10. Kapitel
Wie viel Wahrheit erträgt eine Freundschaft?
Der folgende Freitag war der bislang wärmste Tag im Jahr. Das Thermometer war bis auf die 25°-Marke geklettert und die Sonne lachte von Himmel.
Beschwingt verließ Harry das Aurorenbüro und wanderte durch die Straßen Londons.
Er hatte sich mit Ron und Neville verabredet. Sie wollten zu Linda und ihren Freundinnen fahren, die den sonnigen Nachmittag an einem kleinen See außerhalb der Stadt verbracht hatten. Ein muggelstämmiger Freund Nevilles wollte mit ihnen in seinem Auto dort hin fahren. Die Freunde hatten alles für einen schönen Abend am Lagerfeuer besorgt. Es gab Würstchen, Knoblauchbrote und Unmengen von Muggel-Getränken, die von Nevilles Freund besorgt worden waren.
Als Harry am vereinbarten Treffpunkt ankam, standen Ron, Neville und dessen Freund Michael an ein Auto gelehnt da und warteten auf ihn.
„Hey Alter, da bist du ja endlich!", begrüßte ihn Ron und schlug ihm auf die Schulter.
„Hallo, ging nicht eher, ich musste noch einen Bericht fertig stellen. Kann ja nicht jeder so ein Besen-Futzi sein wie du Ron!", erwiderte Harry grinsend und begrüßte seine Freunde.
„Berichte erstellen? Besen-Futzi?", fragte Michael verdutzt. „Was macht ihr denn beruflich?"
Neville, Ron und Harry tauschten verlegene Blicke.
„Ach,", begann Harry breit grinsend. „Ron ist Staubsaugervertreter und ich..."
„Harry arbeitet als...", startete Ron einen Versuch Harry zu linken, doch der fiel ihm ins Wort.
„Ich bin Polizist.", sagte Harry schnell und warf Ron einen triumphierenden Blick zu.
Michael schaute ungläubig von einem zum anderen.
„Ihr seid schon ein merkwürdiger Haufen, oder? Neville ist Gärtner, Ron Vertreter für Staubsauger und Du, Harry, willst mir weiß machen, dass du mit nicht mal ganz zwanzig Jahren Polizist bist, ja?"
„Jupp, ganz genau!", erwiderte Harry ohne die Miene zu verziehen und schaute fragend in die Runde. „Ja, was denn nun? Wollen wir los?"
Ron und Harry quetschten sich auf die Rückbank des kleinen Ford Fiesta und schon düsten sie los. Ron betrachtete ganz verzückt jede Bewegung, die Michael beim Fahren machte und stieß dann und wann einen kleinen verzückten Schrei aus. Harry stieß ihn mit dem Ellenbogen in die Seite und warf ihm einen warnenden Blick zu.
Nach einer etwa halbstündigen Fahrt erreichten sie ihr Ziel. Lachend und flachsend gingen sie einen kleinen Trampelpfad entlang, der zu einer einsamen, verdeckten Bucht führte.
Dort saßen wenigstens ein halbes Dutzend, nur in Bikinis gekleideter Mädchen, unterhielten sich laut und lachten schrill.
„Boah, Neville, das ist ja das Paradies! Warum hast du uns diese heißen Keulen denn bis jetzt vorenthalten?", rief Ron und stieß Neville in die Seite, der daraufhin ein wenig rot wurde.
„Harry, schau mal, da ist ja für jeden mindestens eine dabei!"
„Na, Neville, stille Wasser sind tief, oder wie?!", scherzte Harry und lachte laut auf.
„Hey Mara!", rief Michael einem der Mädchen zu und schaute sich suchend um. „Wo sind denn Jessy und Kate?"
„Hey Honey, die beiden sind dort hinter den Felsen im Wasser und warten auf dich!", lautete die Antwort des jungen Mädchens.
Michael wandte sich seinen Begleitern zu. „Hey Jungs, nichts für ungut, aber da muss ich wohl mal nach dem Rechten sehen. Ich hatte doch erwähnt, dass ich Bademeister bin?"
Die jungen Männer brachen in schallendes Gelächter aus.
Ein zierliches Mädchen löste sich aus der Gruppe, kam auf sie zu gelaufen und fiel Neville lachend um den Hals.
„Hey, da seid ihr ja endlich.", sie küsste Neville auf den Mund und sagte dann leise. „Ich habe dich schon vermisst, mein Zaubermann."
