Kapitel 5: Bitte Bonny!
Es war mitten in der Nacht und der Mond schien hell und klar durch sein großes Fenster. Unruhig und angespannt schritt der gefürchtete Captain Jack Sparrow durch seine geräumige Kajüte. Es war schon die dritte Nacht hintereinander in der Jack sich nicht traute zu schlafen und der dritte Tag an dem er nur ein bisschen Brot und Obst zu sich genommen hatte.
„Hätte ich dieses Teufelsweib bloß nicht auf mein Schiff gelassen! Verdammt noch mal ich hab Hunger!" knurrte Jack und hielt sich eine Hand auf den Bauch um das laute Knurren zu dämpfen. Und doch, er musste lächeln! Diese Kleine hatte echt was drauf. Innerhalb von nur wenigen Tagen hatte sie sich in der Mannschaft einen Platz erarbeitet und die Männer schätzten sie jetzt schon hoch. Wieder knurrte sein Magen!
Er traute Bonny zwar nicht zu, dass sie ihm tatsächlich etwas antun würde, doch bei ihr konnte man wirklich nicht wissen was sie als nächstes vorhatte. Jedes Mal wenn sie in seine Nähe kam lächelte sie freundlich, doch ihre Augen waren hinterhältig und immer brachte sie ihm einen extra Teller mit seinem Essen. Wahrscheinlich tat sie ihm irgendein Mittel ins Essen, das ihn für den ganzen Tag auf den Pott zwang. Und wer wusste schon was sie tun würde, wenn er nachts schlief, wahrscheinlich würde sie ihm stinkende Fische ins Bett legen.
Ärgerlich verzog er sein Gesicht zu einer Grimasse. Irgendwie musste er dafür sorgen, dass das aufhörte. ER konnte sich ja schließlich nicht von einer Frau, auch wenn sie noch so hübsch war, zum Narren halten lassen. Knurrend aber voller Entschluss nahm er sich eine der brennenden Kerzen von seinem Tisch und öffnete seine Tür. Ein lautes Quietschen ließ ihn zusammenzucken.
„Verdammt! Die muss mal geölt werden!" murmelte er und trat nun ganz in die Dunkelheit hinaus.
Auf leisen Sohlen schlich er den Gang hinunter. Leise zählte er die vielen Türen ab:„Vier, fünf… ah und Tür Nummer sechs! Also dann auf in den Kampf!"
Mit angehaltenem Atem öffnete er auch diese Tür.
Befreit konnte er wieder ausatmen, wenigstens eine Tür die auf diesem Schiff nicht quietschte.
Langsam tastete er sich in der kleinen Kajüte Schritt für Schritt vor, bis zu der engen Koje in der sie friedlich und fest schlief.
Ihre langen blonden Haare lagen ausgebreitet auf ihrem Kissen und ihrem Gesicht und auf ihren Lippen lag ein kleines Lächeln.
„Wahrscheinlich träumt sie davon wie sie mich von der Planke jagt!" grummelte er lächelnd und hockte sich neben ihre Koje.
Vorsichtig strich er ihr eine seidige Strähne aus dem Gesicht, doch seine Hand blieb auf ihrer weichen Haut ruhen.
„Wie schön sie doch ist!" dachte er und seine Augen nahmen einen liebevollen Glanz an.
Verträumt ließ er seinen Blick über ihre zarten Gesichtzüge gleiten und merkte gar nicht wie Bonny sich anfing zu regen. Ihre Augenlieder flatterten leicht, doch das Lächeln blieb.
„Jack?" flüsterte sie noch heiser vom Schlaf und schlug langsam die Augen auf.
Sofort nahm er seine Hand von ihrer Wange und sah sie erschrocken an.
Ihre blauen Augen bohrten sich in seine und ihr Lächeln ließ sein Herz glühen.
„Was tust du hier?" fragte sie immer noch leise und blickte in seine braunen, sanften Augen.
Jack grinste sie schief an und murmelte: „ Ich konnte sowieso nicht schlafen und da dachte ich wir könnten mal über meine Schlafstörungen sprechen!"
Bonny lachte leise und sah ihn fast schon entschuldigend an, aber eben nur fast.
