Kapitel 5: Eine übereilte Entscheidung?

Ally genoss das rege Treiben um sie herum. Ja sie liebte das Landleben und würde niemals wieder von dort wegziehen, doch hier in der Großstadt fand sie Ablenkung und die Abwechslung die sie dringend brauchte.

Sie und Charlotte verbrachten die Tage mit Spaziergängen in den Park oder mit Shoppingtouren. Die Kleine hatte anfangs ein paar Probleme sich an den Lärm zu gewöhnen, doch auch sie fand schon bald gefallen an den vielen Menschen und den großen Häuser und brabbelte die ganze Zeit fröhlich vor sich hin.

Drei Tage waren nun schon vergangen und Ally war froh noch vier Tage zu haben.

Sie verstand sich sehr gut mit Briony und Simon, auch wenn sie sie nicht sehr oft zu Gesicht bekam, da sie mit ihrem Restaurant alle Hände voll zu tun hatten. Die Zwei vergötterten Mepsi und alberten viel mit ihr herum, sobald sie eine Pause machen konnten.

Heute brach der vierte Tag an und auch wenn Ally eigentlich so lange hätte schlafen können, wie Mepsi es gestattete, war sie doch schon um fünf Uhr wach. Das Landleben hatte sie halt zu stark geprägt, allerdings war es doch schon was anderes, wenn man die ersten zwei Stunden des Tages mit duschen, träumen und Kaffeetrinken verbringen kann.

Schon als Ally um sechs aus der Dusche stieg hörte sie Charlotte in ihrem Bettchen quengeln.

Scheinbar ahnte sie schon was an diesem Tag passieren würde und war dementsprechend auch ganz hibbelig.

Ally zog sich ihren Morgenmantel an und begab sich zurück in ihr und Charlottes Zimmer.

Dort stand die Kleine und rüttelte an der weichen Bettwand.

Ally schmunzelte und ging näher zum Bett.

„Na mein Schatz, was bist du denn schon wach? Weißt wohl was uns zwei heute erwartet, was?" fragte sie ihre Nichte und hob sie hoch.

Charlotte war nun schon neun Monate alt und krabbelte überall herum und stemmte sich an jeder Tischkante hoch. Sie konnte nicht einmal still sitzen bleiben, genauso wie ihre Mutter.

Claire war kein Mensch der auch nur für fünf Minuten abschalten und sich entspannen konnte.

Ally lächelte bei den Erinnerungen an Claire und ließ Charlotte herunter. Diese brabbelte wieder fröhlich drauf los, krabbelte zum großen Bett und zog sich mühelos hoch.

„Na gut kleine Maus! Ich zieh mich schnell an, dann machen wir dich fertig und dann gehen wir frühstücken," beschloss Ally und machte sich daran ihre Sachen aus der Tasche zu suchen.

Die Tage in der Stadt waren bis jetzt ziemlich heiß gewesen und es würde auch an diesem Tag nicht anders sein.

Sie schnappte sich einen knielangen weißen Rock und schlichtes rotes Top und zog sich schnell an. Für Mepsi kramte sie eine kurze gelbe Hose und ein weißes T-Shirt heraus.

Als sie ihre Nichte fertig angezogen hatte machten sich beide auf den Weg in die Küche um erst einmal zu frühstücken.

„Schatz nein, du sollst den Brei essen, nicht damit den Tisch einschmieren!" lachte Ally und angelte sich umständlich einen Lappen von der Arbeitsplatte um die Sauerei wegzuwischen.

Charlotte brabbelte weiter munter vor sich hin und versuchte sich selbst einen Löffel in den Mund zu schieben.

„Ja so ist es fein Liebling, essen nicht schmieren!"

Ally lächelte Mepsi liebevoll an und biss selber von ihrem Honigbrot ab.

„Man wie kann man bloß schon um diese Uhrzeit so fit und gutgelaunt sein?" ertönte eine ziemlich müde Stimme hinter Allys Rücken.

