Hallo!
Vielen Dank für Eure lieben Reviews!
Jetzt wird es noch einmal spannend ... :- )
Wie immer gilt mein besonderer Dank meiner Beta Callista Evans!
Viel Spaß beim nächsten Kapitel!
Maria
The Show must go on - Queen
Sie hatten sich getroffen. Getroffen, um ihn endlich in eine Falle zu locken.
Albus Dumbeldore hatte Lucius Malfoy zu einem Treffen geladen, hatte ihn gebeten, nach Hogwarts zu kommen, unter dem Vorwand mit dem Ministeriumsmitglied über eine Intensivierung des Unterrichts in Muggelkunde verhandeln zu wollen.
Nun erwarteten sie ihn in der Eingangshalle – Hermine, Severus Snape und Albus Dumbeldore hatten sich im Halbkreis aufgestellt ...
Die kleine Menschengruppe stand dem hoch aufgerichteten ehemaligen Todesser gegenüber.
Sein langes, blondes Haar flatterte im Wind der offenen Eingangstür und wurde ihm aus dem Gesicht nach hinten geweht.
Kalt und ironisch musterte er Dumbledore, Severus und Hermine, die ihm Schulter an Schulter gegenübergetreten waren. Als er gesehen hatte, wer ihn erwartete, hatte er den Grund der Einladung erahnt ...
Man erkannte es an dem überlegenen Lächeln, mit welchem er die Drei musterte ...
„Lucius ... dein Spiel ist aus! Wir können dich endlich überführen ..." Albus war hinter den stolzen, hochgewachsenen Mann getreten und verschloss die Tür ...
„Albus, Severus ... habt ihr noch immer nicht begriffen, dass ihr auf der Verliererseite steht?"
Severus Snape musterte seinen ehemaligen Freund.
„Ich denke nicht, dass du im Moment solch große Worte in den Mund nehmen solltest, Lucius. Du stehst alleine, wir nicht! ... Du kämpfst im Verborgenen alleine weiter, seit Jahren. Wir sind wach und mächtig, Lucius. Wir haben dich nie aus den Augen verloren – nie!"
Lucius kräuselte die Mundwinkel. „Ihr seid doch auch nur einer mehr als ich, oder? Ach ja, und ein kleines, unbedeutendes Schlammblut, das mir wohl kam gefährlich werden dürfte ..."
Hermine legte unwillkürlich, wie beschützend, die Hand auf den Unterbauch.
Sie spürte, wie das kleine Wesen in ihr bereits Macht zu entfalten begann, wie die Liebe den Hass zu überwinden suchte.
Lucius schien es ebenfalls zu spüren, er hob die Hand, um das Schlammblut zu töten ...
Die mittlerweile fast sichtbar werdende Kraft, die von dem Kind ausging, wand sich durch die Luft und nahm den Anwesenden den Atem.
Ein Kampf fand statt, ohne dass sich ein Lufthauch rührte.
Lucius keuchte leise ... „Was ... ?"
Er fiel vornüber auf die Knie, als hätte ihn ein Schlag getroffen.
Ungläubig sah er kurz Hermine an. „Wo hat dieses kleine, dreckige Schlammblut diese Macht über mich her?" Wütend blickte er Severus an, als er die Frage hervorstieß.
Severus Snape musterte sein Gegenüber kalt und zuckte die Schulter. „Ich weiß, woher sie diese Macht hat ... Wenn du es gerne wissen möchtest, denk nach. Oder frag sie selber ...", fügte er mit einem verächtlichen Schnaufen hinzu.
Ein leises Keuchen entglitt Lucius´ Lippen, als er Hermine in die Augen sah.
Man sah, dass dem Todesser die Luft zum Atmen aus den Lungen entwich, ihm die Kraft zum Fragen fehlte.
Hermine trat zwei Schritte vor und hob Lucius´ Kinn mit den Fingerspitzen nach oben und lächelte. Sie lächelte das Lächeln einer Katze, die eine Maus entdeckt hat: „Mister Malfoy, Sie wissen doch, dass es nur einen Menschen gibt, der Ihre Macht zu brechen vermag ..."
Lucius sah ihr zum ersten Mal wirklich in die Augen. „Das es nur einen Menschen gab ... Granger ..."
„Mister Malfoy, ... denken Sie nach, ... wollen Sie warten, bis dieses Kind, mein Kind, mit Ihnen fertig ist ... oder wollen Sie lieber die kräftige, schnellere und ... vielleicht ... schmerzärmere Variante seines Vaters?"
Die Augen Lucius Malfoys verengten sich zu Schlitzen. „Was redest du da für einen Schwachsinn ..." Er keuchte. Wieder zog sich spürbar ein Wirbel durch den Raum; ausgehend von dem ungeborenen Wesen Lucius Malfoy entgegen. Eine erneute Welle der Macht schlug von Hermine zu Lucius hinüber und drückte ihn zu Boden. Ein Kampf fand statt ...
