VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.
A/N: Und es geht weiter. Dieses Kapitel handelt von Voldemorts Angriff auf Askaban. Wie werden die Auroren reagieren? Nun, das lässt sich ganz einfach herausfinden. Lesen! Hehe. Und bitte Reviewen.
Marius
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KAPITEL 6
Der Regen wurde stärker und Blitze zuckten jetzt über das Firmament. Schwerer Donner rollte über das Meer und über die alte Festung von Askaban und schien die Mauern zum Schwingen zu bringen. Dort, inmitten einer der Innenhöfe, stand eine einsame Gestalt. Triefend vor Nässe, bedeckt, von oben bis unten, in einer dunklen Substanz, die einen fauligen, stechenden Geruch verbreitete. Das silberne Haar hing in nassen Strähnen herunter und leuchtete wie Quecksilber. Ein Schwert in seiner rechten Hand, dessen Spitze nun friedlich gesenkt war. Um ihn herum, lagen hunderte von leeren Kutten die einmal die gefürchteten Dementoren von Askaban umhüllt hatten. Sie existierten nicht mehr. Der uralte Schrecken der Zauberer und Hexen, die unzerstörbaren Dementoren waren gefallen.
Gefallen von Silvers Hand.
Askaban.
Noch immer strahlten die wuchtigen Steine diese unmenschliche Kälte aus. Noch immer wirkten die Mauern trostlos und trutzig. Und doch war etwas anders.
"Meine Fresse. Ich stinke wie eine Jauchegrube." rümpfte Silver die Nase. "Brr, Dementorblut. Ekelhaftes Zeug." murrte er angewidert. Zielstrebig schritt er in Richtung des Ausgangs bis er unter einem Torgang stand. Dann wischte er als erstes sorgfältig seine Klinge sauber, bevor er sie zurück in die Scheide schob. Als nächstes leerte er seine Taschen und begann sich auszuziehen, bis er nichts mehr auf dem Leibe trug. Ein nachlässiger Wink seiner Hand setzte seine dreckige Kleidung in Flammen. Brutzelnd und zischend und mit einer purpurnen Stichflamme verbrannte sie zu Asche. Selbst eine sorgfältige Reinigung hätte seine Kleidung und auch die Stiefel nicht mehr retten können.
"Logo. Natürlich muss es arschkalt sein." schüttelte er sich. Schnell nahm er seine Waffen, seine Habseligkeiten und den Dementorstab auf und betrat, nackt wie er war, wieder die Festung. Die Wachen schlummerten noch friedlich und hatten die Vernichtung der Dementoren gar nicht mitbekommen. Im Gegensatz zu den Gefangenen. Doch es herrschte eine unheimliche, fast erwartungsvolle Ruhe im Zellenblock.
Zum Glück gab es auf der Wachstube der Auroren auch ein Bad. Silver stellte seine Truhe ab und vergrößerte sie. Dann nahm er eine lange, heiße Dusche und wusch sich dreimal, bevor er zufrieden war und sich sauber fühlte. Ein wenig später trug er frische Kleidung und neue Stiefel. Er bewaffnete sich wieder und steckte seine Sachen wieder ein. Den Dementorstab behielt er. Ein kleines Souvenir, dass er sich seiner Meinung nach, durchaus verdient hatte.
Silver sah auf die Uhr und wusste, dass er noch gut im Rennen lag. Es war sogar Zeit für eine kurze Meditation und eine Tasse heißen Tee. Eine halbe Stunde später machte er sich, erfrischt und mental gestärkt, auf den Weg in den Zellenblock, nachdem er Henderson den Generalschlüssel für die Zellen abgenommen hatte. Dazu hatte er sich den Belegungsplan geschnappt und suchte sein erstes Ziel auf.
Zelle 43, Block A. Der Hochsicherheitstrakt. Was bedeutete, dass sich hier normalerweise die Dementoren permanent aufgehalten hatten. Der Bereich, in dem die schlimmsten und brutalsten der Gefangen untergebracht waren.
Zelle 43. Hier 'residierte' kein Geringerer als Lucius Malfoy. Der Patriarch und Lord der Malfoyfamilie. Gefangen genommen im Ministerium, als er nur zweiter Sieger gegen eine Gruppe von Fünft und Viertklässlern wurde. Eine echte Schande, für einen gestandenen Todesser und diesmal würde es ihm ungleich schwerer fallen, sich frei zu kaufen.