Ron prustete los, woraufhin Harry ihn tadelnd in die Seite stieß. Ron lief los und ließ sich in der Mitte der Mädchen in den Sand fallen.
„So ihr Süßen, was liegt so an?"
Allgemeines Gekicher empfing ihn, doch die Blicke der meisten Mädchen lagen auf Harry, der ein wenig abseits stand und sich Hemd, Hose sowie Schuhe auszog. Dann sprintete er los und ließ sich mit einem eleganten Kopfsprung ins Wasser gleiten. Er tauchte eine kleine Strecke, bleib dann stehen und schüttelte sich, dass das Wasser nur so spritzte.
„Oh Himmel, Mädels, der gehört mir!", hauchte eine zierliche Dunkelhaarige, stand auf und ging graziös in Richtung See.
„Okay, nun kriegt euch mal wieder ein.", ertönte Lindas Stimme. „Neville kennt ihr ja bereits, das hier ist Ronald..ähm...Ron! Und das Objekt eurer Begierde dort im Wasser ist Harry."
„Ach, ich finde rote Haare und Sommersprossen auch ganz neckisch.", erwiderte eine üppige Blondine kokett und zwinkerte Ron zu. „Meinst du nicht, dass wir auch eine Runde schwimmen gehen sollten? Ich bin Ellen."
Ron lief rot an und grinste verlegen zurück. „Ein bisschen Abkühlung kann nicht schaden, oder?!"
Harry war einige Minuten geschwommen und hatte nichts von dem, was sich am Strand getan hatte, mitbekommen. Als er nun durch das seichte Wasser dümpelte, entdeckte er ein zierliches Mädchen, das im niedrigen Wasser saß und ihm freundlich entgegen lächelte. Als erstes fielen ihm ihre Augen auf, so einen herrlichen Braunton hatte Harry noch nie gesehen.
„Hi,", begrüßte er sie und strich sich die nassen Haare aus dem Gesicht, „ich bin Harry."
Sie schlug die Augen nieder und blinzelte mit ihren langen Wimpern. „Hallo Harry, ich bin Fred."
Harry ließ sich neben ihr nieder. „Fred? Ein merkwürdiger Name für ein Mädchen, oder?"
Seine lachte ein wenig zu schrill auf. „Ja, eigentlich heiße ich Winnifred, was auch immer meine Eltern sich dabei gedacht haben."
„Ach, was solls. Seit ihr schon lange hier?"
„Schon den ganzen Nachmittag. Warum seid ihr nicht eher gekommen?"
„Ron und ich mussten noch arbeiten, weißt du."
Sie nickte und spielte mit einem kleinen Stein, den sie aus dem Wasser gefischt hatte. „Was machst du denn beruflich?"
„Ich bin ein Au... ähm, Polizist!"
„Bist du dafür nicht noch viel zu jung?" fragte Fred erstaunt.
Harry lachte freudlos auf und Fred bemerkte einen kleinen, bitteren Zug auf Harrys Gesicht.
„Entschuldige, Harry, habe ich etwas falsches gesagt?"
„Oh, nein, Fred. Hast du nicht. Es ist nur nicht so einfach zu erklären, weißt du."
Fred nickte und schlang ihre Arme um die Knie. Einen Moment saßen sie schweigend da, dann sah Fred auf. „Vor ein paar Tagen waren wir auf einer Party.", begann das Mädchen mit den haselnussbraunen Augen zu erzählen. „Linda hatte ein bisschen zuviel getrunken und da...da hat sie mir etwas sehr merkwürdiges erzählt und mich gebeten, es keiner Menschenseele zu verraten."
„Wenn Linda dir ein Geheimnis anvertraut hat, dann solltest du es auch für dich behalten, oder nicht?!", Harry schaute sie mit gerunzelter Stirn an.
Fred nickte und kaute auf ihrer Unterlippe herum. „Aber, ich dachte, weil du doch auch ein Freund von Neville bist und ..."
Harry hatte die Augenbrauen hochgezogen und sah das zierliche Mädchen fragend an.
„Sie sagte, das Neville zaubern könnte.", sie grinste ein wenig unsicher und schien darauf zu warten, dass Harry anfing zu lachen, doch dieser lächelte sie nur freundlich an.
„Und? Hast du es ihr geglaubt?"
