Also: eigentlich habe ich mir geschworen, diese Story erst fertig zu schreiben, und dann erst die Kapitel online zu setzen, um regelmäßigeUpdates zu garantieren.
Man ist ja immer voller guter Vorsätze, und dieses Jahr kaufe ich die Weihnachtsgeschenke auch vor dem 23.12. – ehrlich!
Nun hat mich aber meine wundervolle Betaleserin aber darauf aufmerksam gemacht, dass in der Story noch etwas fehlt – und sie hatte recht.
Das folgende Kapitel ist also dank CallistaEvans entstanden und eingefügt worden, die dann auch noch blitzschnell und perfekt wie immer betagelesen hat – so dass wir trotzdem das Update pünktlich geschafft haben! Vielen, vielen Dank!
„Liebe bedeutet, nie um Verzeihung bitten zu müssen."
-Love Story-
Ryan O´Neil
„Das ist das blödeste, was ich je gehört habe."
-Is´ was, Doc?-
Ryan O´Neil
Der Termin für die Gerichtsverhandlung gegen seinen Vater Lucius Malfoy rückte immer näher ...
Und Draco wurde mit jedem Tag nervöser.
Er würde gegen seinen Vater aussagen ...
Auch wenn er versuchte, nicht daran zu denken, war er angespannt ...
Nervös.
Und langsam aber sicher wurde er unleidlich.
Seine Unruhe war mehr unbewusst, ... auch wenn er sich ablenkte, was sie allgegenwärtig.
Selbst Hermine konnte nichts dagegen tun ...
Der Tag der ersten Verhandlung rückte näher. Lange und sorgfältig hatte Draco mit Albus, Harry und Severus die Verhandlung vorbereitet. Gemeinsam mit der Ministerin hatten sie eine unfehlbare Strategie erarbeitet, wie sie Lucius Malfoy einem gerechten Urteil zuführen würden.
Und doch blieb noch eine gewisse Unsicherheit in Draco.
Ja, er wusste, dass er im Recht war.
Er wusste, dass die Strategie, seinen Vater zu überführen ausgefeilt, erarbeitet war.
Und doch ... ein schales Gefühl in der Magengrube ließ ihn nicht los.
Er fühlte sich unsicher. Er war es gewohnt, Firmen zu kaufen, zu verhandeln, dabei auch über Leichen zu gehen ...
Aber seinem Vater Auge in Auge gegenüber zu stehen und gegen ihn auszusagen …
Gegen ihn, der selbstverständlich vom teuersten Anwalt der englischen Zaubererwelt vertreten wurde – einem Mann mit juristischem Feingefühl allen Fallstricken auszuweichen – das war nicht seine Welt.
Er konnte verhandeln – aber er war kein Jurist.
Ja, er gestand sich ein: er hatte Angst vor dem Anwalt seines Vaters.
Er hatte Angst davor, im Kreuzverhör auf eine juristische Falle, einen rhetorischen Hinterhalt hereinzufallen.
Seine üblichen Kompensationsmechanismen wirkten nicht mehr ...
Wie oft er in den letzten Tagen eine Spritztour mit seinem Auto gemacht hatte – mit Ziel, ohne Ziel, mit Hermine oder alleine ... er konnte es nicht mehr zählen.
Die Anspannung ließ nicht nach – und er wusste, Hermine spürte es.
Aber sie wusste, sie konnte ihm nicht helfen. Was hätte sie tun können?
Nächtelang hatten sie über die Verhandlung diskutiert ... und doch: das Lampenfieber blieb.
Niemand konnte ihm helfen.
Nicht Albus, der das Konzept für die Verhandlung ausgearbeitet hatte und nun keine weiteren Probleme mit der Verhandlung sah.
Nicht Severus, der selber genauso nervös war wie sein Patenkind.
Nicht Harry, der in den Wochen der Vorbereitung ein treuer Freund geworden war, der alle seine Verbindungen hatte spielen lassen – und doch würde Harry nie Dracos Inneres sehen und bewegen ...
Der erste Verhandlungstag war für den nächsten Montag geplant – doch Draco hatte schon Wochen vorher versucht, sich durch Arbeit abzulenken.
Das Wochenende lag lang und schwer vor ihm – keine Möglichkeit, sich abzulenken, sich abzureagieren ... aber viel Zeit, über die Verhandlung nachzudenken.