Doch Lucius hoffte, dass sein Meister diesen Missstand zurecht rücken würde.
Wie alle Gefangenen hatte er diese unwirklichen Schreie gehört und seine Augen hatten ein hoffnungsvolles Leuchten angenommen. War es heute schon so weit?
Aber warum dauerte es so lange? Seit gut einer dreiviertel Stunde herrschte Ruhe und noch immer hatte er kein Zeichen seines Meisters gesehen.
Dann näherten sich Schritte seiner Zelle und eine Gestalt in einem schwarzen Umhang und einer Kapuze, die das Gesicht komplett beschattete, stoppte direkt vor seiner Gittertür.
"Wer sind sie?" fragte Lucius vorsichtig. Es war ihm sofort klar geworden, dass der Fremde kein Todesser war.
"Das ist nicht wichtig, Lucius Malfoy." erwiderte der Fremde ruhig. Seine Stimme war glatt und jung.
"Holen sie mich hier raus. Mein Lord und Meister wird sich erkenntlich zeigen." forderte Malfoy.
"Ich befürchte, dies ist nicht möglich." grinste Silver dünn. Wie bei Carver oder Garson konnte er das Böse fühlen, das Malfoy ausströmte und es kam nicht nur von dem dunklen Mal an seinem linken Unterarm. "Du hast deine Hoffnungen den Falschen angehängt und zu viele Verbrechen begangen, als dass ich dich ungeschoren davon kommen lassen kann, Lucius Malfoy." verkündete er ruhig.
Malfoy schnaubte höhnisch. Seitdem er die Wirkung der Dementoren nicht mehr spürte, war etwas von seiner alten Großspurigkeit und Arroganz zurückgekehrt. Niemand wagte es den Patriarch der Malfoyfamilie ungestraft zu bedrohen. Niemand.
"Deine Opfer warten auf dich, Lucius" wurde Silvers Stimme kälter. Malfoy konnte in dem schwachen Licht, die mattschwarze Muggelwaffe nicht ausmachen, als Silver sie unter seiner Robe hervor zog. Er bemerkte es erst, als der silberhaarige Teenager die Hand anhob und sie auf ihn richtete.
Mit arroganter Haltung und hochgezogener Augenbraue starb Lucius Malfoy, einer der angesehensten und gleichzeitig gefürchtesten Mitglieder des Zaubergarmots, durch eine ordinäre Muggelkugel in Askaban. Ein profaner Tod für den einst so edlen und feinen Hurensohn.
Silver verpasste Malfoy sicherheitshalber noch eine zweite Kugel in den Kopf und wandte sich der nächsten Zelle zu.
'Dolohov, Antonin.' las er vom Zellenbelegungsplan ab. "Interessant, interessant. Einer für Hermine." murmelte der Teenager entzückt.
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Severus Snape, Trankmeister, Lehrer in Hogwarts und Doppelspion für die Seite des Lichtes, war nervös. Vor gut drei Stunden hatte ihn der dunkle Lord in sein Versteck gerufen. Und er war nicht der einzige Todesser. Fast 70 Anhänger des dunklen Lords, und somit fast seine gesamte Anhängerschaft, hatten sich in dessen Landgut eingefunden. Severus wusste sofort, dass dies etwas Großes sein musste und es bestand keine Möglichkeit den Orden zu warnen.
Gleichzeitig machte er sich Sorgen um seine eigene Sicherheit. Dass er nicht in die Pläne eingeweiht worden war, bedeutete nichts Gutes. Misstraute ihm der dunkle Lord bereits? Seine Besorgnis steigerte sich, als Voldemort das Angriffsziel für heute Nacht verkündete.
Ausgerechnet Askaban.
Severus verabscheute das verfluchte Drecksloch aus tiefsten Herzen. Er hatte dort nur einige Wochen verbracht, aber er hatte es nie vergessen.
Natürlich zeigte sein Gesicht kein einziges Anzeichen für seine Besorgnis. Eine stoische Maske, die nur selten bröckelte. Seine Okklumentikschilder waren auf voller Kraft und das half ihm, sich zu sammeln. Er würde beobachten und anschließend Albus berichten. Für die Auroren auf Askaban konnte er nichts mehr machen. Sie waren bereits so gut wie tot. Er verdrängte diesen Gedanken und richtete seine Aufmerksamkeit auf den dunklen Lord.
