Kapitel 3: Willkommen!

Bonny lag wach in ihrem steinhartem Bett und wusste nicht so recht wohin mit ihren Gedanken.

Erst ihre Flucht aus Port Royal, dann diese interessante Begegnung mit dieses schrägen Piraten und zum Schluss ihre eigene verquere Gefühlswelt. Fast schon wünschte sie sich nie weggelaufen zu sein, denn schließlich führte seit dem alles zum einem.

Doch wo wäre sie jetzt wenn sie nicht fortgelaufen wäre?

Vor dem Traualtar!

Sie schüttelte sich als sie daran dachte.

Ihre Eltern wollten sie ohne ihr Einverständnis verheiraten und das auch noch mit einem Kerl, der zwei Ehefrauen beerdigt und vier Kinder hatte. Ohne zu überlegen wohin es gehen sollte, ohne etwas mitzunehmen außer ein paar Schilling, die sie ihrem Vater gestohlen hatte war sie in der Nacht vor ihrer Hochzeit auf ein Schiff geschlichen.

Sie musste laut auflachen. Sie hätte zu gerne das Gesicht ihrer ganzen Verwandten und ihres „Verlobten" gesehen, als sie feststellten, dass sie nicht in ihrem Zimmer war um sich ihr Brautkleid anzuziehen.

Vielleicht wäre sie noch bei ihren Eltern geblieben, aus Pflichtbewusstsein aber diese erzwungene Hochzeit war ein Schlag zuviel.

Ein unangenehmer Schauer lief über ihren Rücken, als sie an den Mann dachte den sie heiraten sollte. Wie er sie lüstern und gierig von oben bis unten gemustert und angegafft hatte. Ein fetter, kleiner und schmieriger Kerl und dieses hinterlistige Grinsen. Laut ihren Eltern war er die beste Partie, die sie jemals hätte machen können, schließlich war überall bekannt gewesen, dass Bonny keine Frau war, die man unbeobachtet mit zu einer Gesellschaft nehmen konnte.

„Daniel Butler ist ein sehr vermögender Mann Tochter und er ist der Einzige, der bereit ist dich zu heiraten. Stell dich nicht stur und beschäm mich und deine Mutter nicht noch mehr!"

„Beschäm uns nicht noch mehr!" äffte Bonny jetzt ihren Vater nach: „ Wenn der wüsste, dass ich mich für einen Piraten interessiere."

Schwerfällig und todmüde setzte sie sich langsam auf, lehnte sich gegen die kalte Wand und spielte verträumt mit dem Rand ihrer dünnen Bettdecke.

Jack!

„Vielleicht hätte ich ihn doch nicht so anfahren sollen? Er wollte ja auch nur nett sein!" dachte sie und versuchte ein Gähnen zu unterdrücken.

Seufzend schüttelte sie ihren blonden Haarschopf.

„Den siehst du sowieso nie wieder, Bonny! Herrgott noch mal!" schallt sie sich selbst, als sie wieder, wie so oft in dieser Nacht daran dachte wie es wäre wenn er sie küssen würde.

Seine weichen, warmen Lippen auf ihren und wie er sie berühren würde.

„Ah verflucht Bonny!" stieß sie aus und raufte sich ihre Haare.

Erst nach ein paar weiteren Stunden schaffte sie es tatsächlich einzuschlafen. Doch auch in ihren Träumen verschaffte sich ein gewisser Pirat immer wieder Zutritt.

Wilde und anrüchige Träume begleiteten sie bis in den Morgen, an dem sie zwar nicht viel ausgeschlafener als am Abend zuvor aber trotzdem viel entspannter war.

„Was hat dieser gottverfluchte Pirat bloß mit mir gemacht!" fluchte sie und schwang ihre Beine über die Bettkante und zog sich langsam an.

Heute war ein neuer tag in ihrem neuen Leben und da würde sie garantiert nicht in Grübeleien verfallen, sondern sich jetzt waschen, sobald ihr Wasser endlich kam, dann würde sie sich irgendwo was zu Essen besorgen und dann endlich versuchen auf einem Schiff anzuheuern.

Und schon viel beschwingter riss sie das kleine Fenster auf und lehnte sich heraus um die Frische Morgenluft tief einzuatmen. Erst als es an ihrer Tür klopfte und eine kleine, etwas rundliche Frau mit einem Lächeln auf den Lippen ihr ihr Wasser brachte, konnte ihr Tag so richtig beginnen.

