VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.
A/N: Vielen Dank für die Reviews Leute. Und auch dafür, dass Makato mich auf einen kleinen Fehler aufmerksam machte. Au weia. Rita heißt natürlich mit Nachnamen Kimmkorn und nicht Krummbein. Eine echte Schande, denn Hermines Kater ist wesentlich sympathischer als die olle Rita. In diesem Kapitel erfährt ihr, wie Silver auf Voldemorts Ankunft reagiert hat. Außerdem geht unser silberhaariger Racheengel auf Horcruxjagd. Der Zaubergarmot hat eine Notsitzung und Albus macht einen Abstecher nach Gringotts.
Marius
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KAPITEL 7
Silver atmete tief ein und ließ dann langsam die Luft ab. Er befand sich immer noch im Zellenblock A, wo er soeben den letzten Gefangenen exekutiert hatte. Abgesehen von den 11 Todessern die im Ministerium gefangen genommen wurden, hatte er auch sieben weitere Gefangene hingerichtet. Sie hätten sich Voldemort ohne zu zögern angeschlossen. Doch das war nicht der Grund für ihre Exekution gewesen. Nein, sie waren alle des mehrfachen Mordes schuldig gesprochen worden. Von den sieben waren bereits drei völlig dem Wahnsinn verfallen und so der Tod eher eine Erlösung. Die anderen vier hingegen, waren eine andere Angelegenheit.
Wobei die Lestrangebrüder genauso wahnsinnig gewesen waren. Es war nur schade, dass sich Bellatrix Lestrange nicht auch in Askaban befunden hatte. Silver schüttelte den Kopf als er an die berüchtigte Mörderin dachte. Er würde sie schon noch erwischen und sie ihren Ehemann und Schwager in die Hölle nach senden.
Auch Goyle und Grabbe Sr. starben durch Silvers Hand. Wie zu befürchten, war keiner der inhaftierten Todesser unschuldig gewesen und so verschonte der Teenager keinen einzigen von ihnen. McNair, Jugson, Rockwood und Avery waren vier weitere Todesser, die heute ihrer gerechten Strafe zugeführt wurden.
Er warf einen Blick auf die Uhr und beeilte sich jetzt. Es waren noch einige Vorbereitungen zu treffen, bevor Voldemort und seine Todesser ankamen.
In der nächsten Stunde war Silver sehr fleißig am Werk. Als erstes betäubte er alle Häftlinge und schwebte sie frei aus ihren Zellen. Er sammelte alle im Hauptgang vor der Wachstube und bereitete die Portschlüssel vor. Auch die leeren Roben der Dementoren häufte er auf und machte sie für den Transport bereit. Noch war es unmöglich, die Portschlüssel zu aktivieren, aber er verließ sich in dieser Hinsicht auf Voldemort. Der selbst ernannte Lord würde persönlich dafür sorgen, dass alle Gefangenen und auch die Wachen ohne Schwierigkeiten entkommen würden.
Alleine der Gedanke ließ Silver lächeln.
Nachdem alles für die Flucht vorbereitet war, machte sich Silver an den nächsten Punkt seines Planes. Im Laufe des Vormittags hatte er den von Sanderson erworbenen Plastiksprengstoff mehrmals vervielfältigt. So hatte er inzwischen, anstatt der 50 Kg, mehr als zwei Tonnen des teuflischen Zeugs.
Magie war das Zauberwort. Magie erlaubte das duplizieren und Magie ermöglichte es, diese enorme Menge Sprengstoff ohne Schwierigkeiten zu transportieren.
Da war das platzieren der Sprengfalle schon mühseliger. Silver deponierte neun größere Ladungen an strategisch wichtigen Punkten der Festung. Mit einem Zauber bohrte er die Sprenglöcher und schob große Ladungen des C4 hinein.
Wenn er ehrlich war, so glaubte er nicht, dass es reichen würde die Festung vollständig zu zerstören. Er hoffte aber, dass er so viel Schaden anrichten konnte, damit sie in Zukunft unbewohnbar war. Hätte er hingegen mehr Zeit gehabt... ja, dann wäre kein Stein mehr auf den anderen geblieben.
Sachen in die Luft zu jagen, war echt aufregend.
