Kapitel 2
Sei nicht so bescheiden
Am nächsten Morgen war Training, das hatte Kakashi – sensei gerade noch festgelegt, bevor alles Richtung Ramen stürmte.
Sasuke streckte sich, er war mal wieder viel zu früh wach und würde mal wieder viel zu früh an der Brücke sein. Gelangweilt zog er sich an und machte sich auf den Weg. Überall fielen die Blätter von den Bäumen, es wurde Herbst. Die Hände in den Hosentaschen, stapfte er durch das Laub. Nur noch ein paar Meter bis zur Brücke. Plötzlich hielt er inne und sah zum Treffpunkt hinüber. Jemand saß auf dem Brückenpfeiler und sang. Miyu. Sasuke ging leise und bedacht weiter und lehnte sich dann wie immer an die Brüstung. Miyu stoppte kurz und nickte ihm zu. Jetzt er sah der junge Uchiha, dass sie eine weiße Rose in der Hand hielt. In diesem Moment erschienen Naruto und Sakura Hand in Hand und begrüßten alle fröhlich. „Hallo, Miyu-chan, Sasuke!", rief Naruto und die beiden nickten. „Miyu, du hast ja ein schönes Kleid an!", meinte Sakura fröhlich und bei diesen Worten sah Sasuke zum ersten Mal richtig zu Miyu. Ihr silbernes „Kleid" sah aus wie das von Sakura, aber es war blau abgesetzt und auf den Armen ebenso wie auf ihrem Rücken war eine blaue Krone abgebildet. Ihren Konoha Kopfschutz trug sie als Gürtel um die Taille. Miyu nickte und erwiderte: „Danke, Sakura, dein Kleid hat auch eine schöne Farbe. Sie passt zu deinem Haar." Sakura quiekte vergnügt und bedankte sich. „Hallo, Sensei...", sagte Miyu nun und alles drehte sich zu ihr. Miyu schlug ihre Beine übereinander und neben ihr erschien Kakashi – sensei. „Seht ihr, das meine ich mit stets wachsam sein. Miyu, nicht wahr?", er lächelte seine neue Schülerin an und sie nickte. Sasuke war ein wenig beeindruckt. Woher wusste sie das? „Nun gut, wir haben eine Mission." Miyu sprang vom Brückenpfeiler herunter und stellte sich vor diesem hin, Sakura seufzte, Sasuke wirkte wenig interessiert und Naruto quengelte. „Es ist eine Klasse – A – Mission." Miyu strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und zog ihre Augenbraue hoch. „Es geht darum, dass wir das Dorf, das versteckt zwischen den Feldern liegt verteidigen. Man munkelt, dass die Akatsuki dort etwas plant.", er hob belustigt beide Augenbrauen, „Miyu, Sasuke, hat euch schon mal jemand gesagt, dass ihr eine große Ähnlichkeit habt? Beim Wort Akatsuki seid ihr beide in eine Angriffsposition gefahren..." Sakura grinste. Für einen Sekundenbruchteil hatte sie auf den Gesichtern der beiden einen zarten Rot-Ton entdeckt. „Dann mal los.", forderte der Sensei und seine Schüler folgten ihm.
Sasuke dachte auf dem Weg über Einiges nach. Was hat dieses Mädchen eigentlich erlebt? Kann es sein, dass sie auch Opfer meines Bruders wurde? Sonst würde sie diese Organisation doch nicht kennen, oder? Obwohl... und wieso ist sie so verschlossen...? Ich glaube, ich verstehe langsam, warum es Naruto immer so zur Weißglut treibt, wenn ich einsilbige Antworten gebe... Natürlich wusste Sasuke nicht, dass Miyu sich in jenem Augenblick beinahe die selben Gedanken machte. Dieser Sasuke ist mir ein totales Rätsel... woher weiß der bitte, was passiert ist? Woher kennt er diese verdammte Organisation und wieso mach ich mir überhaupt Gedanken darum? Außerdem nervt es langsam, dass mich Naruto und Sakura mich die ganze Zeit in irgendwelche Gespräche verwickeln wollen...- ich sollte nicht so denken... ich bin es einfach nicht mehr gewohnt, Freunde zu haben... „Miyu?" Die Stimme ihres neuen Senseis holt sie aus ihren Gedanken. „Ja?", ihre dunklen Augen sahen ein wenig aus dem Konzept gebracht aus. „Wo seid ihr heute nur mit euren Gedanken?", klagte er, „Sakura hör' auf, mit Naruto zu turteln, Naruto pack das Instant - Ramen weg, Sasuke hör mir zu! Miyu...Miyu! Für dich gilt das auch!" Sie seufzte und sank auf dem Ast des Baumes, auf dem sie bis eben noch stand, in den Schneidersitz. Aber selber die ganze Zeit das Schmuddelheftchen lesen. Als hätte Kakashi ihre mentale Kritik gehört, steckte er das Buch weg. „Also, es sind nur noch 60 km, weil das so ist, bitte ich euch, mir nun zuzusehen und diese Jounin - Technik nachzumachen." Er formte ein paar Handzeichen und rief: „Schwarzer Schatten des Verfolgers!" (Die Technik gibt es nicht, aber nun ja...