„Ich...nein, zuerst nicht, aber dann...dann sagte sie, dass Hannah auch eine...eine Hexe war und...", sie stockte, als sie sah, wie Harrys Miene düster wurde. „Kanntest du Lindas Schwester?", Freds Stimme war kaum mehr ein Flüstern.
Harry nickte und schluckte schwer, bei der Erinnerung, die durch seine Gedanken zog. „Ja, ich kannte sie, nicht gut, aber ich wusste wer sie war."
„Es muss die Hölle sein, wenn man seine Schwester verliert. Linda und Hannah waren unzertrennlich, weißt du, und dann, von einem Tag auf den anderen..."
„Es ist die Hölle, glaub mir, Fred.", murmelte Harry leise.
„Hast du auch jemanden verloren?"
Harry nickte und schaute hinaus auf den See. Da war er wieder, der Schmerz, der in seiner Brust steckte und ständig darauf wartete an die Oberfläche zu gelangen.
„Ich mache mir Sorgen um Linda, sie redet kaum über Hannah, aber so was muss man doch irgendwie verarbeiten. Wir sind doch ihre Freunde..."
Harry hatte Fred eine Hand auf den Arm gelegt und schaute sie eindringlich an. „Sie verarbeitet es, Fred, sie spricht mit Neville darüber. Er war... wir haben... wir haben es alle erlebt, Fred. Sie ist nicht allein, ok?!"
Das Mädchen nickte und wandte den Blick ab.
„Seid ihr Zauberer, Harry?", fragte sie leise, nachdem sie eine Weile geschwiegen hatten.
Harry lachte kurz auf. „Was meinst du denn?"
Fred grinste verlegen und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. „Ich weiß es nicht, aber ich könnte es mir gut vorstellen."
„Behalte deine Vermutung für dich, Fred. Und verrate niemandem, was Linda dir erzählt hat. Es ist sehr wichtig!"
„Dann seid ihr es also wirklich?"
Harry nickte nur, dann grinste er sie verschmitzt an. „Ich kann dir einen kleinen Einblick in meine Zauberkünste demonstrieren, wenn du willst!?"
Hinter ihnen brüllte jemand los vor Lachen und sagte prustend: „Deine Zaubekünste? Mann, was ist das denn für eine miese Anmachte? Lass dich von dem Vogel bloß nicht rumkriegen, Fred!" Hinter ihnen stand Michael mit zwei hübschen, jungen Mädchen im Arm.
„Ach ne, der Bademeister. Alle Jungfrauen vor dem ertrinken gerettet?", Harry war aufgestanden und hatte sich lachend zu Michael umgedreht.
„Na klar, nur ob sie jetzt noch Jungfrauen sind, das lassen wir mal so dahin gestellt! Kommst du mit, Harry? Es wird Zeit für ein kleines Feierabendbierchen."
Als Harry losging durchfuhr ihn ein stechender Schmerz in seinem linken Knie. Er verzog das Gesicht und presste seine Hand auf das Bein.
„Alles ok, Harry?", Fred war zu ihm getreten und legte ihm nun eine Hand auf die Schulter.
Vorsichtig beugte Harry sein Bein und ging behutsam einige Schritte.
„Alles in Ordnung, Fred. Ich habe mich vor ein paar Tagen am Bein verletzt, es ist noch nicht so ganz ausgeheilt."
Langsam gingen sie am Wasser entlang, auf die kleine Gruppe zu. Neville kam ihnen entgegen. „Harry, ist was mit deinem Bein nicht in Ordnung? Du humpelst ja!"
Harry winkte ab. „Ist nichts, Neville. Tut nur manchmal etwas weh, wenn ich lange gesessen habe. Nicht der Rede wert!"
Gemeinsam setzten sie sich in den Kreis von jungen Leuten. Ron und Neville hatten bereits ein kleines Lagerfeuer entfacht und nun hielten alle Würstchen an langen Stöcken über die Flammen.
„Hier, Harry, fang auf!", rief ihm Michael zu und warf ihm eine Dose Bier rüber.
„Na, klasse, Mann, die kann ich wohl erst in einer Stunde aufmachen, es sei denn ich will ne Bierdusche!"
Die Mädchen kicherten und der blonde Junge erwiderte: „Ich würde es auf einen Versuch ankommen lassen, Potter. Die süßen Schnecken hier sind ganz verrückt nach Bier, vielleicht lässt sich eine finden, die es dir von der nackten Brust schleckt!"