Vier Minuten vor Voldemorts voraussichtlicher Ankunft war er mit seinen Vorbereitungen fertig. Der Zeitpunkt der Explosion war auf 12 Minuten nach 4 Uhr eingestellt.
'Hmm, ich vermute mal, dass auch Snape dabei sein wird. Verflucht.' schoss es Silver durch den Kopf. Drei Sekunden rang er mit sich, bevor er nachgab. Er würde Voldemort eine Warnung zu kommen lassen, und hoffentlich war Snape so klug sich zu verdrücken. Wenn nicht... nun, dann war es halt so. Silver würde sich wegen Severus Snape bestimmt nicht den Kopf zerbrechen oder ihm gar eine Träne nachweinen.
Geduldig wartete er bei den Gefangenen auf das Zeichen. Er musste nicht lange warten. Beinahe auf die Sekunde genau konnte er den zunehmenden Druck auf die Schutzschirme fühlen. Immer stärker wurde dieser Druck und es war erstaunlich wie schnell er proportional anwuchs. Was immer Voldemort auch benutzte... es war äußerst mächtig.
Mit einem Kreischen und Klirren zerbarsten die Jahrhunderte alten Schutzbanne über Askaban ins Nichts.
"Verdammt! Das war heftig." murmelte Silver wider Willen beeindruckt. Er musste den Alarm gar nicht auslösen, denn er schrillte bereits los. Umso besser.
Wenige Minuten später konnte er das Zerbersten des schweren Tors hören und das war sein Zeichen. Schnell aktivierte er die Portschlüssel und schickte erst die Wächter und dann die Gefangenen ins Ministerium. Die Dementorenroben würden in ein paar Minuten folgen.
Dann holte er seinen Besen heraus und verbarg sich in eine der schattigen Nischen und wartete ab.
Er konnte aus allernächster Nähe beobachten wie Tom Riddle die Festung betrat. Er registrierte wie er seine Leute behandelte und wunderte sich, warum die Trottel sich das gefallen ließen. Als Voldemorts Aura aufflammte leuchteten Silvers Augen zufrieden auf. Auf diesen Augenblick hatte er gewartet. Er konnte die schwachen Stränge erkennen, die Riddles Seele mit den Horcruxen verbanden und sprach lautlos einen Zauber. Der dunkle Wichser war so in seiner Raserei vertieft, dass er es nicht bemerkte. Die Gelegenheit war so günstig, dass er auch allen anwesenden Todessern seinen Nachspürzauber anhängte. Riddles Wut verstärkte sich noch, als einer seiner Anhänger berichtete, dass die Dementoren zerstört waren. Der arme Hund überlebte nicht lange. Ja, Boten schlechter Nachrichten hatten nur eine sehr kurze Lebenszeit.
Ein Zucken an seinem Handgelenk erinnerte Silver an die Sprengung. Sehr widerwillig schickte er den Heuler los und grinste breit als er die Stimme hörte und Voldemorts Reaktion erlebte. Harry hatte nicht oft ferngesehen, aber StarTrek war ihm in Gedächtnis hängen geblieben und das hatte Silver auf die Idee gebracht.
Riddles Flucht war auch für ihn das Signal zu verschwinden. Lautlos dematerialisierte er und erschien gut 500 Meter seitlich über der Insel. Schnell schwang er sich auf seinen Besen und hielt den freien Fall auf. Kaum hatte er den Fall abgefangen als auch schon die erste Detonation zu sehen war, gleich gefolgt von den anderen.
"Der absolute Knaller. Waahoooo!" jubelte Silver aus vollem Hals. Der Feuerschein der Explosionen beleuchtete sein Gesicht und er konnte selbst aus dieser Entfernung die Druckwelle und die Hitze fühlen.
Schwarzer Rauch stieg über der Festung auf und noch immer ertönten kleinere Explosionen.
"Nanu?" wunderte sich Silver. Anscheinend waren einige explosive Stoffe in den tieferen Kerkern gelagert gewesen. Vielleicht waren es aber auch nur vergessene verzauberte Exponate, die nun ihre Energie freigaben. Es war schwer zu sagen, was nun der Grund für die anderen Detonationen war, aber sie waren dafür verantwortlich, dass die Zerstörung weit umfassender voran schritt, als von Silver erwartet oder gar erhofft.