°) Miyu passte nicht wirklich auf. Sie merkte sich die wichtigsten Details, das genügte. „Miyu? Ich hoffe, du hast aufgepasst, denn du solltest nun in der Lage sein, uns diese Verfolgungstechnik zu zeigen und erläutern." Kakashi grinste, während Miyu lächelnd von ihrem Ast sprang und innerlich schon genau wusste, was sie zu tun hatte. „Wie wir eben bei Sensei gesehen haben, ist diese Technik eine sehr erfolgreiche Methode jemanden zu verfolgen, ohne Energie zu verschwenden, die in einem Kampf besser zu verwenden wäre. Kakashi - sensei?", sie unterbrach sich selbst und sah ihren Lehrer ratsuchend an. „Ja, Miyu? Es ist nicht schlimm, wenn du die Methode nicht sofort hinbekommst, selbst ich...-" „Nein, das ist doch gar nicht...ähm, entschuldigen Sie, was ich nun eigentlich fragen wollte: Soll ich erst erläutern, was bei der Technik geschieht und dann zeigen oder andersherum?" Sasuke hatte in Gedanken ihren Satz zu Ende formuliert: Nein, das ist doch gar nicht das, wovon ich rede! Will sie etwa behaupten, dass sie so eine Technik sofort erlernen kann?! Selbst für mich ist das zu schwierig, wie möchte sie das dann schaffen? Aber nun ja, so sehe ich wenigstens, in welcher Klasse ich sie einordnen kann. Er grinste das altbekannte Uchiha – Grinsen. „Ich denke, das ist egal... mach einfach so, wie du möchtest...", am Tonfall des Senseis erkannte jeder der vier Chuunin, dass er es Miyu zwar nicht zutraute, allerdings durch ihre Selbstsicherheit aufmerksam geworden war. Die junge Chuunin nickte und hob die Stimme: „Gut, ich werde zeigen und erklären...ich suche mir ein Ziel aus...dieser Hase!", sie formte die Fingerzeichen, „Schwarzer Schatten des Verfolgers!", ihre welligen Haare flogen hoch und man sah, wie sich ihr Schatten an das Haken schlagende Tier heftete und dieses genau bis zu seinem Bau verfolgte, „Wie ihr seht...", man hörte ein lautes BONK als Kakashi auf dem Boden aufprallte, „...ist Sensei gerade weggetreten.", beendete Miyu ihren Vortrag und lief zu ihrem Lehrer, um diesem aufzuhelfen. Er war jedoch längst wieder wach und sah seine anderen Schüler ungläubig an: „Sie hat das gerade nicht gemacht, oder?" Doch die anderen schüttelten stumm den Kopf. „Miyu Amamiya, das war beeindruckend.", bekannte Kakashi lächelnd. Sasuke lächelte frostig. Sie ist stark. Ich denke, ich sollte ihre Fähigkeiten mal weiter beobachten. Sie sah zu ihm hoch und lächelte liebenswert: „Na, Sasuke – kun? Wie fandest du meine kleine Vorstellung?" Sasuke schwieg. Er versuchte gerade, sowohl die Röte nicht in sein Gesicht steigen zu lassen, als auch den Gedanken Stark und gutaussehend zu streichen. „Miyu-chan, du warst total super!", rief Naruto und warf sich nahezu auf seine neue Teamkollegin. „Naruto, geh von ihr runter!", wies Sakura ihren Freund zurecht und half Miyu aufzustehen, „Ich fand deine Vorführung auch bewundernswert." „Ach, ist doch nicht der Rede wert...", Miyu wurde rosa und für einen kurzen Moment erinnerte sie an Hinata, das ewig schüchterne Mädchen aus dem Clan der Hyuugas, wie sie so dastand mit dem gesenkten blauen Schopf und den miteinander spielenden Fingern. Sasuke ging zu ihr und beugte sich ein bisschen zu ihr hinunter, weil sie kleiner war als er: „Du warst wirklich gut. Sei nicht so bescheiden." Diesmal wurde sie nicht rosa, sondern sie verbeugte sich, sodass ihre langen, dunkelblauen Haare eine Zeit lang ihr Gesicht verdeckten. „Danke.", flüsterte sie. Sasuke jedoch war die markante Rottönung in ihrem schneeweißen Antlitz nicht entgangen und komischerweise konnte und wollte er den Gedanken Miyu ist süß nicht verdrängen.