„Was spielst du für ein Spiel, Schlammblut ...?"
Lautlos, ohne Luftzug öffnete sich die Tür hinter Severus, Albus und Hermine ...
Zum ersten Mal sah Hermine ihren Ehemann wieder in eine Zaubererrobe gekleidet, zum ersten Mal wieder mit dem Zauberstab in der Hand ...
Vertraut, sehr vertraut und doch so fremd der Anblick ...
Sie hätte ihn zeichnen könne, so gut erinnerte sie sich an ihn, den Zauberstab ihres Gefährten, den Zauberstab, mit dem er sich mit Harry duelliert hatte, der Zauberstab, den sie so oft im Zaubertrankunterricht eine kleine Bewegung in der Luft hatte machen sehen ... hell, fast weiß, mit schwarzen Schlangenintarsien, teuer, sehr teuer ... ein Geschenk seines Vaters ...
Sie hatte nie gefragt, wo er den Zauberstab all die Jahre aufbewahrt hatte.
Seit fast zwölf Jahren hatte sie ihn nicht mehr gesehen, Draco Malfoy, den Slytherin, Malfoy, den Magier, Malfoy, der Zauberer. Den Draco Malfoy, in den sie sich damals verliebt hatte ... Ihr Herz schlug einen Augenblick schneller.
Lucius Malfoy versuchte, auf die Beine zu kommen,
erkannte den Mann vor ihm im Rollstuhl,
erkannte, dass er damals seinen Sohn, seinen einzigen Konkurrenten doch nicht getötet hatte ...
Entsetzen spiegelte sich in seinen Augen wider, als er begriff, dass nun der Augenblick der Wahrheit gekommen war ...
Hermine sah, wie Draco Malfoy langsam den Stab hob und fast mitleidig lächelnd sagte: „Du hast immer abgestritten, dass Liebe den Hass überwinden kann. Aber vielleicht ..."
Hermine war hinter ihren Mann getreten, legte ihm die Hand auf die Schulter.
Als Draco den Zauberstab auf seinen Vater richtete ...
„Avada ..."
Er zögerte.
Er spürte die Hand seiner Frau auf seiner Schulter ruhen. Ein leichter Druck bestätigte ihn ...
„Immobile!"
Er sah seinen Vater an, der ihn hasserfüllt anstarrte und zuckte die Schultern.
Er wandte sich zu Albus: „Ruf die Dementoren ...!"
Severus musterte sein Patenkind. „Du weißt, dass er es dir nur als Schwäche auslegen wird ...?"
Draco zuckte erneut die Schultern. „Lass gut sein. Er ist mir nicht noch einen Mord wert. Nicht er ..."
Severus sah Draco an – nur Sekundenbruchteile dauerte der Blickwechsel, aber den beiden Männern erschien es wie Stunden. Viel, nein, alles wurde in diesem Blick gesagt.
Dann nickte auch Severus. Und lächelte Albus zu: „Ja, ruf die Dementoren!"
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Mit einem letzten Blick auf den am Boden liegenden Mann hatte Albus den Raum verlassen, Richtung des Ministeriums, um die Festnahme von Lucius Malfoy zu veranlassen. Endlich! Endlich hatte er sein langjähriges Ziel erreicht.
Er lächelte leise ... im Gegensatz zu Severus akzeptierte er die Entscheidung Dracos, und er war sogar ein wenig stolz darauf. Er war kein Mann der Rache.
Jahrelang hatte er diesen jungen Mann beobachtet und begleitet. Seit seinem ersten Schultag – Damals war er skeptisch gewesen, was wohl aus dem jungen, blonden Malfoy-Sprößling, der seinem Vater unbedingt nachahmen wollte, werden würde. Er hatte es beobachtet und unterstützt, wie Draco mehr und mehr den Einflüssen Severus Snapes unterlag, und hoffte auf einen grundsätzlichen Wandel.
Ob er während der Schulzeit des Jungen wirklich daran geglaubt hatte, dass Draco Malfoy die Seiten wechseln würde – er wusste es nicht. Er hatte es gehofft, war sich aber nicht sicher gewesen ... bis zum letzten großen Kampf.
Albus musste leise lächeln, als er daran dachte, dass er die Motive für diesen Sinneswandel erst sehr spät erfahren hatte. Ausgerechnet Hermine Granger! Er hätte es ihr nicht zugetraut, damals. Nein, falsch. Er hätte es ihr durchaus zugetraut. – Aber er wäre nie auf die Idee gekommen, dass ausgerechnet Hermine Granger mehr in Draco Malfoy sehen könnte.
