7. Kapitel
Wehe, wenn man sie loslässt...Gedankenverloren sortierte Ginny kleine Glasfläschchen, mit verschiedenen Arzneien, in ein Regal. Sie hätte es Zuhause einfach nicht mehr ausgehalten, sie war froh im St. Mungo einen Zufluchtsort zu haben.
Ständig diese anschuldigenden Blicke ihrer Brüder, Hermine, die halbherzig versuchte sie zu trösten. Das war einfach zuviel.
Sie hatte Harry nicht betrogen, sie hatte nur plötzlich entdeckt, dass es auch noch etwas anderes gibt. Sie war achtzehn Jahre alt, da konnte man sich doch nicht für immer an einen und den selben Menschen binden. Es war ja nicht so, dass sie Harry nicht mehr liebte, aber sie...Ach, sie wusste auch nicht was los war. Sie konnte sich auch nicht erklären, warum Paul so eine große Anziehungskraft auf sie ausübte. Ja, sicher, er war groß und gutaussehend, aber es verband sie nichts. Mit Harry verband sie soviel, sie hatten soviel miteinander durch gemacht und sich immer aufeinander verlassen können.
Paul, ja, er war humorvoll, intelligent und so zuvorkommend, es ist ja nicht so, dass Harry nicht auch all diese Vorzüge gehabt hätte, doch... Vielleicht stimmte ein Teil von dem, was Harry gesagt hatte, vielleicht genoss sie es, bei Paul einfach mal eine andere Seite des Lebens kennen zulernen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass Paul noch einige Geheimnisse barg. Harry war für sie wie ein offenes Buch, er konnte sie nicht mehr überraschen, doch andererseits bot er ihr Sicherheit. Eben weil es kaum mehr Überraschungen gab. Aber was wollte sie in ihrem Alter mit Sicherheit? Sie wollte leben, wollte es endlich mal so richtig krachen lassen. Mit dem vernünftigen Harry an ihrer Seite war das nahezu unmöglich.
„Verdammt noch mal! Welcher Intelligenzbolzen hat den Alraunensaft zu dem Teufelskrallenextrakt gestellt!"
Eine wütende Stimme weckte Ginny aus ihren Gedanken, sie fuhr herum und sah sich Paul gegenüber.
„Oh, das war wohl ich, ich habe nicht richtig aufgepasst. Es tut mir leid!"
„Ginny?", sofort wurden seine Gesichtszüge weicher. „Von dir hätte ich das nicht erwartet."
Sie wurde rot im Gesicht und schaute verlegen zu Boden.
„Hey, kleine Hexe, ist doch nicht so wild, ich habe es ja noch rechtzeitig bemerkt!"
Ginny schüttelte energisch den Kopf. „Das hätte nicht passieren dürfen, Paul, das war unverantwortlich von mir!"
„Das kann jedem mal passieren, mach dir keine Gedanken!", er betrachtete sie nachdenklich. „Wie geht es deinem Freund? Hat er sich von seinem Sturzflug erholt?"
Ginny errötete noch mehr. „Ich...ähm...ich bin mir nicht sicher...ich...wir...wir haben uns getrennt."
„Oh...", ein freudiges blitzen erreichte Pauls Augen. „Das tut mir leid, Ginny. War es sehr schlimm?"
Ginny funkelte ihn böse an und ballte die Fäuste. „Er...er war so...so...verständnisvoll. Oh, Paul, hätte er mich nicht anschreien können oder Sachen durch die Gegend werfen oder so? Hätte er nicht losziehen können um sich mit dir zu duellieren?" Ginny verstummte und wünschte sich ein Erdloch, in das sie sich verkriechen könnte. Wie hatte ihr das nur rausrutschen können?
„Warum hätte er sich mit mir duellieren sollen, Ginny?", verschmitzt grinste der junge Heiler sie an.
„Oh, ich weiß nicht, es war nur so gesagt... ich meine nicht..."
Paul stand nun ganz dicht vor ihr und legte eine Hand an ihre Wange. „Ich fühle mich geehrt, kleine Hexe. Vielleicht sollten wir nach der Arbeit etwas zusammen trinken gehen?"
Ihr Herz machte einen Hüpfer und sie nickte verschämt lächelnd.
„Gut, dann hole ich dich ab, aber vorher...", er beugte sich zu Ginny hinunter und hauchte ihr einen zarten Kuss auf die Lippen.
Beflügelt machte Ginny sich ans Werk. Die trüben Gedanken waren wie weggewischt. Harry würde sich schon irgendwo trösten lassen, das ging sie nichts mehr an und ihre Brüder, tja, sollten die sich doch auf Harrys Seite schlagen. Das war ihr im Moment alles herzlich egal.
Sie hatte sich auf den Weg zur Station für allgemeine Fluchschäden gemacht, um dort einen Verband zu erneuern.
Sie summte eine fröhliche Melodie, während sie den großen Krankensaal betrat und wurde von den dort untergebrachten, männlichen Patienten freudig begrüßt.
„Ach, unser Sonnenschein ist wieder da!"
„Miss Ginny, ich glaube mein Verband müsste erneuert werden!", rief ihr schelmisch ein älterer Herr zu, der auf dem Bauch in seinem Bett lag.
„Ich denke nicht, Mr. Hopkins, ihr Allerwertester war gestern schon dran!", erwiderte Ginny, nicht minder schelmisch.
„Richtig so, junge Dame, bieten sie dem ollen Schwerenöter nur ordentlich Paroli!"