Sie drehte sich um und sah Briony hinter sich stehen.

„Das ist Gewohnheit und was ist mit dir, warum bist du denn schon wach?" fragte sie zurück und lächelte sie mitfühlend an.

Briony grinste sie an und zuckte gleichgültig mit den Schultern.

„Ach ich konnte einfach nicht mehr schlafen! Guten Morgen meine Kleine!" sagte sie und streichelte der lachenden Charlotte über die blonden Haare.

„Was wollt ihr denn heute unternehmen?" fragte sie, während sie sich einen Kaffee einfüllte.

„Wir wollen heute in den Zoo gehen nicht wahr Mepsi. Die ganzen vielen Tiere und der Spielplatz," freute sie sich und wischte währenddessen den ganzen Brei aus Charlottes Gesicht.

Briony fing an zu träumen.

„Oh ja der Zoo ist wirklich toll! Ich war schon lange nicht mehr dort!"

Ally schaute auf und ein Grinsen legte sich auf ihre Lippen.

„Dann komm doch mit! Mepsi und ich würden uns freuen!"

Doch Briony schüttelte nur traurig den Kopf:" Nein ich kann leider nicht. Das Restaurant ist heute ausgefüllt und Simon würde mich umbringen, wenn ich mir gerade heute den Tag frei nehmen würde."

Ally lachte. Ja das kannte sie! Einen vollen Tag und eigentlich keine Minute für sich alleine, außer man lag die ganze Nacht wach. Doch auch hier fand nur schwer ihren Schlaf. Ihre Gedanken rasten in ihrem Kopf und das auch nur um eine einzige Person.

Nick!

Sie vermisste ihn!

Sie liebte ihn!

Sie hasste ihn!

Er hatte ihr an diesem Morgen mehr als nur wehgetan und wenn sie ehrlich war, hatte sie nicht die geringste Ahnung wie sie sich zukünftig ihm gegenüber verhalten sollte.

Sie waren Nachbarn und sie waren ja auch mal Freunde gewesen, oder?

Ihr Blick schien sie zu verraten, denn sie spürte eine warme Hand auf ihrem Arm. Mit verschleiertem Blick sah sie hoch und schaute direkt in Brionys wissende Augen.

„Manchmal hilft es sich alles von der Seele zu reden, weißt du?! Allerdings bringt es noch mehr mit dem „Problem" selbst zu sprechen!" riet sie Ally und zwinkerte ihr zu.

Ally seufzte schwer: „ Das kann ich nicht! Ich kann ihn ja nicht einmal sehen, ohne das mir die Tränen laufen und ich will ihn auch gar nicht sehen oder gar mit ihm sprechen!" erwiderte sie und in ihren Augen zeigte sich nicht nur Verletztheit, sondern auch purer Trotz. Briony schüttelte den Kopf! Ally war wie Tess: ein riesiger Dickschädel! Sie kannte zwar nicht alle Einzelheiten, aber sie wusste das es noch ein schwierige Zeit für Ally und auch für ihre Familie werden würde.

„Mehr kann und will ich dazu auch nicht sagen, denn ich weiß ich nicht alles, doch eines lass dir gesagt sein Ally: Auf jeden Topf passt ein Deckel, auch wenn man vielleicht erst um ihn kämpfen muss!" sagte Briony, verließ mit einem schelmischen Grinsen die Küche und ließ eine verdatterte Ally zurück.

„Klar könnte ich um ihn kämpfen, aber was sollte mir das bringen, mhh Mepsi? Er liebt mich einfach nicht!" Sie strich ihrer Nichte traurig über den blonden Kopf und bekam ein eines der patentierten Charlotte-Lächeln geschenkt.

„Hey Alter krieg dich mal wieder ein, ja? Was ist denn bloß los mit dir?" Alex war fertig mit den Nerven! Seit ein paar Tagen war sein kleiner Bruder eine lebende Bombe, die nur auf den richtigen Auslöser wartete. Scheinbar brauchte man ihn nur anzuschauen und schon ging er hoch. Alex wusste nicht wieso und das nervte ihn ungemein, denn wenn er sich schon grundlos anmachen lassen musste, dann wollte er auch wissen wieso.