Und in der Zeit nach dem Krieg ... er hatte gemeinsam mit Madame Pomfrey alles getan, was in seiner Macht stand, um Draco ein sicheres Leben zu ermöglichen. Und er hatte mit Stolz beobachtet, dass Draco eigentlich keine Unterstützung von ihm benötigte, um Erfolg zu haben.
Albus Dumbledore hatte immer Kontakt zu Draco Malfoy, zu Adam Young, gehalten, hatte seinen Weg verfolgt, ... hatte sich bemüht, ein väterlicher Freund zu sein.
Nur wie er sich in Bezug auf Lucius hatte verhalten sollen ... er hatte es nicht gewusst.
Einerseits war sein Wunsch, den letzten der Todesser endlich in Askaban zu sehen, fast übermenschlich gewesen. Andererseits ging ihm die Sicherheit Dracos vor ...
Aber auch hier hatte Draco eigentlich seine Hilfe nicht benötigt. Er hatte seine Entscheidungen getroffen. Und es waren gute Entscheidungen.
Im Ministerium angekommen, wandte sich Albus nicht als erstes an die Abteilung für innere Sicherheit, um die Festnahme durch die Dementoren zu veranlassen ...
Auch wenn er wusste, dass es Zeit kosten würde, und dass Draco, Hermine und Severus warten mussten, führte ihn sein erster Weg direkt zur Ministerin, um diese über die Umstände in Kenntnis zu setzten und sie zu bitten, bei der Festnahme anwesend zu sein.
Ob es besser gewesen wäre, die Ministerin im Voraus zu informieren?
Kurz zweifelte Albus, aber dann schüttelte er den Kopf. Er würde das heutige Vorgehen als spontan, den Gegebenheiten entsprechend darstellen, dass Madame Brown sich nicht übergangen fühlen konnte.
Es war besser gewesen, dass sich Lavender nicht an der Organisation beteiligt hatte – sie hätte nur Unruhe gestiftet. Vor allem, was Draco anbelangte ...
Nun würde sie bei der entscheidenden Phase anwesend sein, und konnte sich glücklich schätzen, wenn der Mann, der auch der Ministerin schon so lange ein Dorn im Auge war, endlich auf legalem Wege verhaftet wurde. Lavender Brown war nicht dumm ... sie hatte von Anfang an gegen die Beteiligung eines Lucius Malfoy im Ministerium agiert, hatte von Anfang an gewusst, dass der Kriegsgewinnler eine Doppelrolle spielen würde – aber Geld ist Macht, gerade in der Politik.
Brown und Malfoy hatten ein vordergründig höfliches Arrangement gefunden, auch wenn die Ministerin immer wieder verdeckt recherchierte, wie sie den ungeliebten Mitarbeiter doch noch für seine Kriegsverbrechen zur Verantwortung ziehen könnte.
Albus war sich immer darüber im Klaren gewesen, dass die Wahrheit gegen Geld in der Politik keine Chance gehabt hätte.
Deswegen hatten er und Harry immer wieder davon gesprochen, dass eine direkte Auseinandersetzung die klügere Entscheidung wäre. Aber damals hatte er Draco schützen wollen. Er hatte es für die klügere Wahl gehalten, Dracos Anonymität, Dracos Leben zu schützen, und ihn nicht in diesen Konflikt einzubeziehen.
Aber heute ... es war Dracos freie Entscheidung gewesen, sich seinem Vater zu stellen.
Und es war seine Entscheidung gewesen, ihn nicht zu töten, sonder den langwierigen, schwierigen, aber legalen Weg zu gehen.
Er hätte ihn so leicht töten können ... er hätte Ruhe gehabt, Sicherheit und Rache. Er hätte anschließend wieder in die Anonymität des Medienzars Adam Young abtauchen können, und kein Zauberer hätte davon erfahren ...
Albus war stolz auf die Entscheidung seines jungen Freundes.
Seine Gedanken hatten diesen Kreis geschlossen, als die Zaubereiministerin den Raum betrat. Endlich ... Ein kurzer Blick auf die Uhr bestätigte, dass noch nicht viel Zeit vergangen war, dass er nur selber so unter Druck stand, dass es ihm ewig lange erschien ...
Albus lächelte und begrüßte die Ministerin.
In kurzen Worten schilderte er, was geschehen war und bat sie, mit nach Hogwarts zu kommen ... „Lavender, heute früh ist es uns endlich gelungen, Malfoy zu überführen. Durch einen glücklichen Zufall haben wir seinen verschollenen Sohn aufgespürt. Wir haben damit nicht nur den Mann gefunden, der ihn nicht nur zu stellen vermag, sondern der auch gegen ihn aussagen kann, was sein Verhalten im letzten großen Kampf betrifft ... Lavender, wir haben endlich Lucius Malfoy gestellt! Wir brauchen dich für die Festnahme."