Voldemort hatte in den letzten drei Stunden haargenau erklärt, was er von seinen Gefolgsleuten erwartete.
"Es ist soweit, meine Getreuen. Ich erwarte einen vollständigen Erfolg und wehe dem, der es wagen sollte, sich aus dem Kampf heraus zu halten. Wir werden siegen und die Dementoren auf unsere Seite ziehen und eure Brüder befreien." hob Voldemort leicht die Stimme. Erregung breitete sich unter den Todessern aus. Erregung und auch Angst. Vor allem die jüngeren konnten einen Schauder nicht unterdrücken.
Bellatrix Lestrange, die einzige der Todesser, die nicht im Ministerium verhaftet wurde, brannte besonders vor Erwartung. Ihr Mann Rodolphus Lestrange und ihr Schwager Rabastan saßen in Askaban ein. Doch nicht mehr lange, wenn es nach ihr oder ihren Meister ging. Severus beobachtete Bellatrix aus den Augenwinkeln und schauderte leicht. Die Hexe war inzwischen völlig wahnsinnig und dementsprechend gefährlich. Nur der dunkle Lord hatte sie im Griff und wehe wenn er sie los ließ.
Es wurden vier Gruppen gebildet die jeweils einen Portschlüssel benutzen würden. Ihr Ziel waren vier Landungsboote, die Voldemort organisiert hatte. Der dunkle Lord selbst, führte die erste Gruppe und hatte ein altes Artefakt bei sich. Keiner seiner Leute wusste, woher er es hatte, aber er hatte ihnen versichert, dass dieses Artefakt die mächtigen Schutzschirme um Askaban zerschmettern würde.
"Auf drei. Ein, zwei, drei. Aktivieren!" gab Voldemort das Kommando. Severus fühlte den Zug hinter seinen Nabel und wappnete sich. Die Umgebung veränderte sich rasant, von Voldemorts Thronsaal zu stürmischen Regen und scharfen Wind. Der Trankmeister ging leicht in die Knie als er landete und richtete sich sofort wieder auf.
Dunkelheit und kalter Regen. Dazu das Auf und Ab der Wellen und einige Brecher, die über die Bordwand schwappten.
"Wir haben eine halbe Stunde, meine Getreuen." erhob Voldemort seine Stimme. Seine roten Augen schienen in der Dunkelheit zu leuchten und er richtete seinen Blick nach vorne.
"Askaban." verzogen sich seine dünnen Lippen zu einem zufriedenen Lächeln.
Severus konnte nur wenig erkennen aber er spürte die schweren Schutzbanne und erkannte sie sofort wieder. Das Gefühl wurde immer deutlicher, je weiter sie sich der Insel näherten und er fröstelte. Nur drei Minuten nach ihrer Ankunft war es soweit. Der dunkle Lord hielt das Artefakt, das einfach nicht richtig zu sehen war, in seiner rechten Hand nach vorne und sprach eine lange, unverständliche Inkanation. Dann machte er eine scharfe, schneidende Bewegung und was immer er in der Hand hielt, leuchtete in einem kränklichen, gelben Licht auf.
Mit einem Donnern brachen die alten Schutzbanne in sich zusammen und Voldemort fluchte unterdrückt. Snape konnte erkennen wie er seine rechte Hand schüttelte und dann einen Heilungszauber sprach. Das Artefakt selbst war nicht mehr zu sehen, wahrscheinlich durch die Macht des Zaubers zerstört. Severus hoffte dies zumindest, denn er wünschte nicht, dass der dunkle Lord es gegen die Schutzbanne Hogwarts einsetzte.
"Voran, Männer. Askaban harrt unser." gab Voldemort den Angriffsbefehl und Severus verdrehte leicht die Augen. Pathetischer Bastard!
Ohne Widerstand näherte sich die kleine Flotte der Landungsbrücke und legte an. Voldemort sprang geschmeidig an Land und scheuchte seine Männer vorwärts. Er selbst blieb etwas zurück und folgte ihnen. Eine Vorgehensweise die er stets so hielt. Seine Todesser brachen den Hauptwiderstand des Feindes, bevor er eintraf und den Rest erledigte. Manche mochten dies für feige halten, doch in den Augen der meisten Todesser war dies ein kluges Verhalten, eben eines Slytherins würdig.
