Kapitel 6
-JOANN-
Joann folgte einem der drei Jedi Meister in die Kammer des Rates, hoch oben im Hauptturm des Tempels. Jetzt wo der Prinz sicher im Tempel war und Jazisa tatsächlich zugestimmt hatte, ihr Ryll an den Orden zu verkaufen, musste sie dem Rat nun von den Ereignissen berichten, die zum Tod von Meister Obedaia geführt hatten. Der Weg durch die großen Hallen des Jedi-Tempels war immer wieder beindruckend. Obwohl sie hier so viel Zeit verbraucht hatte, hatte sie sich in den kleinen Übungsräumen oder dem Archiv, immer wohler gefühlt. Die übermäßig hohen Hallen, die als Verbindung zwischen diesen Bereichen des Tempels dienten, kamen ihr immer so leer und nutzlos vor, denn obwohl sie auf einer der reichsten Planeten der Galaxis geboren worden war, hatte sie immer einen gewissen Hang zu Nützlichkeit der Sachen gehabt und nutzlose Ziergegenstände, deren einziger Sinn darin bestand, schön auszusehen, für überflüssig gehalten. Diese Charaktereigenschaft, hatte ihr natürlich das Leben als Jedi sehr erleichtert, denn im Vergleich zu andern Jünglingen von den Kernwelten hatte sie keine Probleme sich an das minimalistische Leben als Jedi zu gewöhnen.
Als sie den Aufzug erreichten, kamen Joann wieder die Erinnerungen an ihren Zusammenbruch und die Verwirrung in den Geist, die sie in der nähe der Schmugglerin erfahren hatte. Unbeabsichtigt schweiften ihre Gedanken zu der Frau ab, wie sie aussah, wie sie redet, wie sie sich verhielt. Sie konnte nicht erklären, was sie fühlte, wenn sie an sie dachte, aber es steigerte ihre Verwirrung nur noch weiter.
Es gibt keine Emotionen, es gibt nur Freieden.
Sie flüsterte das Mantra leise immer und, und immer wieder und langsam begann es seine Wirkung zu zeigen. Die aufgewühlten Gefühle in ihr legten sich und es blieb nur die vertraute Leere zurück. Es gelang ihr sich der Macht zu öffnen, wie es ihr seit sie an Bord der Raven gegangen war, nicht mehr geglückt war. Sie durchströmte sie wie ein weißes säuberndes Licht, das sie mit Kraft erfüllte, bis in die Zehenspitzen und die Finger.
Sie trat in die Rats Kammer und lies ihre Eskorte, den Jedi Meister, hinter sich. Das letzte mal, als sie hier gewesen war, war sie noch ein Padawan gewesen und in den Rang eines Jedi-Ritters erhoben worden. Dieses mal, war der Anlass nicht so glücklich. Sie stellte sich in die Mitte des runden Raumes in der Turmspitze und verbeugte sich.
"Gegrüßt du seist, junge Ritterin", grüßte sie Meister Yoda, "Annehmen ich tue, du weist warum du bist hier?".
Sie schaute einmal durch die Gesichter des Anwesenden Rates, manche der Mitglieder, war nicht anwesend, da sie gerade auf Missionen waren und waren daher per Holobild dazu geschaltet.
"Ich nehme an, dass ihr mich hier her bestellt habt, um über den Tod von Meister Obedaia berichtet zu bekommen", sagte sie schließlich.
"Richtig angenommen du hast", entgegnete ihr Yoda.
Nachdem Joann über den Tod ihres Meisters berichtet hatte, wandte sich Meister Yoda erneut an sie.
"Große Verwirrung ich in dir spüre", sagte er in seiner gewohnt geduldigen Stimme.
"Es tut mir leid, ich kann es selber nicht erklären", entgegnete sie und überlegte, was sie dem Rat über Jazisa erzählen sollte. Sie kam zum Schluss, dass sie ihre Gefühle lieber nicht mit ihnen teilen würde. Meister Obedaia, hätte sie sofort ohne zu zögern, erzählt was sie bewegte, aber sie kannte die obersten Jedi kaum und wusste nicht, wie auf die Neuigkeit reagieren würden, also wählte sie eine Halbwahrheit.
"Der Tod meines Meisters, ich konnte es nicht kommen sehen, ich hatte Schwierigkeiten mit der Macht in Verbindung zu treten".
"Noch jung du bist, noch viel zu lernen du hast. Aber unbesorgt du musst sein, die Wege der Macht unergründlich sind. Vertrauen du haben musst".
Alles in ihr schien sich gegen diese Aussage aufzulehnen. Wie konnte man glauben, dass der Tod von Meister Obedaia vorbestimmt gewesen war, das war nicht akzeptabel, doch sie blieb ruhig und bemühte sich sich nichts anmerken zu lassen.
"Danke Meister", sagte sie und vorbeugte sich.
"Zorn in dir ich spüre, dein Handeln nicht beherrschen er darf. Hinter dir ihn lassen du musst", sagte er mitfühlend.
Joann senkte demütig denn Kopf, denn sie wusste, das Yoda recht hatte, auch wenn sie es nicht einsehen wollte.
"Ja, Meister, ich werde es versuchen", antwortete sie und wandte sich zum gehen.