„Oh, Michael, du bist echt ätzend!", tadelte ihn Linda, die mit ihrem Kopf in Nevilles Schoß dalag.
Der grinste nur schelmisch und reichte Harry eine neue Dose. Mit ausgestreckten Armen öffnete er das Bier und reichte es Ron, der seine Dose drehte und wendete und anscheinend nicht herausfinden konnte, wie sie zu öffnen war. Dankbar grinste er Harry an und nahm einen tiefen Schluck. Er verzog das Gesicht und starrte auf die Dose.
„Alter, willst du uns vergiften? Was ist das denn für eine Plürre?"
Erstaunt schaute Michael auf das Etikette seiner Dose und legte seine Stirn in Falten. „Ey, Ron, was willst du eigentlich? Ich habe extra das gute Budweiser besorgt. Besseres kriegst du hier nicht?"
„Schon gut.", mischte sich Harry ein. „Ron ist nicht so der Biertrinker, er hat es mehr so mit Whisky!"
„Ach so, schottische Vorfahren, wie? Ist ja klar, sonst hätte er ja auch nicht die roten Haare."
Nach einer Weile beschlossen die Mädchen, noch einmal ins Wasser zu gehen und ließen die vier Jungs am Feuer zurück. Harry hatte sich geschworen, dass er nach dem letzten exzessiven Alkoholkonsum die Finger davon lassen wollte, doch das Bud schmeckte ihm so gut, dass er nun schon an seiner vierten Dose trank. Ron hatte, nachdem er sich die erste Dose Bier hinein gequält hatte, dann doch lieber eine Flasche Whisky aus seinem Rucksack geholt. Somit waren die vier jungen Männer schon wieder ganz gut angeheitert, als sie auf das Thema Frauen zu sprechen kamen.
„Na, Ron, erzähl mal, wie läuft es so mit dir und Hermine?", fragte Neville mit einem Glucksen in der Stimme.
Ron schnaubte. „Ach, wie soll es schon laufen? Ich gebe mir alle Mühe, aber sie...ach, in den letzten Tagen ist sie noch merkwürdiger geworden. Ich versteh sie einfach nicht!"
„Ach, ist schon Scheiße, wenn die Perlen einen nicht ranlassen, was, Weasley!?", lallte Michael breit grinsend.
„Darum geht es ja gar nicht. Es geht nicht darum sie ins Bett zu kriegen..."
Harry lachte leise vor sich hin, er fühlte sich herrlich leicht, sein Kopf schien aus Watte zu bestehen. „Wenn du dir da mal nicht was entgehen lässt, Ron.", murmelte er leise, ohne sich der Bedeutung seiner Worte bewusst zu sein.
Neville setze sich kerzengrade hin und schaute von Harry zu Ron. Auch Ron hatte sich aufgerichtet und schaute Harry aus zusammen gekniffenen Augen an.
„Was willst du damit sagen?", seine Stimme klang ein wenig unsicher und ohne Harry aus den Augen zu lassen trank er sein Glas in einem Zug aus.
„Gar nichts will ich damit sagen, Ron. Nur eben, dass du dir wirklich etwas entgehen lässt.", Harry grinste von einem zum anderen, doch die drei Männer schauten ihn nur ernst an.
Krampfhaft umklammerte Ron sein Glas. „Woher weißt du, dass mir etwas entgehen würde?", seine Stimme war leise, doch zugleich auch schneidend kalt.
„Ach, Ron, nun reg dich doch nicht auf. Wir haben einen Fehler gemacht, aber das hatte doch nichts mit dir zu tun. Wir haben nicht nachgedacht, es ist einfach so passiert. Ich werde sie dir nicht weg nehmen, oder so."
„Harry, du hältst jetzt besser den Mund. Du bist betrunken! Wir sollten gehen.", schritt Neville ein und war aufgestanden. Auch Ron war aufgestanden und ging langsam auf Harry zu.
„Du verarscht mich doch, oder? Das meinst du nicht ernst! Kein normaler Mensch geht mit dem Mädchen seines besten Freundes ins Bett. Du würdest so was nicht machen, Harry. Jeder, aber du nicht!", fast flehend sah Ron zu Harry runter, der immer noch im Sand saß.
Langsam drang in Harrys benebelten Verstand ein, was hier vor sich ging. Er wich Rons Blick nicht aus. Es nützte nichts es zu leugnen, er hatte das Schlimmste getan, was man seinem besten Freund antun kann.