Es gab keinen Widerstand, als die Todesser das Tor zu der Festung zerstörten. Auch nicht, als sie eindrangen und Severus fühlte einen Knoten in seinen Magen wachsen. Das war nicht gut. Das war sicher nicht gut.
Er und die anderen des inneren Zirkels hielten sich bei ihren Meister und überließen den Fußsoldaten die Aufgabe. Noch immer war nicht ein Zeichen von den Wächtern zu sehen, als der dunkle Lord triumphierend die Festung betrat.
"Irgend etwas stimmt hier nicht, mein Lord." wagte Pettigrew zu sagen. Überlass es der Ratte einen Hinterhalt zu riechen, dachte Severus säuerlich. Gleichzeitig war er froh, dass nicht er es war, der seine Bedenken laut äußerte.
"Schweig, Wurmschwanz." zischte Voldemort. "Niemand ist uns gewachsen. Ich erwarte mehr oder weniger, dass sich die Wachen ergeben werden." ließ er sich zu einer Erklärung herab. Pettigrew schluckte und nickte eifrig.
"Was soll mit ihnen geschehen, mein Lord?" fragte Yaxley vorsichtig.
"Tötet sie. Tötet sie schnell, als Beweis für meine Gnade." lächelte Voldemort grausam.
"Sehr wohl, Meister. Es soll so geschehen, wie ihr befiehlt." verbeugte sich Yaxley leicht.
"Überlasst mir ein paar, Meister." gurrte Bellatrix erwartungsvoll.
"Natürlich, Bella. Natürlich." lachte Voldemort dunkel.
Die kleine Gruppe um Voldemort hatte inzwischen den Bereich der Wachräume erreicht und noch immer waren die einzigen die zu sehen waren, die Todesser. Jetzt wurde langsam auch Voldemort misstrauisch und zückte seinen Stab. Einer der niedrigen Ränge näherte sich seinen Meister und ging vor ihm auf ein Knie und machte Meldung.
"Mein Lord! Die Festung ist verlassen." hielt er den Kopf gesenkt.
"Unmöglich!" zischte Voldemort wütend und seine Aura flammte auf. Jeder wich instinktiv zurück.
Ein weiterer Todesser näherte sich und stoppte als er die Wut seines Meisters erkannte. Er hielt eine zerrissene Kutte in der Hand und schluckte schwer.
"Komm näher!" entging er nicht der Aufmerksamkeit des dunklen Lords.
"Ja, mein Lord." zitterte die Stimme des Todessers. Er war noch jung, vielleicht 20 Jahre alt und wenn er keine Maske tragen würde, könnte man ein bekanntes Gesicht mit großen, unregelmäßigen Zähnen sehen.
"Was kannst du mir berichten, Flint? Sprich." forderte Voldemort den ehemaligen Kapitän der Slytherinmannschaft auf.
"Wir... wir haben keine Spur der Dementoren gefunden, mein Lord. Nur diese leeren Kutten auf einen der Innenhöfe!" hielt Marcus Flint die blutverschmierte Kutte hoch.
"Wer wagt es...?" verstummte Voldemort voller Zorn und richtete seinen Stab auf den vor ihn kauernden jungen Todesser. "Ich dulde keine Misserfolge." kreischte er. "Avada Kedavra!" ein grüner Strahl löste sich aus seinem Stab und traf Flints Kopf. Der junge Todesser hatte nicht einmal mehr die Zeit aufzuschreien und klappte wie eine Gliederpuppe, der man die Schnüre geklappt hatte, tot zusammen.
Severus seufzte lautlos, als er den sinnlosen Tod seines ehemaligen Schülers miterleben musste. Das war der Preis für die Gefolgschaft des dunklen Lords. Der Tod! Wieder einen seiner Schlangen, die er nicht vor diesem Schicksal hatte retten können.
"Ich will wissen, wer dafür verantwortlich ist!" atmete Voldemort schwer und beruhigte sich nur mühselig. Es war keine Frage, sondern ein Befehl.
"Ja, mein Lord." ertönte es angsterfüllt im Chor.
"Durchsucht die Zellen. Durchsucht die Festung. Lasst keinen Stein auf den anderen und bringt mir den Bastard. Doch bringt ihn mir lebendig." knirschte Voldemort in ohnmächtiger Wut.
"Wie ihr befiehlt, mein Lord und Meister." ging Jenson, einer der neuen Todesser, ehrerbietig auf ein Knie.
