VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.

A/N: Heute das kürzeste Kapitel. Es war am Anfang länger, doch ich fand dann die letzte Sequenz am besten um einen Bruch zu machen.

Marius

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KAPITEL 5

Es war bereits der nächste Abend als sich Silver wieder in der Winkelgasse sehen ließ. Er sah viele besorgte Gesichter und wusste sofort, dass die Nachricht vom Tod Greybacks und der beiden Todesser bereits ihre Runde machte. Die Leute fürchteten Voldemorts Rache und das nicht zu Unrecht.

Was würde erst morgen los sein?

Der schlanke Teenager zog sich etwas in die Schatten zurück und beobachtete sorgfältig. Er hatte eine entspannte Haltung eingenommen und ein Teil seiner Aufmerksamkeit war auf seine Gedanken gerichtet. Es war nicht so, als ob er heute den ganzen Tag nur gefaulenzt hatte. Wirklich nicht.

Nachdem er sich von seiner Nachtruhe erhoben und eine lange Dusche genommen hatte, war Silver wieder in Meditation verfallen. Seit er aktiv war, nagte etwas an ihm. Es dauerte nicht lange, bis er auf den Grund für dieses Gefühl stieß.

Wie hatte Voldemort es geschafft, den Schicksalshaften Abend des 31. Oktober 1981 zu überleben?

Harry selbst, überstand den Todesfluch nur wegen uralter Magie und dem selbstlosen Opfer seiner Mutter. Doch was schützte Voldemort?

Es dauerte nicht lange und Silver, der über die Erinnerungen Harrys verfügte, fand die Antwort.

Tom Riddle's Tagebuch!

Der verdammte Mistkerl hatte Horcruxe erschaffen. Ankersteine für seine Seele.

Jetzt war die Frage, wie viele er erschaffen hatte? Drei oder fünf? Silver nahm nicht an, dass Voldemort so wahnsinnig war und mehr als fünf erschaffen hatte. Selbst diese Anzahl war riskant und gefährdete seine Menschlichkeit.

Bevor die Horcruxe nicht zerstört waren, würde jeder Versuch den dunklen Lord zu töten, aussichtslos sein. Der Bastard würde immer wieder auferstehen.

Im Grunde ein vergebener Kampf für einen Zauberer.

Doch Silver war kein normaler Zauberer. Weit davon entfernt. Er war ein Assassine, eine Kreatur, basierend auf uralter Magie, mit Möglichkeiten die einem normalen Zauberer oder Hexe verwehrt waren.

Er würde die Horcruxe aufspüren und vernichten. Leider musste er sich dazu Voldemort nähern, um die Verbindungen zu dessen Horcruxen nachgehen zu können.

Normalerweise kein leichtes Unterfangen, da sich Voldemort nur sehr selten aus seinem Versteck wagte. Normalerweise! Doch Carver hatte verraten, dass sein Meister einen Angriff auf ein Ziel persönlich führen würde. Die Gelegenheit für Silver.

Morgen früh, um 4 Uhr, um genau zu sein, würde Voldemort mit seinen Anhängern die Festung Askaban stürmen.

Silver hatte ein Lächeln auf den Lippen, als er daran dachte und verschwand lautlos aus der Winkelgasse.

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Er erschien wieder auf einer Klippe die weit ins Meer ragte. Kälte und durchdringende Feuchtigkeit war das erste, was Silver registrierte. Dann konnte er die nahe Präsenz der Dementoren fühlen. Mit dem Unterschied, dass sie weiter keinen Effekt auf seine Psyche hatten. Ja, er hatte sein Ziel gefunden.

Askaban.

