Huhu!
Heute geht es also weiter ... hoffentlich klappt es, ich hatte diese Woche Schwierigkeiten mit dem Reviewschreiben und Uploaden ...
Wie immer danke ich ganz, ganz besonders meiner Beta CallistaEvans, die auch hier, bei diesem Kapitel – das mal wieder „eingeschoben" wurde, eine turboschnelle Profiarbeit hingelegt hat – Du bist einfach klasse!
Callista hat übrigens auch wieder ein wunderbares Kapitel ihrer Story "Kein Tag wie jeder andere" hochgeladen, und wenn Ihr Lust auf einen schönen Crossover zum Murmeltiertag habt, lohnt es sich auf alle Fälle, einmal bei ihr vorbeizuschauen!
Viel Spaß beim nächsten Kapitel!
Ganz viele Grüße
Maria
Advertising space – Robbie Williams
Dracos Blick verlor sich im Leeren.
Minutenlang fixierte er jetzt schon die Tür, hinter der Hermine verschwunden war, damit die Heiler die Geburt vorbereiten konnten ... ihm erschien es wie Stunden.
Er schloss die Augen, rieb sich die Augenbrauen, nur um die Augen gleich wieder zu öffnen und stattdessen lieber an die gegenüberliegende Wand zu starren.
Zwei Wochen war die Verhandlung gegen Lucius Malfoy jetzt her. Zwei Wochen war es her, seit die Welt stehen geblieben war, Sekunden nur, um sich dann wieder neu zu drehen ... neu für ihn, neu für seinen Vater ...
Zwei Wochen hatte er nicht mehr geschlafen, zwei Wochen konnte er die Augen nicht schließen, ohne das Gesicht seines Vaters vor sich zu sehen, das Gesicht seines Vaters, als dieser dem Urteil des Richters lauschte.
Draco fühlte sich noch immer ... erniedrigt, wenn er an die Verhandlung dachte, daran, dass er das Urteil gegen seinen Vater erkauft hatte, indem er sich zur Schau gestellt ... sich selber bloßgestellt hatte.
Ja, sein Vater hatte ihn gefoltert, ... aber sein Leben war trotzdem nicht so schlecht, wie der Staatsanwalt es dargestellt hatte
Er hatte kein Urteil aus Mitleid gewollt, sondern ... aus Gerechtigkeit.
Er wollte überhaupt kein Mitleid.
Er wollte kein Bedauern, er wollte nicht angestarrt werden, er wollte nicht verkauft werden, er wollte nicht geopfert werden auf dem Altar der Rechtsprechung über seinen Vater ...
Verdammt! Auch ihm war klar, dass die Übergänge zwischen Mitleid, Rache und Gerechtigkeit hier fließend waren ... aber der Staatsanwalt hatte in dieser Hinsicht maßlos übertrieben.
So hatte Draco es sich nicht vorgestellt ...
Er sah noch immer das überlegene, ironische Lächeln seines Vaters, als der Staatsanwalt in seiner gut gemeinten Rede die Verbrechen des Angeklagten darstellte – und ihn, Draco, damit als Opfer präsentierte ...
Auch wenn die Rede das erreicht hatte, was sie erreichen wollte und sollte ... sein Vater hatte sich königlich über die erneute Erniedrigung amüsiert.
Noch immer spürte er den Blick seines Vaters, der ihm deutlich sagte, dass er – selbst wenn er ihn jetzt besiegen würde – immer der Verlierer bleiben würde.
Dass es Lucius Malfoy gelungen war, seinen Sohn für immer zu zeichnen ... und zu brechen. Dass in dieser einen Hinsicht für immer er, Lucius Malfoy, der Sieger sein würde und sein Sohn Draco immer der Verlierer ...
Aber er sah auch das Gesicht seines Vaters vor sich, als das Urteil verkündet wurde ... Das Urteil, das seit dem Fall des dunklen Lords fast ebenso selten geworden war wie die unverzeihlichen Flüche - unter den Richtern fast ebenso verpönt, als unmenschlich anerkannt wie diese ...
Nur ein Muskel hatte im Gesicht seines Vaters gezuckt ... nur ein Muskel.
Und doch ... er kannte seinen Vater gut genug, um zu wissen, dass es in seinem Inneren tobte ... dass ein Sturm, ein Strudel entstand. ...