Doch bevor Voldemorts Befehle ausgeführt werden konnten, schwebte ein rotes Papierflugzeug durch den dunklen Gang auf den dunklen Lord zu und entfaltete sich.
"SELBSTZERSTÖRUNGSSEQUENZ AKTIVIERT. ZWANZIG, NEUNZEHN, ACHTZEHN...!" ertönte eine gelassene, freundliche Frauenstimme, die jedem StarTrek-Fan sofort bekannt vorgekommen wäre. Sie stoppte abrupt, als ein dunkler Fluch Voldemorts den Heuler in Flammen aufgehen ließ.
'Selbstzerstörung?', ächzte Severus innerlich. 'Ich wusste, das bedeutet nichts Gutes. Scheiße, nur weg hier!' schoss es ihm durch den Kopf. Er war anscheinend nicht der einzige.
"Ein Bluff, mein Lord." winkte einer der dümmeren Todesser ab.
"Glaube ich nicht!" verneinte Jenson vehement.
Voldemorts rote Augen flammten vor Wut und Hass auf.
"Rückzug. Jetzt." schnappte er und apparierte augenblicklich. Seine Anhänger folgten nach einer Sekunde. Severus war froh, dass die Antiapparations und Antiportschlüsselschirme zerstört waren. Sonst wäre eine schnelle Flucht nicht möglich gewesen.
Die anderen Todesser jedoch, die sich noch tief in der Festung aufhielten, bemerkten es nicht und blieben zurück.
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Kingsley Shacklebolt war einer der Diensthabenden Auroren in dieser Nacht. Der dunkelhäutige, glatzköpfige große Auror mit dem goldenen Ohrring, mochte normalerweise die Nachtschicht. Normalerweise. In Friedenszeiten bot die Nachtschicht höchstens ein paar Betrunkene oder einen Einbruch. Doch jetzt, seit Voldemorts Rückkehr, sah die Sache anders aus. Es hatte in den letzten Tagen einige Alarme gegeben und Shack, wie ihn seine Freunde nannten, war an etlichen Tatorten erschienen, um aus allernächster Nähe das Grauen zu erleben, das dieser Krieg in sich führte. Die vielen Toten, oft verstümmelt und zu Tode gefoltert. Ungeachtet von Geschlecht oder Alter.
Shack war verheiratet, doch noch ohne Kinder. Er liebte Kinder sehr, aber er und seine Frau hatten sich dazu entschieden noch ein wenig zu warten. Jetzt wünschte er, dass er nicht so lange gezögert hätte. Wer weiß, ob er je die Gelegenheit haben würde, eigene Kinder in die Welt zu setzen? Kleine Shacklebolts, die um seine großen Füße herum krabbeln würden? Ein schönes Bild.
Auf der anderen Seite war er auch froh, dass er noch Kinderlos war. Er musste nur an den Tatort vor fünf Nächten denken und an das tote Kind, dass er aus den Trümmern des Hauses bergen musste. Es gab nicht viel, was die Gleichmut des großen Aurors erschüttern konnte, doch dies war eines der Dinge, die es mühelos schafften.
Die Ereignisse hatten nur seinen Beschluss verstärkt, mit all seiner Kraft gegen die Todesser und Der-nicht-genannt-werden-darf vorzugehen. Deshalb hatte er keine Gewissensbisse gehabt, als Carver und Garson aufgefunden wurden. Zwei Todesser weniger? Umso besser, war seine Meinung.
Shack hatte es sich hinter seinem Schreibtisch bequem gemacht und streckte seine langen Beine. Er spürte jetzt, so knapp vor 4 Uhr früh, den Tiefpunkt der Nachtschicht. Es erging den meisten so. Wenn wenig zu tun war, nickten viele zu diesem Zeitpunkt ein. Bis jetzt war die Nachtschicht recht ereignislos gewesen. Nur Routinefälle, wie sie 365 Mal im Jahr vorkamen und er war nicht böse deswegen. Er warf einen müden Blick zu den Kollegen. Es hielten sich im Moment noch vier weitere Auroren im Büro der Nachtschicht auf und alle wirkten angeschlagen.
"Kaffee, Shack?" fragte ihn sein Kollege Martin Donahue.
"Bloß nicht. Dein Kaffee gehört verboten, Marty. Der frisst sich glatt durch meine Magenschleimhaut." winkte Shacklebolt mit einer Grimasse ab.