Die Sonne stieg immer höher und sendete ihre heißen Strahlen unbarmherzig auf die vielen Menschen in Tortuga. Es war fast Mittag und Bonny hatte immer noch keinen Erfolg gehabt. So viele Schiffe lagen im Hafen oder vor Anker, aber keiner wollte eine Frau auf ihrem Schiff aufnehmen. Es war zum verzweifeln!

Mit schmerzenden Beinen schleppte sie sich wieder zurück in die Taverne, in der sie noch für einen Nacht ein Zimmer bewohnen konnte und setzte sich an den Tresen.

Gott war sie erschöpft!

Beinahe hätte man sie schon dazu bekommen zu betteln, doch auf so ein Niveau wollte sie sich nicht herablassen. Wer nimmt auch schon eine Frau in seiner Crew auf, die bettelt.

Niemand!

„Hey Süße was hast du denn gemacht? Du siehst ziemlich fertig aus!"

Bonny drehte sich langsam um und sah in das Gesicht einer Frau, die nicht viel älter sein konnte als sie. Sie hatte gelockte braune Haare und ein schmales zierliches Gesicht.

Sie trug einen dunkel roten Rock und ein blaues Hemd, welches mit Rum- und Bierflecken nur so überzogen war.

„Ich hab den ganzen Vormittag versucht auf einem Schiff anzuheuern. Hatte aber kein Glück," beantwortete Bonny die Frage der jungen Frau und sah ihr dabei zu wie sie anfing den Tresen mit einem schmutzigen Lappen abzuwischen.

Die junge Frau lächelte sie viel sagend an:„Weil du ne Frau bist! Was hast du denn anderes erwartet Kleines? Hier in Tortuga gibt es für uns Frauen nur zwei Plätze: Am Herd und der Wiege unseres Kindes oder in einem Bett, in dem jede Nacht ein anderes versoffenes Wrack liegt."

Bonny seufzte verzweifelt und sagte niedergeschlagen: „ Es muss doch irgendein Schiff geben, dass Frauen in der Crew aufnimmt. Ich mein ich kann zwar nicht kochen, aber dafür kann ich mit einem Degen umgehen! Das ist doch zum verrückt werden!"

Die Braunhaarige zog ihre hübsche glatte Stirn in Falten und es schien als würde sie angestrengt überlegen.

„Sag mal Kleines wie heißt du?" fragte sie Bonny und stützte sich auf der Theke ab.

„Bonny!" antwortete diese und sah die Fremde misstrauisch an.

„Also Bonny, erstmal ich bin Beth. Ich bin die Tochter von diesem Bastard der sich hier Wirt schimpft. Du sagst also du kannst mit einem Degen umgehen?" Bonny nickte schwach.

„ Und kannst du denn auch segeln?" fragte Beth sie weiter und sah sie aufmerksam an.

„Nicht ganz so gut wie ich es gerne können würde, aber ich hatte auch nicht oft die Möglichkeit zum segeln," sagte sie und schlug betrübt die Augen nieder.

„Pass auf, ich war zwar die letzten zwei Tage nicht in der Stadt und ich war auch nicht am Hafen, aber ich glaube gehört zu haben, dass die Black Pearl hier kürzlich angelegt hat. Wenn du eine Chance hast auf einem Schiff aufgenommen zu werden, dann auf diesem!" erzählte Beth und sah mit einem Lächeln zu wie das Gesicht der blonden Frau sich schnell wieder aufhellte.

„Bist du sicher? Ich mein wieso glaubst du, dass der Captain mich aufnehmen würde?" fragte Bonny und wieder lag Unsicherheit in ihrer Stimme.

Beth ließ ein tiefes, kehliges Lachen hören und sah Bonny belustigt an.

„Na ganz einfach Süße! Die Pearl ist das einzige Schiff, das ich kenne welches schon eine Frau an Bord hat, außerdem schuldet mir der Captain noch einen Gefallen! Du kommst ja echt nicht von hier, oder?"

Bonny schüttelte nun auch lachend den Kopf.

„Hab ich mir gedacht! Also gut warte kurz hier und dann bring ich dich zur Pearl! Ist wohl besser wenn ich mit komme und ihn an seinen Gefallen erinnere!" lachte sie und verschwand hinter einer Tür hinter dem Tresen. Bonny konnte es nicht glauben! Hatte sie es vielleicht doch geschafft ihren Traum zu erfüllen? Würde sie endlich ein Leben in Freiheit, ohne Verpflichtungen führen können?

