Kapitel 2: Männer und Frauen!

Bonny saß in einer dunklen Ecke in der nächst besten Taverne, die sie und Jack finden konnten. Vollkommen überwältigt schaute sie sich in der dunklen und schmutzigen Taverne um. Das war das wahre Leben und so sah es also aus, wenn man wirklich Spaß hatte. Die Männer und Frauen tranken was das Zeug hielt und erst prügelten sie sich wie die Wilden, wegen irgendeiner Kleinigkeit und in der nächsten Minute tranken sie wieder freundschaftlich ihren Rum miteinander. Doch am meisten war sie von der Tatsache fasziniert, dass jeder in dieser Stadt Jack kannte und ihm jeglichen Respekt entgegenbrachten.

Bonny wusste zwar, dass dies ein ziemlich raues Pflaster war und es nicht ungefährlich war hier ganz alleine rum zulaufen, doch hier war sie frei.

Mit einem leisen Lächeln sah zu wie Jack versuchte mit zwei Krügen durch die tobende Meute zu gelangen und scheinbar hatte er dabei nicht vor auch nur einen dieser Taugenichtse zu streifen. Die wenigsten sahen ihn auf sich zukommen und machten schnell einen Schritt zur Seite, denn keiner wollte sich mit Captain Sparrow anlegen.

Suchend sah er sich um und entdeckte Bonny schon ungeduldig an dem kleinen Tisch sitzen.

Grinsend kam er auf sie zu und hielt demonstrative die Krüge hoch.

„So Liebes ich hab mein Wort gehalten, jetzt bist du dran," sagte er, drückte ihr einen Krug in die Hand und prostete ihr überschwänglich zu.

Bonny lachte und ließen ihren Becher mit seinem zusammenstoßen.

„Ja das hast und ich hab noch nie mein Wort gebrochen, na ja zumindest nicht bei Menschen, die mich so nehmen wie ich bin!" sagte sie, doch den letzten teil hatte sie geflüstert in der Hoffnung das Jack es nicht verstanden hatte, allerdings schien er sehr gute Ohren zu haben.

Seine gerunzelte Stirn und seine verwirrten Augen sagten ihr, dass er jedes Wort verstanden hatte.

Langsam beugte Jack seinen Kopf näher zu der Frau vor ihm und fragte mit leiser dunkler Stimme: „ Wie bist du denn wirklich?"

Seine Stimme jagte ihr einen Schauer über den Rücken, was Jack nicht unbemerkt blieb.

Er hatte sich noch nie für die Lebensgeschichte anderer Menschen interessiert, nicht allein deswegen hätte er Will damals auf der Fahrt nach Tortuga gern über Bord geschmissen, als er ihm von seiner gaaanzen Kindheit erzählt hatte.

Doch bei dieser Frau hier vor ihm war es etwas anderes! Ihre Geschichte interessierte ihn, sie interessierte ihn wirklich!

Jack sah ihr tief in die traurigen Augen und er fragte sich, was ihr passiert sein musste. Dieser traurige und einsame Ausdruck passte nicht zu ihr. Sie sollte lachen, scherzen und das Leben genießen.

„Also Herzchen was ist?" fragte er wieder.

Bonny nahm noch einen tiefen Schluck von ihrem Rum und fing an zu husten. An dieses Gesöff musste sie sich erst einmal gewöhnen. Entschuldigend lächelte sie Jack an und begann leise und stockend an zu erzählen: „ Also wo fang ich am besten an? Ich wurde hier in Port Royal geboren, aber meine Familie stammt ursprünglich aus England, genauer gesagt aus London. Meine Familie war schon immer sehr vermögend, doch adelig waren wir nie"! Schnell trank sie noch einen Schluck und überlegte wie sie weiter erzählen sollte.

„Ich weiß nicht von wem ich das habe, aber ich habe noch nie zu meiner Familie oder gar in diese Gesellschaft gepasst. Ich habe gehasst an feinen Gesellschaften teilzunehmen, mich von hirnrissigen Idioten einlullen zu lassen und mich von meiner Mutter in jeder Situation belehren zu lassen! Ich wollte endlich selber für mich entscheiden können und deshalb bin ich abgehauen!"

