VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.

A/N: Und das nächste Kapitel. Immerhin! Ein paar Reviews gab es doch von euch. Und es kann nur besser werden. In diesem Kapitel gibt es auch endlich ein wenig Action. Bin gespannt, wie sehr es euch gefällt.

Marius

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KAPITEL 2

Silver war in den letzten Tagen sehr beschäftigt und umtriebig gewesen. Nachdem er Tharan mit einer kompletten Ausstattung an erstklassigen Messern verlassen hatte, suchte er sich ein Hotelzimmer in Muggellondon. Den Portier zu überzeugen, dass er alt genug war, stellte keine echte Hürde dar. Etwas Magie und ein kleiner Zauber später, überreichte er Silver beflissen die Schlüsselkarte für seine Suite.

Nach einer ausgiebigen Dusche und einem kleinen Nickerchen, machte sich der silberhaarige Junge wieder auf die Socken. Es war inzwischen die Nacht herein gebrochen und das kam ihm nur entgegen. Der Mann, den er treffen wollte, bevorzugte die Nachtzeit, um seine Geschäfte abzuwickeln.

Tharan hatte ihm die Adresse eines Clubs in Eastend gegeben. Der Club war eine erste Adresse für junge Leute und auch Berühmtheiten. Keiner der regulären Kunden wusste, dass sich in den Zimmern darüber, regelmäßig die Größen der Londoner Unterwelt trafen. Der Club selbst, gehörte zum Imperium von Lennard 'Lefty' Sanderson, dem ungekrönten König der Unterwelt. Wobei heute es keiner mehr wagte, ihn Lefty zu nennen. Außer, man war lebensmüde. Den Spitznamen hatte sich Sanderson in seinen frühen Jahren verdient, als er seine Gegner bevorzugt mit der linken Hand aufschlitzte. Heutzutage befahl er den Tod von anderen und kümmerte sich nicht mehr persönlich darum. Silver wusste, dass Sanderson ein gefährlicher Mann war, aber es berührte ihn kaum. Der Unterweltboss war keine wahre Herausforderung für seine Möglichkeiten, aber er würde ihn auch nicht unterschätzen.

Es war inzwischen kurz nach 23 Uhr als Silver am Club eintraf. Noch immer standen Teenager Schlange um eintreten zu dürfen und wurden meist von den bulligen Türstehern abgewiesen. Die Türsteher waren sehr wachsam, wie Silver sofort bemerkte. Der Junge beobachtete aus den Schatten heraus den Eingang und nichts entging ihm.

"Zeit, in die Gänge zu kommen." murmelte er und löste sich aus den Schatten. Selbstsicher glitt er, vorbei an der Warteschlange, auf den Eingang zu und ignorierte den Protest der anderen.

"Keiner kommt im Moment rein." schnauzte einer der beiden Türsteher.

"Wirklich?" hob Silver eine Augenbraue und starrte dem Mann in die Augen. Der glatzköpfige Türsteher war ein wahrer Hüne. Gut 2 Meter groß und etwa 130 Kilogramm Muskelmasse. Kleine, gemeine Augen die sich jetzt vor Furcht weiteten. Er kannte den Fremden nicht, aber er wusste sofort, dass dieser Bursche Gefahr bedeutete. Das war ein Raubtier, wenn er jemals eines gesehen hatte.

Zur Überraschung seines Kollegen nickte er dem Jungen zu und winkte ihn herein. Niemand schien das Schwert zu bemerken, dessen Griff über seine linke Schulter ragte. Silver hatte es nicht einmal bewusst verschleiern müssen. Das Schwert sorgte selbst dafür.

"Hey, warum darf der Kleine rein und wir nicht?" rief ein junger Mann empört.

"Halt die Schnauze, Arschloch!" knurrte ihn der Glatzkopf an.

