12. Kapitel

Zusammen sind wir stark

Hermine wurde von dem Klopfen an ihrer Wohnungstür geweckt. Müde öffnete sie ein Auge und schielte auf ihren Wecker. Sie stöhnte leise. Noch nicht mal 8 Uhr und das an einem Sonntag! Langsam setzte sie sich auf, griff nach einem Haarband, das auf ihrem Nachtisch lag und machte sich einen Zopf, um die nach dem Schlafen wild abstehenden Haare zu bändigen. Dann warf sie sich ihren Morgenmantel über und schlich gähnend durch das Zimmer.

Der Besucher schien ungeduldig und hämmerte mittlerweile mit Fäusten gegen die Tür.

„Ich komme ja schon, verdammt!", rief Hermine mit heiserer Stimme. Sie hatte bis spät in die Nacht mit einigen Kommilitonen zusammen gesessen und an ihrer Hausarbeit zum Thema Amazonen und ihre Auswirkungen auf die Zaubererwelt gearbeitet. Anschließend hatten die anderen jungen Frauen sie dazu überredet mit ihnen in eine düstere, rauchverhangene Kneipe zu gehen. Eine Band hatte dort gespielt und die Musik hatte Hermine gefallen. Letztlich war sie erst gegen drei Uhr ins Bett gekommen und nun auch dementsprechend unausgeschlafen.

Vorsichtig öffnete sie die Tür einen Spalt breit, man konnte schließlich nie wissen wer davor stand. Sie stöhnte leise auf und legte den Kopf an die Türkante.

„Ron! Was willst du hier? Hast du wieder getrunken?"

Ron lehnte am Türrahmen, die langen Haare fielen ihm übers Gesicht und er zuckte nur mit den Schultern. „Ich... ich kann nicht nach Hause, Hermine?"

„Warum kannst du nicht nach Hause? Sind mittlerweile schon so viele Gehirnzellen abgestorben, dass du den Weg vergessen hast?", fuhr sie ihn unwirsch an.

„Darf ich bitte reinkommen?", seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern.

„Du stinkst nach Alkohol. Da hab ich echt keinen Bock mehr drauf, Ronald!", Hermine wollte die Tür zu stoßen, doch Ron blockierte sie mit seinem Fuß.

„Bitte, Mine. Ich hab wirklich Mist gemacht. Ich weiß nicht wo ich hin soll."

„Ich habe keine Lust darauf mit dir schon wieder alles durch zukauen. Komm nüchtern, mit sauberen Klamotten und wir können noch mal über alles reden, aber so..."

Ron fluchte laut auf, stieß Hermine an die Seite und betrat ihr kleines Appartement.

„Verdammt, Ron?! Das was du hier machst ist Hausfriedensbruch! Jetzt hör mir mal zu, du...du..."

„Nein Hermine, jetzt hörst du mir mal zu! Was aus uns beiden wird, ist mir im Moment einfach nur scheißegal, klar! Ich bin als dein Freund gekommen, weil ich früher immer zu dir kommen konnte, wenn ich nicht weiter wusste.", er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und lief im Zimmer auf und ab. „Es hat heute Nacht einen Unfall gegeben. Ginny ist schwerverletzt im St. Mungo und ich bin schuld. Leider habe ich nicht genug getrunken, um das Geschehene zu vergessen." Er blieb am Fenster stehen und schaute hinaus auf die graue Häuserwüste. Noch immer peitschte der Regen durch die Straßen und der Wind heulte.

„Was ist denn passiert?", Hermine war hinter Ron getreten und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Ich hab noch soviel getrunken, dass ich mich nicht an alle Einzelheiten erinnern kann. Ich war mit Neville und den Muggel-Jungs unterwegs. Wir zogen von Disco zu Disco. Irgendwann, scheinbar völlig aus dem Zusammenhang gerissen, stand Ginny vor mir.", er stockte und starrte weiterhin auf einen Punkt auf der Straße.

Hermine spürte, wie Ron jeden Muskel angespannt hatte und strich ihm sanft über den Rücken. „Erzähl bitte weiter."

„Es ist nicht so leicht, Hermine. Wenn ich klar denken könnte, dann wärst du, zusammen mit Harry, der letzte Mensch den ich sehen wollte.", Ron lachte bitter auf. „Aber ich habe einfach niemanden außer euch. Na gut, Neville, aber... das ist irgendwie noch etwas anderes."

Hermine war es, als würde ihr die Luft abgeschnürt werde. Ron wusste es. Er wusste, dass sie und Harry... Ob Ginny es wohl auch wusste?