Eine felsige, karge Insel inmitten des stürmischen Nordmeeres. Stets hingen dunkle Wolken über dieser Insel. Umgeben von starken Schutzbannen, Abwehrzaubern und geschützt von einer Riege Auroren und der gesamten Population der Dementoren. Hier konnten sie sich ungehindert an ihren Opfern laben oder sogar ab und zu eine Seele aussaugen. Die wohl fürchterlichste und endgültigste Art und Weise seine Existenz zu beenden. Selbst die unzähligen Todesopfer, die durch die Überfälle der Todesser starben, hatten zumindest die Chance, dass ihre unsterblichen Seelen das Jenseits erreichten. Oder oft sogar die Reinkarnation. Doch nicht die Seelen die die Dementoren erbeuteten. Diese waren für alle Zeit verloren. Verdaut und zerstört durch die abscheulichste Kreatur die existierte. Und diese Kreaturen hatte das Ministerium für Magie eher nur lax in der Hand. Es gab keine bekannte Methode einen Dementor zu zerstören und sie waren nur mit Hilfe von sehr alten Artefakten zu steuern. Einst soll es eine Möglichkeit gegeben haben sie endgültig zu zerstören. Einst. Doch fast alle heute lebenden Zauberer und Hexen hielten dies für eine Legende, einen Mythos. Ein Mythos wie Atlantis oder die anderen uralten Königreiche der Magie. Doch es existierten noch Reste dieser uralten Königreiche. Überbleibsel die heute niemand mehr als diese erkannte.

Überbleibsel wie Askaban.

Hier vegetierten die Verurteilten der Zaubererwelt. Mörder, Diebe, politische Gefangene, jene die gegen die Geheimhaltungsgesetze verstoßen hatten und auch die Todesser. Zumindest diejenigen, die sich nicht aus ihrer Haft freikaufen konnten. Oh ja, die Administration der britischen Zaubererwelt war korrupt wie keine zweite. Alte Seilschaften, Verwandtschaftsbeziehungen und das rassistische Denken der alten Familien, ermöglichten das Unmögliche. Selbst den Freikauf eines gewissenlosen Mörders, der Dutzende dahin gemordet hatte. Solange die Opfer keiner alten Purblutfamilie angehörten, war alles nur halb so wild. Dass Muggel nicht viel zählten, war nicht nur Voldemorts Ansicht. Dieser Sumpf aus Arroganz, Engstirnigkeit, Bigotterie und Rassismus hatten seinen Aufstieg überhaupt erst ermöglicht.

Es war im Grunde verwunderlich, dass die Gemeinschaft der Zauberer all dies bisher überstanden hatte.

Silver wusste, dass es an der Zeit war, daran etwas zu ändern. Aber nicht er würde es sein. Nein, andere mussten diesen Weg einschlagen. Doch was er machen konnte, war das Feld zu bestellen, auf denen diese anderen die Saat ausbringen konnten.

Und heute war ein guter Tag, damit anzufangen.

Der silberhaarige Teenager lächelte freudlos und machte sich auf den Weg. Geschmeidig erklomm er die Klippe und verbarg sich in einer dunklen Nische und bereitete sich vor.

Gut drei Stunden später, es war inzwischen die Nacht hereingebrochen, verließ er sein Versteck. Er konnte von seinem Standort aus, gut den Kai erkennen, an dem das Boot mit den Auroren anlegte. Der Wachwechsel stand unmittelbar bevor.

Die Festung Askaban wurde nur zweimal täglich angesteuert. Früh um 9:30 und abends um 21:30. Längere Schichten für die Wachen waren nicht zumutbar und selbst diese 12 Stundenschichten waren äußerst belastend für die Wachen. Wer hier Dienst schob, gehörte zu den abgehärtesten, dickhäutigsten und widerstandfähigsten des Aurorenkorps. Der Dienst auf dieser Insel wurde mit dicken Zuschlägen, Bonuszahlungen, Beförderungen und längeren Urlaubszeiten versüßt. Doch auch so war es sehr schwierig Kandidaten zu finden. Deshalb bewachten nur 10 Auroren pro Schicht, knapp 180 Gefangene und rund 300 Dementoren.

Besuche durch Familienmitglieder der Gefangenen waren nur einmal im Vierteljahr erlaubt. Die wenigsten unternahmen einen zweiten Besuch.

Silver beobachtete wie die Wachen das Boot verließen. Sie hatten einen weiteren Gefangenen dabei, der leicht in die Knie ging, sobald sie die steinerne Landungsbrücke betraten. Vorsichtig streckte Silver seine Fühler aus, um festzustellen, ob der Gefangene ein gekennzeichneter Todesser war.