"Dann ist er genau richtig." grinste Donahue breit. Sein Kaffee war legendär und gefürchtet und er war der einzige der ihn genoss. Jeder Auror hatte einmal Martys Gebräu probiert, doch selten ein zweites Mal.
"Merlin, wie kannst du das Zeug nur trinken?" brummelte einer der anderen Auroren.
"Mit Genuss, mein Freund. Mit Genuss. Salute." hob Donahue spöttisch seine Kaffeetasse. Er kam nie dazu einen Schluck zu nehmen, denn in diesem Moment ging der Alarm los. Alle waren sofort wach und sahen zur Tafel. Ein Alarm der höchsten Stufe.
"Heilige Scheiße. Askaban." wurde Shacklebolt blass.
"Die Schutzbanne und Schilder sind gefallen, Shack." berichtete Marty, nachdem er ein paar seltsame Kristalle untersucht hatte.
"Ruft alle verfügbaren Auroren zum Dienst. Wir treffen uns in zehn Minuten im Atrium. Marty, du besorgst die Portschlüssel nach Askaban. Dietz, sie informieren den Minister. LOS. LOS. LOS! " brüllte Kingsley Anweisungen und Befehle.
Das riss seine Leute aus der Erstarrung. Shacklebolt schlüpfte blitzschnell in seine Kampfroben und eilte in Richtung Ausgang. Das große Atrium, der Eingangsbereich des Ministeriums, war sein Ziel. Nur von dort war es möglich heraus zu apparieren oder Portschlüssel zu verwenden. Alle anderen Bereiche des Ministeriums, waren aus Sicherheitsgründen, nur über die Flohverbindung zu erreichen.
Zwei seiner Leute warteten bereits auf ihn und in der nächsten Minute trafen sieben weitere Auroren ein. Shacklebolt verspürte Stolz, als seine Kollegen so schnell reagierten. Die meisten hatten bereits tief und fest geschlafen und doch waren sie innerhalb von knapp fünf Minuten eingetroffen. Auch Tonks war darunter und ihr Haar zeigte ein dunkles Blau. Ein Anzeichen ihrer Nervosität.
"Askaban, Shack? Das wird echt haarig." grüßte sie ihren Kollegen.
"Da kannst du deinen süßen Hintern darauf wetten, Tonks." knurrte Shacklebolt. "Wir warten auf Marty und die Portschlüssel. Ich kann nur hoffen, dass genug Kollegen den Alarm vernommen haben."
"Weniger als 20 von uns sollten es nicht sein, Shack. Wenn es wahr ist, dann wird Du-weißt-schon-wer dort sein." warf einer der anderen Auroren nachdenklich und auch besorgt ein.
"Hmm. Ich stimme dir zu, Mann. Alles andere wäre Selbstmord." nickte er nach kurzem überlegen.
Der nächste der eintraf war Moody. Keiner der Auroren wies ihn darauf hin, dass er eigentlich längst außer Dienst war. Im Gegenteil. Sie waren froh, den alten Kämpen bei sich zu wissen. Shacklebolt hob nur eine Augenbraue und nickte seinem alten Chef zu. Mad-Eye knurrte nur als Erwiderung.
Amelia Bones, die Direktorin traf gleichzeitig mit zwei weiteren Auroren ein. Schnell brachte sie Shacklebolt auf den neuesten Stand der Dinge. Nicht, dass es viel war, was er wusste.
"Gut so, Kingsley. Sie leiten wie gehabt die Aktion. Ich werde mich ihnen anschließen." erklärte Bones.
"Mit allen Respekt, Ma'am. Ich halte das für keine gute Idee." wagte Kingsley den Widerspruch.
"Und warum nicht?" musterte sie den Auror kühl durch ihr Monokel.
"Sie sind die Direktorin und zu wichtig." erwiderte der Auror steif.
"Er hat Recht, Amelia und du weißt es." knurrte Mad-Eye.
"Verdammt Alastor. Komm mir nicht mit Vernunft." schnaubte Madame Bones. Moody erwiderte ihren Blick ungerührt und sie seufzte. "Also gut." gab sie nach und registrierte nicht die Erleichterung ihrer Leute. Amelia Bones war einst eine erstklassige Aurorin gewesen, aber jetzt ein wenig aus der Übung.