Askaban war zerstört.
Ein Gefühl tiefer Befriedigung erfüllte Silver als er den Untergang der alten Festung aus nächster Nähe bezeugte. Er fühlte die Auroren sich nähern und beschloss, sich lieber zu verziehen. Mit einem letzten Blick auf die jetzt ehemalige Festung verschwand er lautlos.
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Die Auroren trafen nur eine Minute später ein und starrten beinahe ungläubig auf das Inferno vor ihnen. Sie hielten respektvollen Abstand ein, denn noch immer regnete es Trümmer vom Himmel.
"Bei Merlins Eiern. Da war einer wirklich fleißig." knurrte Mad-Eye.
"Da ist nicht mehr viel zu retten. Wir ziehen uns wieder zurück und werden morgen versuchen an Land zu gehen. Jetzt hat es wenig Zweck." erklärte Shacklebolt ruhig.
"Du bist der Boss." zuckte Tonks mit den Schultern. Sie war aber froh, dass Shacklebolt so vernünftig war zu warten.
"Wir können nur hoffen, dass die Muggel es nicht gesehen haben." murmelte Marty.
"Glaub ich nicht. Seltsamerweise sind die Muggelabstossbanne noch in Wirkung." erwiderte Moody.
"Ob du Weißt-schon-wer die Festung gesprengt hat?" fragte einer der jüngeren Auroren.
"Kann ich mir nicht vorstellen. Der Bastard hätte sie wohl eher besetzt und zu seinem Hauptquartier gemacht." schüttelte Donahue den Kopf.
"Sehe ich auch so." nickte Moody zustimmend.
"Also gut. Drehen wir um. Bones und die anderen Großköpfe werden unseren Bericht schon erwarten." gab Shacklebolt das Zeichen für den Rückzug.
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Schreie erfüllten das Landgut der Riddles. Schreie der Todesser an denen Voldemort seine Wut ausließ. Auch Severus Snape erlitt den Cruatiusfluch und krümmte sich schmerzerfüllt am Boden. Selbst Bellatrix Lestrange wurde nicht verschont, doch die Hexe schien den Schmerz auch noch zu genießen.
Voldemort selbst saß wutentbrannt auf seinen Thron und brodelte. Was ein Tag des Triumphes für ihn werden sollte, hatte sich als ein Tag der Niederlage herausgestellt. Solch eine Demütigung hatte er zuletzt vor 15 Jahren beigefügt bekommen. Der Tag als er von dem Potterkind aus seinen Körper vertrieben wurde.
Nur mühselig beruhigte sich der dunkle Lord und starrte auf seine Anhänger. Von den knapp 70 Todessern waren nur 53 zurückgekehrt. Ein herber Rückschlag für seine Sache.
"Ich will wissen, wer dafür verantwortlich ist." sprach er die ersten zusammen hängenden Worte, seit er aus Askaban zurückgekommen war. Seine Stimme war kalt und versprach Schmerz und Tod. "Aktiviert alle Kanäle, jede Verbindung ins Ministerium. Besorgt mir Namen, Daten, Fakten. Severus, du wirst deine Quellen im Orden anzapfen." richtete er die letzten Worte an den Trankmeister.
"Ja, mein Lord." brachte Severus mühselig heraus.
"Jenson." schweiften die roten Augen zu dem Todesser und Unsagbaren. Augustus Rockwood, hatte Jenson eingeführt. "Ich muss wohl nicht betonen was du zu tun hast?" tropfte Voldemorts Stimme vor Spott.
"Nein, Meister." schluckte Jenson.
"Gut. Wir werden unsere Kräfte sammeln und neue Anhänger verstärkt rekrutieren. Ich will die Vampire und die Riesen auf meiner Seite wissen." verkündete Voldemort. "Und wir werden nicht zurückstecken. Die Muggel werden leiden und so werden wir unsere Kräfte schonen. Sollen die Auroren sich um die Überreste kümmern und so beschäftigt bleiben. Ich werde Terror und Angst über Britannien verbreiten und meine Feinde werden erzittern." zeigten seine unmenschlichen Augen den Wahnsinn, der ihn beherrschte.
"Ja, mein Lord."
"Jetzt geht." zischte er. "Du bleibst, Wurmschwanz. Ich habe einen Auftrag für dich." hielt er die Ratte auf.
