Als Harry Hedwigs Schrei hörte, machte sein Herz eine Luftsprung.
Hedwig, na endlich! Schrie er auf. Hedwig landete mit einem Satz auf seiner Schulter und begann sanft an seinem Ohr zu knabbern.
Harry drückte sie an sich und lösten den Brief an ihrem Bein. Ihre Federn waren weich und sanft wie immer und gaben ihm ein Gefühl der Wärme und Liebe.
Ist das deine Eule? Fragte seine Begleiterin erstaunt?
Ja das ist meine Hedwig. Sie ist meine treuste Freundin und zugleich meine private Post. Sie ist so etwas wie eine Brieftaube.
Hedwig klapperte empört mit dem Schnabel. Brieftaube, bäh, sie mit so einem unedlen Vogel zu vergleichen! Sie schnaubte ärgerlich und biss Harry ins Ohr. Brieftaube! Als ob man so etwas dummes mit ihr vergleichen konnte.
Aua Hedwig. Du tust mir weh! Ich wollte dich nicht beleidigen. Sagte Harry liebevoll zu seinem Vogel.
Harrys Begleiterin musterte Hedwig aufmerksam, sagte aber nichts weiter zu dem Thema, sondern meinte nur:
Mr. Potter kommen Sie, wir müssen los. Ich will nicht schon wieder eine Suchaktion auslösen, weil ich zu spät komme. Ihre Hedwig dürfen Sie ausnahmsweise mitnehmen. Ich nehme an, dass Sie Futter haben, sofern man es Ihnen bei der Gepäckkontrolle nicht weggenommen hat. Den Käfig habe ich schon gesehen. Wenn Sie dafür sorgen, dass Ihre Hedwig keinen Lärm macht, soll sie bei uns willkommen sein. Es wird Ihnen sicher guttun ein wenig Gesellschaft zu bekommen, nach all den Tagen alleine.
Zufrieden und erleichtert joggte Harry erneut los. Das Rennen fiel ihm leicht. Es war als ob eine grosse Last von seinen Schultern gefallen war.
Gemeinsam passierten sie das Tor, durchquerten den Schulhof, wo er neugierige Blicke auf sich zog und stiegen schlussendlich die Treppe zu seinem Zimmer hoch.
Harrys Begleiterin schloss die Türe auf, liess ihn eintreten und schloss wieder zu.
Er zog neugierig den Brief hervor, öffnete ihn und begann zu lesen:
Sehr geehrter Mr. Potter
Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir Sie dieses Jahr nicht auf Anfang Schuljahr aufnehmen können. Die gegenwärtige Situation hätte eine Gefährdung der Schüler und Lehrerschaft, der gesamten Schule und des Schulbetriebs zur Folge. Deshalb hat die Schulleitung beschlossen, Sie vorerst vom Unterricht zu dispensieren.
Wir hoffen auf eine baldmöglichste Wiederaufnahme und verbleiben
Mit freundlichen Grüssen
Albus Dumbledore, Schulleiter
Harry wurde übel. Schon wieder hatte man über ihn entschieden, ohne ihn zu informieren. Dieses Jahr verlief wirklich nicht nach seinen Vorstellungen.
Alles schien sich gegen ihn verschworen zu haben.
Irgendwer versuchte ihn ganz massiv am Seil runter zu lassen. Er wusste nicht wer hier etwas gegen ihn hatte, doch machte ihn dieser Gedanke äusserst traurig.
Er würde seine Freunde also so schnell nicht wiedersehen. Er wurde hier festgehalten und konnte nichts tun.
Wer ihm auch immer schaden wollte, hatte dies sehr geschickt eingefädelt. Harry wurde auf diese Weise nicht nur von der magischen Welt und seinen Freunden ferngehalten, sondern war momentan auch in seiner Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt.
Natürlich hätte er sich jetzt mit Magie befreien können, doch war ihm das zu riskant. Wo hätte er hinsollen? Die Dursleys hätten ihn umgebracht, denn Dudley war noch immer im Krankenhaus, Dumbledore hätte ihn sofort wieder zurückgeschickt, die Winkelgasse und der tropfende Kessel waren voll von Voldemorts Schergen…Nein es gab wirklich keine Andere Wahl, als in St. Brutus zu bleiben und abzuwarten.
Harry fühlte sich betrogen und belogen, verlassen und einsam.
Welchen Sinn hatte sein Leben noch? Für was, das alles?