-JAZISA-
Jazisa war schon einig Male auf Coruscant gewesen und zu dem Schluss gekommen, dass sie den Planten nicht mochte. Sie fühlte sich beobachtet und überwacht. Ebenso mochte sie die ständige Ruhelosigkeit der riesigen Stadt nicht. Sie war überrascht, wie weit die Schere zwischen arm und reich, hier auf dieser Kernwelt, aufging. Dadurch und durch die überaus große Bevölkerung des Planeten, hatte sich ein breiter Markt für geschmuggelte Waren aufgetan.
Als Jazisa sich umschaute und den großen Jeditempel bewunderte, kam sie nicht umher, über die Ironie der Situation zu lächeln. Sie war auf Coruscant, dort wo sie ihr Ryll an den Meistbietenden verkaufen wollte und doch befand sie sich jetzt im Jeditempel und war drauf und dran das teure Pulver zu an einen Heiler zu verkaufen, der wohl kaum ein Drittel des Schwarzmarktpreises zahlen würde. Sie wusste nicht, warum sie zugestimmt hatte, als Joann sie darauf angesprochen hatte, sie wusste nicht einmal, warum sie ihr davon erzählt hatte. Aber wenn es Joann glücklich machte, wenn sie sich an die Galaktischen gesetzte hielt, dann konnte sie das machen, solange es nicht zu weit ging und sie in einer Strafkolonie landen würde. Jazisa hatte sich dabei ertappt, dass sie die aufgewühlte und emotionale Joann gern gehabt hatte und jetzt wollte sie ein echtes Lächeln von ihren Lippen sehen, bevor sie Couruscant wieder verlassen würde.
Nach einigen Stunden fand sich Jazisa an Bord der Raven wieder. Sie stand in ihrem Quartier und wollte sich gerade ausziehen, um unter die Dusche zu steigen. Sie hatte das Ryll an die Heiler des Tempels verkauft und einen Preis erzeilt, der immerhin doppelt so hoch war, wie ihr Einkaufspreis. Es war zwaar immer noch nicht wirklich viel gewesen, aber sie war überrascht, das die Jedi bereit gewesen waren, einen für legal verkauftes Ryll, relativ hohen Preis zu bezahlen. Sie nahm sich vor, später Joann dafür zu danken.
Sie legte den Gürtel mit den Blastern ab und zog einen aus dem Holster um ihn auf den Nachttisch zu legen. Sie fühlte sich immer sehr unsichrer, wenn sie keine Waffe bei sich hatte, also hatte sie sich angewöhnt, zum duschen immer einen Blaster mitzunehmen und ihn Reichweite zu haben. Die restliche Kleidung wanderte auf das Bett und sie machte sich auf den Weg ins Bad. Das Wasser, das aus den Tanks an Bord der Raven floss, war überraschend warm, obwohl alle Schiffssysteme ausgeschaltet waren. Das Einzigste, was aus den Notfallbatterien noch mit Strom versorgt wurde, waren die Türen und die Lichter.
Das unverkennbare Geräusch ihrer Quartiertüre, die aufging, lies Jazisa aufhören.
Vor zwei tagen, hätte sie gesagt, gab es nur eine Person, die sich ohne Anmeldung in ihren Raum wagen würde und das war Aliak gewesen. Jetzt, gab es nur eine Person auf dem Planeten, der sich gut genug in der Raven auskannte um sie hier zu finden. Jazisa musste lächeln, sie wusste genau, wie sie eine weitere Reaktion von Joann erhalten würde.
"Seid ihr da?", hörte sie die Stimme der jungen Jedi.
"Einen Moment", rief Jazisa zurück.
Sie drehte das Wasser ab und schlang sich ein großes Handtuch um den Körper. Die eine Hand lies sie durch ihr Haar fahren, während sie mit der anderen den Blaster nahm und sich auf den Weg zurück zu ihrem Bett machte.
Sie sah, wie Joann aufschaute, als sie hörte, dass sie den Raum betreten hatte. Zufrieden stellte Jazisa fest, dass sich das Geischt der Jedi etwas rötete, als sie sie sah. Sie konnte ein trimphierendes Lächeln nicht verbergen. Sie legte die Waffe im vorbeigehen auf dem Nachtisch zu der anderen, und stellte sich dann an das Fussende des Bettes. Sie hörte wie Joann langsam hinter ihr her kam, sie wollte offenbar etwas sagen. Jazisa hatte eine Idee, wenn die Jedi schon rot wurde, wenn sie sie so sah, was würde wohl passieren, wenn sie ...
Ihre Gedanken wurden unterbrochen von der Frau, die hinter ihr stand und sich räusperte.
"Ich bin gekommen um euch meine Dankbarkeit auszudrücken. Der Orden bietet euch, als Zeichen der Dankbarkeit, die Reparatur eures Schiffes an, wenn ihr das den Wünscht".
Ohne zu zögern lies Jazisa das Handtuch fallen und drehte sich zu Joann um. Sie konnte sehen, wie das Gesicht der Jedi noch röter wurde und sie auf den Boden schaute. Das Grinsen, das ihr immer noch auf den Lippen lag, wurde breiter. Der ganze Raum fühlte sich an, als ob er unter Spannung stand.
"Das wäre wunderbar", sagte Jazisa schließlich.
