Kapitel 6: Nadel und Faden!

Jack hatte alle Muskeln angespannt! Sein Körper war gefasst auf alles was nun kommen würde, doch war es sein Herz, sein Geist auch? seine große Liebe, Bonny war in Sicherheit, genauso wie seine beste Freundin, Anna! Nie hatte er gedacht, jemals so etwas zu empfinden! Liebe für eine Frau und Gefühle für Menschen, die er seine Freunde nennen konnte, doch so war es! Aber wieso kam diese Erkenntnis erst jetzt? Jetzt wo Collins fast vor ihm stand und ihn töten wollte!

Verdammt!

„Captain, die Männer warten auf deine Befehle!" rief Gibbs ihm von der Reling aus zu und Jack nickte.

„ Macht euch bereit ihr Landratten, ich will dieses Schiff auf dem Meeresboden sehen, habt ihr das verstanden?!" schrie er und stellte sich an das Geländer. Seine Crew sollte genau sehen, wie ernst es ihm war.

Die Dark Blood kam immer näher und Jack konnte schon das überheblich, grinsende Gesicht von Collins sehen. Wie immer trug er keinen Hut und seine langen braunen, fettigen Haare wehten im Fahrtwind. Die dunkle, rote Narbe, die über sein rechtes Auge verlief, ließ Jack schlucken. Kein Wunder, dass er so begierig darauf war ihn zu töten.

„ Sparrow!" schrie Collins, sobald die Blood nahe genug heran gekommen war.

Jack stöhnte leise und genervt.

„Captain Sparrow du Bastard, merk es dir endlich!" schrie er wütend zurück.

Warum begriff das eigentlich niemand. Er war Captain Jack Sparrow und nicht einfach nur Sparrow. Schließlich war die stolze Black Pearl sein Schiff und das sagte ja wohl schon alles!

„Meinetwegen! Captain Sparrow! Wir haben noch eine Rechnung offen! Du wirst es mir büßen, was du mir angetan hast!"

Seine Schreie waren nur noch ein vor Wut verzerrtes Gebrüll.

Jack grinste hinterhältig von einem bis zum anderen Ohr.

„Wieso denn, so schlecht steht dir die Narbe doch gar! Könnt mir aber vorstellen, dass sie ein bisschen hinderlich beim sehen sein könnte," rief Jack und zeigte zur Verdeutlichung auf sein rechtes Auge.

Mit Freude sah er wie Collins eine Grimasse zog!

Doch statt ihm zu antworten, schrie er nur wie ein Wahnsinniger: „ Feuer!"

Die Kanonen der Blood feuerten aus vollen Rohren, doch Jack wäre nicht Jack, wenn er darauf nicht schon längst vorbereitet gewesen wäre. Die Pearl konnte schon ein paar Einschläge verkraften, doch das würde er garantiert nicht ungestraft lassen!

Wie ein Wilder schleuderte er das Steuerrad herum und die Pearl drehte so schnell sie konnte nach Steuerbord ab. Dieser Mistkerl würde ihn nicht so schnell klein kriegen. Nicht umsonst nannte man die Pearl das schnellste Schiff der Karibik! Collins bekam erst richtig mit was geschah als es schon zu spät war. Jack hatte sein Schiff hinter das Heck der Dark Blood gesteuert und befahl nun selber: „ Feuer!"

Sofort war die Crew Feuer und Flamme! Die Kanonenkugeln knallten der Mannschaft der Blood nur so um die Ohren und Jack vermutete, dass die Kajüte von Mik Collins schon längst nicht mehr zu retten war. Wie die Sonne drehte sich die Pearl um das andere Schiff und feuerte auf alle Seiten. Die Männer machten ihre Sache sehr gut, feuerten zusätzlich noch mit ihren Pistolen und ihr Gebrüll gab Jack das Gefühl von tiefster Zufriedenheit. Ja er hatte Collins diese Narbe zugefügt und er wollte Jack dem Erdboden gleich machen, doch dieser kam ihm zuvor! Schon seit Jahren spielten die beiden Piraten Kapitäne ein Art Katz- und Mausspiel! Auch wenn Jack Jahrelang kein Schiff besessen hatte, hatte er Collins oft zur Weißglut gebracht. Und nicht zuletzt diese unschicke Narbe, die ihm das halbe Augenlicht geraubt hatte. Ja Jack war schon ein böser Junge! Die Schlacht zwischen den zwei Schiffen tobte! Jeder schoss auf den anderen, jeder brüllte Verwünschungen dem anderen entgegen und Jack sah lächelnd auf die tobende Schlacht. Seine Mannschaft war stark im Vorteil und das wusste auch Collins, den sein Blick sagte Jack alles. Blanker Hass und der Wunsch ihm sämtliche Gliedmaßen einzeln auszureißen stand ihm ins Gesicht geschrieben.