Kein Ergebnis. Es war irgendein armer Hund, der irgendetwas verbrochen hatte. Was nicht schwer war. Es gab so viele Beschränkungen und Gesetze, dass es einfach war, hier zu enden. Selbst das Alter spielte früher nur eine untergeordnete Rolle. Auch wenn es meist vermieden wurde, ein Kind hierher zu schicken. Gut, zumindest kein Kind aus einer Purblutfamilie. Bei Muggelgeborenen war man früher nicht immer so nachsichtig gewesen. Erst seit rund 90 Jahren wurde dieser Praxis nicht mehr stattgegeben. Doch davor...!

Auf Askaban waren dutzende Muggelgeborene Kinder, einsam und meist dem Wahnsinn verfallen, elendig gestorben. Kinder, die fast immer unwissentlich durch unbeabsichtigte Magie, ausgelöst durch kindliche Emotionen wie Wut und Zorn, Zerstörung in der Muggelwelt angerichtet hatten. Ihren Eltern und Geschwistern rücksichtslos entrissen und hier auf Askaban von der Zauberergemeinschaft vergessen. Einer Gemeinschaft, die grausam und erbarmungslos agierte. Und oft keine Gnade kannte. An diesem Zustand hatte sich eigentlich nur sehr wenig geändert. Silver seufzte unhörbar. Er konnte, sogar nach diesen vielen Jahren, immer noch die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit dieser vergessenen Kinder fühlen. Sie hatten sich wie Säure, für alle Ewigkeit, in den Fels gebrannt.

Auch sie würde er rächen.

Eine halbe Stunde später verließ die Tagesschicht die Festung und enterte müde die Fähre. Nur fünf Minuten später war das Boot schon außer Sicht. Ab jetzt, wäre die Festung für rund 11 Stunden unerreichbar von außen. Keine Flohverbindung, Apparation oder Portschlüssel. Askaban war, bis auf das magische Alarmfeuer, von der Außenwelt abgeschnitten.

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Die Wachen hatten ihren ersten Rundgang hinter sich und trafen sich im Aufenthaltsraum wieder. Hier waren sie ein wenig vor der Wirkung der Dementoren abgeschirmt und konnten sich etwas entspannen. Nur alle zwei Stunden unternahmen 8 der Wachen einen Rundgang und kontrollierten die Zellen oder die Gänge. Das Geschrei oder Wimmern der Gefangenen nahmen sie gar nicht mehr richtig wahr. Das war eines der ersten Dinge, die ein Askabanwächter lernen musste. Auch so, war es noch schlimm genug und alle waren froh, wenn sie zurück in der Wärme der Wachstube waren. Dass ein Mann wie Sirius Black hier 12 Jahre überstehen konnte, ohne dem Wahnsinn zum Opfer zu fallen, war allen ein Rätsel. Alle der Häftlinge endeten grundsätzlich in der geistigen Verfassung einer Bellatrix Lestrange oder gar noch schlimmer. Je länger die Haft, umso sicherer der Wahnsinn. Das war zumindest die Meinung der Wachen. Keiner von ihnen wusste, dass Sirius unschuldig gewesen war und so seine Menschlichkeit bewahren konnte. Keiner wusste auch, wie viele Unschuldige hier ihr Leben ließen. Keiner wollte auch nur daran denken.

Kenneth Henderson, Auror erster Klasse, war der heutige Schichtleiter und auch der Dienstälteste der Wachen. Seit rund sechs Jahren schob er auf Askaban nun schon Dienst und zählte sich selbst zu den Veteranen. Als Schichtleiter ging er nicht mehr selbst auf Streife, sondern teilte diese Aufgabe den Kollegen zu. Dafür blieb der Papierkram an ihm hängen, aber das übernahm er gerne. Nur alle paar Wochen, wenn einer der Gefangenen verstorben war, musste er die dunklen und feuchten Gänge zu den Zellen durchschreiten, um den Totenschein auszustellen. Er hoffte natürlich, dass ihm dieser Gang heute erspart blieb.