Was der Anwalt fragen würde.
Wie er ihn an die Wand reden würde.
In seine Einzelteile zerlegen.
Seine empfindlichsten Punke suchen.
Bloßstellen ...
Er hatte das Problem Hermine gegenüber angedeutet, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Sie hatte gespürt, dass etwas nicht stimmte – auch wenn er sich nicht schwach zeigen wollte.
Bis sie ihm endlich am Mittwoch vor der Verhandlung – zwei Tage vor dem Wochenende – gerade in die Augen sah. „Wovor hast du Angst?"
Er lächelte müde. So ungern er darüber reden wollte, so genau wusste er doch, dass es keinen Zweck haben würde, Hermine etwas vormachen zu wollen ... und so berichtete er über seine Unsicherheit und seine Sorgen.
Am nächsten Tag drückte sie ihm einen Briefumschlag in die Hand.
„Was ist das?"
„Flugtickets. Nach Florida. Du machst dir Sorgen wegen der Verhandlungstaktik? Dann frage jemanden, der sich damit auskennt ..."
„Aber ..."
„Nichts aber. Ich habe schon mit Erica telefoniert. Sie holen uns Freitagabend am Flughafen ab."
Draco starrte auf die Tickets. ... Er war mittlerweile so sehr in den Diskussionen mit Albus, Severus und Harry gefangen gewesen, dass er zwar seine üblichen Kompensationsmechanismen hatte ablaufen lassen ... alle, bis auf einen.
Er hatte nicht mit George telefoniert.
Nicht mit George ...
Er hatte doch andere Gesprächspartner, und es ging um die Zaubererwelt ...
Er war gar nicht auch die Idee gekommen, mit George zu telefonieren. Was hätte er ihm sagen sollen?
Noch hatte er sich überhaupt nicht überlegt, ob und wie er George jemals die volle Wahrheit erzählen würde ... Warum hätte er George etwas über Magie erzählen sollen? George war sein bester, sein einziger Freund ... in der Muggelwelt.
George würde ihn für verrückt erklären.
Im besten Fall.
Im schlimmsten Fall würde er nie wieder ein Wort mit ihm wechseln wegen der jahrelangen Lüge ...
Aber er nickte und lächelte seiner Freundin zu.
Ob er mit George über die Verhandlung reden würde oder auch nicht – auf alle Fälle würde ihm die Gesellschaft der Familie gut tun.
---------------------------------------------------------------------
Erica holte sie vom Flughafen ab, und bald nach ihrer Ankunft traf auch George aus der Kanzlei zu Hause ein.
Nach einem gemütlichen Abendessen brachten die Frauen gemeinsam die Kinder zu Bett, und Draco machte es sich mit George im Wohnzimmer bequem.
Hermine wollte den Beiden Gelegenheit zum Reden geben, und so ließ sie sich anschließend von Erica in die Abstellkammern entführen, wo sie gemeinsam die Babyerstausstattung durchstöberten auf der Suche nach Spielsachen und Kleidung, die Hermine gebrauchen konnte.
So blieben George und Draco zunächst im lockeren Gespräch versunken, dann trat langsam Schweigen ein ...
George musterte seinen Freund. Sie kannten sich einfach schon zu lange, als dass er es nicht bemerkt hätte, dass Draco über etwas nachdachte ... Er fragte, in seiner mehr als direkten Art: „Was ist los?"
Draco sah ihn fragend an, und so drang er tiefer in ihn ein: „Adam, ich sehe, dass etwas nicht stimmt mit dir ... willst du es mir sagen? Oder sollen wir uns einfach wie früher ablenken, einen Film auflegen und noch einen Wein aufmachen ... ich habe die DVDs von „MASH" da ..." Doch Draco schüttelte den Kopf.
Er spürte ... eigentlich wollte er reden.
Ja, er brauchte ein Gespräch mit George, mit seinem Freund, jetzt und hier ... er wusste nur nicht, wie er anfangen sollte.
Dann nickte er – manchmal ist die halbe Wahrheit nicht der schlechteste Weg ...
„Es ist ... nichts besonderes. Am Montag beginnt ein größerer Prozess, in dem ich als Nebenkläger auftrete ... und der mich ein wenig beschäftigt. Sehr beschäftigt. Vielleicht ... wären ein paar Folgen MASH und ein Besäufnis wirklich der beste Weg, den Abend zu verbringen ..."