„Ich habe ihr die Wahrheit gesagt, über ihre beste Freundin und ihren Freund. Neville sagte mir später, dass Ginny uns schon weinend in die Arme gelaufen war und sie ziemlich verzweifelt schien. Ich war zu betrunken, von so was habe ich nichts mitbekommen. Im nächsten Moment lief Ginny weg und Neville folgte ihr. Wir gingen langsam hinterher, Michael und ich... und frag mich nicht was ich mir dabei gedacht habe...ich habe eindeutig nicht mehr gedacht.

Als wir um die Hausecke bogen, lag Ginny auf der Straße, Neville kniete neben ihr, Passanten kreischten, liefen aufgeregt hin und her...Ich habe nicht mal die quietschenden Reifen der Autos gehört..."

Hermine hatte sich auf die Bettkante fallen lassen und schaute Ron ungläubig an. Sie war blass geworden, bei Rons Erzählung. „Ist sie... ist sie sehr schwer verletzt?"

Ron zuckte mit den Schultern. „Wohl schon ziemlich. Mum war total von der Rolle. Ich bin über Nacht bei Neville geblieben, sie kam dort in den Kamin, um uns zu sagen, was mit Gin los war. Ich hab nicht viel verstanden, sie hat so doll geheult. Irgendwas mit inneren Verletzungen, die schwierig zu heilen sind und so. Aber sie wird wieder ganz gesund."

Ron setzte sich neben Hermine auf ihr Bett. Sie schwiegen, Minutenlang saßen sie schweigend neben einander. Bis Hermine nach Rons Hand griff und sie festhielt.

„Was ist nur los mit uns?", wisperte sie mit brüchiger Stimme.

Ron hatte den Blick gesenkt und schaute auf ihre ineinander verschlungenen Hände.

„Vielleicht noch irgendein Fluch mit Langzeitwirkung?", versuchte Ron witzig zu klingen, jedoch ohne großen Erfolg. „Vielleicht tut uns das einfache Leben, ohne Krieg und Kämpfe nicht gut? Vielleicht machen wir uns einfach selber Probleme, weil wir es nicht ertragen einfach mal nur glücklich zu sein? Natürlich ziehen wir dann alle mit rein, jeder bekommt ein Päckchen ab. Möglicherweise sind wir auch auf Grund unserer Kindheit, unserer total verkorksten Kindheit, wage ich zu behaupten, einfach nur durchgeknallt und völlig bescheuert." Ron grinste Hermine verlegen an.

„Durchgeknallt und bescheuert sind wir bestimmt!"

„Du und Harry, ihr seid es auf jeden Fall. Ginny und ich sind nur die Opfer eurer Durchgeknalltheit." Hermine stieß ihm in die Seite.

„Ach, und was ist das für ein Mist, den du im Moment dauernd verzapfst? Nur anders Ron, aber nicht besser. Und von Ginny wollen wir mal gar nicht sprechen. Sie hat dem ganzen doch irgendwie den Hut aufgesetzt.", sie grinste Ron ein wenig verlegen an. „Wir haben wohl alle so einiges verbockt in letzter Zeit, was? Aber, dass es so enden muss..."

„Ja, meine kleine Schwester hat ganz schön Chaos angerichtet..."

„Nein, Ron, das wollte ich damit nicht sagen. Ich wollte damit nur sagen, dass es scheinbar einfach nicht funktioniert, wenn einer von uns vieren so drastisch aus der Reihe tanzt. Das bringt unser aller Gleichgewicht durcheinander."

„Ja, damit könntest du recht haben."

Hermine war näher zu Ron herüber gerückt und legte nun ihren Kopf an seine Schulter.

„Woher weißt du eigentlich von... von... naja, du weißt schon?!"

„Es ist Harry einfach so rausgerutscht...", erwiderte Ron und legte den Arm um Hermines Schulter. „...und dann haben wir uns geprügelt."

Sie sah Ron ungläubig an. „Ihr habt was?"

„Wir haben uns geprügelt. Naja, viel mehr habe ich Harry verprügelt. Das war am Freitag, seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Hat er sich bei dir mal gemeldet?"

„Nein, ich habe ihn schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen."

„Hhmm, ich habe... ich hab ihm mit voller Absicht gegen sein kaputtes Knie getreten, ich glaube das hat ziemlich weh getan..."

Hermine zog tadelnd eine Augenbraue hoch. „Oh Ron, das war wirklich nicht so geschickt, oder? Was ist denn, wenn er da nun immer Schwierigkeiten mit hat. Das kann er sich als Auror nicht leisten."