Und dass er, wenn es ihm möglich gewesen wäre ... dass genau dieser Mann anschließend etwas zerstört, jemanden geschlagen, ja sogar jemanden getötet hätte ... einfach nur um sich abzureagieren ...
Zu oft hatte Draco erlebt, wie sein Vater von einem Treffen der Todesser nach Hause gekommen war ... und wenn etwas nicht nach seinem Willen gelaufen war, wenn der dunkle Lord einen anderen Todesser vorgezogen hatte ... wie sein Vater dann daher gekommen war, sich Narcissa Malfoy genommen hatte, brutal und ohne zu fragen, ihre Schreie missachtend, und wenn sie zu laut schrie ... dann brachte er sie ... zum Schweigen.
Damals ... damals hatte der gleiche Muskel gezuckt wie jetzt.
Draco wusste:
Wenn es ihm möglich gewesen wäre ... er hätte in diesem Moment alles getan, um seinen Vater vor diesem Urteil zu bewahren.
Er fragte sich warum ...
Weil es ... sein Vater war?
Weil er ...
Weil er, Draco, ... einfach keine Lust mehr hatte, dass in seinem Namen getötet, gefoltert, gerächt wurde ... unabhängig davon, ob es sein Vater war oder nicht, ob er Rachegefühle hatte oder nicht, ob dieser Mann ihn gefoltert hatte oder nicht ... es war ihm egal.
Er fühlte sich in diesem Moment ... einfach nur unendlich müde.
Er hätte alles getan, um den Prozess zu stoppen und seinen Vater zu retten.
Würde es irgendetwas ändern, wenn dieser Mann verurteilt würde?
Würde seine Mutter wieder lebendig?
Würde er selber wieder laufen können?
Nein!
Seine Mutter war tot. Er würde nie wieder laufen können.
Es schien ihm alles so... sinnlos.
Seine Gedanken sprangen noch weiter zurück, folgten dem Strudel von seiner Vergangenheit in Todesserkreisen zu seiner Kindheit ...
Wieder zu seiner Mutter ...
Seiner wundervollen, sanften und schönen Mutter ...
Die Mutter, die wie ein Schmuckstück, wie eine Kostbarkeit herumgereicht wurde ... und die doch niemandem etwas wert war. Die Mutter, die als Trophäe galt für einen besonders gelungenen Sieg ...
Die Mutter, von der er nur gehört hatte, dass sie kurz nach dem letzten Kampf gestorben war, und zu deren Beerdigung er nicht hatte kommen können ... von der er sich nicht hatte verabschieden können – obwohl sie ihm alles war, damals.
Warum sie gestorben war, woran ... er wusste es nicht und würde die Wahrheit nie erfahren.
Doch er wusste, dass ihr Leben schon lange zuvor geendet hatte ...
Dass er selber, ihr Sohn, das Einzige war, was sie so lange hatte leben, hatte durchhalten und kämpfen lassen ...
Zwischen seinem Verschwinden und dem Tod seiner Mutter lagen nur zwei Wochen ...
Ob sie die Wahrheit gewusst hatte?
Er ließ in Gedanken seine Mutter wieder auferstehen, wie sie stets versuchte hatte, ihm immer ein Stück Menschlichkeit zu bewahren ... so schwer es ihr auch selber fiel. Die Mutter, die ihm ein Lachen schenkte ... auch wenn ihr selber nicht mehr zum Lachen war.
Die Mutter, die immer weiter gekämpft hatte, die trotz aller Erniedrigungen durch ihren Ehemann stets versucht hatte, ihrem Sohn zu zeigen, dass das Leben schön sein konnte.
Ohne seine Mutter hätte er seine Kindheit nicht überstanden.
Seine Gedanken wanderten weiter ... zu dem Menschen, der ihm ebenfalls Halt gegeben hatte, damals, als er noch ein Kind war ...
Severus ... sein Freund, sein Pate, sein Vorbild ... im Nachhinein fragte er sich nun oft, wie dieser Mann die Jahre des Krieges überlebt hatte, ohne verrückt zu werden.
Ob ... ob er sich vielleicht, nur ein bisschen, auch durch sein Patenkind hatte Halt und Sinn geben lassen? Draco hoffte es ...
Selbstverständlich würden Severus und Ginny Paten für das Kind werden ... und genauso selbstverständlich hatten er und Hermine sich schon auf den Namen des Kindes geeinigt.