„Sparrow du magst vielleicht mein Schiff auf den Grund des Meeres versenken, doch du wirst uns begleiten!" brüllte Collins wieder und sah selbstgefällig dabei zu wie das Grinsen aus Jacks Gesicht verschwand. Mit gezückter Pistole stand Collins da und zielte auf die Brust seines Gegenübers.

„Oh Oh!" war noch das Letzte was Jack herausbrachte, ehe Collins abdrückte. Jack konnte nicht mehr reagieren, er konnte nicht mehr ausweichen! Mir aufgerissen Augen erkannte er was passiert war. Collins hatte ihn angeschossen!

Die Schmerzen breiteten sich in seinem Inneren aus! Sein Bauch schien zu verbrennen und seine Beine glichen einem dünnen Stäbchen, das unter seiner eigenen Last durch zu brechen drohte. Langsam wurde ihm schwarz vor den Augen. Die Männer bekamen es gar nicht mit wie ihr Captain auf den Planken seines Schiffes zusammen brach, sie feuerten einfach weiter auf die Dark Blood, die nichts mehr entgegen zu bringen hatte. Ihr Rumpf war fast vollkommen zerstört und die zwei Hauptmasten waren schon längst wie zwei geschlagene Baumstümpfe gefallen. Niemand kümmerte sich um den am Boden liegenden Jack. Das Blut, sein Blut färbte sein Hemd immer weiter rot und doch gab es nur eine Person die es zu bemerken schien.

„Jack! Nein!" schrie Bonny verzweifelt und rannte zu ihm.

Sie hatte es in seiner Kajüte nicht mehr ausgehalten und war, nachdem sie die Tür endlich wieder frei gemacht hatten, zusammen mit Annamaria hinauf gerannt. Doch das erste was sie sah war Jack, wie er schwer verletzt und blutend auf dem Boden lag.

Trotz des ganzen Krachs, der Kanonen und Pistolen hörte die Crew den verzweifelten Schrei der jungen Frau und drehten sich erschrocken um. Bonny hatte das Gefühl es seien Stunden vergangen, bis der Kanonenlärm endlich abbrach und Gibbs dafür sorgte, dass sie schnell beidrehten. Sein Captain war verletzt und sie mussten schnell zum nächsten Hafen um ihn versorgen lassen. Ohne weiter auf die Blood zu achten, segelten sie nun mit vollem Wind davon. Ihnen war es egal geworden, ob das Schiff unterging oder ob sie sie irgendwann wieder sahen.

Bonny hatte sich neben Jack niedergelassen und seinen Kopf in ihrem Schoß gebettet.

Leise redete sie unentwegt auf ihn ein: „ Jack mach die Augen auf hörst du, du darfst mich nicht verlassen und was soll aus der Mannschaft werden?! Also komm schon du sturer Hund mach die Augen wieder auf! Du sollst ja nicht mit mir reden, aber mich ansehen! Bitte Jack," flehte sie und streichelte im immer wieder über die Wange, während sie mit ihrer anderen Hand auf seine Wunde presste.

Gibbs hatte das Ruder an Cotton weitergegeben und kam nun auf sie zu.

„Wir sollten ihn in seine Kajüte bringen Missy! Komm…komm hoch!" sagte er leise und zog sie langsam am Ellenbogen hoch.

Langsam erwachte Bonny aus ihrer Lethargie und der Eifer blitzte hell in ihren Augen auf.

Ihre Liebe lag da zu ihren Füßen und war dabei zu sterben. Sein Brustkorb hob und senkte sich nur noch leicht und sie wusste, wenn sie nicht gleich handelte, dann wäre es zu spät!