Silver lächelte knapp und verschwand durch den Eingang. Die wummernden Bässe fühlte er, noch bevor er sie hörte und so zuckte er nicht zusammen, als er den Club endlich betrat. Er wich etwas zur Seite und scannte seine Umgebung. Das erste was er bemerkte, waren die Überwachungskameras. Sie waren geschickt platziert und ließen keine Lücken frei. Es gab drei Bereiche in denen wild getanzt wurde. Zwischen den Tanzböden befanden sich die Bars. An den Wänden Tische, kleine Separees und kleine Bistrotische. Und es war brechend voll. Dazu die Luft, die man fast schneiden konnte und die vielen blitzenden Lichter.

Der schlanke Teenager nahm alles in knapp einer Sekunde auf. Die Standorte der Wächter. Die Stellen, an denen Kameras platziert waren. Der Club war nur auf den ersten Blick chaotisch, doch wenn man genauer hinsah, konnte man erkennen, dass alles gut durchdacht war.

Nachdem er alles in sich aufgenommen hatte, hielt Silver auf den hinteren Bereich zu. Hier ging es zu den Toiletten und den Räumlichkeiten des Personals. Eine der Türen, wies ein elektronisches Schloss auf. Silver legte seine Fingerspitzen darauf und gab einen Impuls seiner Magie frei. Mit einem fast unhörbaren Klicken, öffnete die Tür und der Junge schlüpfte hindurch. Dahinter war ein Treppenaufgang, der ebenfalls von Kameras erfasst wurde.

Doch Überwachungskameras waren nicht wirklich ein Hindernis für jemand, der über die Magie gebot. Alles was die Sicherheitsleute an den Monitoren erkannten, war, dass sich die Tür geöffnet hatte. Den Eindringling machten sie nicht aus.

Deshalb waren die beiden Wächter die am anderen Ende der Treppe den Korridor bewachten, ein wenig erstaunt. Warum hatten die aus der Zentrale den Bengel nicht angemeldet? Die Hand des einen Wächters glitt in seine Jacke, während der andere sich Silver in den Weg stellte.

"Du hast hier nichts verloren, Kleiner. Mach dass du hier abhaust!" sagte er im Befehlston.

"Ich möchte zu Mr. Sanderson. Ich wurde angemeldet. Silver ist der Name." erwiderte Silver höflich.

"Warte Hank, ich check das." murmelte der andere und drückte leicht auf sein Ohr. Er trug ein unauffälliges Headset. "Sir, wir haben hier einen Besucher. Er behauptet, er wäre angemeldet. Sein Name ist Silver." gab er leise durch. "Ist in Ordnung Sir... Out." konnte Silver hören. Er nickte seinen Kollegen zu der aber noch nicht den Weg freigab.

"Ich werde sie nach Waffen abtasten!" sagte er jetzt höflich aber bestimmt. Die Jungs waren professionelle Leibwächter und wussten ihr Handwerk.

"Sicher." zuckte der Junge lässig. Die Wache hob eine Augenbraue, als er Silver vier Messer abnahm. Das Schwert hingegen, entging ihm völlig. Endlich zufrieden, trat die Wache einen Schritt zurück.

"Dritte Tür links, Sir!" erklärte er höflich.

"Danke!" nickte ihm Silver knapp zu.

Die Tür führte in einen Raum in dem sich weitere Männer aufhielten. Noch einmal wurde er gescannt und durchsucht, bis ihn drei Männer in den nächsten Raum führten.

"Ihr Gast, Sir!" meldete einer der Männer.

"Danke, Jungs." erwiderte der Mann hinter dem Schreibtisch. Zwei der Männer zogen sich zwei Schritte zurück während der dritte sich seitwärts bewegte und den Teenager nicht aus den Augen ließ.

Lennard Sanderson, der Boss der Londoner Unterwelt war ein, auf dem ersten Blick, unauffälliger Mann. Bis man ihm in die Augen sah. Die kalten, berechnenden und Mitleidslosen Augen eines Mörders. Sanderson war jetzt knapp 50 Jahre alt und noch gut in Form. Sein blassblondes Haar wurde langsam schütterer und die Haut etwas schlaffer aber das waren die einzigen Anzeichen seines wahren Alters. Sein Anzug war vom allerfeinsten und die schlicht wirkende Uhr hatte den Gegenwert eines Einfamilienhauses.

