Wie konntest du nur?

Ihr Kopf dröhnte und sie fühlte sich so schwach wie schon lange nicht mehr.

Zittrig hob sie eine Hand und betaste ihren Schädel, der wie sie merkte nicht bandagiert war. Scheinbar war sie irgendwo gegen geschlagen, hatte sich aber wohl nichts aufgeschlagen.

Wie konnte man auch nur so tollpatschig sein?

Severus hatte ihr schon immer gesagt, sie solle besser aufpassen, wo sie lang lief und endlich mal richtig die Augen aufmachen.

Tja so war sie halt, immer drauf los!

Langsam öffnete sie die Augen um sie gleich wieder zusammen zu kneifen, denn das Licht ließ ihren Kopf noch mehr schmerzen. Vorsichtig um sich an das Licht z gewöhnen, versuchte sie es noch einmal Stück für Stück und es funktionierte. Sie sah sich um und wie erwartet erkannte sie die Krankenstation. Sie drehte langsam ihren Kopf in alle Richtungen, doch sie sah nur den weißen Vorhang, der um ihr Bett herum gezogen war.

Sie hatte furchtbaren Durst und schaute auf ihren Nachttisch, wo Poppy fürsorglich wie sie war auch schon eine Karaffe mit Wasser und ein Glas bereitgestellt hatte. Dort standen auch mehrere Phiolen. Viele waren gegen Kopfschmerzen und auch einige waren gegen Übelkeit. Neben den Phiolen lag ein Blatt Pergament.

Helena dachte sich nichts dabei und nahm es an sich. Vielleicht war es ja von Poppy oder gar von Severus, der ihr nur kurz mitteilen wollte, dass er gleich wieder kommen würde.

Doch schon nach dem ersten Satz fiel ihr alles wieder ein und die Tränen rollten ihr wieder unhaltlos über die Wangen und tropften auf die blütenweiße Bettdecke.

Ihre Schluchzer wurden immer lauter, je weiter sie las und alle Erinnerungen kamen wieder hoch. Verzweifelt und todunglücklich ließ das Blatt fallen und verbarg ihr Gesicht in ihren zitternden Händen.

Wieso tat er ihr das an?

Wieso tat er das seiner Tochter an?

Und Hermine!

Wie konnte er nur?

Sie war so in ihre Trauer versunken, dass sie nicht einmal spürte wie sie in die Arme genommen wurde und man leise auf sie einredete.

„ Es wird alles wieder gut werden, Helena! Wir werden das schon schaffen! Das verspreche ich große Schwester!" sprach Hermine auf sie ein und wiegte sie in ihren Armen wie ein kleines Kind.

„Es wird alles wieder gut!"

„ Nein wird es nicht Hermine! Er ist fort! Ohne einen Grund, ohne sich von mir oder von euch zu verabschieden. Er ist einfach gegangen und lässt mich alleine!" schluchzte sie und ganz plötzlich stieg noch ein Gefühl in ihr hoch. Ein Gefühl, dass sie schon lange nicht mehr gegen Severus Snape gehegt hatte.

Wut!

Rasende Wut!

„ER IST EINFACH GEGANGEN!"schrie sie verzweifelt und noch mehr Tränen verließen ihren Körper.

Hermine wusste nicht wie sie ihre Schwester beruhigen konnte, doch sie wusste wer es konnte.

„ Helena ich weiß wie wütend du sein musst und ich kann mir nur schwer vorstellen wie du dich wirklich fühlen musst, doch Eve liegt ein Bett weiter und braucht ihre Mutter jetzt genauso wie du sie brauchst. Hörst du! Sie hat jetzt nur noch dich, wir haben jetzt nur dich!"

Sie hatte gehofft, dass sie verstehen würde und das tat sie wirklich. Kaum merklich nickte sie und drückte ihre Schwester noch einmal fest an sich.

„ Du hast recht! Und ich danke dir! Zusammen werden wir es schon schaffen!" sagte sie mit Tränen durchsetzter Stimme, doch auch die Entschlossenheit drang aus ihr heraus.

Hermine lächelte ihr aufmunternd zu und zog nun den Vorhang zu Seite.

Helena drehte den Kopf und schaute in die großen feuchten Augen ihrer Tochter.

Sie hatte geweint!

Sie wusste es bereits!

Helena streckte die Arme aus und ehe sie sich versah, lag ihre Tochter schluchzend in ihren Armen. Sie klammerten sich aneinander und auch Hermine kamen zum allerersten Mal die Tränen. Helena streckte noch einmal einen Arm aus und nahm nun auch Hermine schützend in ihre Arme.

Lange weinten sich die drei aus und erst nach ein paar Minuten, als sie sich wieder langsam beruhigt hatten und sie sich auf dem Bett aneinander gekuschelt hatten, griff Helena sich den Brief und schaute ihre Tochter, wie auch ihre Schwester fragend an.

„Habt ihr ihn schon gelesen?" fragte sie.

