Kapitel 2: Sonst breche ich zusammen!

Tess erwachte durch das metallisch klingende Weinen Charlottes, dass aus dem Babyphon zu hören war.

Sie hatte vor dem schlafen gehen beschlossen Charlotte bei Ally im Bett zu lassen und stattdessen nur das Babyphon mitzunehmen.

Die Nacht war noch ziemlich lang geworden und Alex und Nick waren erst um 2 Uhr Morgens gegangen, zusammen mit Stevie, die bei Alex auf Killarney übernachten wollte.

Mühsam schälte sie sich aus Daves fester Umarmung, der nur ein protestierendes Grunzen von sich gab und stand schwerfällig auf. Leicht kopfschüttelnd sah sie ihren Verlobten an und lächelte.

Sie war ihm so dankbar, dafür dass er einfach nur für sie da war.

Tess war froh ihn zu haben, denn mit seinem verrückten Humor brachte er sie immer zum lachen, selbst in den traurigsten Momenten.

Wieder hörte sie das Weinen ihrer kleinen Nichte und machte sich auf den Weg zu ihr.

Mepsi hatte sich in der Nacht freigestrampelt, so wie sie es immer tat, wenn sie bei Ally schlief. Hier hatte sie ja auch deutlich mehr Platz als in ihrem eigenen Bettchen.

Lächelnd ging sie auf Charlotte zu und nahm sie vorsichtig zu.

„Na Mepsi," sagte sie leise und schaute auf den Wecker, der auf dem Nachttisch stand. „ Du hast aber ganz schön lange geschlafen, Schatz! Es ist ja schon halb acht! Na komm, wir ziehen uns jetzt erst mal an und dann bekommst du dein Frühstück und Tante Tess ihren starken Kaffee."

Charlotte brabbelte fröhlich munter vor sich her und zog hier und da an Tess Haaren herum.

Erst als die Zwei mit ihrem Frühstück/Kaffee schon längst fertig waren und Tess dabei war die Küche ein wenig aufzuräumen, erschien Dave, zerknittert aber munter.

„Morgen meine zwei hübschen Damen! Wie geht es ihnen an diesem wunderschönen Tagesanfang?" rief er fröhlich in die Küche hinein, kitzelte über Charlottes Wange und küsste Tess zur Begrüßung.

„Guten Morgen! Ich mach mir ein bisschen Sorgen, Ally ist immer noch nicht wieder zurück," sprach sie gleich aus, was ihr auf dem Herzen lag.

Klar Ally war erwachsen, zwar erst 23 aber alt genug um auf sich selber aufzupassen und doch machte Tess sich wirklich Sorgen.

„Sie taucht schon wieder auf, du wirst sehen. Vermutlich ist sie jetzt schon dabei wie eine Irre über die Weiden zu preschen und nach irgendwelchen Löchern in irgendwelchen Zäunen zu suchen. Du kennst sie doch, Liebling!" versuchte er sie wie so oft in letzter Zeit zu beruhigen.

„ Ich hoffe es Dave. Aber ich mache mir einfach Sorgen, ich kann sie nicht auch noch verlieren. Ich möchte nicht noch eine Schwester beerdigen müssen. Nicht noch einen Menschen den ich liebe!" flüsterte sie mit tränennasser Stimme und war froh als Dave sie an sich heran zog.

„Pscht… ist gut Tess. Ist ja gut!" raunte er leise, ganz dicht an ihrem Ohr und küsste sie sanft auf ihre noch wirren Haare.

„Was ist denn hier los. Tess was ist passiert?" erklang Allys besorgte Stimme aus Richtung Tür. Mit schnellen Schritten war sie bei Charlotte, hob sie aus ihrem Sitz und drückte sie fest an sich. Ihr Blick suchte den von Tess und sah sie besorgt an.

„Was ist los Tess? Warum stehst du hier in der Küche und weinst? Jetzt sag schon!" forderte sie ihre große Schwester auf, doch als Antwort erhielt sie nur einen bitterbösen Blick.

„Was hier los ist? Was hier los fragst du?" schrie sie plötzlich los und Ally wie auch Dave zuckten erschrocken zusammen. Auch Charlotte hatte garantiert nicht damit gerechnet, dass ihre Tante plötzlich so laut werden würde und fing an zu wimmern.

„Ich sag dir was los Ally! Ich gehe nachts ins Bett und du bist nicht da! Ich stehe morgens auf und du bist immer noch nicht da! Hast du eigentlich auch nur die geringste Ahnung was für eine heiden Angst ich hatte. Verdammt Ally glaubst du vielleicht, dass ich noch eine Schwester beerdigen möchte. Glaubst du das? Antworte gefälligst!" schrie sie immer weiter, ihre Brust hob und senkte sich heftig und ihre Wangen waren gerötet.

In diesem Moment tauchte Meg in der Küche auf und sah zwischen den zwei Schwestern hin und her. Sie wollte etwas sagen, doch Dave deutete ihr, lieber nichts zu sagen und sich einfach raus zuhalten.

„Meinst du ich könnte jemals so egoistisch sein, so wie Claire!" schrie Ally zurück und erschrocken stellte Tess fest, dass ihre Augen feucht waren.