Wenige Minuten später zählte Shacklebolt noch einmal durch und gab wider seines besseren Wissens den Befehl zum Aufbruch. Gerade als er seine Leute um sich sammeln wollte, erschienen wie aus dem Nichts, Dutzende von regungslosen Personen.
"Hölle und Verdammnis!" brüllte Moody los und sein blaues Auge drehte sich wie verrückt in seiner Höhle.
"Noch nicht starten, Kingsley!" schnappte Bones und musterte scharf die Ankömmlinge. "Das sind die Wachen und die Gefangenen von Askaban." erkannte sie sofort.
"Nähert euch vorsichtig und scannt sie sorgfältig. Achtet auf Portschlüssel!" gab sie Befehle. Es war gut, dass sich rund 20 Auroren bereits im Atrium befanden und die Sache in die Hand nahmen. Die Wächter waren schnell aufgeweckt und sahen sich verwundert um. Die Gefangenen beließ man in ihren Zustand und zählte sie durch.
"Hier ist ein Brief an sie, Ma'am!" winkte ein Auror die Direktorin zu sich.
Bones näherte sich sofort und wartete dann zwei Schritte entfernt auf Entwarnung. Sie musste ihren Auroren nicht sagen, dass sie den Brief erst untersuchen mussten. Sie waren gut geschult und kannten ihr Handwerk. Geduldig wartete sie bis eine schrille Stimme sie aus ihren Gedanken riss.
"Was ist hier, in Merlins Namen, nur los? Erklären sie, Madame Bones?" verlangte Cornelius Fudge zu wissen.
"Wir werden es gleich wissen, Herr Minister. Sobald meine Leute die Freigabe für diesen Brief erteilt haben." hob sie eine Augenbraue. Ihre Miene verriet nicht, was sie wirklich über den Minister dachte.
"Dieser Brief? Geben sie her, Mann!" wollte Fudge danach greifen.
"Ich würde das nicht tun, Cornelius!" wurde Bones Stimme kälter.
"Ach, wieso nicht? Ich bin der Minister für Magie!" erwiderte Fudge pompös.
"Das gibt ihnen noch lange nicht das Recht, an mich adressierte Briefe zu lesen." wenn möglich, wurde Bones' Tonfall noch kühler.
"Äh, natürlich nicht, verehrte Madame Bones." kam dem Minister zu Bewusstsein, dass er nicht alleine mit Bones war. Inzwischen war das Atrium gut gefüllt und auch die Presse war mittlerweile eingetroffen und machte die ersten Bilder.
"Der Brief ist sauber, Ma'am." gab endlich der Auror Entwarnung und reichte ihr den schweren Pergamentumschlag.
"Nun machen sie schon auf, Amelia." verlangte Fudge ungeduldig.
Mit einer eleganten Bewegung zückte die Direktorin ihren Zauberstab und schnitt den Umschlag gekonnt mit einem Zauber sauber auf. Dann zog die einen Bogen heraus und faltete ihn auseinander. Ihre Augenbrauen wanderten nach oben, je länger sie las und ihr Teint wurde merklich blässer.
"Askaban ist gefallen." sagte sie tonlos.
"Das wissen wir doch bereits." meinte Fudge nur.
"Ach, wissen wir das?" erwiderte Bones sarkastisch. "Mit gefallen, meinte ich zerstört. Der dunkle Lord war heute Nacht nur zweiter Sieger. Jemand kam ihm zuvor und hat alle Dementoren vernichtet." verkündete sie ruhig.
Das löste Rufe, Schreie und entsetztes Ächzen und noch einiges mehr aus.
"Unsinn. Sie reden Unsinn, Madame Bones. Niemand kann die Dementoren vernichten. Ich befürchte langsam, sie sind mit ihren Posten überfordert." sah Fudge eine Möglichkeit ihr an den Karren zu fahren.
"Was sie nicht sagen? Aber wirklich Cornelius! Wie wird ihre Behauptung morgen im Tageslicht aussehen, wenn ich Recht behalte?" lächelte Bones dünn.
"Wenn es stimmt, schwöre ich hiermit, sofort zurück zu treten." schnaubte Fudge erst höhnisch, bevor er leichenblass wurde, als er leicht aufleuchtete.
"Man sollte mit Eiden immer vorsichtig sein, lieber Herr Minister." verbreiterte sich Madame Bones' Lächeln.
"Ich... ich wollte keinen magischen Eid leisten." quiekte Fudge panisch.