"Und? Unser neuer Kunde untergebracht?" fragte er den Kollegen, der als letzter die Wachstube betreten hatte.

"Natürlich, Chef. Wir mussten ihn die letzten Meter schleifen, da ihm immer wieder die Knie wegknickten. Zelle 167, Block C war doch richtig?" grinste der Auror roh und setzte sich.

"Hmm!" brummte Henderson zustimmend. Seine Aufmerksamkeit war auf die neue Akte vor ihm gerichtet. Als er wieder aufblickte, stutzte er kurz. "Hey, wachen sie auf, Dorsett." schnauzte er seinen Untergebenen an, der anscheinend eingenickt war. Empört wollte er aufspringen, als ihn plötzlich selbst Müdigkeit übermannte und er in seinem Stuhl zusammen sackte. Er bemerkte nicht mehr, dass alle der Wachen schlummerten. Wenige Sekunden später war er tief und fest eingeschlafen und hatte keine Möglichkeit mehr, den Alarm auszulösen.

"Schlaft schön!" lächelte Silver spöttisch und sah zufrieden auf die Wachen. Ein einfacher Schlafzauber hatte die gesamte Hartgesottene Wachmannschaft von Askaban ausgeschaltet. Es war geradezu lächerlich einfach gewesen. Keiner hatte ihn kommen sehen oder auch nur bemerkt. Er näherte sich dem Schreibtisch von Henderson und durchsuchte die Schubladen. Er fand schnell was er suchte. Eines von zwei Artefakten, mit denen die Dementoren gesteuert werden konnten. Keiner wusste wie sie funktionierten, selbst die Experten aus der Abteilung der Mysterien nicht. Sie waren uralt aber immer noch funktionsfähig.

Dieses hier, war ein einfacher, silberner Krummstab. Mit Ringen aus eingelegten Lapislazuli und fremdartigen Glyphen. Es wirkte, wie das Zepter eines Pharao. Was es möglicherweise sogar einst war. Damit konnte der oberste Wachhabende alle Dementoren in einen gesicherten Bereich treiben. Dieser war an seinen Grenzen mit alten Runen bestückt und vermochte die Dementoren für eine geraume Zeit halten. Wenn auch nur für maximal einige Tage.

Der Teenager verließ die Wachstube und näherte sich den Gefangenentrakt. Es dauerte nicht lange, bis er auf die ersten Dementoren traf. Sofort lösten sie sich von den Zellentüren und näherten sich ihm und so zögerte Silver nicht länger. Es gab einen Schieber aus Kristall, der das Artefakt auslöste und Silver schob diesen nun nach vorne. Ein schwacher silberner Schein breitete sich von dem Stab aus und die Dementoren stoppten sofort.

Vorsichtig trat er zurück und deutete mit dem Stab auf den Ausgang. Widerwillig gehorchten die Seelensauger und glitten an Silver vorbei ins Freie. Einer nach dem anderen der Dementoren verließ den Gefangenentrakt, bis nur noch die Häftlinge zurückblieben. Silver hörte Stöhnen, Schreie oder schrilles Gelächter. Eine Kakophonie des Grauens. Er würde sich später um die Gefangenen kümmern. Entschlossen wandte er sich ab und folgte den Dementoren nach außen.

Ein scharfer Wind und eiskalte Regentropfen peitschten ihm ins Gesicht. Es war ein ungemütlicher Ort und die Anwesenheit aller Dementoren trug nicht dazu bei, es erträglicher zu machen. Sie waren in dem dämmrigen Licht nur als Schatten auszumachen. Schatten, die eine Kälte ausstrahlten, die bis in das innerste einer Seele zu reichen vermochten.

Selbst Silver blieb diesmal nicht unbeeindruckt. Es waren einfach zu viele Dementoren anwesend. Doch er wartete stoisch, bis er sicher war, dass auch der letzte dieser Ungeheuer sich hier versammelt hatte, bevor er den Schieber eine weitere Stufe nach vorne schob. Das silberne Glühen des Stabes veränderte seine Intensität und die Runensteine, die in dem gepflasterten Hof integriert waren, leuchteten schwach auf. Von den Dementoren kam ein leises Stöhnen und sie zuckten vor der Grenze weiter zurück und drängten sich dicht beieinander.