"Mr. Sanderson?" neigte Silver leicht das Haupt.

"Du bist tatsächlich noch ein... Teenager!" ächzte Sanderson.

"Ja, und? Wie alt waren sie, als sie ihren ersten Mann töteten?" hob Silver eine Augenbraue. Einer der Männer hinter ihm holte scharf Luft.

"Du bist ganz schön vorlaut!" kniff Sanderson die Augen zusammen. "Aber du hast mit deiner Bemerkung durchaus Recht. Alter spielt nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist der Wille." lehnte er sich etwas in seinem Stuhl zurück und machte eine einladende Geste. "Du hast soeben fünf Minuten meiner Zeit erworben. Nutze sie gut."

"Danke. Ich möchte Waffen erwerben und bin bereit, einen fairen Preis dafür zu bezahlen. Interesse?" erklärte Silver nachdem er vor dem Schreibtisch Platz genommen hatte.

"Nur zu." gab ihn Sanderson ein Zeichen.

"Ich benötige eine zuverlässige 9mm mit drei Ersatzmagazinen. Eine FN P90, ebenfalls drei Magazine. Beide mit Schalldämpfer. Weiterhin 500 Schuss 9mm Hohlmantelgeschosse und 5000 Schuss 5,7 für die P90. Dann 50 Kg C4. Dazu Schlagzünder. Keine elektronischen. Weiterhin eine Kiste Hand und Blendgranaten. Und als Sahnehäubchen... ein erstklassiges Scharfschützengewehr mit Nachtsichtvisier und 200 Schuss Munition." zählte Silver auf.

"Sonst nichts?" meinte Sanderson sarkastisch.

"Nicht dass ich jetzt wüsste. Falls mir noch etwas einfallen sollte...!" grinste der silberhaarige Teenager.

"Nehmen wir mal an, ich besorge dir das Zeug. Wie gesagt, nur mal angenommen. Das wären, so grob aufgerechnet, rund 50 Große." blieb Sanderson gelassen. Was er wirklich über Silvers Einkaufliste dachte, war seinem Ausdruck so gut wie nicht zu entnehmen.

"50.000 Pfund! Nicht billig. Doch wenn die Ware in Ordnung ist, dann geht das klar." blieb auch Silver ruhig. Geld war hier zweitrangig.

Der Waffenhändler tippte sich nachdenklich ans Kinn. 50 Riesen waren nicht zu verachten. Er würde, wenn er denn das Geschäft machen würde, rund 20.000 daran verdienen. Was hatte der verdammte Bengel damit nur vor? Wollte er einen Privatkrieg starten?

"Die Schalldämpfer und die Zünder sind nicht einfach zu besorgen!" erklärte er dem Jungen.

"Ich bin bereit 60 Riesen abzudrücken, wenn ich das Zeug bis morgen Mitternacht habe." ignorierte es Silver.

"60 Riesen? Du scheinst das Zeug ja unbedingt zu brauchen?"

"Im Grunde nicht wirklich. Doch es wird mir einiges erleichtern. Haben wir einen Deal?" blieb Silver cool.

Sanderson starrte ihn an und nickte dann unmerklich.

"Deal. Morgen um 23 Uhr. Das Lagerhaus in der Cornettstreet 134. Sei pünktlich. Fünf nach 23 und wir sind weg."

"Ich werde da sein." erhob sich Silver.

"Meine Leute werden dich nach unten begleiten. Guten Abend." verabschiedete Sanderson den Teenager.

Er sah ungerührt den Jungen hinterher und lachte innerlich. Er würde das Zeug bereithalten aber er dachte gar nicht daran seinen Teil des Deals einzuhalten. Er würde dem Bengel eine Lehre erteilen und ihm die Kohle abnehmen. Wenn er guter Laune war, würde er ihn vielleicht sogar am Leben lassen. Aber nur ein ganz großes Vielleicht.