George sah ihm interessiert in die Augen. „Ein Prozess? Etwas, von dem ich weiß?" und, als Draco den Kopf schüttelte, griff er hinter sich, holte einen Stapel DVDs aus dem Regal und schenkte zwei Gläser Rotwein ein. Als er Draco sein Glas hinüberreichte, hob er die Augenbrauen und stellte die Frage in anwaltsmäßigem Tonfall: „Etwas, was deinen Vater betrifft?"
Draco wäre beinahe das Glas aus der Hand gefallen. „Woher ..."
Sein Freund lächelte. „Es ist nur eine Frage ... du musst es nicht beantworten. Adam, wir haben mehr als ein halbes Jahr im gleichen Zimmer geschlafen, und das kurz nachdem du den Unfall hattest. Traust du mir so wenig Urteilsvermögen zu? Ich habe jeden einzelnen Albtraum von dir mitbekommen ... und habe meine eigenen Schlüsse gezogen. Du musst mir nicht die Wahrheit sagen; wenn du nicht möchtest, schauen wir einfach die DVDs an, und alles bleibt, wie es war ... Aber wenn ein Prozess in der ganzen Sache bevorsteht ... wenn du darüber reden möchtest ..."
Draco sah seinen Freund lange an ... nie hatte er sich Gedanken darüber gemacht, was George sich wohl zusammenreimen würde. Für ihn war selbstverständlich gewesen, dass seine Geschichten stimmig waren.
Aber ... er schien sich ein Bild gemacht zu haben über das, was vor seinem so genannten Unfall geschehen war ... und so blieb nichts, als zu fragen: „Was denkst du denn, was passiert ist?"
George lachte. Dann wurde er plötzlich ernst und sah seinem Freund in die Augen.
„Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was denken soll. Du hast oft im Schlaf über deinen Vater geredet, so, als hätte er Mitschuld an dem Unfall ... aber das würde ja nicht zu deinen Erzählungen passen. Zuerst habe ich immer gedacht, diese Geschichten von dem Motorradunfall seien eine Art Notlüge und dein Vater hätte Verbindungen zur Mafia, aber mit der Partnerschaft zu Hermine hast du ja die Geschichten bestätigt. Seitdem weiß ich nicht mehr, was ich glauben soll ... aber es ist auch egal. Du kannst mir alles erzählen, wenn du willst – du musst nicht. Wir können einfach MASH ansehen und alles ist gut."
Draco nickte.
Er legte die DVD ein und entschied sich für die Folge „Blut hat nur eine Farbe" ... gemeinsam mit George lachte er über Hawkeye, BJ, Hotlips, Klinger und Radar ...
Diese Nacht schlief er besser – im fremden Bett.
Am nächsten Tag – Samstag morgens – hatte George frei und die Familien saßen beim gemütlichen Brunch zusammen ...
Anschließend bat Draco Hermine, kurz ein paar Bücher aus der Stadt zu besorgen – gemeinsam mit Erica.
Und er ... erzählte seinem Freund alles.
Wirklich alles.
Und George lauschte ... staunend ... ungläubig ... und dann ... entsetzt ... als er vernahm, was Lucius Malfoy seinen Sohn hatte erleiden lassen ...
Er hatte mit vielem, er hatte mit allem gerechnet ...
Aber ... Magie ...!
Draco ließ nichts aus. Wie auch Jenny gegenüber schilderte er George auch seine eigenen Verfehlungen ...
Und George ... hörte zu. Lauschte. Und verstand.
Gemeinsam ließen sie die Erinnerung an die Zeit damals in den Kliniken wieder auferstehen, damals, als sie sich kennen lernten, als sie gemeinsam ein Zimmer teilten ... Gemeinsam analysierten sie Dracos Verhalten und sein Empfinden ...
Nachmittags besprach George mit Draco zusammen die juristischen Feinheiten des Falls.
George probte, nahm Draco ins Kreuzverhör ... nahm seine Aussage bis auf das kleinste Detail auseinander, drehte jede Aussage auf den Kopf, um ihn darauf vorzubereiten, trainierte ihn, half ihm, beruhigte ihn ...
Auf dem Flug nach Hause schlief Draco… zum ersten Mal seit Wochen ... und er lächelte im Schlaf.
Hermine war glücklich.
Es war eine gute Entscheidung gewesen.
