Kapitel 4: Leg dich niemals mit Frauen an!

Es schien als sei die Welt völlig im Einklang mit allem und jedem. Die Sonne schien, das Meer war ruhig und glitzerte so blau wie der Himmel und der Morgentau tropfte von den bunten Blüten, die an den Wegen wuchsen. Die wenigen Menschen, die schon zu dieser frühen Stunde wach waren, wuselten herum und machten sich für den Tag bereit. Die Männer gingen zur Arbeit, die Frauen und Mütter umsorgten ihre noch müden Kinder liebevoll.

Doch nicht alle waren so froh über diesen schönen Morgen! Wie ein sterbender Tiger wanderte Howard Carter durch sein schattiges Arbeitszimmer. Vier Tage war es nun schon her, dass Bonny verschwunden war und noch immer hatte sie nicht den Anstand gehabt wieder nach Hause zurück zu kehren. Sie hatte ihn und ihre Mutter bis aufs Letzte blamiert! Wie hatte sie es wagen können, vor ihrer Hochzeit einfach so abzuhauen. Er verzog beschämt sein Gesicht zu einer Grimasse, als er daran dachte wie Daniel Butler förmlich ausgerastet ist. Getobt hat er wie ein wilder Stier und verfluchte ihn und seine ganze Familie.

Leise klopfte es an der schweren Eichenholztür. Howard wirbelte herum.

„Was ist?" brüllte er.

Ein blasse junge Frau in den traditionellen Hausmädchenroben betrat schüchtern ja fast schon ängstlich das dunkle Zimmer.

„Was willst du Debbie?" herrschte er das arme Mädchen an.

Debbie stand da und trat von einen auf den anderen Fuß. Sie hatte schütterndes rotes Haar, welches zu einem dünnen Knoten zusammengesteckt war und ihr ganzes Gesicht war von Sommersprossen überseht.

„Sir Gouverneur Swan ist da! Er wartet unten im Salon auf sie Sir!" berichtete sie ihm mit zitternder Stimme.

Carter winkte ungeduldig ab und schickte sie unfreundlich wieder hinaus. Schon vor zwei Tagen hatte er Swan gebeten zu ihm zu kommen, konnte er seine Frau nicht so einfach alleine lassen. Seit Bonnies verschwinden war sie nicht mehr aufgestanden. Sie traute sich nicht unter Menschen zu gehen. Zu sehr schämte sie sich für das Verhalten ihrer einzigen Tochter.

Steif schritt er die Treppe herunter und sah auch schon den Gouverneur. Wie immer trug er seine graue Perücke und machte einen unnahbaren Eindruck. „Gouverneur, ich danke ihnen das sie so schnell kommen konnten!"

Howard verbeugte sich kurz und knapp und wünschte sich der alberne Kauz möge in der nächsten Hölle landen. Als seine Tochter entführt worden war, hatte er die ganze Royal Navy hinterher geschickt, doch bei seiner Tochter war es natürlich was ganz anderes.

„Ist doch nicht der Rede wert Mr. Carter. Kennen sie meine Tochter Elizabeth und meinen zukünftigen Schwiegersohn Will Turner?" plapperte der Gouverneur auch schon los und zeigte zum Fenster.

Howard Carter drehte sich in die Richtung und sah das Paar umschlungen am Fenster stehen.

Hatten diese beiden etwa eine Ahnung wo sich Bonny aufhalten konnte?

„Guten Tag Mr. Carter! Es tut mir leid, das Verschwinden ihrer Tochter, meine ich!" Elizabeth Swan war an den grimmigen Mann herangetreten und sah ihn mitleidig an.

Nein sie konnte nichts über den Verbleib seiner Tochter wissen! Wie denn auch die beiden kannten sich ja auch kaum. Der Gouverneur wusste um Bonnies Betragen in der Öffentlichkeit und hatte seiner Tochter mit Sicherheit jeglichen Umgang mit ihr verboten.

Kurz überlegte er seine Tochter doch dort zu lassen, wo sie war. Hatte sie es doch wahrlich nicht verdient so ein Leben führen zu dürfen. Doch sie sollte ihre Strafe bekommen und wenn er sie dafür auf dem ganzen Ozean suchen musste.

Ungläubig schüttelte er den Kopf.

„Ich weiß nicht was in sie gefahren sein muss, dass sie ihre eigene Hochzeit schmeißt. Mr. Butler ist doch so eine gute Partie und ihre Mutter steht schon gar nicht mehr auf. Sie hat uns blamiert bis auf die Knochen. Ich wüsste gerne wo sie steckt?!" rief er aus und begann wieder wie ein Tiger hin und her zu laufen.

Will und Elizabeth sahen sich verwirrt an. Dieser Kerl schien sich mehr um seinen Ruf zu sorgen, als um das Leben seiner eigenen Tochter.

