Kapitel 4: Mein Herz, zwei Teile
Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch das offene Fenster und tauchten das Zimmer in warme und freundliche Farben. Der Himmel war schon strahlend blau und doch war es erst fünf Uhr in der Früh.
Ally erwachte durch das Kitzeln an ihrer Nasenspitze und versuchte sich zu strecken, doch irgendetwas hielt sie fest.
Erst als sie ihren Kopf drehte erkannte sie was sie so stark umklammert hielt.
Nick!
Ihre Augen weiteten sich und sie spürte wie ihr Gesicht heiß wurde.
Eilig versuchte sie an sich herunter zu sehen nur um dann festzustellen, dass sie splitternackt war.
„Oh mein Gott!" hauchte sie und versteckte ihr Gesicht unter der Bettdecke.
Und mit einem Mal kam alles wieder hoch. Alle Erinnerungen an die letzte Nacht.
Erst der Wein, dann das Bier, dann die vielen leidenschaftlichen Küsse und die so sanften und zarten Berührungen, die wie Feuer auf ihrer Haut zu brennen schienen.
Die Nacht war so voller Erregung und Leidenschaft gewesen und jetzt wusste Ally auch wieso ihr Körper sich so angenehm entspannt anfühlte.
Doch nicht ihr Körper, sondern auch ihr Herz war entspannt und zufrieden.
Sie und Nick hatten wirklich mit einander geschlafen!
Wie lange hatte sie darauf gehofft!
Viel zu lange!
Vorsichtig drehte sie sich in seiner klammernden Umarmung um und sah ihn an.
Ein leichtes Lächeln umspielte seine Mundwinkel und seine weichen Lippen waren noch immer leicht geschwollen von all den stürmischen und auch liebevollen Küssen.
Seine Augenlieder zuckten wild umher.
„Was träumst du Nick?" fragte sie sich leise, kaum hörbar.
Sanft strich sie ihm eine verirrte blonde Strähne aus der Stirn und ließ ihre Finger kurz auf seiner Wange verweilen.
„Ich liebe dich!" formten ihre Lippen doch es kam kein Ton heraus. Sie brachte es auch nach dieser Nacht noch nicht über die Lippen.
Doch sie tat es und das mit vollem Herzen!
Unendlich müde aber auch unendlich glücklich glitt sie wieder sanft in das Land der Träume.
„Shit!" fluchte Nick leise, doch scheinbar nicht leise genug denn plötzlich spürte er eine warme zitternde Hand auf seiner nackten Schulter.
Ally war durch die unangenehme Kälte um sie herum aufgewacht und sah kurz dabei zu wie er leise seine Sachen zusammen suchte.
Scheinbar fand er sein Hemd nicht, was ja auch kein Wunder war, denn ihr Kopf hatte unerklärlicherweise darauf gelegen.
Nichts sagend hielt sie ihm nun das blaue Hemd vor die Augen und sah ihn fragend an.
Was hatte er vor?
Warum wollte er sich klammheimlich aus dem Staub machen.
Eines war ja wohl klar, ihr Frühstück ans Bett bringen wollte er nicht, denn dann hätte er die Stiefel, den Gürtel und auch das Hemd weglassen können.
Er wollte verschwinden.
„Hattest du vor mir noch nen Zettel zu da zulassen, oder wolltest du nach her anrufen?" fragte sie leicht aufgebracht.
Ja Nick wollte verschwinden und das noch bevor sie aufwachte! Doch dieses verdammte Hemd hatte ihm einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht.
Nun stand sie vor ihm, hatte nur das dünne Lacken um ihren wundervollen Körper geschlungen und sah ihn aus verletzten und furchtbar enttäuschten Augen an.
„Ich wollte dich nicht wecken!" sagte er leise und wollte nach ihrer Hand greifen.
Schnell zog sie ihre Hand weg.