Sein Gedankenkreis schloss sich ... seine Gedanken kehrten damit in die Gegenwart zurück, hier und heute, in dem Warteraum vor dem Kreißsaal ...
Es war die Sache wert gewesen.
Nicht, um Rache zu üben an seinem Vater ...
Aber um der Freiheit willen!
Um seiner Freiheit, und der Freiheit des kleinen Wesens, das heute zur Welt kommen sollte ... und das auch schon so entscheidend zu dem Sieg über Lucius Malfoy beigetragen hatte.
Draco lachte leise ... damit war doch schon klar, dass er die Entscheidung nicht alleine getroffen hatte ...
Er schreckte aus seinen Gedanken auf ...
Ein anderer werdender Vater, der wie er gebeten worden war, kurz den Saal zu verlassen, lächelte ihm entschuldigend zu, weil er wie eine Raubkatze im Flur auf- und ablief, um seine Nervosität zu überbrücken ... Draco zuckte die Schultern.
Er verspürte ebenfalls eine gewisse Fluchttendenz, doch da er sich nicht durch hin- und herlaufen beruhigen konnte, versuchte er wenigstens seine Finger zu beschäftigen und nestelte an einer der ausgelegten Klatschzeitungen herum.
Warum hatte er eigentlich schon vor Jahren das Rauchen aufgegeben? Das Bedürfnis nach einer Zigarette machte sich in ihm breit, aber er wollte den Flur nicht verlassen, da ja jede Minute der Heiler wiederkommen konnte, und er wieder zu Hermine durfte ...
Zum ersten Mal seit dem Augenblick, in dem Hermine ihm gesagt hatte, dass er Vater werden würde, hatte er Zweifel ... er hatte doch George als lebendes Beispiel, dass es kein Problem ist, trotz des Rollstuhls ein guter Vater zu sein und er hatte weiß Gott genug Erfahrung mit Leon.
Aber hier und jetzt, als er sah, wie der andere Mann nervös seine Runden drehte, kamen ihm Zweifel ...
Was würde sein Kind darüber sagen,
warum er ihr oder ihm nicht wie jeder Vater das Radfahren beibringen konnte,
warum er nicht seinem Kind wie jeder andere Vater Quidditch oder eben Football beibringen durfte ...
warum, zum Donnerwetter er nicht wie jeder andere Vater seine Nervosität kompensieren konnte durch ... hin- und herlaufen.
Jeder andere Vater ...
Jeder andere Vater freute sich wie er auf sein Kind, liebte sein Kind, liebte seine Frau, war nervös, ob alles gut gehen würde ...
Jeder andere Vater ... nur der seine nicht.
Wieder sah er das Gesicht seines Vaters vor sich ... Das Gesicht seines Vaters, der – obwohl er es gekonnt hätte – seinem Sohn weder Quidditch noch Radfahren beigebracht hatte, nie mit ihm um die Wette gelaufen war, nie mit ihm den Wald erforscht hatte ... all die Dinge, die er nie können würde ... mit dem kleinen Wesen, das bald das Licht der Welt erblicken würde ...
Ob er nun ein guter Vater werden konnte, ohne je erlebt zu haben, was einen guten Vater eigentlich ausmacht?
Er hatte Zweifel ...
Und er fühlte sich einsam.
Er wünschte, endlich wieder bei Hermine zu sein.
Hermine, die ihn in den Arm nehmen und trösten konnte ... und ihm sagen, dass sie es gemeinsam schaffen konnten, dass er anders war, dass er ein besserer, ein viel besserer Vater sein konnte als Lucius Malfoy.
Ein junger Heiler kam, ihn zu rufen, dass er wieder in den Kreißsaal konnte, um der Geburt beizuwohnen, um bei Hermine zu sein.
Abends um 21 Uhr 35 erblickte Narcissa Hermine Jane Malfoy das Licht der Welt.
Nie zuvor hatte ihr Vater ein so großes Glück empfunden wie im dem Augenblick, als ihm das kleine Mädchen mit den hellbraunen Locken und den schon jetzt sturmgrauen Augen in den Arm gelegt wurde.
Auf der anderen Seite der Erde wurde in der gleichen Sekunde ihr Großvater Lucius Malfoy in Askaban von den Dementoren geküsst.
So ...
Habt Ihr noch Lust auf einen Epilog?
Schreibt es mir!
