Kapitel 5
-JAZISA-
Das erste, was Jazisa verspürte, als sie sah, wie die Jedi vor ihr in Tränen ausbrach, war Verwunderung. Sie hatte immer angenommen, dass die Jedi über Emotionen erhaben seien, aber der Anblick der sich ihr bot, sprach in diesem Fall für das Gegenteil. Das zweite war, dass sie Mitleid verspürte, ausgerechnet mit der Frau, die vor weniger als einer halben Stunde ihren Freund und Copiloten umgebracht hatte, ausgerechnet mit einer Jedi, die das verkörperte, wovor sie am meisten Angst hatte, denn letzten Endes waren die Jedi nichts weiter als ein Mittel zu Zweck für den Senat. Sie wollten es selber vielleicht nicht zugeben, aber so war es, ein weiters Staatsorgan, was dazu eingesetzt werden konnte politische Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.
Sie streckte eine Hand aus und legte sie Joann auf die Schulter, nach nur wenigen Momenten, griff die Jedi nach ihr und zog sie von ihre Schulter hinunter und auf ihren Schoß. Sie umklammerte Jazisas Hand mit beiden ihrer Hände. Jazisa kam nicht umhin zu bemerken, wie weich und glatt sie waren. Sie hatte das Gefühl, der körperliche Kontakt reichte der Frau vor ihr nicht aus, um sie zu beruhigen, also beschloss ihr noch etwas mehr zu geben. Langsam stand sie auf, immer darauf bedacht nicht die Hand aus dem Schoß der Jedi zu ziehen und schloss sie mit dem Anderen Arm in eine enge Umarmung. Joann schien sich langsam zu fangen, ihre Tränen verebbten und ihr Blick senkte sich, von Scham gezeichnet zu Boden.
"Hey, das ist nichts wofür ihr euch zu schämen braucht", begann Jazisa, um der Jedi vor ihr wieder eine gewisse Sicherheit zu geben, "das passiert uns allen mal".
"Nicht einem Jedi, ich habe mich aufgeführt, wie ein Jüngling. Es tut mir leid, dass ihr das sehen musstet", ihre Stimme war ebenso wie ihr Blick Scham erfüllt, dabei hatte Jazisa das Gefühl gehabt, dass sie bevor ihr Gefühlsausbruch begann, in ihren Augen nach einer Art Erlaubnis gesucht hatte.
"Meister Obedaia ist tot. Wir müssen unverzüglich nach Coruscant, den Prinzen zum Senat bringen und dem Jedi-Rat bericht erstatten", sagte Joann schließlich, als sie wieder aufgeschaut hatte.
"Es tut mir leid, dass ihr euren Meister verloren habt", sagte Jazisa mitfühlend.
Sie wusste nicht warum, aber sie mochte die junge Jedi-Ritterin, wenn sie ehrlich zu sich war, dann fühlte sie sich ein wenig zu ihr hingezogen. Das verwirrte Jazisa, denn in der Regel, war sie niemand, der so schnell Vertrauen, geschweige denn mehr, zu einer Person aufbaute. In Aliaks Fall, hatte es mehrere Jahre gebraucht, biss sie ihm so weit vertraut hatte, ihn als Copiloten einzusetzen. Aber in Joanns Fall, hatte es etwa zehn Minuten gebraucht, biss sie bereit gewesen war, ihr den zweiten Stuhl im Cockpit zu gewähren.
-JOANN-
Als die Raven aus dem Hyperraum sprang und sich in der Umlaufbahn von Coruscant befand, fühlte sich Joann sofort ein Stück sicherer. Die Vertraute Stadt war zu ihrem zweiten Zuhause geworden. Sie selber kam von Alderaan und hatte einige Zeit gebraucht um sich an die hektische Stadt zu gewöhnen. In ihrem Heimatort auf Alderaan, der eigentlich viel mehr ein Dorf war, war es abgesehen von den Geräten zur Weintraubenernte still und beharrlich zugegangen. Allerdings hatte sie auch nur einen kleinen Teil ihrer Kindheit dort verbracht, denn mit vier Jahren, war ein Jedi gekommen um sie abzuholen und zum Tempel auf Coruscant zu bringen. Deshalb erinnerte sie sich nur noch Bruchstückhaft an ihre Heimat, so wie sie vor zwanzig Jahren gewesen war. Doch wenn sie es ab und zu schaffte ihre Eltern zu besuchen, dann stellte sie fest, dass es sich nur langsam veränderte. Hier war ein neues Haus gebaut worden, dort stand ein neuer Erntedroide, und da war ein neues Kind im Garten.