Silver lächelte ebenfalls innerlich. Er wusste haargenau, was Sanderson plante. Der Mann war schließlich ein Muggel und hatte keine Ahnung wie man seinen Geist abschirmte. Natürlich ließ er sich nichts anmerken und folgte artig den Wachen nach unten. Dort wurden ihm seine Messer überreicht und er mischte sich gekonnt unter die Gäste des Clubs und schlüpfte kurz darauf aus dem Ausgang.

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Die Nacht war noch jung und Silver verspürte Lust noch etwas zu unternehmen. Jetzt war eine gute Zeit in die Nokturngasse zurück zu kehren. Es gab da ein Gasthaus, in dem einige zwielichtige Gestalten verkehrten. Die Creme der Unterwelt, diesmal der Zaubererwelt. Vampire, Werwölfe, Assassinen und Diebe. Dazu Huren, Strichjungen und ihre Zuhälter.

Oh, ja. Hier unterschied sich die Zaubererseite nicht sehr von der Muggelseite. Beide Seiten hatten ihren gerechten Anteil an gescheiterten Existenzen und Verbrechern. Nur, dass die magische Welt dunkle Gelüste stillen konnten, die auf der Muggelseite nur schwer oder unmöglich zu befriedigen waren.

Der Treffpunkt für diese Gestalten war ein schäbiges Gasthaus an einer der dunkelsten Stellen der Nokturngasse mit den schönen Namen 'Der zerbrochene Stab'. Silver fand das wirklich zutreffend, denn vielen der Gäste wurde tatsächlich irgendwann der Stab zerbrochen. Was aber nichts zu sagen hatte. Einen Ersatzstab zu besorgen, war hier eine Kleinigkeit.

Der Teenager hatte sich seine Robe übergeworfen und die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Ein Zauber sorgte dafür, dass ihn niemand erkennen konnte und seine Stimme verstellte. Kurz nach Mitternacht schlüpfte er in das Gasthaus und erregte nur für zwei Sekunden die Aufmerksamkeit der anderen Gäste. Er fand einen freien Platz in einer der dunklen Nischen und sah sich aufmerksam aber unauffällig um. Was für ein Unterschied zu dem Club den er gerade vor 15 Minuten verlassen hatte. Es war, als wäre er mit einer Zeitmaschine 300 Jahre in die Vergangenheit gereist.

"Feuerwhiskey." bestellte er einsilbig bei der drallen Schankkellnerin.

"Sonst noch was?" fragte die Kellnerin gelangweilt. Silver ignorierte die Frage und die Frau wusste, wann sie besser nicht nachbohrte. Sie brachte ihm ein Glas und eine Flasche Odgens und Silver schob ihr drei Galeonen über den Tisch zu. "Danke, Chef." strich sie das Geld und das großzügige Trinkgeld zufrieden ein.

Silver schenkte das Glas voll ein, doch er rührte es nicht an. Dafür musterte er die Gäste und konnte zwei Vampire und in einer der anderen Ecken auch Werwölfe ausmachen. Wobei letztere etwas gestresst aussahen. Nicht sehr verwunderlich, denn schließlich war heute der letzte Tag vor dem Vollmond. Die anderen Gäste waren nicht so interessant für den Teenager. Es waren keine Todesser darunter. Zumindest keine, die Silver erkannte. Dafür hielt sich Mundungus Fletscher hier auf, der immer wieder einen Blick auf den Fremden warf.

Gut eine Stunde passierte nichts Aufregendes oder Interessantes. Das änderte sich kurz nach Ein Uhr, als weitere Gäste die Wirtsstube betraten. Einer dieser Gäste war es, der das Interesse von Silver herausforderte.

Ein Mann, über 40 Jahre alt. Mit federnden Schritt und wachen Augen und mit einem grausamen Lächeln auf den Lippen.

Fenrir Greyback, der Werwolf.

Ein gefürchteter Mörder und Schlächter. Mehr als die Hälfte aller Werwölfe in Großbritannien hatten ihr Schicksal ihm zu verdanken. Darunter auch Remus Lupin, den Greyback angefallen hatte, als Remus noch ein kleiner Junge war. Gerade für Kinder war die Zwangsverwandlung eine äußerst schmerzhafte und traumatische Erfahrung und nur die Hälfte der Opfer erlebte die Pubertät.