„ Ja du hast Recht Gibbs! Los bringt ihn in seine Kajüte, aber vorsichtig verstanden! … Vorsichtig!" wies sie die Männer an und wandte sich dann an Annamaria: „ Durchsuch das ganze Schiff! Ich brauche saubere Tücher, Nähgarn, eine Nadel oder irgendetwas sehr Spitzes mit einem Loch, dann brauche ich kaltes Wasser und Rum, viel Rum! Und bitte beeil Dich Anna!" drängte die junge Blonde und verschwand auch schon im inneren des Schiffes.

Ihr Blut schien zu kochen! Sie durfte jetzt keinen Fehler machen, sie durfte Jack jetzt nicht im Stich lassen.

Die Männer hatten Jack auf seine Koje gelegt und wurden von Bonny auch schon rausgeschmissen. Sie konnte jetzt keine Zuschauer gebrauchen, sie war auch so schon nervös genug.

Langsam trat sie an ihn heran. Seine Haut war blass, schon fast grau und kleine Schweißperlen hatten sich auf seiner Stirn gebildet. Behutsam nahm sie seine Hand in ihre und strich sanft mit dem Daumen über seinen Handrücken.

„Halte durch Jack! Halte durch!" wisperte sie und gab ihm einen vorsichtigen Kuss auf die Stirn.

„So und jetzt sehen wir uns das mal genauer an!" sagte sie schon wieder entschlossener, griff nach seinem Messer, das in seinem Stiefel steckte und begann sein Hemd auf zu schneiden und es ihm auszuziehen. Leise von Schmerzen erfüllte Stöhne entrangen Jacks Lippen. Doch Bonny hoffte, dass er weiter bewusstlos blieb.

Trotz des ganzen Blutes konnte sie ihren Blick nicht von den vielen bunten Bildern auf seinem Brust und seinen Armen wenden.

Doch sie musste sich zusammenreißen! Wo zum Teufel blieb Annamaria mit den ganzen Sachen. Schnell langte sie nach dem weggeworfenen Hemd und drückte es mit blutverschmierten Händen auf die blutende Wunde im seinem Bauch.

Erst als sie hoffte, das Blut würde einen Moment auf sich warten lassen, nahm sie es wieder hoch und besah sich seine Wunde etwas genauer. Vorsichtig und mit zitternden Finger begann sie die Haut rund um die Wunde abzutasten, als Anna mit voll gepackten Armen durch die Tür kam.

„Hier ist alles! Sogar eine richtige Nadel, hab ich bei den ganzen geplünderten Sachen gefunden! Aber wofür brauchst du das alles?" fragte die schwarze junge Frau und sah verwirrt zu ihrer Freundin.

„Das brauch ich um sein Leben zu retten, um die Blutung zu stillen! Doch erst einmal muss die Kugel raus!" erklärte Bonny mit gepresster Stimme und hielt Annamaria das Messer unter die Nase.

„Mach mehrer Kerzen an und halte das Messer so lange über die Flammen, bis es glüht, dann stecke es ins Wasser, damit es abkühlt! Los Beeilung!"

Schnell machte Anna wie befohlen die Kerzen an und tat was Bonny ihr aufgetragen hatte, doch sie konnte sich nicht so recht vorstellen, was Bonny vorhatte.

Anscheinend wollte sie Wunde nicht, wie es üblich war ausbrennen.

Als die Klinge glühte, tauchte sie es schnell ins Wasser, sodass es zischte und dampfte und reichte das Messer Bonny.

„Ok dann wollen wir mal!" Bonnys Stimme zitterte, genauso wie ihre Hände.

„Was hast du vor?" fragte Anna wieder und reichte Bonny eine der zwei Rumflaschen.

Diese nahm sie dankend entgegen und nahm einen tiefen Schluck ohne zu husten. Allmählich gewöhnte sie sich an das Zeug!

Sie stellte die Flasche auf den Boden und sah Anna angespannt an.

„Ich werde versuchen die Kugel heraus zuholen, ansonsten kann sie bei der kleinsten und falschen Bewegung wichtige Organe verletzten. Mein Onkel ist Arzt in Port Royal und hat mir so einiges erklärt und gezeigt!" erklärte sie ihr schnell, als sie ihren Blick gesehen hatte.

„Und du meinst du bekommst das hin?"

Bonny wandte sich wieder zu Jack, strich ihm sanft über die schweißnasse Stirn und flüsterte: „ Ich hoffe es Anna …ich hoffe es!"