„Vater sollten wir nicht vielleicht ein oder besser noch zwei Schiffe auf die suche nach ihr schicken? Vielleicht wurde sie auch entführt?"

Ein viel sagender, kurzer Blick zu ihrem Verlobten und sie sah, dass er verstanden hatte.

Gouverneur Swan sah seine Tochter erschrocken an: „ Elizabeth du denkst doch nicht etwa, dass dieser… dieser Pirat etwas damit zu tun hat? Das wäre ja furchtbar!"

Carter blieb plötzlich stehen und sah geschockt von einem zum anderen. Piraten?

„Von was reden sie Gouverneur? Welcher Pirat?" fragte er laut.

Swan sah ihn mitleidig an. Dieser arme Mann, wusste er doch genau wie es sich anfühlte, wenn die eigene Tochter verschwunden war!

„Meine Tochter denkt, dass ihre Tochter von Jack Sparrow entführt wurde!"

„Oh mein Gott!" stammelte er leise und vergrub seinen Kopf in seine Hände.

Will und Elizabeth sahen sich kopfschüttelnd an. Sie wussten das Jack nichts damit zu tun hatten, doch vielleicht wusste er ja etwas.

„Sir ich denke nicht das Captain Sparrow ihre Tochter entführt hat, aber ich könnte mir vorstellen, dass uns helfen könnte!" erwiderte Will.

„Er wird euch ja wohl kaum helfen sie zu finden, Will! Er ist ein gottverfluchter Pirat!" spie der Gouverneur aus und fuchtelte mit seinen Händen wild in der Gegend herum.

„Vater er ist ein guter Mann und außerdem schuldet er uns noch etwas, denn ohne uns wäre er gehängt worden!"

Elizabeth hatte sich vor ihrem Vater aufgebaut und ihre Hände in die Hüften gestemmt. Will musste unwillkürlich schmunzeln. Wenn seine Verlobte ersteinmal in Rage war konnte man/n sie kaum noch bremsen.

„Elizabeth du hast doch wohl nicht etwa vor ihn selber aufzusuchen und zu fragen! Das erlaube ich nicht! Auf gar kleinen Fall! Lieber schicke ich die gesamte Garde los, bevor ich dich ziehen lasse!"

„Und ob ich gehen werde Vater oder glaubst du, dass Jack der Navy auch nur irgendetwas erzählen wird, vorausgesetzt die bekommen ihn überhaupt zu fassen, was ich stark bezweifle!"

Howard und auch Will hielten sich lieber ganz raus. Der eine weil er wusste, wie die Zwei reagieren würden, wenn er sich einmischte und der andere weil er gar nicht genau wusste worum es überhaupt ging.

Natürlich hatte Carter schon von Jack Sparrow gehört, doch zu der Zeit des Angriffes auf Port Royal waren er und seine Familie auf einer Reise gewesen. Ihr Haus hatten sie nur verwüstet wieder gefunden.

„Vater, Will und ich werden sie suchen und das mit Hilfe von Sparrow!" schrie sie ihren perplexen Vater an und griff nach Wills Hand.

„Elizabeth sei doch vernünftig! Wo wollt ihr denn suchen. Der Halunke kann überall sein!"

Will räusperte sich nur kurz und schaute seinem zukünftigen Schwiegervater an.

„Ich denke die beste Gelegenheit ihn zu finden, wird in Tortuga sein! Und wenn er dort nicht ist, dann wird man uns garantiert sagen können wo er hinwollte!"

Swan schlug verzweifelt die Hände über seinem Kopf zusammen. Doch er wusste auch, dass er seine Tochter nicht aufhalten konnte. Er könnte sie einsperren, doch davon hatte er noch nie viel von gehalten.

„Gut macht was ihr für das richtige haltet, doch Will ich wünsche meine Tochter unverletzt zu rück zu bekommen! Mr. Carter ich denke ich werde trotzdem ein Schiff losschicken, nur zur Sicherheit! Also wenn sie mitsegeln möchten…" ergab sich der Gouverneur.

„Ja…ja möchte ich!" rief Howard aus.

„Nun dann machen wir uns auf die Suche!" seufzte Swan leise und schritt mit gesenktem Haupt auf die Haustür zu.

„Es reicht Jack Sparrow! Ich bin doch nicht euer Hausmädchen!" schrie Bonny den Piraten an, der vor ihr stand und sie breit angrinste.

Mit funkelnden Augen hielt er ihr seinen Zeigefinger unter die Nase.

„Captain Jack Sparrow wenn ich bitten darf und außerdem bist du dann ja wohl eher unser Schiffmädchen!"

Bonny schäumte vor Wut! Seit fünf Tagen war sie nun schon auf der Black Pearl und seit fünf tagen machte sie alle Aufgaben, die nach Jacks Meinung nur eine Frau machen konnte.