Silvers Finger wirbelten in einem komplizierten Muster und er lächelte leicht als er den Werwolf erfolgreich einen Nachspürzauber anhing. Er wäre nur sehr schwer zu entdecken und noch schwerer zu entfernen. Greyback wusste es noch nicht, aber er war soeben als erstes Ziel von Silvers Jagd erwählt worden.

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Den nächsten Vormittag verbrachte Silver in Muggellondon. Er kaufte verschiedene Sachen die er noch benötigte und setzte in dem kleinen Trankslabor in seiner Truhe eine größere Mischung für Veritaserum an. Alleine die Zutaten zu dem Trank, hatten rund 1000 Galeonen gekostet und es war kein Wunder, wenn auch keine Entschuldigung, dass das Ministerium es eher sparsam einsetzte. Silver hatte zwei Phiolen des teuren Tranks bereits in der Nokturngasse unter der Hand erworben, doch er war sich nicht sicher ob die Qualität ausreichend war. Nun, er würde es frühestens merken, wenn er es einsetzte.

Den Nachmittag flanierte er mehrmals in der Winkelgasse auf und ab und hängte verschiedenen Personen Nachspürzauber an. Wer immer sein Interesse erweckte, wurde gekennzeichnet. Einige dieser Personen waren unter einem Verschleierungszauber, doch bei einem war sich Silver sicher, dass es sich um einen Todesser handeln musste. Er konnte schwach das dunkle Zeichen ausmachen, dass dieser Mann trug. Eine Fähigkeit, die Silver normalen Zauberern voraushatte.

Langsam wurde es später Nachmittag und dann früher Abend. Die Sonne begann zu sinken und der Aufgang des Mondes war nur noch wenige Minuten fort. Silver hatte sich in sein Hotelzimmer zurückgezogen und kleidete sich an. Er trug jetzt dunkle Kleidung, leichte Schuhe. Zwei seiner Messer steckten griffbereit im Gürtel und das andere Paar in dünnen Scheiden an seinen Unterarmen. Shinigami hing quer über seinen Rücken.

Er war bereit.

Der Teenager entspannte sich und suchte nach Greyback. Sofort hatte er eine Reaktion auf seine Suche. Ein schwacher Zug nach Nordwesten. Mehr brauchte er nicht.

Die schlanke Gestalt löste sich plötzlich in Fetzen von Schatten auf und verschwand.

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Jimmy Webster war sauer und gleichzeitig besorgt. Sauer, weil sein altes Fahrrad zum wiederholten Male einen platten Reifen hatte und weil sein bester Freund Donnie Sutter ihn solange auf dem Bolzplatz aufgehalten hatte. Besorgt, weil seine Eltern bestimmt sauer reagieren würden, wenn er zu spät nach Hause kam.

Der neunjährige Junge seufzte und blieb an der Kreuzung des Weges stehen. Auf der linken Seite führte ein kleiner Pfad in den Wald. Eine Abkürzung die ihn gut 15 Minuten Heimweg ersparen würde. Leider hatte seine Mom ihm verboten durch den Wald zu gehen. Nicht, dass es ihn großartig davon abhalten würde. In den letzten Wochen war Jimmy bereits dreimal durch den dunklen Forst gegangen. Er würde schließlich nach den Ferien in die vierte Klasse kommen und war somit kein kleiner Junge mehr.

Nur, heute wurde es bereits dunkel und Jimmy war bisher immer im hellen Tageslicht durch den Wald geradelt. Nachdenklich kaute er auf seiner Unterlippe und überlegte.

Der lange Weg und Zoff mit seinen Eltern? Oder der kurze Weg und rechtzeitig nach Hause? Jimmys braune Augen irrten von einem Weg zum anderen und dann auf seine Uhr.

"Mist." seufzte er und bog links ab.

Es würde schon nichts passieren und außerdem kannte er den Weg jetzt gut.