"J... ja, mein Lord und Meister." bebte Pettigrews Stimme.
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Die nächsten Tage waren ziemlich turbulent für Silver. Während Voldemort seine Wunden leckte und neue Pläne schmiedete, war der schlanke Teenager fleißig auf Achse. Der Zauber den er Riddle in Askaban angehängt hatte, funktionierte tadellos. Er konnte fünf Horcruxe ausmachen und bezweifelte ernsthaft, ob Riddle noch menschlich war. Gleichzeitig war er beruhigt, denn es war Riddle sicher nicht möglich, seine Seele weiter aufzuspalten.
Den ersten der Horcruxe fand er in einem kleinen, schäbigen Haus. Es war längst verlassen und wirklich verwunderlich war, dass es überhaupt noch stand. Sorgfältig scannte er das Haus und den Keller. Riddle hatte einige Fallen hinterlassen, die durchaus tödlich waren. Der Keller troff geradezu vor dunkler Magie.
Ein Schweigezauber auf das Areal sorgte dafür, dass Silver ungestört blieb. Dann holte er einige Handgranaten heraus und warf sie durch die Eingangstür und wich eilig zurück. Nicht zu früh, denn in einer enormen Detonation flog die Hütte in die Luft. Schlieren aus dunkler Magie griffen ergebnislos um sich und sanken langsam in sich zusammen.
Um auf Nummer sicher zu gehen, warf Silver zwei weitere Handgranaten in den Keller. Wieder zerriss das Donnern der Explosionen die Stille und wieder aktivierte es die dunkle Magie. Doch Silver konnte erkennen, dass es nun weit weniger war, als zuvor.
Sieben Handgranaten später rührte sich nichts mehr und er näherte sich vorsichtig der Ruine. Silver war nicht so dumm, selbst in den Keller zu steigen. Er streckte die Hand aus und rief den Horcrux zu sich.
Aus dem Trümmerfeld erhob sich ein Siegelring und flog auf den silberhaarigen Teenager zu. Silver griff nicht danach, sondern ließ den Ring vor sich schweben und betrachtete ihn genau. Er wirkte so unauffällig. So normal.
Doch der Eindruck täuschte gewaltig. Für seine Sinne offenbarte sich ein ganz anderes Bild. Der Ring beinhaltete tatsächlich ein Fragment von Tom Riddles Seele. Eine böse, verdrehte Entität.
"Oh Mann. Das wird nicht einfach, dich los zu werden." murmelte Silver nachdenklich. Einfach den Ring zu zerstören würde nicht viel helfen. Er musste das Seelenfragment vernichten. Doch wie.
Der Todesfluch war eine probate Möglichkeit, doch Silver zögerte ihn zu benutzen. Er war nicht umsonst dunkelste Magie und korrumpierte den Benutzer auf die schlimmste Art und Weise.
Der Avada Kedavra, oder auch kurz AK genannt, war eine grauenvolle Mischung aus schwarzer Magie und Seelenmagie. Im Gegensatz zum bisherigen Glauben der magischen Welt, war er äußerst qualvoll, denn er riss, unter enormer Pein für den Betroffenen, die Seele aus dem Körper des Opfers und versiegelte gleichzeitig den Körper derart, dass die Seele nicht mehr zurückkehren konnte. Deshalb war auch die Benutzung von medizinischer Reanimation, wie sie die Heiler oder auch Muggelärzte benutzten, ein sinnloses Unterfangen.
Gleichzeitig wirkte der Todesfluch auch auf die Seele desjenigen, der den Fluch benutzte. Ohne dass er es bemerkte, zerstörte der AK einen Teil seiner Menschlichkeit und Vollständigkeit seiner Seele. Es war ein gewaltiger Unterschied, ob man den Fluch auf einen Menschen richtete oder auf ein Tier. Ein gewaltiger Unterschied. Ob die Todesser wussten, dass sie mit der Benutzung dieses Fluches die Unsterblichkeit ihrer Seelen gefährdeten? Silver bezweifelte es. Es war nur wenigen bekannt und es war auch der Grund, warum Auroren diesen Fluch nicht benutzten. Selbst wenn ihnen, in Kriegszeiten, die Erlaubnis erteilt wurde letale Kraft zu benutzen, wandten sie andere tödliche Flüche an, die nicht diese Gefahr innehatten.
