Hallo ihr lieben, in dem Brief ganz zu anfang des Kapitels, sind im Original einige Stellen durchgestrichen. Leider funktioniert das hier nicht. Schade, hoffe es ist so auch in Ordnung! Viel Spaß beim lesen!! Bella

4. Kapitel

Liebe ist manchmal nicht genug

Ginny biss sich auf die Unterlippe. Hermines Anschuldigungen gingen ihr nicht aus dem Kopf. Aber sie hatte ja auch nichts schlimmes verbrochen, warum sich also Gedanken machen? Es war doch wohl erlaubt Spaß an seiner Arbeit zu haben, sich gut mit den Kollegen zu verstehen. Sie konnte ja nichts dafür, dass sie bei der Arbeit mit Heiler Matthews so viel lernte und, dass sein Dienstbeginn erst später war als der ihre. Außerdem war es schön, mit ihm über das Erlebte sprechen zu können. Einige Fälle waren schon etwas schlimmer und sie nagten an ihr. Warum sollte sie also nicht mit einem ihrer Kollegen darüber sprechen?

Sie schaute auf, als eine große Eule auf dem Küchentisch landete.

Schnell nahm sie ihr den Brief ab. Es war Heiler Matthews Handschrift. Einige Zeilen waren durchgestrichen wurden. Ginny runzelte verdutzt die Stirn.

Liebe Ginny,

ich habe Heiler Diggins zu Euch geschickt, (ich wäre ja selbst gekommen, aber ich dachte es wäre besser so...) doch der Dienstplan ließ es nicht zu.

Gute Besserung für (Deinen Fr...) Harry.

Gruß Paul

Ginnys Herz machte einen Hüpfer und sie erinnerte sich daran, wie Paul ihr in der letzten Nacht das Du angeboten hatte. Doch sofort mischten sich Schuldgefühle dazu.

Als es an der Tür klopfte, warf Ginny den Brief schnell in das Feuer unter dem Kessel und öffnete.

Hermine hatte während Ginny den Brief gelesen hatte in der Tür zur Küche gestanden und schüttelte nun mit Zorn in den Augen den Kopf. Als Ginny sich zu ihr umdrehte und mit Heiler Diggins die Küche durchquerte, warf Hermine ihr einen finsteren Blick zu. Ginny zuckte zusammen und das war Hermine Geständnis genug.

„Treppe hoch, erste Tür links, Heiler Diggins. Ginny wird ihnen gleich folgen. Gehen sie nur schon hoch!", wies Hermine den alten Heiler barsch an, der erstaunt von einer zur anderen guckte. Ginny zwang sich zu einem Lächeln und nickte Diggins zu.

„Harry ist mein bester Freund, Ginny, und wenn ich mitbekomme, dass du ihm weh tust, dann lauf. Ist das angekommen?"

Ginny war puterrot im Gesicht und wich Hermines bohrendem Blick aus.

„Es geht dich nichts an, Hermine! Laß mich los!"

„Es geht mich sehr wohl etwas an, Ginny. Mir ist klar, dass eine Jugendliebe nicht ewig halten muss, aber man muss seinem Partner nicht unnötig weh tun. Wenn du jemanden getroffen hast, der dir besser gefällt, dann beende die Sache und spiel nicht mit Harrys Gefühlen!", Hermines Stimme klang schneidend und kalt, sodass Ginny ein frostiger Schauer über den Rücken lief.

Zögernd betrat Ginny das Zimmer und zwang sich zu einem Lächeln, sie fühlte sich wie betäubt.

Heiler Diggins strahlte ihr entgegen. „Mr. Potter hat sich ganz ordentlich das Knie angehauen, aber ich habe es wieder in Ordnung gebracht.", er zwinkerte Ginny munter zu. „Die Wirbelsäule ist mächtig geprellt, da wird er noch eine Weile was von haben, leichte Gehirnerschütterung, Kratzer und Blutergüsse, nichts bedrohliches. Ich habe Mr. Potter schon gesagt, dass er die nächsten drei Tage streng das Bett hüten soll. Die Verletzung am Knie muss erst richtig ausheilen, sonst könnte es ihm dauerhaft Probleme bereiten. Der größte Teil der Kopfschmerzen und der Übelkeit, die ihn plagen, liegt mit Sicherheit an dem rumänischen Feuerwhisky. Verteufeltes Zeug. Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung damit erinnern. Ähnlich schmerzliche Erinnerungen, wie die ihren, Mr. Potter." Er lachte gut gelaunt. „Ach und, Ginny, bleiben sie heute besser Zuhause und kümmern sie sich um ihren Freund!"

Er winkte beiden zum Abschied noch einmal zu und appariert zurück ins St. Mungos.

Ginny setzte sich an Harrys Seite, nahm seine Hand in die Ihre. Er drehte sich mühsam auf die Seite und zog sie in seine Arme. Er lächelte sie traurig an und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Tränen stiegen in Ginnys Augen und sie wandte das Gesicht ab.

„Prinzessin, was ist los mit dir? Warum weinst du?"

Ginny zuckte nur mit den Schultern und vergrub ihr tränennasses Gesicht an der Brust ihres Freundes.

„Liebes, rede mit mir! Wie kann ich dir denn helfen, wenn ich nicht weiß, was dich bedrückt? Hast du Streit mit Hermine?", sanft strich Harry ihr über den Rücken und küsste sie zärtlich.

„Ich...es ist...Ach, Harry.", schluchzte Ginny und war nicht in der Lage die richtigen Worte zu finden.

„Wo bist du, wenn ich abends hier auf dich warte?", fragte Harry, ohne eine Spur von Vorwurf oder Misstrauen in der Stimme, ganz so, als würden sie sich übers Wetter unterhalten. Dieses Verhalten raubte Ginny fast die Luft zum Atmen.