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Fenrir Greyback wartete auf die ersten Strahlen des Mondlichtes. Er hatte sich seiner Kleidung entledigt, da diese die Verwandlung nicht überstehen würde. Der Werwolf sehnte die Verwandlung herbei und freute sich auf die Jagd. In den letzten drei Wochen war er öfters in diesen Landstrich zurückgekehrt. Und das aus gutem Grund. Der alte Wald bot viel Raum und dazu noch eine kleines Präsent. Ein kleiner Junge, der hier ab und zu durch kam. Fenrir hoffte, dass es auch heute so war. Seit gut einem Jahr hatte er kein Kind mehr gebissen und es war an der Zeit. Den letzten hatte er nicht drehen können, da der Wolf in ihm zu gierig wurde und den Jungen zerfleischte.

Wenigstens hatte das junge Fleisch und das köstlich unschuldige Blut gemundet.

Greyback lachte dunkel, als er sich an die Nacht erinnerte. An die großen, erschreckten Augen des Jungen. Die Schreie, die abrupt in einem Gurgeln endeten, als er ihm die Kehle zerfetzte und heißes, köstliches Blut seinen Gaumen benetzte.

Ja, es war gut eine Bestie zu sein und er bedauerte keines seiner Opfer.

Der Mond stieg über den Horizont und Greyback breitete erwartungsvoll die Arme aus. Die Verwandlung erfolgte unmittelbar, nachdem der erste Strahl des Mondlichtes ihn erreichte. Greyback stöhnte und grunzte und ging auf alle Viere. Seine Knochen, Muskeln und Sehnen ordneten sich neu und äußerst schmerzhaft. Der Körper verschob sich, Haare sprießen hervor, bis sie komplett die Haut bedeckten. Zähne wurden zu Reißzähnen und die Augen leuchteten wie die eines wilden Tieres. Dann stand die Bestie jagdbereit auf der kleinen Lichtung, legte den Kopf in den Nacken und stieß triumphierend ein Heulen aus.

Die Jagd hatte begonnen.

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Jimmy schluckte schwer als er das Heulen hörte. Das war etwas Neues. Bisher war das erschreckendste, der Ruf eines Käuzchens gewesen. Der Junge beschleunigte sein Tempo und sein Herz schlug ihm bis zum Halse.

"Lieber Gott im Himmel. Ich werde auch immer brav sein." betete er leise. 'Nicht mehr weit. Es ist nicht mehr weit.', dachte er panisch, als er erneut ein Heulen vernahm. Es war jetzt wesentlich näher gewesen.

Seine Hände verkrampften sich um die Griffe seines Fahrrads, doch der Junge dachte gar nicht daran es zurück zu lassen. Er hielt sich daran fest, als würde es ihm Sicherheit geben. Jimmy hatte den Dynamo angemacht und er spendete ein schwaches Licht, das je nach seinem Tempo mal heller oder schwächer wurde. Es war gerade ausreichend, um den Waldweg zu erkennen.

Plötzlich sprang ein großes Tier vor ihm auf den Weg und Jimmy stoppte. Sofort wurde es dunkler und nur noch die glühenden Augen der Bestie waren zu erkennen.

"G... Gutes Hundchen." zitterte Jimmys Stimme. Er war sich nicht sicher ob es überhaupt ein Hund war. Die Dogge der Stevensons war der größte Hund den Jimmy je gesehen hatte, aber er wirkte winzig gegen das Ungeheuer. War es ein Wolf?

Jimmy hatte keine Zeit mehr zu überlegen. Das Tier hielt auf ihn zu und alles was Jimmy machen konnte, war die Augen zu schließen und zu hoffen, dass dies nur ein böser Traum war.

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Greyback jubelte, zurück gedrängt an den hinteren Rand im Geist des Wolfes, vor Freude. Der Junge war tatsächlich heute hier. Er konnte seine Witterung sofort aufnehmen. Was für ein Festmahl. Er hielt den Wolf nicht zurück, sondern spornte ihn sogar nach an. Der Wolf heulte noch einmal und wusste, dass er seiner Beute nahe war. Mit einem Satz, sprang er aus dem Dickicht auf dem Hohlweg und sah sofort den Menschenjungen.