Dieser Umstand war es aber auch, der Riddle ermöglicht hatte, Horcruxe zu erschaffen. Woher Voldemort darüber Bescheid wusste, würde wohl ein Geheimnis bleiben. Doch er war nicht umsonst ein wirklich mächtiger und auch sehr intelligenter Zauberer. Und absolut skrupellos. Er scherte sich einen Dreck um sein Seelenheil. Im Gegensatz zu Harry Potter.
Eben aus diesem Grund zögerte Silver den Avada Kedavra zu verwenden. Nicht weil er Angst um seine Seele hatte, doch weil er um das Seelenheil von Harry fürchtete. Er war noch immer mit dem Jungen verbunden und das hatte Auswirkungen.
"Mmmh, nicht ich, sondern jemand anderes muss den Fluch sprechen." kam er zu einem Schluss. Ein leichtes Grinsen kräuselte seine Lippen und er fühlte Erleichterung. Er holte einen schwarzen Beutel, bestickt mit silbernen Runen aus seiner Robe und ließ den Ring langsam darin verschwinden. Sorgfältig band er den Beutel zu und verstaute ihn in seiner Truhe.
Zeit sich dem nächsten Horcrux zuzuwenden.
Den nächsten Horcrux machte er ausgerechnet in Hogwarts aus. Mehr oder weniger direkt unter der Nase von Albus Dumbledore. Jetzt war nur das Problem, ungesehen in das alte Schloss zu kommen.
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Es waren inzwischen zwei Tage seit dem Fall von Askaban vergangen und Albus Dumbledore hielt sich im Moment nur sehr selten in Hogwarts auf. Seine Pflichten als Chief-Warlock des Zaubergarmots und Führer des Ordens des Phönix hielten ihn ordentlich auf Trab. Erst gestern hatte er eine Vollversammlung des Zaubergarmots geleitet und den ruhmlosen Abgang von Cornelius Fudge miterleben dürfen.
Albus, der sich im Augenblick im Hauptquartier des Ordens aufhielt, trank genüsslich eine Tasse von Mollys köstlichen Tee, die sie ihm gemacht hatte. Seine Augen funkelten amüsiert und seine Gedanken schweiften zu der gestrigen Sitzung ab.
Sie hatte gleich in aller Früh angefangen und Fudge hatte sofort versucht, Amelia Bones als Direktorin der magischen Strafverfolgungsbehörde zu diskreditieren. Vergebens, wie er feststellen musste. Dann waren die ersten Berichte aus Askaban eingetroffen und ab da war Cornelius Fudges Stern rapide am sinken gewesen. Er sträubte sich mit allem was er hatte, aber er kam gegen seinen leichtfertig geäußerten Eid nicht an. Um 11:53 verkündete er geschlagen seinen Rücktritt und kam der Kammer nur um einige Minuten zuvor.
In der folgenden Abstimmung wurde Amelia Bones in einem Wahlgang zur Interimsministerin gewählt. Sie würde in Fudges verbliebener Amtszeit, die immerhin noch drei Jahre betrug, das Ministerium führen. Gleich eine ihrer ersten Amtshandlungen war das Budget der Auroren zu erhöhen und den Einstellungsstopp aufzuheben. In ihrer Antrittsrede wies sie auch darauf hin, dass es in den nächsten Tagen und Wochen zu Umstrukturierungen in den Abteilungen des Ministeriums kommen würde. Das war das übliche Prozedere bei einem Amtswechsel und so wunderte sich keiner.
Sie würden Augen machen. Albus wusste, dass Madame Bones mit eisernen Besen das Ministerium auskehren würde. Viele alte Sesselfurzer würden fallen und das konnte nur gut sein. Er war froh, dass seine Verbindung zu Amelia stets von gegenseitigem Respekt geprägt war und erwartete, dass er gut mit ihr zusammen arbeiten würde. Sie verfolgten schließlich ein gemeinsames Ziel.
