Harry hob es auf und lass den Titel: „Flüche und Sprüche, Band 4" las er laut. Harry runzelte die Stirne und ging zurück zu seinem Bett. Vorsichtig schlug er die erste Seite auf und begann zu lesen.

„Nicht immer ist das was wir sehen, auch die Wirklichkeit. Lass dich vom Schein der Dinge nicht blenden. Du hast einmal gelernt, dass es die Aufgabe eines Spiegels ist, dir dein Ebenbild zu zeigen. Was wäre, wenn Spiegel aber eine zweite, wichtigere Aufgabe hätten?"

Harry stutze. Hatte er das Gesicht im Spiegel also doch gesehen? War er nicht verrückt? Welche andere Dimension sollte ein Spiegel erschliessen können?

Harry war sich sicher, dass er niemals Besitzer dieses Buches gewesen war und daher gab es nur eine Erklärung, der Spiegel musste es ihm gegeben haben.

Harry erhob sich und stellte sich vor den Spiegel. Auf der glatten, silbernen Oberfläche sah er sich selbst. Mit schwarzen, langen Haaren und einem, etwas verwirrten, Blick. Unter seinen grünen Augen zeichneten sich dunkle Ringe ab, ein Zeichen seiner Müdigkeit und seiner inneren Unruhe. Er konzentrierte sich und versuchte, das Bild von vorher herbeizurufen. Er stellte sich Dumbledore in seiner ganzen Grösse vor. Den langen Bart, die gütigen blauen Augen und seine elegante Robe.

Doch nichts geschah.

Harry nahm den Spiegel von der Wand und betrachtete ihn von hinten. Er sah aus wie jeder normale Spiegel, eine Fläche aus altem, rissigem Holz. Harry hängte ihn wieder auf und beschloss, das Ganze auf sich ruhen zu lassen. Früher oder später, würde sich wieder jemand bei ihm melden.

Langsam bewegte er sich zu seinem Bett zurück, gespannt ob sich etwas verändern würde. Doch wieder geschah nichts.

Gegen Abend verliess Harry sein Zimmer und machte sich auf den Weg zum Speisesaal. Ihm war bewusst, dass er noch nie mit einem Haufen von jugendlichen, kriminellen Jugendlichen gegessen hatte und diese Vorstellung machte ihm Angst.

Vor dem Speisesaal wartete ein Haufen Jungen auf das Essen.

Harry beschloss den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und ging auf den erstbesten zu und sagte:

Hi, mein Name ist Harry. Stört es dich, wenn ich mich zu euch geselle für das Essen? Ich bin neu hier und kennen noch niemanden."

Der Junge sah ihn neugierig an und antwortete:

Ahja, guten Abend, ich bin Ben. Ich habe von dir gehört. Setzt dich zu uns, ich werde dich den andern vorstellen."

Harry atmete aus. Offenbar waren die Jungen in St. Brutus netter als ihr Ruf. Erleichtert setzte sich Harry an den Tisch und blickte in die Runde.