Nick stand vor ihm und atmete schwer ein und aus. Konnte sein Bruder nicht verstehen, dass er einfach nur in Ruhe gelassen werden wollte. Seine Laune war seit dem misslungenen Grillfest nicht die Beste. Sein Gewissen machte ihm schwer zu schaffen und sein Herz gab auch keine Ruhe mehr. Andauernd schlug es viel zu schnell, wenn er an eine bestimmte McLeod dachte. Doch was taten die anderen?

Sie nervten ihn!

Sie ließen ihn nicht in Ruhe nachdenken. Dabei gab es soviel worüber er nachdenken musste.

Über Ally, Killarney und Argentinien.

Wie sollte er das allen nur beibringen? Da war sein Vater schon die kleinste Sorge gewesen.

„Ich habe dir schon verdammt oft gesagt, dass ich die Zäune alleine reparieren gehe! Ich brauche mal eine Minute für mich alleine! Ist das jetzt endlich angekommen?" brüllte Nick Alex an, doch schon in der nächsten Sekunde tat es ihm auch schon wieder leid, als er den Blick seines Bruders sah.

„Sorry man, aber ich brauch einfach mal ne Pause!" sagte er schuldbewusste machte sich weiter daran den Draht auf seinen Ford zu laden.

„Das scheint mir auch so, aber kannst du mir mal sagen was in letzter Zeit mit dir los ist? Jeden machst du nieder, ob berechtigt oder nicht," Alex machte sich wirklich sorgen.

Jeder von Killarney bis hin nach Fisher wusste, dass es Alex war der sein Temperament nicht unter Kontrolle halten konnte und dass Nick der Ruhige von Beiden war. Und nun? Die Rollen waren von einem Tag auf den anderen vertauscht.

Abwartend sah Alex seinen kleinen Bruder an, bis dieser endlich anfing zu sprechen: „ Du hast doch sicher mitbekommen, dass Tess momentan nicht sonderlich gut auf mich zu sprechen ist oder?" Alex nickte nur und machte Anstalten, dass Nick weiter sprechen sollte. „ Naja das liegt daran, dass ich ihre kleine Schwester wohl ziemlich verletzt habe! Ich bin scheinbar der Grund, wieso Ally für ne Woche in die Stadt abgehauen ist," erklärte er. Er setzte sich auf die Ladefläche und fuhr sich erschöpft übers Gesicht. Alex hatte sich neben ihn gesetzt und blickte ihn verwirrt von der Seite her an.

„Und wieso sollte das deine Schuld sein?" fragte er.

Nick lachte verbittert auf und sah seinen Bruder aus traurigen Augen an. „ Eigentlich ist es je nicht nur meine Schuld. Hättest du mit Stevie nicht für eine ganze Woche das Haus belegt und hätte Sandra nicht so einen Aufstand im Haus gemacht, wäre ich nicht für ne Woche zu Ally nach Drovers gezogen und hätte dann vielleicht auch nicht mit ihr geschlafen," sagte er und lächelte auch schon wieder ein wenig über den geschockten Ausdruck auf Alex Gesicht.

„Ist nicht wahr oder? Du und Ally? Oh man Alter! Und lass mich raten sie…"

„Sie liebt mich, ich nicht… zumindest glaube ich das und nun hasst sie mich und ist geflüchtet. Wir haben seit her nicht mehr mit einander geredet!" erzählte er.

„Wenn ich mal nicht auf dich aufpasse, was Bruderherz?" witzelte Alex und sah auch wirklich amüsiert aus.

„Halt bloß die Klappe, Alex! Das ist ja auch noch nicht alles," sagte er und schaute wieder zu Alex.

Alex fragte: „Was denn noch? Hast auch noch mit Jody geschlafen?"