Das war gestern gewesen und die Ereignisse hatten die Zauberergemeinschaft von Großbritannien gehörig erschüttert. Die Schlagzeilen im täglichen Propheten waren so dick wie selten und es war inzwischen die zweite Extraausgabe innerhalb von 36 Stunden. Der Amtswechsel war nur eine der kleineren Sensationen. Viel schwerer wog die Vernichtung der Dementoren und der Festung Askaban. Inzwischen hatten die Bergungsarbeiten begonnen und die ersten Leichen waren gefunden worden. Es war nicht verwunderlich, dass sie alle die Roben und Masken von Todessern trugen.
Nicht in die Presse war die Nachricht gekommen, dass ebenfalls auch Leichen von Häftlingen aufgefunden worden waren. So prominente Namen wie Malfoy, die der Lestrangebrüder oder Augustus Rockwood tauchten in vertraulichen Listen auf. Die Todesumstände waren auch schnell geklärt. Während die maskierten Todesser durch die Folgen der Explosionen ums Leben kamen, so waren die anderen erschossen worden. Ein Modus Operanti, der unzweifelhaft an die Exekutionen von Carver und Garson erinnerte.
Wer immer es auch war, er hatte innerhalb weniger Tage fast drei Dutzend Todesser ausgeschaltet. Ohne Gnade und ohne Skrupel.
Albus hatte sich in den letzten zwei Tagen den Kopf zerbrochen und hatte keinen einzigen Ansatz gefunden. Er vermochte nicht zu sagen, wer die Fähigkeiten und auch die Macht hatte, Dementoren zu vernichten. Am Tatort und auch an den Kutten, war kein Hinweis auf dunkle Magie gefunden worden. Wenigstens das war eine Erleichterung. Die Mehrheit der Experten vermuteten ein Schwert, zumindest deuteten die glatten Schnitte in den Dementorkutten darauf hin. Doch was für ein Schwert? Albus war sich sicher, dass nicht einmal das Schwert von Godric Gryffindor dazu in der Lage war. Außerdem schlief der einzige der es führen konnte, tief und fest, ein Stockwerk höher.
Auch Severus' Rückkehr gestern Abend hatten den Schleier über diesem Geheimnis nicht lüften können. Nachdem ihn Poppy versorgt hatte, drehte sich ihre Unterhaltung um Voldemorts Angriff auf Askaban.
"Das kann kein Einzelner vollbracht haben, Albus." entspannte sich Severus langsam.
"Ich bin mir da nicht so sicher, mein Junge. Wäre es eine Gruppe, dann gäbe es Hinweise. Ein Einzelkämpfer verbirgt seine Geheimnisse viel leichter, als eine Gruppe." schüttelte Albus besorgt den Kopf.
Severus schnaubte kurz. Sein Gesicht war noch von Schmerz gezeichnet und er wirkte viel blasser als sonst.
"Ruhe dich aus, Severus. Schone dich in den nächsten Tagen." klopfte Albus besorgt Severus' zitternde Hand.
"Ich kann nur hoffen, ich finde Ruhe. Albus, ich mache mir Sorgen. Der dunkle Lord vertraut mir nicht mehr vollständig. Ich wusste nichts, über den Angriff auf Askaban." äußerte Snape seine Besorgnis.
Albus seufzte schwer und schloss kurz die Augen. Er benötigte die Informationen die ihn Severus brachte. Sie waren lebensnotwendig, aber er würde den Mann nicht länger zwingen. Severus Snape hatte mehr als genug für die Seite des Lichtes getan.
"Die Entscheidung liegt bei dir." sagte er ruhig.
Severus hatte ihn nur angesehen und nichts erwidert.
"Albus?" riss ihn Molly aus seinen Gedanken.
"Mmmh?" zwinkerte der alte Zauberer irritiert. Er saß immer noch in der Küche und hielt die Tasse Tee in der Hand.
"Eine Posteule für dich und Harry." deutete die Weasleymatriarchin auf die Vögel.
"Oh!" streckte Albus seinen Arm aus. Eine der Eulen ließ sich geziert auf seinen Arm nieder und streckte ihr Bein aus. Schnell war der Brief übergeben und Albus reichte ihr ein paar Leckereien, die er stets in seiner Robe mitführte. Er bekam so viel Post, dass er immer darauf vorbereitet war. "Nanu. Ein Brief von Gringotts. Auch der für Harry." musterte er scharf die andere Eule. "Tut mir Leid, meine Kleine. Mr. Potter ist im Moment nicht zu sprechen. Ich werde den Brief für ihn übernehmen." plauderte er freundlich mit dem schönen Tier.