Sie kochte, wusch die verdreckte Wäsche der Piraten und durfte die Kajüte des Captains unter seinem prüfenden Blick aufräumen.

Fuchs Teufelswild Schlug sie Jacks Hand weg und stampfte mit dem Fuß auf.

„Ich warne dich Sparrow! Treibe es nicht zu weit!"

Die Crew um sie herum hatte kurz aufgeschaut, als der Streit zwischen ihrem Captain und Bonny angefangen hatte, doch mittlerweile waren sie es gewöhnt. Jeden Tag hatten die Zwei sich wegen irgendetwas in den Haaren, war es nun Bonny die wütend war weil sie irgendetwas an Jack aufregte oder umgekehrt. Gibbs und auch Annamaria schauten sich diese Streitereien gerne mit einem Lächeln an.

Denn schließlich hieß es ja nicht umsonst „Was sich liebt das neckt sich!".

„Was soll ich denn nicht treiben Liebes?" neckte der Pirat sie weiter und schaute ihr lüsternd in die Augen. Er liebte es sie zu ärgern! Je wütender sie war, desto schöner war sie nämlich. Ihre blitzenden blauen Augen, die ihn wütend anfunkelten und ihre Haare die sie immer wieder unwirsch wegfegte.

„Halt mich nicht für bescheuert, Jack! Aber nun gut wart es nur ab! Ich zeig dir schon noch, zu was ich alles in der Lage bin!" zischte sie ernst und ihre Stimme war immer leiser und bedrohlicher geworden. Zwischen Jacks Augenbrauen bildete sich eine tiefe Falte, als er ihre Worte hörte. Normalerweise belächelte er solche Ausbrüche von ihr, doch diese mal schien sie es wirklich ernst zu meinen!

Sofort wurden seine Augen sanfter, flehentlich und ein freundliches Lächeln legte sich auf seine Lippen.

„Komm schon Liebes! Das meinst du doch nicht ernst?! Lass es uns vergessen und ich geb dir von nun an andere Aufgaben, bessere Aufgaben, aye?" säuselte er und umkreiste sie fast schon hektisch.

Doch Bonny verschränkte nur ihre Arme vor der Brust und schüttelte ihre blonde Mähne.

„ Nichts da aye! Vergiss es Sparrow! Ich mache meine Aufgaben weiter und du wirst schon sehen was du davon hast und jetzt lass mich durch!"

Sie schubste ihn zur Seite und marschierte hoch erhobenen Hauptes an ihm vorbei.

Jack schaute ihr verängstigt hinterher. Er hatte mittlerweile mitbekommen, dass Bonny nie halbe Sachen machte und das machte ihm verflucht noch mal Angst.

„Wenn ich du wäre Captain würde ich erstmal nichts essen, was Bonny gekocht hat und ich würde mit offenen Augen schlafen!" neckte Annamyria ihn mit einem fiesen Grinsen. Sie fand, dass es allmählich mal Zeit geworden war, dass eine Frau Jack mal in seine Schranken verwies. Sie hatte noch nicht viele Wörter mit der Neuen gewechselt, doch von Streit zu Streit zwischen ihr und Jack wurde sie Annamaria immer sympathischer. Außerdem gefiel es ihr endlich nicht mehr die einzige Frau an Bord zu sein.

„Mach deine Arbeit Anna und lass mich in Ruhe!" herrschte er sie und nahm seinen Platz hinter dem Steuerrad ein.

Annamaria konnte sich ein Grinsen kaum noch verkneifen. Kannte sie Jack doch nun schon länger und sie wusste, dass er sich nicht wohl in seiner Haut fühlte, wenn Bonny sauer auf ihn war. Aber das Mädchen hatte recht! Jack hatte es mit seinen Schiffsaufgaben wirklich zu weit getrieben.

Nachdenklich machte sie sich auf dem Weg in die Kombüse. Bonny würde um diese Zeit mit Sicherheit dort sein.

Vorsichtig steckte sie ihren Kopf durch die Tür und schaute was Bonny in der Hand hielt.

Das letzte Mal, als sie sich mit Jack gestritten hatte, war Marty so unvorsichtig gewesen und einfach in die Kombüse reingeplatzt, was zur Folge hatte, dass er einen Kochtopf an den Kopf bekam. Bonny hatte sich dafür tausendmal entschuldigt und angeboten ihm die große Platzwunde am Kopf zu versorgen.

Als Anna Bonny sah schüttelte sie lächelnd den Kopf.

Erst streitet sie sich wie eine Furie mit dem Captain und dann steht sie singend und pfeifend am Herd und kocht für die ganze Mannschaft.

„Ähm Bonny kann ich reinkommen oder musst du mich dann verarzten?" fragte Anna vorsichtig und öffnete die Tür noch ein Stück.