"Was für eine Schlagzeile." jubelte Rita Krummbein, die nur wenige Meter entfernt stand. Fudge wurde noch blasser. Er wusste augenblicklich, dass er sich soeben sein politisches Grab geschaufelt hatte und so wie es aussah, war er nicht der einzige der es wusste.
"Ahh, ich bin mir sicher, dass unser verehrter Herr Minister ein Mann seines Wortes ist, Mrs. Krummbein." ertönte Dumbledores Stimme und er schritt durch die Menge, die respektvoll zurück wich.
Fudge wurde jetzt abwechselnd blass und rot und fing an zu schwitzen und starrte voller Abscheu auf seinen Gegner. Albus' Augen zeigten nur ein geringes Funkeln, doch unter seinem Bart war ein feines Lächeln zu erahnen.
Bones wandte sich von Fudge und Dumbledore ab und konnte nicht länger ihr Grinsen verheimlichen. Es war nur ein kurzer Moment, aber er entging ihren Leuten nicht. Viele grinsten zurück und fühlten Erleichterung. Fudge hatte seit Monaten viele Gelder und Reformen für die Auroren blockiert und kein einziger der Auroren unterstützte ihn.
"Kingsley. Sie werden mit 10 Auroren nach Askaban reisen. Hmm, ich berichtige mich. Reisen sie nicht direkt nach Askaban, sondern steuern sie es mit einem Boot an. Warum ein Risiko eingehen?" erteilte sie Befehle.
"Sehr wohl, Ma'am." salutierte Shacklebolt knapp und sah sich schon um. "Lust mitzukommen, Tonks, Moody?" grinste er seine beiden zwei Kameraden vom Orden des Phönix an.
"Logo." grinste Tonks zurück.
"Lieg hier nicht auf der faulen Haut, Junge. Mach zu." bellte Mad-Eye.
"Dein Charme ist wirklich umwerfend, Moody!" lachte Tonks kurz auf.
"So bin ich halt." brummelte der alte Haudegen und grinste unmerklich.
"Seien sie vorsichtig, Shacklebolt. Ich will keinen meiner Leute verlieren." verabschiedete ihn Bones.
"Werden wir. Dann mal los." gab Kingsley den Befehl zum Aufbruch. Er war selbst gespannt was er vorfinden würde und wappnete sich.
Doch wieder wurde seine Abreise kurz verzögert, als einige der Leute zurück gedrängt wurden.
"Achtung. Eingehender Portschlüssel." warnte jemand und jetzt alle wichen zurück und zückten ihre Stäbe.
Doch keine Personen tauchten auf, sondern ein Berg von leeren Kutten die einen abscheulichen, beißenden Gestank verbreiteten.
"Dementorkutten." knurrte Moody.
"Es ist also wahr." hauchte Tonks erschüttert und gleichzeitig erleichtert.
Mad-Eye Moody richtete seinen Zauberstab auf den Haufen und levitierte eine der Kutten nach oben. Ein scharfer Schnitt der quer über die Vorderseite lief, war deutlich zu sehen.
"Bemerkenswert." war Dumbledores Kommentar. Er sah intensiv auf die zerrissenen und befleckten Umhänge und wirkte nachdenklich.
"Was für eine Waffe vernichtet einen Dementor, Albus?" fragte ihn Madame Bones besorgt.
"Ich weiß es nicht, meine Liebe. Noch nicht." murmelte Albus.
"Sie sollten dies lesen, Albus." reichte sie ihm den Brief. Der Schulvorsteher nickte abwesend und las aufmerksam die Nachricht.
Fudge starrte immer noch mit weiten Augen auf das Unmögliche, während immer wieder die Blitzlichter der Fotografen aufblitzten und das Geraune des Publikums zunahm.
Wer oder was hatte dies vollbracht? Es gab viele ratlose Gesichter im Atrium des Ministeriums aber keine Antworten.
Wer war dafür verantwortlich und was war mit den inhaftierten Todessern und noch ein paar Gefangenen? Es war den Auroren sofort aufgefallen, dass ihre prominentesten Gefangenen nicht dabei gewesen waren.
TBC...
A/N: Hat es euch gefallen? Ich hoffe doch. Ich weiß inzwischen, dass diese Geschichte nicht jedem gefällt. Aber es gibt auch etliche, die sie verschlingen. Diese sind es, die zählen. Zumindest für diese Geschichte. Bis danne,
Marius