Die Eule zwinkerte langsam und schuhute. Dann flatterte sie zu Albus und ließ sich den Umschlag abnehmen.
"Was will Gringotts von Harry?" fragte Molly besorgt.
"Ich kann mir schon denken, was der Inhalt dieser Briefe ist." seufzte Albus betrübt und öffnete seinen. "Wie ich es mir dachte. Es geht um Sirius' letzten Willen." nahm das Funkeln in seinen Augen ab.
"Der arme Junge." schnüffelte Molly mitfühlend.
"Hmm, ich werde wohl am besten persönlich bei Gringotts vorsprechen." meinte Albus und erhob sich. Er trat aus der Eingangstür und mit einem seichten Plopp apparierte er aus Grimauldplatz 12 in die Winkelgasse.
Kurz darauf betrat der die Bank und wurde sofort erkannt. Einer der Kobolde näherte sich ihm und bat den Zauberer zu folgen.
"Natürlich." neigte Dumbledore leicht das Haupt.
Der Kobold führte ihn in ein Büro, das unmissverständlich anzeigte, dass dieser Kobold in der Hierarchie einen höheren Posten einnahm. Dumbledore hatte, trotz seiner vielen Jahre, nur wenig Erfahrung mit Kobolden. Er betrat die Bank nur selten und überließ es meist Minerva, sich um die finanziellen Belange der Schule zu kümmern.
Doch auch wenn er wenig wusste, so war ihm eines klar: Den Respekt der Kobolde erwarb man nicht leicht.
"Mr. Dumbledore!" erhob sich der Kobold hinter dem prächtigen Schreibtisch.
"Meister Kobold." erwiderte Albus höflich den Gruß.
"Mein Name ist Reißkiefer." verkündete der Kobold stolz.
"Angenehm, Meister Reißkiefer."
"Sie sind wegen des letzten Willens von Lord Black hier?" ging der Kobold direkt auf sein Ziel los. Zeit war Geld. Dieser Businessspruch aus der Finanzwelt der Muggel, traf besonders auf Kobolde zu. Sie hatten dieses Motto fest verinnerlicht.
"In der Tat. Ich möchte auch die Vertretung für Mr. Potter bei der Lesung übernehmen. Als sein magischer Vormund." erklärte Albus höflich.
Reißkiefer musterte den alten Zauberer vor ihm genau. Irgendetwas stimmte nicht und er war willens es heraus zu finden.
"Warum kann Mr. Potter nicht selbst teilnehmen?" fragte er scharf.
"Mr. Potter ist verhindert." erwiderte Dumbledore glatt.
"Lord Black hat auf das ausdrücklichste darauf bestanden, dass sein Patensohn an der Lesung teilnimmt. Ausdrücklichst, wie ich betonen möchte." hob der Kobold herausfordernd das Kinn.
Albus seufzte lautlos und überlegte blitzschnell.
"Wenn sie bereit sind, einen Eid zu leisten, dass das, was ich ihnen jetzt erzähle, hier in diesem Büro bleibt?" sah er den Kobold hoffnungsvoll an.
Meister Reißkiefer wunderte sich. Einen Eid, wegen einer einfachen Erklärung? Es musste also doch mehr dahinter stecken. Er überlegte kurz und gab dann seine Einwilligung.
"Der Eid wird nur für den Grund von Mr. Potters Verhinderung gelten?" fragte er sicherheitshalber noch einmal nach.
"Nur dafür." bestätigte Albus.
"Dann sei es so." knurrte der alte Kobold und leistete den Eid.
"Danke, Meister Reißkiefer. Der Grund für die Abwesenheit des jungen Mr. Potters ist einfach erzählt." fing Albus an und berichtete von dem Vorfall in der Schule und den unnatürlichen Schlaf, in dem Harry verfallen war. Reißkiefer strich sich nachdenklich über das Kinn, als der dem alten Zauberer lauschte. Ja, das war natürlich ein triftiger Grund. Er würde es auch ermöglichen, die Testamentseröffnung zu verlegen.
Er war noch bei der Planung, als ihm etwas auffiel.