„Und hattest du noch vor irgendwann mit mir über unsere Nacht zu sprechen Nick? Denn wenn ja, dann wäre es jetzt ziemlich günstig! Also?" zischte sie und funkelte ihn an.
„Ally ich …ich… kann es nicht einfach bei dieser Nacht bleiben und können wir nicht einfach weiterhin Freunde bleiben? Ich mein es war doch gut so wie es war, oder etwa nicht?" fragte er sie und versuchte ihr in ihre wunderschönen blauen Augen zu sehen. Er hatte mit ihr geschlafen, aber er liebte sie einfach nicht! Ja sie war wunderschön und oft tauchte sie in seinen Träumen auf, doch Liebe war es einfach nicht! Er liebte sie auf andere Art und Weise, als Freundin, als beste Freundin!
Aber seine Worte hatten sie zu sehr verletzt. Sie konnte ihn nicht mehr ansehen.
Wie konnte sie nur so naive sein und glauben, dass Nick sie wirklich lieben würde nur weil er mit ihr geschlafen hatte.
„Ally? Bitte sag doch was!" forderte er sie leise auf.
Mit tränen verschleierten Augen sah sie ihn an.
„Wenn du mich nur als Freundin haben willst, warum hast du dann mit mir geschlafen? Hab ich jemals den Eindruck auf dich gemacht, als würde ich auf One- Night- Stands stehen!" rief sie aufgebracht. Ihre Augen waren zu schmalen Schlitzen geworden und ihre Lippen waren zu einer geraden Linie geformt.
„Nein … nein natürlich nicht! Ich glaub es war der Alkohol," sagte er und versuchte wieder sie zu berühren.
„Nein fass mich nicht an! Fass mich nie wieder an und jetzt geh!" stieß sie aus und machte einen Schritt zurück. Doch Nick rührte sich nicht von der Stelle.
„Verdammt Nick verschwinde aus meinem Zimmer, aus meinem Haus und am besten aus meinem Leben!" schrie sie und ging an ihm vorbei zum Fenster.
Ihr schien es als würde Gott sie verspotten. Der Himmel war blau, die Sonne schien und die Vögel zwitscherten.
Erst als sie die Tür hinter sich zuschlagen hörten ließ sie auch endlich ihren Tränen wirklich freien lauf.
Wieso tat er das?
Wieso tat er ihr so weh?
Heftig schluchzend sank sie auf ihre Knie und wickelte das Laken fester um ihren zitternden Körper.
Ihr war plötzlich so unendlich kalt.
Sie raffte sich wieder hoch und tapste leise weinend ins Badezimmer.
Hoffentlich war er schon verschwunden. Sie könnte jetzt nicht ertragen, wenn er sie so sehen würde.
Er sollte nicht sehen, wie sehr er sie verletzt hatte.
Erleichtert atmete sie aus, als sie das Geräusch seines wegfahrenden Fords hörte.
Im Badezimmer ließ sie das Laken achtlos auf den Boden sinken und stellte sich unter die Dusche. So heiß es ging ließ sie das Wasser auf ihren Körper rauschen und doch fror sie weiter. Ohne seine Nähe, ohne seine Berührungen fror sie so bitterlich.
Wieder überrannten sie die Tränen und ihr ganzer Körper krampfte sich schmerzhaft zusammen.
Erschöpft und einsam ließ sie sich an der kalten Wand hinunter gleiten und umschlang ihre Knie, als könne sie sich so selbst Trost spenden.
Sie liebte ihn doch so sehr und er hatte sie einfach so verletzt und enttäuscht.
Der Tag verlief für Ally so als würde sie ihn auf der Leinwand vor sich hin laufen sehen. Ohne viel zusprechen, machte sie ihre Arbeit und ohne viel zu sprechen verging der Tag.
Eigentlich hatte sie vorgehabt mit Charlotte zusammen Tess und Dave vom Flughafen abzuholen, doch sie konnte sich einfach nicht konzentrieren und sich schon gar nicht dazu aufraffen. Sie bat Jodie und Stevie die Zwei abzuholen.