„Du hattest es verdient Jack, das musst du schon zugeben!" sagte sie.
Jack setzte sich zu ihr aufs Bett und sah sie missmutig an.
„Ich hab seit drei Tagen und Nächten weder geschlafen noch richtig gegessen Bonny und das nur weil ich dir ein paar dämliche Arbeite gegeben habe!"
Bonny hatte sich aufgesetzt und ihre Arme lagen locker auf ihrem Schoß.
„Jack du hast mir das Gefühl gegeben, ich sei es nicht wert als angehende Piratin angesehen zu werden, sondern eher als eure private Magd!" erklärte sie vorwurfsvoll und sah ihm wieder in die Augen.
„Also ehrlich Liebes nach diesen Tagen, bist du nicht mal mehr nur angehende Piratin, sondern eher eine vollwertige! Können wir also bitte mit diesem Spiel aufhören, so das ich wieder richtig schlafen und essen kann?!"
Bonny hatte gehofft, von ihm eine Entschuldigung zu hören oder wenigstens so was wie „ich flehe dich an", doch damit, dass er nachts in ihr Zimmer geschlichen kam um sie zu bitten, gab sie sich zufrieden.
„Damit wir uns klar verstehen Jack, ich koche gerne für dich und die Crew, hin und wieder mal, wenn ich dazu Lust habe, doch ich bin nicht bereit dazu hier alles zu machen, klar soweit?!" grinste sie frech und sah belustigt wie Jack eine Augenbraue drohend.
Warnend fuchtelte er ihr mit seinem Zeigefinger vor der Nase herum, doch aus seinen Augen sprach der reine Schalk.
„Ich mag dich ja als Piraten ansehen und schätzen, aber wage es ja nicht dir meine Gewohnheiten anzueignen!"
Bonny pustete vor Lachen los und auch Jack stimmte kurz darauf mit ein.
„Abgemacht Captain!" sagte sie feierlich und streckte ihm ihre Hand entgegen. Jack zögerte trotz seiner Manier nicht lange und ergriff ihre Hand scheinbar nur allzu gerne.
Diese Augen!
Er verlor sich beinahe in ihnen!
Keiner von beiden traute sich auch nur zu atmen, aus Angst dieser wundervolle Augenblick könnte zerstört werden. Sie versanken in den Augen des anderen und ein liebevolles Lächeln lag auf ihren Lippen.
Bonny fühlte dieses legendäre Kribbeln in ihrem Bauch, als wenn tausende von kleinen Schmetterlingen in ihr herum flatterten. Fühlte sich so wirklich Liebe an? Konnte sie wirklich so schön sein?
Auch Jack fühlte sich beschwingt und mutiger als jemals zu vor. Vor ihm schien sich eine Welt aufzutun, die er sich schöner nicht hätte ausmalen können!
„Jack … ich…" wisperte sie heiser, doch Jack unterbrach sie sanft, als er ihr einen Finger behutsam auf ihre weichen Lippen legte.
„Scht Liebes!" Seine Stimme war nur ein Hauch voller erotischer Klänge und Bonny hatte das Gefühl die Beine würden ihr wegnicken, hätte sie gestanden. Voller unbekannter Begierde sah sie Jack in seine warmen, braunen Augen als sein Kopf sich immer weiter zu ihr beugte.
Jetzt! Jetzt! Jetzt!
Beide wünschten sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als die Lippen, den Kuss des anderen zu spüren, zu schmecken, doch…!
„Captain ein Schiff auf Abfangkurs!" schrie Gibbs wie vom Teufel persönlich gejagt durch das ganze Schiff. Fluchend stand Jack wieder auf und stapfte wütend mit dem Fuß auf.
„So ein verdammter Mist! Das Schiff versenk ich im Ozean! Verdammt!" Jacks Gesicht hatte sich vom einen auf den anderen Augenblick in ein hartes und kampfbereites Gesicht verwandelt. Doch selbst diese Züge waren Bonny lieber, als irgendwelche anderen auf der weiten Welt!
„Meinst du denn die wollen uns angreifen?" fragte sie immer noch ein wenig berauscht von dem beinahe Kuss.
Jack ließ ein wütendes Knurren verlauten: „ Na das hoffe ich doch Liebes, ich hasse wenn man mich nachts stört!"