Coruscan war anders, ständig im Wandel, geschäftig und ruhelos. Dort wurden neue Wolkenkratzer gebaut und direkt daneben wurde ein Veralteter abgerissen um Platzt für etwas anders zu schaffen. Denn bei all dem Überfluss, der hier herrschet, Platzt war eine der wenigen Sache, die hier knapp waren.
"Wir fliegen direkt zum Jeditempel", sagte Joann, an die Schmugglerin gewandt, "ihr werdet einen Zugangscode brauchen um zu landen".
Sie konnte sehen, wie sich Jazisas Gesichtsausdruck verfinsterte.
"Werden sie dieses Schiff durchsuchen?", fragte sie.
"Nein, sie vertrauen mir und ich vertraue euch. Gibt es etwas, dass sie nicht finden sollten?", fragte die Jedi neugierig.
Jann konnte sehen, wie sich ein gequälter Gesichtsausdruck auf dem Gesicht der Frau ihr gegenüber abbildete, sie schien zu überlegen, was sie sagen sollte.
"Ich habe eine nicht unwesentliche menge Ryll an Bord", gab sie schließlich zu, "wobei ich das Versteck eigentlich für sicher halte".
Joann konnte nichts machen um ihren enttäuschen Gesichtsausdruck zu unterdrücken. Sie hatte die Schmugglerin wohl in Gedanken idealisiert, dabei war sie nur eine kleine Kriminelle, die Ryll auf den Kernwelten verkaufen wollte. Aber immerhin schien sie ihr ebenfalls zu vertrauen, sie hatte ihr gesagt, was sie transportierte, auch wenn sie das für mehrere Jahre auf eine Strafkolonie de Republik bringen könnte. Joann hatte nicht vor, ihr Vertrauen zu missbrauchen.
"Ich könnte einen Handel mit den Heilern des Tempels vereinbaren, si würden euch das Ryll bestimmt abkaufen und es zu Medizin verarbeiten. Dann hätte es etwas Gutes bewirkt, statt als Droge zu enden".
Sie konnte sehen, dass Jazisa nicht sonderlich begeistert war, den, Joann wusste, dass die illegalen Abnehmer mehr als das dreifache bezahlten, als die Heiler und Krankenhäuser. Trotzdem sah sie wie sich die Miene der Schmugglerin aufhellte und sie nickte.
"Das wäre wirklich nett von euch", gab sie ihr als Antwort.
-JAZISA-
Die Landeplattform vor dem Jeditempel war erstaunlich leer, nur einige kleiner Gleiter standen dort. Die Raven war mit Abstand das größte Schiff, was im Moment dort war. Als Jazisa aus dem Heck des Schiffes sprang, an der Stelle wo vor weniger als zwei Tagen noch die Landeklappe gewesen war, standen ihr drei groß gewachsene Männer, einer von ihnen ein Twi´Lek gegenüber. Sie trugen alle die traditionelle Tracht der Jedi. Als sie hörte, wie zwei weitere Personen neben ihr auf dem Boden landeten, sah sie wie sich die Mine der drei Jedi vor ihr etwas entspannte.
"Wie ich sehe, habt ihr den Prinzen bei euch Joann", sagt der älteste von ihnen.
"Er ist in Sicherheit, aber den Preis den es gekostet hat, war hoch. Meister Obedaia, wird nicht zurückkehren", antwortete sie, nachdem sie sich verbeugt hatte.