In einer Windeseile drückte sie Meg Mepsi in die Arme und verschwand wieder nach draußen.

Sie lief, sie lief so schnell sie nur konnte und merkte nicht einmal wie sie an Alex, Nick und Stevie vorbei rannte, die gerade gekommen waren.

Sie merkte auch nicht wie Tess und Dave ihr nachliefen und hörte auch nicht ihren Namen, den mittlerweile alle fünf ihr nachriefen.

Sie rannte weg und schaute auch nicht zurück.

Erst an der alten Windmühle hielt sie an und mit verschleiertem Blick sah sie über die weiten Weiden.

Sie liebte dieses Land, sie liebte die Menschen die hier lebten und sie liebte ihr Leben.

Doch würde es jemals wieder so werden wie es noch vor zwei Wochen war.

Würde sie jemals wieder so offen lachen können wie sie es früher getan hatte.

Sie wusste es nicht!

„Ally?"

Langsam drehte sie sich um und sah ihre Freunde, ihre Familie nacheinander an.

„Ally verdammt noch mal lass doch endlich Emotionen zu. Alle haben geweint und trauern nur du nicht. Stattdessen bleibst du über Nacht weg, verkriechst in deine Arbeit und lässt niemanden an dich heran! Wieso?" fragte Tess und trat langsam auf sie zu. Auch sie atmete schwer vom langen Lauf, genauso wie die anderen. Doch sie hatte nicht einen Moment daran gedacht stehen zu bleiben.

In Allys Augen machte sich Verzweiflung breit doch auch Wut wie Tess und die Anderen erschrocken feststellten.

„Ich kann es nicht! Ich kann nicht weinen und trauern, denn sonst breche ich zusammen. Ich habe Angst nicht mehr aufhören zu können. Du warst so verzweifelt, du brauchst mich und Charlotte und Drovers, da kann ich nicht einfach aufgeben und mich meinen Gefühlen hingeben!" schrie sie wieder außer sich.

„Oh Ally… meinst du denn Charlotte braucht eine Tante die irgendwann vor Erschöpfung zusammen bricht. Oder die zu einem kalten Wesen wird? Sie braucht die alte Ally, genauso wie wir alle und vor allem ich, denn ich habe nur noch eine Schwester! Also bitte, lass es endlich zu, damit du wieder zur Ruhe kommst," sagte sie einfühlsam und machte wieder einige Schritte auf ihre kleine Schwester zu.

„Du verstehst das nicht! Ich trauere nicht, ich bin verflucht sauer! Ich hasse Claire für das was sie getan hat! Sie hat ihre Tochter, Ihre Schwestern und ihr Land einfach zurückgelassen. Sie hat uns verlassen!" Sie schrie nun wie eine Wilde und die Tränen hatten angefangen wie verrückt zu fließen.

„Es war ihre Pflicht als Mutter und als unsere große Schwester am Leben zu bleiben. Zu sehen wie Mepsi anfängt zu laufen und wie sie ihr erstes Wort spricht und es war ihre Pflicht als Schwester dazu sein wenn du heiratest und auch wenn ich vielleicht irgendwann mal vor den Altar trete, doch sie ist nicht mehr da, Tess!"

„Ally es war ein tragischer Unfall! Keiner konnte etwas dafür!" hörte sie nun Nicks sanfte Stimme und sah nur schemenhaft wie er schnell zu ihr trat, ehe sie entkräftet zusammen sackte.

Sofort schloss er sie in die Arme und wiegte sie hin und her wie ein kleines Kind.

„Aber ich vermisse sie doch so sehr! Wieso hat sie mich alleine gelassen?" fragte sie laut schluchzend und schmiegte sich in Nicks feste Umarmung.

„Wir vermissen sie alle! Und du bist nicht alleine, niemals! Du hast Tess und Charlotte und du hast uns! Du bist nicht alleine!"

Ally fing wieder herzzerreißend an zu weinen und zu schluchzen.

Tess stand da und wusste nicht was sie tun konnte.

Sie hatte sich gewünscht, dass ihre Schwester mal Gefühle zulassen würde, doch nun sah sie wie hilflos und ausgelaugt sie war.

So verzweifelt, traurig und wütend.

Es würde noch lange Zeit dauern bis Ally wieder so werden würde wie früher. Wenn überhaupt.

Sie hatte Claire so sehr geliebt, dass sie sich nun verlassen und enttäuscht vorkam.

Doch Tess würde da sein, genauso wie Ally für sie da gewesen war und das schon seit dem ersten Tag.

Sie spürte wie die Tränen in ihr hochkamen und suchte schnell Daves Nähe, die sie auch schnell fand. Gegen seine Brust gelehnt ließ auch sie ihren Tränen freien Lauf, doch sie ließ ihre kleine Schwester nicht aus den Augen.

Auch Stevie weinte und wurde von Alex starken Armen fest gehalten.

Doch es waren keine Tränen der Trauer, sondern der Freude denn von nun an konnte das Leben auf Drovers nur noch besser werden!

Wird fortgesetzt!

Hoffe euch gefällt das neue Chap.

Würde mich sehr über einige Reviews von euch freuen, also schreibt fleißig, bitte.

Liebe Euch!