Jack schaute sie verdutzt an: „ Und jetzt bist du ganz alleine und treibst dich in Tortuga herum. Ich mein mir ist das ja egal Liebes, aber hier ist es ganz schön gefährlich!"

Bonny schnaubte ziemlich undamenhaft und blitzte ihn gefährlich an: „ Lass das mal meine Sorge sein! Ich kann schon ziemlich gut auf mich alleine aufpassen, vielen Dank auch!"

Sie hatte sich zurückgelehnt und ihre Arme wieder vor der Brust verschränkt. Was dachte dieser Kerl eigentlich wer er war? Nur weil sie eine Frau war, hieß das noch lange nicht, dass sie schwach war und nicht auf sich selbst aufpassen konnte.

Es vergingen einige Minuten in denen keiner der beiden sprach. Weder Jack noch Bonny wussten so genau was sie überhaupt sagen sollten. Jack wusste nicht wie er auf ihr plötzliches Verhalten reagieren sollte, was hatte er denn falsches gesagt. Da macht sich schon mal Sorgen um jemanden und dann wird man grundlos von der Seite angeblafft.

Sie war eine Frau und eine zierliche noch dazu und Tortuga war ein raues Pflaster. Ganz sicher nicht der richtige Ort für eine Frau aus Port Royal!

Leise seufzte er und stand torkelnd wie immer auf, durchaus den fragend Blick seines Gegenübers bemerkend. Ohne ein Wort zu verlieren ging er.

„So ein Mist!" fluchte Bonny leise, musste aber gleich darauf lächeln. Das konnte doch wohl alles nicht wahr sein. Wenn ihre Eltern sie doch jetzt sehen könnten. Hier saß sie, fluchte, trank Rum und stritt mit einem Piraten, der jetzt auch noch die beleidigte Leberwurst spielte.

Männer! Egal ob Ehrenmann oder Pirat, reich oder arm, Aufreißer oder Schüchtern alle waren sie gleich!

„Die sollte man alle in eine Kiste stecken und wegsperren!" murmelte sie leise.

Seufzend stand sie nun ebenfalls auf und versuchte sich einen Weg durch die betrunkene Menge zu bahnen. Über Jack konnte sie später noch nachdenken, jetzt brauchte sie erst einmal einen Schlafplatz und morgen würde sie sich ein Schiff suchen auf dem sie anheuern konnte. Sie wusste sie musste sich große Mühe geben und noch viel härter werden, wenn sie in der Welt der Piraten eine Chance haben wollte.

Endlich war Bonny an der Theke angekommen und schrie sich die Lunge aus dem Hals, als sie nach dem Wirt rief.

„Na endlich!" stöhnte sie als er sie endlich gesehen hatte und auf sie zukam.

„Na Missy was kann ich für dich tun? Wenn du arbeit brauchst, könnte ich dir gerne helfen!" säuselte er und grinste sie lüstern an. Bonny musste ein Würgen unterdrücken und eine Gänsehaut überzog ihre Arme.

„Nein danke ich brauche nur ein Zimmer für ein oder zwei Nächte!" sagte sie und versuchte kühl und fest zu klingen, doch ihre Stimme zitterte.

Der Wirt, ein schmieriger und finsterer Kerl mit Glatze blickte sie finster an, hätte er sich doch sehr über eine neue Hure in seinem Haus gefreut: „ Drei Schilling die Nacht, und die Hälfte im Voraus!"

Bonny kramte in ihrer Rocktasche und holte eine Hand voll goldener Münzen heraus.

Sie legte vier auf den Tresen und blickte dem Mann arrogant in seine Schweineaugen: „ Du bekommst von mir vier Schilling für jede Nacht, aber dafür will ich jeden Morgen und jeden Abend frisches Wasser und du sorgst dafür, dass mich niemand belästigt! Sind wir im Geschäft!"