Die Ministerin lächelte.
Sie fühlte sich – wie erwartet – geschmeichelt und griff im Bewusstsein ihres gekonnten Auftritts nach ihrer Amtsrobe. „Danke, Albus! Selbstverständlich bin ich über diese Neuigkeiten ausgesprochen erfreut."
Doch als die Ministerin vorausschritt, um zum Schauplatz des Geschehens zu apparieren, hielt sie Albus noch kurz zurück.
„Ich habe vorausgesetzt, dass Draco Malfoy straffrei ausgehen wird, wenn er uns hilft, seinen Vater zu stellen. Ich weiß, ich darf ihm nichts garantieren – aber ..."
Die Ministerin sah ihn an … und nickte. Sie erinnerte sich an ihre eigene Schulzeit ... und verstand. „Ich werde alles dafür tun, dass er einen entsprechenden Zeugenschutz bekommt." Doch sie zögerte auch: „ … Draco Malfoy war selber Todesser?"
Albus nickte. „Aber er hat entscheidend zum Sieg gegen Voldemort beigetragen, auch im letzten großen Kampf, wie auch Harry Potter selber gerne bezeugen wird. Mir schwebt da ein ähnliches Programm wie damals für Professor Snape vor ..." Er hätte es nie zugegeben, aber sein Herz klopfte bis zum Hals. Er war sich dessen bewusst, dass er die Klärung der Zukunft Draco Malfoys in der Hand hielt. ... Ob er sich nicht früher hätte darum kümmern sollen? Ob es jetzt zu spät war?
Doch seine Verhandlungspartnerin nickte. „Wenn er uns hilft, lässt sich das sicher machen. Ich werde mich darum kümmern. Aber jetzt ... auf zu Malfoy!" Und mit einem Schwung seines Zauberstabes veranlasste sie die Vollzugsbeamten und Wächter, sich ebenfalls von Askaban auf den Weg zu machen, ihr zu folgen und zu helfen ...
Stumm hatten Draco Malfoy, Hermine Granger und Severus Snape auf die Rückkehr Dumbledores gewartet. Alle drei hatten den Zauberstab gezückt und auf den am Boden liegenden, letzten Todesser gerichtet.
Niemand hatte ein Wort gesprochen, niemand der Beteiligten spürte, wie die Zeit verging ... eine Sekunde kam ihnen vor wie eine Ewigkeit.
Keine Gefühlsregung zeigte sich in Dracos Gesicht ...
Seine Gedanken schienen gleichzeitig stillzustehen und doch so schnell zu kreisen wie noch nie ...
Sein Vater sah ihn an. Er sah seinen Vater an. Kein Wort wurde gesprochen ...
Er hatte gesiegt. Er war frei.
Nein. Er hatte, wenn das Ministerium mitspielte, eine realistische Chance, frei zu sein – oder auch nicht. Nun, diese Entscheidung war Zukunft und er hatte keinerlei Einfluss darauf. Er konnte nur warten und hoffen.
Und doch ... sein Vater ...
Es war sein Vater, der hier vor ihm lag.
Älter geworden, ja. Ein paar Falten mehr um die Augen, aber Lucius Malfoy war noch nie der Mann gewesen, dem man ein Alter hätte zuordnen können.
Es war sein Vater.
Sein großes Vorbild, der Mann, dem er als Kind nachgeeifert hatte.
Der Mann, den er als Kind hatte nie enttäuschen wollen. Er hatte so sein wollen wie er.
Es war sein Vater, der ihn zum Todesser, zum Mörder hatte machen wollen, der nie nach ihm gefragt hatte, sondern immer nur nach dem Sohn und Erben und der seine Mutter gequält hatte, um sie sich Untertan zu machen ...
Sein Vater, der ihn hatte töten wollen ...
Und doch ... er war sein Vater, der Mann, der ihn gezeugt hatte – so wie er das kleine Wesen, das eben so entscheidend zu dem Sieg beigetragen hatte.
Draco spürte es. Schon für die Freiheit seines Kindes, nicht nur für die eigene Freiheit war seine Entscheidung die richtige gewesen.
Eine Abordnung von Askaban traf ein, gefolgt von Albus und der Zaubererministerin.
Nun war seine Anonymität endgültig verloren.
Was geschehen sollte, würde geschehen.
Lucius Malfoy erhob sich vom Boden, strauchelte kurz, bevor er sich aufrichtete – groß und sicher wie immer.
Der Zauberergamot würde sich um ihn kümmern.
Mr. Adam Young lächelte.
Adam Young lächelte …
Draco Malfoy hatte gesiegt.
Tbc ...