Nick, der diesen Kommentar ignorierte stand wieder auf und blickte hinaus auf das weite Land, dass er so sehr liebte. „Ich habe ein Angebot bekommen! Ich soll eine Farm leiten, für ein Jahr…in Argentinien!"

Doch Nick schüttelte nur den Kopf.

„Nein, das geht momentan so in meinem Leben ab und wie sieht's so bei dir aus?" fragte er bitter und setzte sich wieder. Alex ging nicht auf seine Frage ein.

„Und was hast du vor? Wirst du den Job annehmen, ich meine so eine Gelegenheit kommt vielleicht nur einmal im Leben. Was willst du machen?"

Alex war mit den Nerven fertig!

„Das Angebot steht schon seit fast zwei Monaten und vor drei Wochen habe ich zugesagt und in zwei Tagen sage ich auf Wiedersehen!" schockte er Alex. „Was…das ist jetzt echt nicht dein ernst, oder? War das alles nur ein Scherz, damit ich das hier nicht als zu schlimm aufnehme? Ein ganzes Jahr?" fragte er aufgebracht und sah Nick abschätzend an.

Doch Nick nickte nur.

Alex saß da wie vom Blitz getroffen! Alles schien aus den Fugen zu geraten, wie in einem schlecht gemachtem Film.

Seine beste Freundin starb und ließ ihre ganze Familie alleine und sein Bruder wollte sich auch einfach so aus dem Staub machen und das auch schon in zwei Tagen.

„Willst du das auch wirklich machen Nick? Ich mein du hast doch hier alles was du immer wolltest! Klar das ist eine super Gelegenheit, aber ist es das was du willst?"

Nick kratzte mit seinen Stiefeln nachdenklich auf dem Boden und erst nach ein paar Augenblicken antwortete er: „ Ich weiß es nicht. Ich muss einfach hier weg! Und außerdem hab ich das wirklich Alex? Ich kann Willgul nicht halten, wohne mit meinem großen Bruder unter einem Dach, der übrigens bald heiraten wird und überhaupt finden alle um mich herum ihr Glück."

Alex konnte es nicht fassen! Er hatte nicht die leiseste Ahnung gehabt wie unglücklich sein kleiner Bruder wirklich war. Doch er wollte noch nicht aufgeben und fragte ihn: „ Und was ist mit Ally?"

Nick stand wieder auf und trat mit voller Wucht gegen einen Eimer, als hätte er ihm etwas getan. Der Eimer flog im hohen Bogen und prallte mit einem lauten Scheppern gegen den Traktor.

„Was soll denn schon mit Ally sein? Nichts ist mit Ally! Sie kommt in vier Tagen wieder und ich bin in zwei Tagen von hier verschwunden, dann hat sie ein Jahr zeit mich aus ihrem Kopf zu kriegen!" brüllte er und fing an hin und her zu laufen.

Alex sah Nick ruhig und gefasst zu, während er umher stapfte wie ein eingesperrter Tiger. Scheinbar hatte er den einzigen, wirklichen wunden Punkt bei seinem Bruder gefunden.

Ally!

War er denn der Einzige der merkte, dass Nick und sie einfach für einander bestimmt waren. Die Zwei ergänzten sich doch in jeglicher Art und Weise. Doch irgendwie ahnte Alex schon, dass Nick wie auch Ally da alleine mit dem Kopf drauf fallen musste.

Mit einem traurigen Seufzen stand er auf und schlug seinem Bruder auf die Schulter.

„Mach was du nicht lassen kannst kleiner Bruder, aber ich werde jetzt losfahren und Bier für besorgen!"

Er lächelte ihn noch einmal an und verschwand dann in Richtung seines schwarzen Utes.

TBC!!!

Sorry wegen der langen Zeit in der ich nicht geschrieben habe, aber hier ist nun das neue Chap! Ich hoffe, es gefällt euch, also her mit dem Feedback, bitte, bitte, bitte!

Liebe Euch!