So saß sie mit dem Baby auf dem Arm in Charlottes Zimmer und gab ihr ihre Abendflasche, als Tess durch die Tür herein kam.
Ally wusste nicht mehr wie sie es geschafft hatte ein überzeugendes Lächeln aufzusetzen, doch scheinbar hatte sie es geschafft, denn Tess wurde nicht misstrauisch.
Lange unterhielten sie sich und es war das erste Mal an diesem Tag, dass Ally für ein paar Minuten mal nicht an Nick dachte und so kamen ihr nicht einmal die Tränen.
Sie hatte ihre Schwester so vermisst und jetzt da sie wieder da war konnte sie sich nicht richtig freuen, denn der Schmerz in ihrem Herzen war zu groß!
Tess fragte sich, ob ihre kleine Schwester sie wohl für allzu bescheuert hielt oder warum glaubte sie, dass Tess nichts merken würde.
Sie wusste Ally hätte es sich selbst mit einem gebrochenen Bein nicht nehmen lassen sie vom Flieger abzuholen.
Was war hier bloß geschehen, dass ihre Schwester wieder in diese Gleiche Lethargie zurückfiel wie nach Claires Tod.
Aber sie wusste auch dass ihr Ally an diesem Abend nichts mehr erzählen würde, also würde sie bis morgen warten müssen.
„Und ihr seit wirklich aus eurem Hotelzimmer gekommen? Hätte ich nicht gedacht!" sagte Ally beeindruckt und sah erfreut das Tess anfing zu lachen. Ihre Schwester war glücklich und das war mehr als genug für Ally.
Hauptsache ihrer Familie ging es gut!
Die Tage vergingen in immer dem gleichen Trott für Ally.
Arbeiten, essen und schlafen. Immer wieder das gleiche! Nick hatte sie seit diesem Morgen nicht mehr gesehen und sie verspürte auch nicht den Drang dazu ihm zu begegnen.
Tja aber um das zu verhindern, hätte sie wohl Tess von ihrem Leid erzählen müssen, dann hätte sie ihn vielleicht nicht auch zum Grillen eingeladen.
Aber sie wäre ja nicht Ally, wenn sie nicht gute Mine zum bösen Spiel machen könnte, obwohl sie schon zusammen zu brechen drohte als sie ihn auf sich zukommen sah.
Die Tränen sammelten sich in ihren Augenwinkeln und so schnell sie konnte machte sie kehrt und verschwand im Haus.
Sie hörte nur noch dumpf wie Tess ihr hinter rief, doch sie schaffte es einfach nicht wieder zurückzugehen.
Aufgewühlt ließ sie sich auf ihr Bett fallen und weinte, weinte wie schon so oft in den letzten Tagen.
Erschrocken hörte sie wie ihre Tür sich öffnete und jemand in ihr Zimmer trat.
Sie betete, dass es nicht Nick war und sie betet dass sie es sich nur eingebildet hatte.
„Ally? Was ist los mit dir?" vernahm sie die sanfte, leise Stimme ihrer Schwester.
Sie spürte wie die Matratze unter ihr nachgab, als sich Tess zu ihr setzte und ihr die Schulter streichelte.
„Was ist passiert, während ich weg war, mmh? Was ist geschehen?" raunte sie ihr zu und versuchte Ally zum sprechen zu animieren.
Ally sah sie mit verquollenen Augen an. Ihr ganzes Leid spiegelte sich in ihren Augen, sie waren ihr Fenster zu Seele.
Sie konnte nichts sagen, nicht sprechen, nicht fühlen!
Dieser verhängnisvolle Morgen, dieser Mann, Nick hatte ihr Herz gebrochen und wie es schien ihr auch die Möglichkeit zu leben genommen.
Doch Tess verstand auch so.