Die Beute winselte etwas und er konnte die Furcht riechen. Furcht, die ihn nur noch mehr anspornte. Mit einem tiefen Knurren sprang er los.

Und erhielt einen mächtigen Hieb gegen seine Schnauze. So kräftig, dass es ihn zurück schleuderte. Mit einem wilden Knurren rappelte sich der Werwolf wieder auf und musterte das Hindernis, dass sich zwischen ihm und seiner Beute befand.

"Komm, schon Hundchen." lachte die Gestalt.

Greyback heulte vor Wut und griff an.

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"Komm, schon Hundchen!" hörte Jimmy plötzlich eine Stimme herausfordernd sagen. Der Junge riss die Augen auf und konnte nur Schemen erkennen. Es war jemand hier, der ihn gegen den großen Wolf verteidigte.

Nur sehr schlecht konnte er ausmachen, dass der Wolf den Fremden angriff und dann vor Schmerz aufheulte. Ein silbernes Flirren, ein scharfes, schneidendes Geräusch, war alles was Jimmy erkannte. Die beiden kämpfenden Gestalten bewegten sich zu schnell für sein ungeschultes Auge. Viel zu schnell, um menschlich zu sein.

"Zeit zum Sterben, Greyback. Du hast genug gemordet." sagte der Fremde ruhig. Die Stimme war kalt und besaß eine Endgültigkeit, die den Jungen erstarren ließ. Gleichzeitig wusste er aber auch, dass ihm von dieser Gestalt keine Gefahr drohte. Jimmy hätte nicht vermocht zu sagen, woher er es wusste. Aber es war so.

Der Wolf knurrte hasserfüllt und unternahm einen erneuten Angriff. Er wollte diesen unverschämten Bastard töten, zerreißen und zerfetzen. Niemand legte sich mit Fenrir Greyback an, wenn er sich in seiner Wolfsgestalt befand. Niemand. Selbst der dunkle Lord hütete sich davor.

Heiße Wut verschleierte Greybacks Sicht für eine Sekunde. Eine Sekunde, die er unkonzentriert war. Eine tödliche Sekunde zuviel.

Greyback spürte eher den Hieb, als dass er ihn kommen sah. Der Hieb, der seinen Kopf vom Rumpf trennte. Der letzte Gedanke den Greyback hatte, war die Erkenntnis, dass dieser Fremde schneller als der Tod war.

Mit einem satten Geräusch landete Greybacks Körper auf den Waldweg, während sein Kopf ein paar Meter weiter entfernt zu Boden fiel. Blut strömte wie bei einer Fontäne aus der großen Wunde. Gleichzeitig begann sich der Körper wieder in einen Menschen zu verwandeln.

Silver atmete tief aus und schwenkte Shinigami um das Blut zu entfernen. Die Klinge war so beschaffen, dass es wie von einer Lotusblüte abtropfte. Dann schob er es zurück in seine Scheide. Mit einem flüchtigen Grinsen stieß er Greyback mit dem Fuß in die Seite.

"Das war für Moony!" klang der Teenager zufrieden.

Ein leises Klappern erregte seine Aufmerksamkeit und er erinnerte sich wieder an das Kind. Langsam drehte er sich um und näherte sich behutsam dem Jungen.

"Hey, keine Angst, Kleiner. Ich tue dir nichts." sagte Silver weich und streckte die Hand aus. Er wollte dem Jungen zeigen, dass er keine Waffe in der Hand hielt.

Der Junge war nicht älter als 8 oder 9 Jahre. Schmutzigbraunes, kurzes Haar mit blonden Strähnchen und braune Augen. Augen, die weit aufgerissen waren.

"Schhhhh. Es ist vorbei. Niemand wird dir weh tun." ging Silver vor dem Kind in die Hocke und schlug seine Kapuze zurück. Er legte seine Hand auf die linke Hand des Jungen, die sich noch immer um den Griff seines Fahrrades klammerte. Jetzt, wo er sich dicht bei den Jungen aufhielt, konnte er förmlich die Furcht und den Harn riechen.