„Wer von uns ist denn der Glückliche?"
„Lassen sie mich mal einen Blick auf die Krankenakte werfen.", mit gespieltem Ernst las Ginny in der Mappe, die sie bei sich trug. „Oh je, Mr. Jingles, würden sie die Güte besitzen und mich an ihrem Kummer teilhaben lassen?"
„Natürlich, für meine Lieblingsheilerin tue ich fast alles. Mein Brustverband ist gerutscht, aber das war ja zu erwarten. Da sie gestern ja nicht zum Dienst erschienen sind,", er zog tadelnd eine Augenbraue hoch, „hat Madam Middleton sich an mir zu schaffen gemacht." Er zwinkerte Ginny fröhlich zu. „Sie ist ein wahrer Drache, Miss Ginny, ihre zarten Hände sind nichts im vergleich zu den Klauen dieser...dieser..."
„Mr. Jingles! Ich muss doch sehr bitten! Madam Middleton ist eine sehr nette Frau und, was sie viel mehr interessieren sollte, eine sehr erfahrene Heilerin!"
„Lassen sie sich nichts erzählen, Mädchen, er hat den Verband selbst gelöst, nur damit sie uns in diesen schrecklichen Tagen ein wenig erheitern."
Ginny ließ den Blick durch den Raum schweifen. „Ich kann beim besten Willen nichts schreckliches an ihrem Aufenthalt in unserem bescheidenem Haus finden, meine Herren! Es scheint ihnen ausgesprochen gut zu gehen." Grinsend stibitzte sie sich eine Lakritzstange von Nachttisch ihres Patienten.
So ging ihr Arbeitstag hin und als sie umgezogen und geduscht den Flur Richtung Ausgang entlang ging, hatte sie eine Unmenge an Schmetterlingen im Bauch.
Paul wartete nicht minder nervös am Tresen der Empfangsdame auf sie und schaute ihr lächelnd entgegen.
„Da ist ja meine kleine Lieblingshexe. Worauf hast du Lust? Essen? Tanzen? Reden?", begrüßte er sie und legte ihr den Arm um die Schulter und führte sie aus dem Gebäude.
„Tanzen! Unbedingt, du musst mir die angesagtesten Clubs zeigen, ich will tanzen bis meine Beine mich nicht mehr tragen!"
„Dein Wunsch ist mir Befehl!"
Sie zogen bis in die frühen Morgenstunden von einem Club in den nächsten. Als der Himmel langsam heller wurde, befand Paul, dass es für diese Nacht reichte und brachte Ginny nach Hause.
„Wann sehen wir uns wieder?", fragte er, als sie engumschlungen im Garten des Fuchsbaues standen.
„Wann immer du willst!", antwortete Ginny lächelnd.
„Wenn es danach ginge, dann würde ich dich gar nicht mehr gehen lassen, kleine Hexe!", mit diesen Worten beugte er sich zu ihr hinunter und küsste sie lange und gründlich. Er unterbrach kurz und schaute ihr in fest in die Augen.
„Oh Ginny, vielleicht sollten wir das hier nicht tun, du bist so jung..."
„Nicht reden, Paul, nicht reden...", flüsterte Ginny und hob ihre Lippen an seinen Mund.
Leidenschaftlich zog der ältere Mann sie näher zu sich heran. Seine Hände schienen überall zu sein und Ginny stöhnte leise auf, als er begann, durch den Stoff ihrer Bluse, ihre Brüste zu streicheln.
„Oh Merlin, du machst mich wahnsinnig, kleine Hexe.", keuchte Paul auf und presste sich dichter an Ginny heran. Deutlich spürte Ginny seine Erektion und ließ eine Hand seine Brust hinab gleiten. Paul stöhnte begierig auf und küsste sie hart und fordernd, wie Ginny es bei Harry noch nie erlebt hatte. Harry war immer vorsichtig und sanft gewesen, Paul hingegen...
Langsam tastete sie sich vor, bis zu seinem Schritt und begann er zögernd, dann immer kräftiger, seinen Penis durch die Hose zu massieren.
Paul hatte den Kopf an Ginnys Schulter gelehnt und genoss die Berührungen der jungen Frau.
Ein wenig grob fing er an ihre Brüste zu kneten und Ginny entfuhr ein unterdrückter Laut.
„Das glaub ich einfach nicht! Das ist ja wohl das Letzte!"
Ginny und Paul fuhren auseinander und schauten sich um. In der Eingangstür stand Ron und funkelte sie böse an. Dann schüttelte er den Kopf und sagte: „Sieh zu, dass du reinkommst, Mum ist grad aufgestanden!"
„Ich gehe besser.", flüsterte Paul und apparierte.
„Ron!", keifte Ginny. „Das hast du ja super hingekriegt!"
„Was? Was habe ich denn gemacht? Ich muss zur Arbeit, verlasse nichts ahnend das Haus und da steht meine kleine Schwester im Garten und knutscht mit einem uraltem Kerl!"
„Was geht dich das an?"
„Zum einen, ist Harry mein bester Freund und du hast nichts besseres zu tun, als dich einen Tag nach eurer Trennung in die Arme eines anderen zu werfen und zum anderen...der Kerl könnte dein Vater sein!"
„Ach, du kannst mich mal. Kümmere dich um deinen eigenen Kram!"
Mit diesen Worten rauschte Ginny an ihm vorbei und verschwand im Haus.