„Harry, ich...", haltlos schluchzend klammerte sie sich an Harry fest.

„Nicht weinen, mein Herz. Sag es mir einfach, ok?!", noch immer war Harrys Stimme ruhig und freundlich, nur ein wenig zittrig. Er hatte Ginny fest an sich gezogen und streichelte sie unablässig. „Hab ich dich irgendwie verletzt?"

„Nein, Harry, nein, du hast nichts falsch gemacht. Du bist immer so lieb und so verständnisvoll. Ich...ich habe...", Ginny konnte nicht weiter sprechen.

„Ginny, ich will nur wissen was los ist, ich will dir nicht den Kopf abreißen.", Harry versuchte zu lachen, doch er scheiterte kläglich. Wie ein Tier bäumte sich in seiner Brust die Angst auf. Angst Ginny zu verlieren. Sein Herz schlug hart gegen seine Rippen, ihm schien der Atem zu stocken, als sie ihn aus geröteten Augen ansah. Etwas in ihrem Blick machte ihm Angst.

„Ich...ich habe jemanden kennen gelernt. Er ist Heiler im St. Mungos, wir verstehen uns so gut und er...er ist so anders...so neu...ich kann nicht..."

Harry war als hätte jemand ein Messer in sein Herz gerammt, doch er sagte nichts, rückte nur ein Stück von Ginny ab.

„Ich war doch noch ein Kind, als wir uns kennen lernten, ich hatte all die Jahre nur Augen für dich und jetzt...es ist als hätte ich eben erst entdeckt, dass es noch etwas anderes gibt, als all das hier. Wir führen ganz andere Gespräche und...und er...er trägt nie diese Altlasten mit sich rum...diese...diese..."

„Diese Dinge die mich geprägt haben, Ginny, meinst du das? Er hat nie befürchten müssen von Voldemort umgebracht zu werden, nie allein durch seine Anwesenheit die liebsten Menschen in Gefahr gebracht, die er hatte?", Harrys Stimme klang merkwürdig hohl, er fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und atmete tief ein.

„Harry! Nein, dass ist es nicht, es ist ...", Ginny war aufgestanden und lief nun durch das Zimmer.

„Doch, Ginny, genau das ist es. Diese Vergangenheit, mit all ihren Schrecken musst du jedes Mal sehen, wenn du mich ansiehst, nicht war? Wenn du mich siehst, dann denkst du an den Augenblick im Wald, an den leblosen Körper deines Bruders, ist es nicht so? Wenn du ihn siehst, dann sind es nur glückliche Erinnerungen, oder?", Harry hatte sich mühsam aufgesetzt und stützte einen Moment lang seinen Kopf in die Hände, bis das übelkeitserregende Schwindelgefühl nachließ. Ginny wollte zu ihm kommen, doch er hob abwehrend die Hand und schüttelte den Kopf.

„Was hast du vor?", fragte Ginny mit angstvoller Stimme. „Diggins hat doch gesagt, dass du im Bett bleiben sollst."

„Ich kann nicht bleiben, Ginny. Das musst du verstehen. Ich kann dich gehen lassen, einem anderen überlassen, aber ich kann nicht bleiben und dir dabei zusehen." Harry schaute Ginny fest in die Augen und der Schmerz, der sich in seinen Augen widerspiegelte, brach ihr fast das Herz. „Du sollst glücklich sein, Prinzessin, und wenn ich dich nicht glücklich machen kann, dann bin ich nicht der Richtige."

Mühsam zog Harry sich Hose und T-Shirt an und stieg in seine Schuhe, er war blass im Gesicht, seine Haut wirkte fast durchscheinend.

„Bin ich dir so wenig wert, dass du nicht mal um mich kämpfen willst, Harry?", schrie Ginny hysterisch. „Läufst du wieder vor Schwierigkeiten weg? So wie du es immer getan hast?"

Harry verzog das Gesicht, als hätte sie ihn geschlagen.

„Nein, Ginny, aber du bist nicht mein Eigentum und ich kann nicht mit dir zusammen sein und wissen, dass du an einen anderen denkst. Ich werde dich immer lieben, Ginny, aber ich will keine Frau an meiner Seite, die sich ihr Leben lang fragt, was wäre wenn... Ich werde um dich kämpfen, wenn die Zeit reif ist."

Harry humpelte aus dem Zimmer und stieg mühsam die Treppe runter. Er musste gehen, sonst würde er weinend vor ihr zusammen brechen und sie anflehen, den anderen zu vergessen.

„Hast du es gewusst?", rief Ginny ihm hinterher.

Er blieb stehen und wandte sich um. „Ich habe es wohl geahnt, aber nicht wahrhaben wollen."

Ginny lief die Treppe hinunter zu Harry und wollte ihn umarmen, doch er wehrte ab.

„Nicht, bitte! Lass mich gehen, Ginny, lass mich wenigstens würdevoll gehen und nicht auf allen Vieren, wie ein geprügelter Hund.", Harrys Stimme war nur ein Flüstern und er zitterte am ganzen Körper. Langsam, Stufe für Stufe entfernte er sich von Ginny.

Als er das Wohnzimmer durchquerte, hörte er wie Ginny weinend auf der Treppe zusammenbrach. Er hoffte um ein paar weitere Momente der Selbstbeherrschung und humpelte auf die Haustür zu, wo er um ein Haar mit Molly und Hermine zusammen gestoßen wäre.

„Harry...", Hermine schlug die Hand vor den Mund.

„Kümmert euch um Ginny, ich komme schon klar."

Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ den Fuchsbau.