Bonny schmunzelte und schwang ihre Beine über den Rand ihrer Koje! Schnell war sie in ihre Hose, die sie von Annamaria bekommen hatte geschlüpft und legte sich ihren vorübergehenden Säbel um die Hüfte.
Jack sah ihr irritiert dabei zu. Sie wollte doch wohl nicht wirklich…?
„Kannst du mir mal sagen Liebes was du gerade gedenkst zu tun?" fragte er und runzelte beinahe schon ein wenig verärgert die Stirn.
Bonny lächelte ihn scheinheilig an.
„Na was glaubst du denn wohl Jack? Ich will Piratin sein!" erklärte sie ihm und machte sich so schnell sie konnte aus dem Staub, bevor Jack auch nur noch einen Ton raus bringen konnte.
„Teufelsweib!" knurrte er noch, bevor sich auch aufmachte um seiner Crew Anweisungen zu geben.
Der Morgen war noch immer nicht hereingebrochen und Jack, genauso wie der Rest Crew hatten arge Probleme damit, die Herkunft des anderen Schiffes heraus zubekommen. Die Wolken bedeckten den ganzen Himmel und ließen nicht einen Mondstrahl hindurch.
„Tyalor was stehst du noch hier herum?" herrschte Jack den jungen, schlaksigen Mann von der Brücke her an: „ Mach das du ins Krähennest kommst und ich will sofort wissen, wem dieses vermaledeite Schiff gehört!"
Seine Laune war auf dem Gefrierpunkt angekommen. Niemand durfte ihn ungestört beim knutschen stören! Ok er stand zwar erst kurz davor, aber das war jetzt erst einmal unwichtig!
„Captain was sollen wir jetzt tun, das Schiff macht sich wahrscheinlich gerade Kampfbereit?!" wollte Gibbs leise von seinem Captain wissen, doch Jack zuckte nur mit den Schultern.
„Solange ich nicht weiß wer das ist, machen wir erst einmal gar nichts, klar soweit?!" entschied Jack, doch in diesem Moment verzogen sich die Wolken vom Himmel und die ganze Crew hatte einen klaren Blick auf den Namen des geheimnisvollen Schiffes.
„Nicht gut! Oh nein gar nicht gut!" flüsterte Jack heiser.
Die halbe Mannschaft schien angespannt den Atem anzuhalten, nur Bonny verstand die Welt nicht mehr. Aufmerksam hatte sie Jack beobachtet und sah verwundert, dass er Angst zu haben schien.
„Macht klar zum Gefecht, lasst die Kanonen raus und ihr Zwei ab unter Deck!" schrie er hektisch, fast panisch und zeigte auf Bonny und Annamaria, die dicht beieinander standen.
„Wie bitte! Vergiss es Sparrow!" schrie Annamaria ihm von unten wütend zu. Sie war eine Piratin verdammt noch mal, und kein scheues Frauchen, was sich unter Deck zitternd verkriecht.
„Anna ich meine es verflucht noch mal Ernst, also macht das ihr zwei nach unten verschwindet! UND ZWAR SOFORT!" brüllte er wie von Sinnen! ER hatte sofort erkannt um welches Schiff es sich handelte.
Die Dark Blood!
Doch es war nicht nur das Schiff, welches ihm schon einen Schauer über den Rücken jagte, sondern eher der Captain dieses Höllengefährtes, Mik Collins!
Dieser Mann war brutal und unberechenbar und die einzigen Gefangenen die er machte waren Frauen, die er entweder für sich behielt oder an das nächste Hurenhaus verkaufte. Und eines wusste Jack Sparrow ganz genau, niemals würde er zulassen, dass dieser Mistkerl Bonny in die Hände bekam, genauso wenig würde er Annamaria bekommen!
„Jack was soll das! Ich will kämpfen!" flüsterte Bonny ihm plötzlich eindringlich ins Ohr.
Sie hatte Jack die ganze Zeit genau im Auge gehabt. Er war so ganz anders! Nicht mehr der sanfte Mann der er noch vor ein paar Minuten gewesen war und auch nicht mehr der harte und wütender Mann, der sie noch vor so kurzen Augenblicken fasziniert hatte! Nein, er wirkte so verloren und besorgt!