Bonny dankte Gott dafür, dass sie die Kugel schnell gefunden und entfernt hatte, doch die Wunde blutete immer noch, zwar nicht mehr so stark wie zu Anfang aber immerhin! Jack war immer noch bewusstlos und sie hoffte weiterhin, dass es so bleiben würde. Sie konnte es jetzt nicht gebrauchen, wenn er anfangen würde vor Schmerzen zu zucken oder gar zu schreien.

Erschöpft seufzend nahm sie sich eines der Tücher die Annamaria ihr besorgt hatte und tupfte vorsichtig die Wunde so sauber, dass sie wieder etwas sehen, dann nahm sie sich ein neues Tuch und beträufelte es mit dem Rum, der immer noch neben der Koje stand. Die andere Flasche hatte sich Annamaria geschnappt. Sie hatte gemerkt, dass sie Bonny nicht weiter helfen konnte, stattdessen sah sie fasziniert und zugleich voller Angst um ihren Captain dabei zu was Bonny da tat. Diese betupfte nun die Wunde mit dem getränkten Tuch.

„Das soll die Wunde daran hindern sich zu entzünden!" Es war als würde sie das selber erklären, nur um sich selbst Mut zu machen. Anna bewunderte ihre Freundin für das was sie tat. Sie selbst wusste, sie hätte es nicht geschafft!

Als sie fertig war, griff sie nach der Nadel und dem Garn und fädelte es mit geübten Fingern ein. Ein Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, als sie daran dachte, was ihre Eltern wohl dazu sagen würden, wenn sie erfuhren dass sie ihr gelerntes ganz anders anwendete als sie es bevorzugt hätten.

Mit angehaltenem Atem setzte sie die Nadel an und stach vorsichtig in die vor Blut rot gefärbte Haut ihrer Liebe und noch ein zweites Mal auf der anderen Seite des Sickelgroßen Loches. Nach den beiden Stichen knotete sie die beiden Enden des Garnes fest zu, so dass sich die Haut zusammen zog.

Dies wiederholte sie noch zwei Mal! Anna hatte sie genau beobachtet. Diese Frau war nicht nur gut für Jack selbst sondern auch für die ganze Crew und Anna würde in Zukunft bei Gefechten bestimmt freier atmen können, denn Bonny war ja zum Glück nun bei ihnen.

Bonny hatte die zugenähte Wunde nochmals mit Rum abgetupft und verband sie nun mit den sauberen Tüchern. Anna half ihr dabei Jack zu drehen, damit sie den Verband leichter anlegen konnte. Sein Gesicht war immer blasser geworden, während ihrer Behandlung, doch nun konnten beide sich zurücklehnen. Jack atmete leichter und sein Herz schlug schon deutlich stärker.

„Ich glaube er wird es schaffen, Bonny! Das war verdammt gut!" freute sich Anna und umarmte ihre Freundin, die immer noch ganz geschafft zu sein schien.

„Ich könnte es mir auch nie verzeihen, wenn er es nicht schaffen sollte! Doch noch sollten wir Tag nicht vor dem Abend loben Anna! Erst wenn sich die Wunde nicht entzündet hat können wir wirklich aufatmen. Aber Jack ist stark!" sagte sie schwer und setzte sich zu Jack auf die Matratze. Müde und total ausgelaugt nahm sie wieder seine Hand und führte sie zu ihren Lippen.

„Du wirst es schaffen Jack!" flüsterte sie und küsste jeden einzelnen seiner schlanken Finger.

Verstohlen wischte sie sich über ihre Wange und somit die Tränen die sich nun nicht mehr unterdrücken ließen fort.

Anna hatte sich schon längst davon geschlichen um Bonny ein wenig Ruhe zu verschaffen und um der Crew die momentane Lage von Jack mitzuteilen. Außerdem sollten sie auch wissen, was Bonny außergewöhnliches Vollbracht hatte.

Bonny saß währenddessen immer noch an Jacks Seite und dort würde sie auch bleiben, bis er endlich die Augen aufschlug.

TBC!!!

Ist vielleicht ein bisschen kürzer als sonst, aber ich denke es ist mir trotzdem gelungen, oder?

Beeil mich mit dem nächsten Chap!

Liebe Euch!