„Du und Nick!" stieß sie aus wischte sich übers Gesicht.
„Wow!"
Ally richtete sich auf und spielte mit dem Rock ihrer Schwester.
„Wir haben miteinander geschlafen, in der letzten Nacht wo ihr weg wart. Aber … aber er liebt … liebt mich nicht, Tess! Er meint es wäre … wäre der Alkohol gewesen und er will ….nur Freundschaft!" schluchzte sie verzweifelt.
Tess verstand nun endgültig was mit ihrer Schwester los die ganzen Tage los war und nahm sie einfach nur in die Arme.
Sie liebte Nick und das scheinbar schon länger und aus vollem Herzen.
Sie wusste nicht was sie sagen sollte, doch sie wusste dass es Ally half wenn sie einfach nur gehalten wurde.
Es dauerte seine Zeit bis Ally sich wieder einwenig beruhigt hatte.
„Weißt du was? Mach ne Woche Urlaub!" ereiferte sich Tess und lachte als sie den verwirrten Blick ihrer Schwester sah.
„Was?" fragte Ally und dachte Tess hätte irgendwas Falsches zu sich genommen.
Sie konnte doch nicht einfach ohne einen wichtigen Grund von Drovers verschwinden.
Tess sah sie an und lächelte sie herausfordernd an.
„Ich mein das erst! Du brauchst Abstand Ally, Abstand von der Farm und vor allem von Nick, also warum kein Urlaub. Wenn du Charlotte mitnimmst, ist es nicht ganz so langweilig! Na was hältst du davon?"
Tess war Feuer und Flamme. Ally brauchte dringend Abwechslung und Tess wusste auch wo sie die bekommen konnte.
„Lass mich alles machen, ich weiß auch schon wo ihr zwei hinfahren könnt! Fang du schon mal an zu packen!" rief sie noch aus, bevor sie durch die Tür verschwand. Ihr war es egal, dass unten im Garten Gäste saßen und sich wunderten wo die zwei Schwestern blieben, sie wollte dass es ihrer Schwester besser ging.
Schnell rief sie bei ihrer alten Freundin Briony an um sie zu fragen, ob Ally und Charlotte für eine Woche bei ihnen verbringen konnten, da es ihrer Schwester momentan nicht so gut ging.
Natürlich könnten die Zwei kommen und Briony versprach Tess, dass sie gut auf ihre Familie aufpassen würde.
Danach machte sie sich auf in den Garten, wo alle saßen und etwas bedrückt aßen.
„Meg kannst du mir einen gefallen tun?" rief Tess schon von weitem und ging schnellen Schrittes auf die Gruppe zu.
„Natürlich was denn Tess?" fragte sie zurück und stand auch schon auf.
„Kannst du bitte ein paar Sachen für Charlotte packen. Für eine Woche und für die Stadt geeignet," erklärte Tess und merkte auch gleich die vielen fragenden Gesichter, die sie ansahen.
„Ally macht mal für eine Woche Urlaub, sie braucht Abstand von gewissen Umständen und so fährt sie mit Mepsi für eine Woche zu meinen Freunden Briony und Simon in die Stadt!" erklärte sie weiter und sah Nick an. Er hatte genau verstanden. Natürlich war er der Grund dafür, doch wie sollte er sich ihrer Meinung nach verhalten. Ally wollte ihn nicht sehen und rannte sogar weinend weg wenn sie ihn sah.
„Ist gut ich pack was für Mepsi zusammen!" sagte Meg noch schnell und verschwand im Haus.
Schon zwei Stunden später saß Ally im Auto in Richtung Großstadt. Sie genoss die Ruhe und freute sich auf den Aufenthalt in der Stadt und Tess hatte Recht gehabt! Sie und Charlotte würden einen heiden Spaß haben und sie würde vielleicht nicht so oft an Nick denken müssen.
TBC!
Liebe Euch!