Doch Hermine schüttelte den Kopf und antwortete: „ Nein, Dumbledore hat es uns erzählt. Er meinte es wäre nicht gut für dich, wenn du uns erzählen müsstest."

Helena nickte vorsichtig, denn ihr Kopf hatte wieder furchtbar angefangen zu pochen.

„Soll ich ihn euch vorlesen, er ist schließlich an uns alle drei gewandt?!"

Tochter und Schwester nickten synchron und Helena begann zu lesen: „ Es tut mir leid! Ihr wisst nicht wie schwer es für mich ist zu gehen, doch es muss einfach sein. Ich möchte, dass ihr wisst wie sehr ich euch drei Liebe und wie sehr ich euch vermissen werde.

Eve, mein kleiner Engel du bist das Beste was ich je zu Stande gebracht habe und ich liebe dich über alles. Und doch war es meine Schuld, dass du benahe gestorben wärst. Ich wette du wirst einmal so schön und intelligent wie deine Mutter und deine Tante.

Hermine, viel zu kurz kennen wir uns, als das ich sagen könnte ich kenne dich, aber ich liebe dich mittlerweile, als wärst du mein eigen Fleisch und Blut, als seiest du meine eigene Tochter.

Und du meine Geliebte, ich kann mir vorstellen, wie sehr du mich jetzt hassen musst, nicht zuletzt wegen unserer nun geplatzten Hochzeit. Doch verdammt noch mal ich liebe dich und ich werde dich immer lieben.

Ich hoffe du wirst mich irgendwann verstehen und mir vielleicht verzeihen.

Es tut mir leid!

Ich liebe euch alle Drei, mehr als mein eigenes Leben!

Dein Severus

Euer Vater"

Helena hatte während sie gelesen hatte nicht eine Träne mehr vergossen. Sie wollte niemals wieder weinen, sie musste Stark sein! Stark für sie alle!

„Mommy… hasst du Daddy wirklich?" fragte Eve schüchtern und wischte sich ihre feuchten Augen an der Bettdecke ab.

Helena seufzte tief und traurig, doch ein schiefes Lächeln legte sich auf ihre Lippen.

„Nein mein Spatz, ich hasse deinen Vater nicht, ich liebe ihn, sehr sogar, doch ich bin enttäuscht von ihm. Er hätte mit mir reden und nicht einfach verschwinden sollen. Für uns drei wird sich jetzt so einiges ändern, aber wir bekommen das schon hin!" sagte sie entschlossen.

Hermine hatte ihre Schwester genau im Auge und auch wenn sie so entschlossen klang, hatte sie das Feuer und Freude verloren, welches immer in ihren Augen gelodert hatte.

„Was wird sich für uns ändern?" fragte sie.

Helena strich ihr das braune, lockige Haar aus dem verweinten Gesicht und lächelte sie an.

„Ich weiß es noch nicht genau Kleines, aber Tatsache ist, dass wir ab sofort ohne Mann in unserem Leben zurecht kommen müssen. Außerdem werden wir erst einmal aus dem Anwesen ausziehen, schließlich sind Severus und ich nicht verheiratet und somit haben wir kein Anrecht auf das Haus. Wir werden uns also etwas Neues suchen müssen. Und ich selbst muss mir auch erst einmal über so einiges klar werden." sagte sie nachdenklich.

„Aber du kannst doch nicht zulassen, dass Daddy so einfach wegbleibt. Du musst ihn suchen!" rief Eve verzweifelt.

„Du kennst deinen Vater nicht so wie ich ihn kenne, Baby! Er wäre nicht so einfach gegangen, wenn er gefunden werden wollte. Ich könnte alle Länder einzeln nach ihm absuchen, er will nicht gefunden werden. Und Severus ist ein Meister im verstecken, glaub es mir Liebling." sprach Helena resigniert.

Eve und auch Hermine fingen wieder an zu weinen und klammerten sich an Helena.

Es würde eine harte Zeit auf sie zukommen und Helena hatte noch keine Ahnung wie sie es schaffen sollte, zwei Kinder alleine groß zu ziehen. Sie war doch selber erst 22 und dann kam auch noch ihr Beruf dazu.

Doch sie würde nicht aufgeben!

Niemals!

Außerdem hatte sie Freunde, gute Freunde, die ihr und ihrer Familie mit Sicherheit bei allem helfen würden.

Beim Merlin, sie hatte Angst!

Furchtbare Angst!

„Ja wir schaffen das!" flüsterte sie heiser, den die Tränen und die Schluchzer brannten in ihrem Hals, doch nicht eine Träne verließ ihre Augen. Fest zog sie ihre zwei Mädchen an sich, ganz so als erhoffte sie sich von genau den Halt den sie ihnen auch gerade gab.

TBC!!!

Ich weiß, ist ein ziemlich kurzen Chap, doch das hat alles seine Gründe. Das nächste wird auf jeden Fall wieder länger, so wie ihr es von mir gewohnt seid.

Liebe Euch!!!