Ron sah ihn fassungslos an, dann warf er sein Whiskyglas in den Sand. „Ich bin fertig mit dir, Potter." Und wandte sich um und ging in Richtung Meer.
Harry war aufgesprungen und folgte Ron. Neville packte seinen Arm. „Lass gut sein, Harry. Er muss sich erst mal beruhigen, das hat jetzt keinen Sinn!"
Doch Harry schüttelte hin ab und lief los. Als er Ron erreicht hatte legte er ihm eine Hand auf die Schulter. Blitzschnell drehte dieser sich um und schlug Harry mit der Faust ins Gesicht.
Harry taumelte ein paar Schritte zurück, doch Ron kam ihm sofort hinterher und schlug wieder zu. „Du verdammter Scheißkerl! Du willst ein Freund sein? Ein mieses Arschloch bist du, mehr nicht!" Die beiden jungen Männer kugelten sich durch den Sand und traktierten sich gegenseitig mit ihren Fäusten.
Neville kam dazu und wollte die beiden trennen, doch es gelang ihm nicht. Fluchend drehte er sich zu Michael um, doch dieser schüttelte den Kopf. „Lass sie, Neville. Das müssen die unter sich ausmachen."
Die Mädchen kamen aus dem Wasser gelaufen, als sie merkten, was am Strand vor sich ging und schrien und quiekten um die Wette.
Ron kniete über Harry und stieß ihm sein Knie in den Magen. Harry keuchte auf. „Genug, Ron, hör auf...", sagte er atemlos. Ron schnaubte und erhob sich schwerfällig. Er ging einige Schritte weg, doch dann drehte er sich wieder um und kam zurück zu Harry, der noch immer schwer atmend am Boden lag. Er beugte sich runter und flüsterte mit rauer Stimme: „Nur damit du weißt wie weh es tut, wenn einen der beste Freund mit Füßen tritt..."
Holte aus und trat Harry mit voller Wucht gegen sein verletztes Knie. Harry schrie auf und krümmte sich zusammen. Er umfasste sein Knie mit beiden Händen und fluchte laut.
„Linda, schaff deine Freundinnen hier weg.", ertönte Nevilles Stimme ungewohnt streng.
Das Gequieke der Mädchen entfernte sich und Harry blieb mit zusammen gekniffenen Augen liegen.
„Harry?", Neville hatte ihm eine Hand auf die Schulter gelegt. „Geht's?"
„Lass mich in Ruhe, Neville. Kümmert euch um Ron, ok?", presste Harry zwischen zusammengebissenen Zahnen hervor. Neville erhob sich und ging wortlos.
Nach einer halben Ewigkeit, schien der Schmerz in seinem Bein erträglicher zu werden. Vorsichtig setzte er sich auf und zog sein Hosenbein hoch. Er fluchte leise, als er sah, dass sein Knie wieder angeschwollen war und sich langsam blau verfärbte.
„Ich hab es ja auch nicht besser verdient.", murmelte er vor sich hin.
„Da muss ich dir recht geben!", Ron ließ sich neben ihm in den Sand fallen. „Lass mich mal sehen."
„Klar, Ron, damit du noch mal gegentrittst, oder was?"
Ron zuckte nur mit den Schultern und schaute hinaus auf den See, der ruhig im Mondlicht dalag. Nach einer Weile drehte er sich zu Harry um.
„Warum hast du das gemacht?", fragte er leise und Harry gab es einen Stich, als er hörte, wie verletzt Ron klang.
„Ich habe einfach nicht darüber nach gedacht, Ron, das musst du mir glauben. Es hat sich einfach so ergeben."
„Na, wenigstens sagst du mir nicht, dass ihr nichts dafür konntet, weil ihr betrunken ward..."
„Es tut mir leid."
Ron schnaubte nur.
„Ich bin im Moment nicht ich selbst, Ron. Ich... ach, verdammt, es ist doch sowieso egal, was ich sage, oder? Es gibt für das, was ich getan habe keine Entschuldigung."
„Nein, Harry, das ist nicht zu entschuldigen.", sagte Ron traurig. „Komm! Ich hab kein Bock länger hier zu bleiben. Lass uns abhauen."
Harry nickte nur und ließ sich von Ron auf die Beine helfen. Langsam überquerten sie den Strand und Ron beobachtete, wie Harry bei jedem Schritt blasser wurde.
„Genieß den Schmerz, Harry. Du hast ihn verdient."