Bonny drehte sich überrascht um und lächelte der jungen schwarzen Frau ehrlich zu.

„Komm ruhig rein Annamaria! Ich freu mich mal mit jemandem zu sprechen, der nicht meint er wäre der König der Welt!"

Während Annamaria sich auf einen kleinen Hocker setzte, sah sie Bonny dabei zu wie sie geschäftig in den ganzen Töpfen rührte.

„Was hast du vor Bonny, ich meine mit Jack?!" fragte sie.

Bonny drehte sich überrascht um.

„Was sollte ich denn mit Jack vorhaben?" fragte sie zurück und hob grinsend eine Augenbraue.

Anna blickte sie verwirrt an. Hatte sie ihm nicht eben noch gedroht?

„Na wegen dem Streit eben! Jack war ganz verwirrt und man könnte meinen er hatte richtig Angst, dass du ihn vergiftest oder so was!"

Anna zuckte zusammen, als Bonny anfing schallend zu lachen.

„Ich hab doch nicht vor ihn zu vergiften, ich will ihn nur ein wenig erschrecken und bei Jack reicht es, glaube ich auch schon, wenn er nur das Gefühl hat, dass man ihm was antun will. Du wirst sehen, nach einer Woche mit der Angst im Rücken meine Rache würde jeden Moment über ihn hereinbrechen, wir er an gekrochen kommen! Lieber kriecht er, als dass er sich von einer Frau zum Affen machen lässt," erklärte sie ihr, nachdem sie sich wieder einigermaßen beruhigt hatte.

Anna schaute immer noch skeptisch. Sie zweifelte nicht daran, dass Bonny wirklich nicht vorhatte, dem Captain etwas anzutun, doch sie konnte sich nicht recht vorstellen, dass ihr Plan funktionieren würde.

„Ich weiß nicht Bonny, aber wir werden ja sehen. Spaßig wird es aber auf jeden Fall!" freute sich Anna und zappelte auf ihrem Hocker herum.

Eine Zeitlang unterhielten sich die einzigen Frauen der Black Pearl noch. Sie erzählten sich Geschichten aus ihrer Vergangenheit und wie sie in die Crew kamen. Bonny konnte sich regelrecht vorstellen, wie Jack im festen Glauben es nur auszuleihen, Annas Boot gestohlen hatte. Die Zwei waren dabei die besten Freundinnen zu werden.

„So das Essen ist fertig! Magst du die Mannschaft mal holen bitte?" bat Bonny Annamaria nach einer Stunde. Diese nickte und kam auch schon nach ein paar Minuten wieder um Bonny beim Auftischen zu helfen. Überrascht stellte sie fest, dass alles in großen Schalen verteilt war und nur ein Teller schon mit Essen beladen war.

„Für wen ist denn der eine Teller?" fragte sie verwirrt und schaute Bonny gespannt an.

Diese grinste fies und schnappte sich zwei der großen Schüsseln.

„Der ist für Jack! Sie zu, lerne und freue dich!" sagte sie knapp und trug schon mal die Schüsseln in den großen Raum. Dort stand ein riesiger Tisch, an dem jeder Mann der der Crew platz genommen hatte und auf ihr Essen warteten. Auch Jack war schon da und Bonny fand, dass er recht angespannt aussah.

Wahrscheinlich hatte er schon längst bemerkt, dass jeder einen Teller vor seiner Nase nur er nicht.

Als alle Schlüsseln verteilt waren, holte Bonny auch den Teller für Jack.

Aufreizend beugte sie zu ihm hinunter und stellte ihm seinen Teller mit einem überaus freundlichen Lächeln hin.

„Lass es dir schmecken Captain!" zwitscherte sie und ihr Lächeln wurde immer mehr zu einem heimtückischen Grinsen.

Jack schaute sie irritiert an und zischte: „ Was hast du vor Bonny?"

Doch Bonny schlug nur unschuldig ihre Augen nieder.

„Ich wollte nur nicht, dass du vielleicht nichts mehr von dem Essen abbekommst Jack!"

Sie wünschte den anderen einen guten Appetit, auch wenn die schon längst dabei waren alles wie die Schweine wegzufuttern.

Sie und Anna sahen immer wieder gespannt zu Jack und erfreut sahen sie, dass er nicht einen Bissen zu essen schien. Er dachte scheinbar wirklich, Bonny wollte sich rächen und hatte sein Essen vergiftet.

Annamaria konnte es nicht glauben! Bonnies Plan funktionierte tatsächlich!

TBC!!!

Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, aber mir steckt die Arbeit bis zum Halse, außerdem fehlte mir einfach meine Muse. Doch ich hoffe euch gefällt das neue Chap! Und danke für die vielen Reviews. Danke, danke, danke!!!

Liebe Euch!