„Ich weiß, Mine.", Ron schaute verlegen zu Boden. „Ich wollte ihm einfach so weh tun, wie er mir weh getan hat. Er weiß ganz genau, dass ich dich...dich...liebe und trotzdem hat er..."

Hermine hatte eine Hand an Rons Wange gelegt und lächelte ihn zärtlich an. „Siehst du, Ron, wenn du so etwas sagst, dann gewinnst du mein Herz."

„Wenn ich dir erzähle, dass ich Harry verhaue?", ungläubig schaute Ron sie an.

„Nein, du Dummkopf, wenn du mir sagst, dass es dich verletzt, wenn ich mit anderen Männern zusammen bin, weil du mich liebst. Das wollen Mädchen hören."

Er runzelte die Stirn. „Aber Hermine, du weißt doch, dass ich dich liebe."

„Ja? Weiß ich das?"

„Du solltest es wissen, es war noch nie anders. Ich habe immer nur dich geliebt. Weil du hübsch bist und so klug und so vernünftig. Weil du einfach so bist, wie du bist. Hermine eben!"

Sanft drückte sie seine Hand, beugte sich vor und hauchte ihm einen sanften Kuß auf die Lippen. „Ron? Geh mal ins Bad und putz dir die Zähne. Ich würde dich gern richtig küssen, aber..."

Ron schnaubte auf. „So kann man natürlich auch gegen die Romantik ankämpfen, Hermine."

Sie lachte nur und scheuchte Ron Richtung Badezimmer.

Sie verbrachten den ganzen Vormittag eng aneinander gekuschelt in Hermines Bett. Sie unterhielten sich leise, küssten sich zärtlich und hielten sich Minutenlang einfach nur schweigend in den Armen. Schweigend und glücklich. Das Gefühlschaos in Hermines Kopf schien sich gelegt zu haben, sie legte ihren Kopf auf Rons Brust und schloss ihre Finger um die seinen. In Rons Armen schien alles richtig zu sein, hier fühlte sie sich geborgen und geliebt. Warum hatte sie nur gezögert?

Als um die Mittagszeit langsam die Sonne die Wolken vertrieb, zogen sie sich an und machten sich auf den Weg zum St. Mungo. Arm in Arm gingen sie die langen Krankenhausflure entlang, bis sie Ginnys Zimmer erreichten. Leise klopften sie an die Tür und betraten den Raum. Das rothaarige Mädchen lag auf der Seite, hatte der Tür den Rücken zugewandt, und unterhielt sich leise mit einem dunkelhaarigen Zauberer. Der Mann hielt ihre Hand und lauschte schweigend ihren Worten.

Hermine lächelte bei dem Anblick von Harry, der an Ginnys Seite saß und trotz seiner geröteten, müden Augen glücklich zu sein schien.

„Hey ihr zwei, wir wollten nicht stören. Sollen wir später noch einmal wieder kommen?", fragte sie leise und drückte Rons Hand.

Ginny drehte sich langsam um, eine Hand auf ihren Bauch gepresst. Sie lächelte selig, als sie die beiden Besucher erkannte. „Kommt rein, ihr stört doch nicht.", sagte sie mit geschwächter Stimme.

Hermine eilte zu ihr und nahm sie vorsichtig in die Arme. „Ginny, was machst du denn für Sachen?"

Harry war aufgestanden und um das Bett herum gegangen, als er Ron gegenüber stand, hielt er inne. „Hey Ron.", begann er zögernd. „Ich weiß nicht, wie..."

Doch der rothaarige Zauberer schüttelte den Kopf. „Schon gut, Harry. Ich denke, es ist alles wieder in Ordnung, oder?"

„Sieht ganz so aus, nicht!?"

Als Molly und Arthur den Raum betraten, lächelten sie sich glücklich an. Zu gern hätten sie das ihnen dargebotene Bild festgehalten. Harry, der Ginnys Hand hielt und Ron, der zärtlich den Arm um seine Hermine gelegt hatte.

Ende Teil I

OoooO

Diese Geschichte wird in mehreren Teilen gepostet. Allerdings kann ich nicht versprechen, dass Teil II sofort hinterher kommt. Aus diversen Gründen wollte ich ja eigentlich nie wieder und überhaupt nicht mehr schreiben, doch ich denke ich werde die Finger nicht von der Tastatur lassen können. Allerdings werde ich nur noch schöne Sachen zu Papier bringen!! Das steht fest.

Vielen Dank noch mal an meinen Beta, hier jetzt erstmal ein wenig Pause.

Eure Bella