"Mal sehen, wie gut Shinigami wirklich ist?" murmelte Silver. Er legte den Stab behutsam ab und zog dann mit einer eleganten Bewegung sein Schwert und schritt selbstsicher in den Runenkreis.

Der erste der Dementoren zögerte nicht lange und löste sich aus der Traube. Lautlos glitt er auf Silver zu und schlug die schwere Kapuze zurück und streckte seine langgliedrigen Finger nach Silver aus. Er hatte keine Augen, und dadurch wirkte der halbgeöffnete Mund des Dementors noch bedrohlicher.

"Ich bin nicht zum Küssen da." grinste Silver herausfordernd und griff an.

Seine Vorwärtsbewegung schien den Dementor zu irritieren. So ein Verhalten war er von seinen Opfern wahrlich nicht gewöhnt. Ehe er weiter reagieren konnte, war Silver schon bei ihm und schlug zu. Die alte Klinge schien in der Dunkelheit aufzuleuchten, bevor sie sich mit einem Sirren blitzartig nach unten bewegte. Der Streich erfolgte so schnell, dass sich Silver schon dem zweiten Dementor zuwandte, als der erste mit einem Kreischen auseinander zu platzen schien.

Askaban hörte einen Laut, den es niemals vorher vernommen hatte.

Den Todesschrei eines Dementors.

Ein Schrei, der alle Gefangenen von Askaban erschaudern ließ. Der Hieb hatte den Dementor von oben links nach rechts unten fast halbiert. Schwarzes Blut spritzte nach allen Seiten und ein fauliger Geruch machte sich breit. Kleinere blaue Flammen, vielleicht Reste von Seelen lösten sich aus dem Kadaver und versammelten sich langsam. Die meisten schienen im Grund zu versinken, andere stiegen etwas nach oben. Silver achtete nur beiläufig darauf, denn seine Aufmerksamkeit war voll und ganz auf seine Aufgabe gerichtet.

Dieser erste Todesschrei versetzte seine Artgenossen in massive Unruhe, doch die Runengrenze hielt dem Druck statt.

Immer wieder schlug Silver zu. In kunstvollen, teilweise fast irrwitzigen Bewegungen, Ausweichmanövern, Finten und mit einer Geschwindigkeit die nicht menschlich schien, aber dafür voller tödlicher Schönheit war, wütete er unter den Seelensaugern. Er strahlte wilde Freude aus und das lockte alle Dementoren zu ihm, auch wenn sie vermutlich ahnten, dass es wahrscheinlich ihre Zerstörung bedeutete. Doch sie kamen gegen ihre ureigenste Natur nicht an. Wie Motten einer brennend heißen Kerzenflamme, so näherten sie sich Silver und dessen Schwert Shinigami, das seinen Namen mehr als gerecht wurde. Immer wieder ertönten grauenvolle Schreie von den dunklen Kreaturen. Immer mehr blaue Flammen schienen den Innenhof zu erhellen und beleuchteten die infernalische Szenerie.

Die Pflastersteine waren inzwischen schmierig vor Dementorblut und dem stärker werdenden Regenfall, doch Silver tanzte unbeirrt seinen tödlichen Reigen. Seine Augen leuchteten grimmig und noch immer kamen seine Hiebe mit unvergleichlicher Präzision, Entschlossenheit und Kraft. Es war im Grunde kein Kampf den er ausfocht. Nein, Silver schnitt durch die Reihen der Dementoren wie ein Schnitter seine Sense schwang. Präzise, mit ruhiger Hand und Methodik. Kein Zögern und kein Zaudern hielten ihn vor dieser Aufgabe zurück. Und er fühlte dasselbe wie ein Bauer, wenn dieser sein Gras schnitt: Tiefe Zufriedenheit und das Wissen, dass diese Aufgabe nötig ist.