Gierig schaute er auf die blanken Münzen, die so verlockend vor ihm lagen. Er schien nicht lange zum überlegen zu brauchen, denn sofort griff er nach den Münzen und nickte: „ Aye Missy, wir sind im Geschäft! Dein Zimmer ist eine Treppe höher, das letzte auf der rechten Seite. Man wir dir gleich Wasser bringen!"

Zufrieden nickte Bonny knapp und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer.

„Verdammt, verdammt, verdammt!" fluchte Captain Sparrow lauthals und trat kräftig gegen die nächste Hauswand.

„Au so ein Mist! Das tat weh!" fluchte er wieder, ließ sich auf ein altes Bierfass plumpsen und hielt sich seinen verletzten Fuß.

Dieses verdammte Weibsbild! Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Erst bissig, dann nett und fast schon liebenswürdig und dann wieder bissig, wie eine läufige Hündin.

Was hatte er sich bloß dabei gedacht? Tief atmete er die kühle Nachtluft ein und versuchte wieder einen klaren Kopf zu bekommnen.

„Am besten nicht mehr daran denken und ganz schnell wieder vergessen! Gibbs hatte Recht! Frauen bringen Unglück und das nicht nur auf einem Schiff!" murmelte er stand auf und schnappte sich flink den Flachmann von ziemlich übelriechenden Kerl.

„Danke schön!" rief er ihm noch hinterher und machte sich auf den Weg zu seinem ganzen Stolz. Er brauchte nicht lange zu gehen, als er auch schon seine Black Pearl sah. Stolz und anmutig lag sie da am Steg, fast so schwarz wie die Nacht! Dies war die einzige „Frau" die ihn je wirklich interessieren würde, die er so sehr liebte. Seine Pearl!

Leicht wankend stakste er über den Steg und auf sein Schiff. Er hoffte für seine Crew, dass sie sich nicht an seinem Rumvorrat vergriffen hatten, ansonsten musste er sich schnell eine neue suchen.

Vorsichtig kletterte er die Treppen nach unten in die Vorratskammer und mit einem schelmischen Grinsen schnappte er sich gleich drei von den kostbaren Flaschen, der dunklen Flüssigkeit.

„Ja einfach vergessen! Nur eine Frau, nichts besonderes!" murmelte er wieder zu sich selbst und nahm noch im gehen den ersten Schluck.

Aber diese langen blonden Haare! Und diese blauen Augen!

„Reiß dich zusammen Sparrow!" schimpfte er sich selbst aus und verschwand so schnell er konnte in seine großzügige Kabine.

Nachdem er die Pearl wieder sein Eigentum nennen konnte, hatte er als allererstes seine Kabine erneuern lassen. Beschwingt ging er zu dem alten Sekretär auf dem sich seine vielen Seekarten stapelten. Vorsichtig um den Stapel nicht zu Fall zu bringen, zupfte er eine der Karten heraus und breitete sie sorgfältig auf dem dunklen Holz aus.

Er hatte sich schon vor Tagen vorgenommen einen neuen Anlaufhafen auszusuchen, aber bis jetzt hatte sich noch nicht dazu aufraffen können. Außerdem konnte er sich so vielleicht von Bonny und ihren wunderschönen Augen ablenken!

„Verflucht noch mal. Krieg ich die denn gar nicht mehr aus meinem Kopf!" schimpfte er wieder, schüttelte den Kopf und nahm noch einen großzügigen Schluck aus seiner Flasche und beugte sich wieder über die Seekarte. Doch egal was er machte oder was er dachte, seine Gedanken gingen immer wieder zu ihr.

Was sie wohl gerade machte?

Hatte sie schon ihren ersten Ärger am Hals?

Wo würde sie eigentlich schlafen?

All diese Fragen wirbelten in seinem Kopf wie ein Sturm und er schien nichts dagegen tun zu können.

„Verdammt!"

Viel zu schnell leerte er die Flasche und torkelte zu seinem Bett. Schlafen, schnell schlafen und vergessen und nicht träumen. Das musste einfach helfen!

Gemütlich fletzte er sich auf seine Koje.

„Frauen!" war das letzt Wort ehe er in einen von Träumen überfüllten Schlaf fiel.

TBC!

Liebe Euch!