"Wie heißt du, mein Kleiner?" fragte Silver mit einem beruhigenden Lächeln.

"J... Jimmy. Jimmy Webster. Sir." flüsterte Jimmy.

"Jimmy also. Ein netter Name. Aber du musst wahrlich nicht Sir zu mir sagen." schmunzelte Silver. Er griff unter seine Jacke und holte ein kleines Fläschchen hervor. "Hier, trinke bitte das. Es wird dir helfen, dich zu beruhigen." reichte er sie dem Jungen. Jimmy schluckte und konnte nur mühsam seine rechte Hand von dem Griff lösen. Sie zitterte so stark, dass Silver die Flasche selbst entkorkte und Jimmy an die Lippen hielt.

"Es wird nicht schmecken, aber helfen. Vertrau mir." sagte er bevor er den Inhalt in Jimmys Mund stürzte. Der Junge schluckte brav und verzog das Gesicht.

"Buäh!" schüttelte er sich. Dann setzte die Wirkung ein und er entspannte sich deutlich.

"Besser?" lächelte Silver.

"Viel besser." lächelte Jimmy blass zurück. Er staunte, als der silberhaarige Teenager eine Hand über seine Front schwenkte und es ihm warm wurde. Die klamme Feuchtigkeit, die noch eben seine Unterhosen an seiner Haut kleben ließ, verschwand wie durch Zauberei.

"Du solltest in Zukunft nicht mehr nachts durch den Wald gehen, Jimmyboy. Es ist gefährlich, wie du bemerkt hast." sagte Silver streng.

"Ja, Sir." wisperte Jimmy und senkte schuldig den Kopf.

"Gut. Mehr sage ich nicht dazu." grinste Silver und zerwuschelte das dichte Haar des Jungen. "Komm, ich bring dich an den Waldrand. Von dort wirst du sicher nach Hause finden?" schlug der Teenager vor. Jimmy nickte nur. Er war froh, dass er nicht mehr alleine im Wald war. Silver schirmte Greybacks Leiche gegen Jimmys Blick ab und begleitete den Jungen. Es war nur noch ein kurzer Gang von knapp 10 Minuten und Jimmy atmete erleichtert auf, als er endlich die Lichter seines Dorfes sah.

"Warte bitte einen Augenblick, Jimmy." hielt ihn Silver zurück, als der Junge das Tempo beschleunigte. Vertrauensvoll drehte sich Jimmy um. "Obliviate." schwenkte Silver seine rechte Hand vor Jimmys Augen die sofort unscharf wurden. "Du bist ohne Probleme durch den Wald gegangen. Du hast niemand gesehen oder auch nur bemerkt. Aber du hast dich in der Dunkelheit gefürchtet und wirst es nicht wieder tun." sagte Silver.

Er zog sich in den Wald zurück und wartete bis der Junge aus seiner Benommenheit erwachte.

"Oh Manno. Bin ich froh aus dem Wald zu sein! Nie wieder." konnte er Jimmy murmeln hören. "Mist, Blöder Schlauch." stieß er frustriert einmal gegen den hinteren Reifen, bevor er sich wieder auf den Weg machte. Langsam entfernte er sich vom Wald und Silver ließ ihn nicht aus den Augen.

"Leb wohl, Jimmyboy. Pass auf dich auf, Kleiner." murmelte er erleichtert, als der Junge den Ortsrand endlich erreichte.

Er reiste zurück zu dem Kampfplatz und levitierte Greybacks Leiche hinter ein Dickicht. Dann verbannte er die Blutspuren und alle Beweise auf einen Kampf. Schließlich markierte er den Ort, an dem die Leiche lag, mit einem magischen Zeichen. Die Auroren würden sich um alles andere kümmern.

TBC..

A/N: Junge, da hat Jimmyboy wirklich Schwein gehabt. Beinahe wäre er Greybacks Nachtmahl geworden. Im nächsten Kapitel jagt Silver ganz andere Monster. Lasst euch überraschen. Bis danne,

Marius