Wieder beschwingt und voller Hoffnung sprang sie von Hocker und drehte sich im Kreis.

Frei, frei, frei!

Endlich!

„Hast du dich jetzt genug ausgetobt, oder soll ich noch einen Augenblick warten? Ich hab Zeit!" hörte Bonny die amüsierte Stimme von Beth hinter sich. Lachend versuchte sie ihr Gleichgewicht wieder zu erlangen und machte sich zusammen mit Beth auf dem Weg zum Hafen.

„Sag mal wieso schuldet dir der Captain eigentlich einen Gefallen?" fragte Bonny als sie schon den halben Weg zurückgelegt hatten.

Etwas verärgert schnaubte Beth kurz und antwortete: „Der Mistkerl hat mir meine ganzen Tageseinnahmen geklaut, als er das letzte mal hier war. Aber irgendwie kann man diesem Halunken nie lange böse sein. So ist er halt! Hinterhältig, ein Betrüger wie er im Buche steht aber so verdammt charmant, wenn er will!... Ah wenn man vom Teufel spricht! Da ist der Halunke ja!"

Bonny verrenkte sich fast den Hals. Von wem sprach Beth denn. Sie sah so viele Männer, welchen von denen meinte sie denn bloß.

„Ähm Beth welchen von den ganzen Kerlen meinst du?" fragte sie und versuchte sich krampfhaft auf den Zehenspitzen zu halten.

Doch schon in diesem Moment war es ihr egal geworden, wer von ihnen der Captain der Black Pearl sein sollte, denn dort in der Menge stach für sie nur einer heraus.

Jack Sparrow!

Für Jack war der ganze Vormittag schon ein heilloses Durcheinander gewesen. Erst schlief er so schlecht wie schon lange nicht mehr, dann wachte er verkatert auf und schlecht war ihm auch noch. Und einen verdammten Kurs hatte er immer noch gesetzt. Ihm fehlte jegliche Art von Inspiration, wenn man so was als Pirat überhaupt haben konnte.

Erst gegen Mittag entschloss er sich seine geliebte Pearl zu verlassen um sich ein wenig die Beine zu vertreten. Vielleicht fiel ihm ja auf seinem Weg zur Taverne ein passender Kurs ein.

Und vielleicht würde ja endlich dieses Weibsstück aus seinem Geist verschwinden?

Zumindest hoffte er es.

„Hey Jack!" hörte er seinen Namen rufen.

Leicht schwingend drehte er sich zu allen Richtungen, konnte aber niemanden ausmachen, der es wert war von ihm beachtet zu werden.

„Hey du lausiger Pirat mach mal die Augen auf!"

Langsam wurde Jack sauer. Wer wagte es ihn einen lausigen Piraten zu nennen? Wer?

Doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

„Oh nein nicht gut! Nicht gut!" murmelte er verzweifelt und wollte schon klammheimlich verschwinden als er Beth auf sich zukommen sah.

„Bleib sofort stehen du Mistkerl! Du schuldest mir noch einen Gefallen!" schrie Beth und hatte die Arme wütend vor ihrer Brust verschränkt.

Geschlagen blieb Jack stehen und torkelte mit einem breiten und charmanten Grinsen auf die Frau zu.

„Beth, Liebes wie hab ich dich vermisst! Wie geht es dir an einem so wunderschönen Tag?" säuselte er und breitete zur Unterstützung die Arme aus.

Es schien als hatte er Bonny noch nicht bemerkt, was auch gar nicht so einfach gewesen wäre. Sie hatte sich nachdem Beth doch tatsächlich Jack Sparrow gemeint hatte, hinter ihrem Rücken versteckt und schaute ziemlich fasziniert auf ihre Schuhe.

Was sollte sie jetzt bloß machen? Sie konnte doch nicht auf seinem Schiff anheuern, nicht nach gestern Abend.

„Bist du sicher, dass du nicht eher meinen Geldbeutel vermisst hast Jack?" fragte Beth bissig und sah ihn aufmerksam an. Wenn man bei jemandem wirklich aufpassen musste wie ein Luchs, dass bei Captain Jack Sparrow!

Jack zog beleidigt einen Schmollmund und blickte sie aus seinen braunen Hundeaugen seelig an.