"Sie sagen, er fiel bereits in Hogwarts in diesen Schlaf?" hakte er nach.
"So ist es." nickte Dumbledore.
"Seltsam. Sehr seltsam." kniff Reißkiefer die Augen zusammen.
"Was ist seltsam, Meister Reißkiefer?" wollte Albus wissen.
"Seltsam ist, dass am Tag nach Mr. Potters äh... Schlafattacke, er hier in der Bank war und einen nicht unerheblichen Betrag abhob. Das ist seltsam, finden sie nicht auch, verehrter Schulvorsteher?" erklärte er ruhig.
"Unmöglich!" sprang Albus alarmiert auf.
"Wir machen keine Fehler." schnappte Reißkiefer.
"Aber Harry kann es nicht gewesen sein. Er ist seit sechs Tagen ohne Bewusstsein." war Albus ratlos.
"Warten sie." knurrte der Kobold und rief etwas in Gobbledegook, der Koboldssprache. Ein jüngerer Kobold kam in das Büro und verbeugte sich, bevor er hastig antwortete.
"Wie ich sagte, wir machen keine Fehler. Der Kunde trug Mr. Potters Schlüssel und noch wichtiger, er trug auch seine magische Signatur." frohlockte der Kobold.
"Sah er auch aus wie Mr. Potter?" wollte Albus besorgt wissen.
Reißkiefer runzelte die Stirn und wandte sich erneut an den anderen Kobold. Die Antwort schien ihn nicht zu erheitern, denn er bellte ein paar scharfe Befehle und schickte den anderen hinaus.
"Nun?" hakte Albus ungeduldig nach.
"Nein. Aber es kann nur Mr. Potter persönlich gewesen sein. Kein anderer kann sein Gewölbe betreten." beharrte Reißkiefer.
"Gilt das auch für das Vertrauensgewölbe?"
"Das gilt für alle Gringottsgewölbe ab einer gewissen Stufe. Mr. Potters Vertrauensfond fällt in diese Kategorie. Trotzdem ist es merkwürdig." gab der Kobold zu.
"Wie hat der Unbekannte ausgesehen?" beugte sich Albus interessiert vor.
"Er hatte silbernes Haar und blaue Augen. Sein Alter... etwa das von Mr. Potter. Keineswegs älter, eher jünger." gab er eine dürftige Beschreibung. "Gringotts wird diesen Fall nachforschen. So lange Mr. Potter nicht bei Bewusstsein ist, besteht kein Grund anzunehmen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Sollte es doch der Fall sein... dann werden wohl die Gerichte entscheiden müssen. Ich hoffe natürlich nicht, dass es dazu kommt." erklärte er dem Schulvorsteher.
"Ich hoffe es auch." nickte Albus Dumbledore. Noch mehr Rätsel für ihn.
"War es das?" fragte Reißkiefer scharf.
"War es. Guten Tag, Meister Kobold." verabschiedete sich Albus.
"Guten Tag, Zauberer." knurrte der Kobold.
Das war schon eher das übliche Verhalten, wie es Albus Dumbledore bekannt war. Der alte Zauberer gluckste leise vor Lachen und verließ das Büro des Kontomanagers. Tief in Gedanken durchschritt er die marmorne Eingangshalle von Gringotts, vorbei an den Hexen und Zauberern die ihn höflich grüßten und deren Gruß er abwesend erwiderte. Es war wohl seiner Versunkenheit zu verdanken, dass er die zwei durchdringend blauen Augen nicht bemerkte, die ihn unverwandt beobachteten. Ja, Albus Dumbledore war so abgelenkt, dass er in nur einen Meter Abstand, an der schlanken Gestalt mit diesen durchdringend blauen Augen, vorbei flanierte.
TBC...
A/N: Ja, die Kobolde. Im nächsten Kapitel trefft ihr noch mehr Kobolde und natürlich Silver. Der weitere Horcruxe einsammelt. Ich wurde gefragt wie Silver von den Horcruxen wissen konnte? Nun, er verfügt über sehr viel magisches Wissen und auch über Harrys Erinnerungen. Kein Wunder, denn er ist mit ihm verbunden. Doch ihr werdet in den nächsten Kapiteln weiteres darüber erfahren. Also bleibt dran und reviewt weiterhin so fleißig. Bis danne,
Marius