Er konnte nicht sagen, wieviel Zeit vergangen war, als er überrascht seine Klinge hob und erkannte, dass nur noch er im Innenhof stand. Um ihn herum, breitete sich ein Meer von leeren Kutten, schwarzem Blut und ein unglaublicher Gestank aus. In der Luft darüber schwebten blaue Flammen die sich jetzt um Silver sammelten und um ihn kreisten. Schneller, immer schneller, bis sich ein strahlend helles Leuchten ausbreitete. Ein beinahe überirdisch wirkendes Licht. Ein Licht, wie es selbst Silver vorher noch nie gesehen oder auch nur gefühlt hatte.

Voller Staunen und Ehrfurcht stand er dort und erkannte die Wahrheit. Es waren Seelen. Die Seelen, die von den Dementoren noch nicht verdaut worden waren. Wer vermochte auch zu sagen, wie lange eine ausgesaugte Seele in einem Dementor ihrer endgültigen Vernichtung entgegen litt? Und so wie es aussah, waren es die Seelen Unschuldiger. Silver war es nicht entgangen, dass der größere Teil der Flammen in den Boden gesunken und dabei erloschen war.

Hatte es sich hierbei um die Seelen ruchloser Mörder und Verbrecher gehandelt? Er konnte es nicht mit Bestimmtheit sagen aber er fühlte, dass es so sein musste. Denn dafür war hier das Licht dieser Seelen einfach zu... beruhigend. Zu Rein. Und es strahlte ein Gefühl tiefster Dankbarkeit aus.

Silver lächelte. Ein echtes Lächeln, das seine Grübchen zeigte und seine durchdringend blauen Augen erreichte. Ein wahrhaft seltener Anblick. Dann verneigte er sich und richtete sich stolz auf. Das Licht schien an Intensität und Kraft zuzunehmen und badete Silver förmlich darin. Dann, ohne Vorwarnung, stieg es kerzengerade in den stürmischen Himmel über Askaban. Die Wolken schienen vor der heiligen Flamme zurück zu weichen und gaben eine Öffnung frei, durch die die Flamme, wie ein Drache aus purem Licht, nach oben stieg und in der Unendlichkeit des Himmels verschwand.

TBC...

A/N: Das war das Askabankapitel. Ich muss gestehen, dass das schreiben dieses Kapitels eine enorme Herausforderung darstellte. Weiterhin gestehe ich, dass ich damit sehr zufrieden bin. Eines der wohl besten Kapitel die ich je geschrieben habe. Eine Anmerkung noch von mir. Landeten Kinder in Askaban? Wahrscheinlich. Noch im 15. und 16. Jahrhundert war es durchaus Sitte, selbst 10jährige Wilddiebe aufzuhängen. Es spielte keine Rolle, ob sie wilderten, um ihre Familien zu ernähren oder ihren eigenen Hunger zu stillen. Die Todesstrafe wurde unerbittlich ausgesprochen und auch vollzogen. Dieben schlug man die Hand ab und selbst im 18. Jahrhundert wurden Kinder des Landes verwiesen und landeten in Strafkolonien in Australien. Es war eine grausame Zeit mit einer gnadenlosen Gerichtsbarkeit. Die Zauberergemeinschaft, die Rowlings portraitierte, hinkte der 'zivilisierten' Welt um gut 200 Jahre hinterher. Also liegt es nahe, dass auch die Justiz nicht gerade fortschrittlich ist.

All das ging mir durch den Kopf als ich über diesen Kapitel brütete. Ich versuchte die Atmosphäre einzufangen, die die uralte Festung Askaban umgibt und dachte daran, dass nicht nur die Todesser hier einsitzen. Ein Gefängnis, das jedem Menschenrechtler die Wände hochtreibt. Kein Beispiel für den humanen Strafvollzug.

Das nächste Kapitel enthüllt Voldemorts Angriff auf Askaban, die Reaktionen der Auroren und des Ministeriums. Schreibt mir bitte, wenn euch dieses Kapitel gefallen hat. Schreibt mir auch, wenn es nicht der Fall sein sollte. Bis danne,

Marius