„Das war nicht sehr nett mein Schatz!" quengelte er wie ein kleines Kind.

Beth sah ihn abschätzend an, doch auf ihrem Gesicht hatte sich ein liebliches Lächeln gebildet.

„Ich hab dich auch vermisst Jack! Übrigens ich wollte dir ja jemanden vorstellen! Sie möchte auf deinem Schiff anheuern und da dachte ich, leg ich mal ein gutes Wort für sie ein. Das ist …."

„Nein, nein und nochmals nein! Bitte nicht! Sag es nicht!" dachte Bonny doch….

„…Bonny!" beendete Beth ihren Satz und zog diese hinter ihrem Rücken hervor.

Als Bonny Jack sah, dachte sie seine Augäpfel würden gleich aus ihren Höhlen springen.

Sie blickte ihn schon wie am Abend zuvor kampfeslustig an und schon blickte sie nicht mehr in zwei überraschte, sondern in zwei überlegend schauende Augen.

„Aha wen haben wir denn da Bonny Carter! Na lange hast du es ja nicht ohne mich ausgehalten Liebes! Und du willst bei mir auf der Pearl anheuern? Bist du dir sicher?" fragte er sie und sein Grinsen ging bis zu beiden Ohren.

„Nicht mehr so sicher wie vorher, Sparrow! Ich hatte keine Ahnung das Die Black Pearl deins ist!" antwortete sie scharf und wollte sich schon wieder umdrehen. Dieser Kerl machte sie wahnsinnig!

Aber die Augen!

Dieses Grinsen!

Irgendetwas hielt sie am Arm fest und zerrte sie zurück.

„Hey jetzt warte mal kurz Kleines! Ihr zwei kennt euch?" fragte Beth erstaunt und schielte von einem zum anderen.

„Aye!"

„Ja!" kam es von beiden gleichzeitig.

„Na dann ist doch jetzt schon alles geklärt! Jack überleg mal, sie kann mit einem Degen umgehen und wer ist ein besserer Segellehrer als du, mhh? Komm schon gib dir nen Ruck! Du schuldest mir noch was!" Beth hatte sich in Fahrt geredet und sah Jack stur ins Gesicht.

Sie wusste nicht was genau zwischen den beiden vorgefallen war, aber irgendetwas schien die beiden anzuziehen. Und wer sollte den beiden schon auf die Sprünge helfen, wenn nicht sie.

Bonny schien es als würden Stunden vergehen in denen Jack die Stirn kraus gezogen hatte und angestrengt überlegte.

„Ich weiß nicht ich hab schon eine Frau an Bord und es würde anstrengend werden ihr das Segeln beizubringen…."

„JACK!" rief Beth aus und stapfte mit dem Fuß auf. Dieser Kerl war wirklich anstrengend. Sie konnte aber auch nicht ahnen, dass Jack seine Entscheidung schon längst gefällt hatte.

„Aye in Ordnung! Willkommen auf der Black Pearl Liebes! Aber sei dir im Klaren darüber, dass es anstrengend wird!" grinste er und breitete wieder seine Arme aus. Braune Augen trafen auf Blaue. Keiner von konnte sich genau vorstellen wie es werden würde, doch beide wollten es um jeden Preis versuchen.

Bonny fing an zu strahlen. Sie würde Mitglied einer Crew werden und dann noch von Jacks Crew! Konnte es eigentlich besser kommen!

„Danke Jack!" kam es fast nicht hörbar zwischen ihren Lippen hervor, doch Jack hatte es gehört und nickte ihr mit einem sanften und ehrlichen Lächeln zu.

„Gerne!"

Beth blickte zwischen den beiden hin und her und ein wissendes Lächeln zierte ihre vollen Lippen, als sie sich klammheimlich aus dem Staub machte. Na wenn das nicht was werden würde!

„Aber erst gibt es Mord und Todschlag bei den beiden!" dachte sie sich noch ehe sie dabei zusah, wie die Zwei gemeinsam den Weg zur Pearl einschlugen: „ Und die Rechnung bei Hank darf ich dann wohl bezahlen!"

TBC!

Ich hoffe euch gefällt die Story bis jetzt? Schön wärs auf jeden Fall, aber es wäre auch irre nett von euch wenn ihr mir ein paar reviews schreiben könntet. Sonst weiß ich doch gar nicht woran ich bin !

Liebe Euch!