Doch weswegen?
Um wen sorgte er sich?
Mit flinken Schritten rannte sie auf die Brücke und beugte sich so nahe es ging zu ihm.
Jack sah sie aus trüben Augen an.
Er wollte nicht dass ihr etwas passierte, dass er sie verlor!
Seine Augen veränderten sich in Sekunden schnelle! Auf einmal strahlten sie soviel Liebe aus, wie Bonny es noch nie zuvor erlebt hatte. Seine Augen bohrten sich in die ihren und mit flehender Stimme bat er sie: „ Bitte Bonny geht nach unten und verschanzt euch in meiner Kajüte, ich bitte dich!"
Doch Bonny schüttelte vehement ihren blonden Schopf.
„Nein Jack ich werde nicht gehen, bevor du mir nicht gesagt hast wieso! Was geht hier vor, wovor hast du solche Angst?"
Entsetzt sah sie wie sich stumme Tränen in seinen Augen sammelten.
„Jack…bitte sag es mir!" flüsterte sie erstickt und legte zärtlich eine Hand auf seine warme, stoppelige Wange.
Seufzend schloss er seine schokobraunen Augen und schmiegte sich tief in ihre sanfte Hand.
„Bitte Bonny…bitte…ich will…ich will dich nicht verlieren!" hauchte er kaum hörbar, doch Bonny verstand jedes Wort, das über seine Lippen kam.
Es lagen soviel Sorge und Verzweiflung darin, sie konnte nicht anders!
Stürmisch ließ sie sich in seine Arme fallen und legte ihre Lippen leidenschaftlich auf seine. Jack dachte, seine Haut würde verbrennen vor Leidenschaft und Erregung als er ihre weichen Lippen spürte und er wollte mehr! Er wollte sie ganz, doch genauso plötzlich wie dieser Kuss anfing, beendete Bonny auch schon wieder. Frech und doch mit soviel Liebe grinste sie ihn über beide Ohren an und flüsterte verführerisch: „ In Ordnung ich gehe nach unten, aber nur unter der Bedingung, dass du heil und als Sieger aus diesem Kampf hervor trittst und du mir alles in aller Ruhe erzählst!"
Damit drehte sie sich um und sprang die Treppe beinahe schon hinunter, schnappte die zeternde Anna und rannte nach unten in seine Kajüte.
In Jacks Kajüte!
„Was zum Teufel denkt ihr euch eigentlich!" fing Anna schon wieder an zu wettern, doch Bonny hörte ihr nicht mehr zu! Eilig versuchte sie den schweren Schreibtisch von Jack an die Tür zu schieben, doch er war einfach zu schwer für sie alleine.
„Anna hör auf zu fluchen und zu meckern, sondern hilf mir lieber! Ich weiß nicht warum Jack uns nicht oben haben will, aber ich weiß das er ziemliche Angst um uns hatte! Also hilf mir!" brüllte sie Annamaria an und brachte sie endlich zum schweigen. Sie schien kurz zu überlegen. Sie hatte das Schiff nicht erkannt, aber einige der Mannschaft hatten es und ihr war von Anfang an klar, dass es ziemlichen ärger geben würde.
Und wenn Bonny sagte Jack hätte wirklich Angst um sie beide gehabt, dann musste es wirklich schlimm um sie alle stehen!
„Ok los komm!" sagte sie fest und half ihrer Freundin die Tür zu verbarrikadieren.
Lange Zeit hörten die zwei Frauen nur die gedämpften Befehle von Jack und Gibbs, die die Mannschaft antrieben, doch dann …
Gar nichts mehr!
Nicht einmal das Knarren des Holzes war zu hören oder das Rauschen des Meeres!
Nichts!
„Oh Gott!" flüsterte Bonny heiser und dann ging es plötzlich los!
TBC!!!
Das war sie! Die Fortsetzung! Ich hoffe wie immer, dass sie euch gefallen hat und wollte euch auch noch mal für die tollen Reviews danken!
Ich versuche so schnell wie möglich ein neues Chap zu schreiben, aber die Arbeit geht mir immer noch bis zum Hals!
Liebe Euch!
