... Wie ein Film zog es an ihr vorbei.
Die kalten Augen Lucius Malfoys verschwammen mit den Augen seines Sohnes, den Augen, die ebenso kalt sein konnten wie die seines Vaters, die sie alleine aber auch so warm und leuchtend kannte, so voller Gefühl, wenn sich das kalte Grau in das lachende, helle Grau eines Gebirgsbachs oder in eine dunkle Gewitterwolke verwandelte.
Sie verschwammen mit den Augen, die auch manchmal denen eines kleinen Jungen gleichen konnten ...

Es hatte ihr nie auch nur eine Sekunde etwas ausgemacht, dass ihr Geliebter nicht laufen konnte. Es war ihr schlicht und einfach nicht wichtig. Sie liebte ihn, und für sie war er perfekt.
Aber als sie jetzt, hier und heute Lucius Malfoy gegenüberstand, raubte es ihr den Atem ...
Nicht um ihrer selbst Willen, sondern um Dracos Willen.
Nicht wegen der Behinderung an sich, sondern wegen der Schmerzen, die Lucius Malfoy seinem Sohn damit zugefügt hatte ... wegen der Schmerzen, dem Kummer, dem Leid, das Draco Malfoy durch den Mann, der sich sein Vater nannte, erfahren hatte.

Sie hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Eine eiskalte Faust schien ihre Kehle zuzudrücken.
Gleichzeitig rebellierte ihr Magen, so dass sie sich Sekundenbruchteile nicht sicher war, ob sie sich erbrechen würde ... oder ersticken.

Sie musste ...
Sie wollte ...
Nein!
Sie musste ... sich so verhalten wie immer.
Sie durfte nicht den Kopf verlieren.
Dies war ganz normal, sie war einfach nur dem englischen Botschafter vorgestellt worden.
Das passierte ihr jeden Tag.
Sie hatte einen kühlen Kopf.

Sie würde nicht in Panik geraten.

Als sei es völlig normal, dem Mann gegenüberzustehen, der das Leben seines Sohnes zerstört hatte ... das Leben des Mannes, den sie mehr liebte als alles andere auf der Welt ...

Alles andere, jede noch so kleine Regung ihrerseits, hätte Draco und das Kind, Dracos Kind, ihr gemeinsames Baby, in unvorhersehbarer Weise gefährdet.
Auch ihr Leben ... aber dieser Gedanke streifte sie nur Sekundenbruchteile. Sie war nicht wichtig.
Draco, Draco und das Kind, das in ihr wuchs, nur diese beiden zählten ...
Sie musste, mehr als alles andere auf der Welt, Draco aus diesem Geschäft heraushalten.

Draco ...
Er hatte es immer geahnt ...
Er hatte es gewusst ...

Sie lächelte höflich, schüttelte Lucius Malfoy die Hand ...
Hermine schaffte es, sie betrieb Small talk, stellte sich den Gästen vor.
Sie brachte es über sich, darauf hinzuweisen, dass sie einen Mitschüler namens Malfoy gehabt hatte.
Ein künstliches Lächeln zeigte sich auf ihren Lippen.
Nie hatte sie so klar gedacht wie jetzt ...
Nie, niemals, hatte sie so gefühlt wie heute - nicht in der Schule, nicht im Krieg, nicht im letzten großen Kampf ...
Nie hätte sie gedacht, dass sie diese Emotion überhaupt empfinden konnte ...

Es war blanker Hass, den sie empfand.

Sie lächelte noch immer, honigsüß und bedauerte, als ihr Gesprächspartner ihr mit einem ehrlichen Gesichtsausdruck mitteilte, dass dieser Draco Malfoy, ihr Mitschüler, sein Sohn, leider im letzten Kampf damals im Krieg gegen Voldemort gefallen sei ...

Jeder andere hätte dem Vater die aufrichtige Trauer abgenommen ...

Hermine dachte so klar wie nie zuvor, verhandelte, besprach, argumentierte ... Führte alle Gründe an, warum ihr Mann nicht direkt mit den Zauberern verhandeln könne.
Sie erklärte, warum es nicht möglich sei, ein persönliches Gespräch zu vermitteln, warum sie als Mittelsmann immer eine wichtige Rolle behalten würde.
Auch wenn der amerikanische Minister gar nicht wissen konnte, um was es hier eigentlich ging:
Er setzte alles daran, mit Adam Young persönlich verhandeln zu dürfen.
Er versprach ihr Vorteile für ihre Karriere, er versprach ihr Geld, schließlich drohte er ihr auch, mit Repressalien bis hin zur Kündigung.
Er wollte unbedingt mit dem Medienzar selber verhandeln, wollte dies unbedingt zu einem Meilenstein seiner Karriere machen.
Und er wollte vor dem Vertreter des UK in einem guten Licht dastehen.

Hermine dachte so schnell wie nie zuvor ...

Sie wusste, dass es um das Leben des Mannes ging, den sie liebte ... Sie kämpfte wie eine Löwin.
Während ihre Einwände in Bezug auf den streng gefüllten Terminkalender und die eingeschränkte Mobilität Adam Youngs keinen Eindruck bei ihrem Gesprächspartner hinterließen, gelang es Hermine schließlich, ihren Vorgesetzten zu überzeugen, dass ihr Verlobter viel zu sehr in der Öffentlichkeit stehe, als dass er unbemerkt Kontakte zur Zauberergesellschaft haben könne.
Die Wachgesellschaften der Verlage, die Regenbogenpresse, manchmal auch die normale Polizei – irgendjemand war immer in der Nähe des reichen und mächtigen Adam Young. Und auch wenn der Zaubereiminister dieses Problem für lösbar hielt, musste er zugeben, dass es einer straffen Planung bedürfe, einen unauffälligen Termin für ein Treffen zu vereinbaren.
So hatte Hermine wenigstens Zeit, hoffentlich auch längere Zeit, geschunden.

Doch als sie abends nach Hause kam, war ihr erster Satz: „Du hast Recht. Harry hat Recht, und Severus ebenfalls ... Wir müssen ihn besiegen, um frei sein zu können ..."
Draco wusste ohne nachzufragen, von wem sie sprach ...
Hermine schilderte in knappen Worten die Begegnung des heutigen Tages ...

Ihr Verlobter lauschte aufmerksam, ohne eine Regung zu zeigen.
Nachdem Hermine ihre Schilderungen beendet hatte, schwiegen beide lange.
Hermine saß bei Draco auf dem Schoß, beide hielten sich fest umklammert.

Dann schloss Draco kurz die Augen. „Ich frage Albus, ob wir uns gleich morgen treffen können ..."