VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.
A/N: Und schon wieder ein Kapitel. Hehe. Dankeschön für die Reviews, Leute. In diesem Kapitel trefft ihr endlich wieder auf Harry. Wenn auch nur für einen kurzen Abstecher. Aber immerhin. Silver ist fleißig und Voldemort sauer. Pettigrew ist ne Ratte und Madame Bones...? Nun, lest selbst. Euer,
Marius
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KAPITEL 10
Die Auroren des Ministeriums waren noch bei den Aufräumarbeiten, als Voldemort vom Scheitern der Mission erfuhr. Überflüssig zu erwähnen, dass er ausrastete und seine Wut wieder einmal an seinen Anhängern ausließ. Nach gut einer Stunde, als sich sein Wutanfall langsam legte, überkam Tom Riddle für eine Minute ein Gefühl, dass er schon lange nicht mehr verspürt hatte.
Ratlosigkeit.
Er straffte sich und schob das Gefühl bei Seite.
Nichts würde ihn aufhalten. Nichts.
Kleinere Rückschläge würde es immer wieder einmal geben, doch er würde sich nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen. Es gab soviel Möglichkeiten Terror zu verbreiten und er war fest entschlossen sie alle zu nutzen.
"Wurmschwanz!" richtete sich sein Blick auf die Gestalt des Verräters.
Es kam ein Wimmern von der armseligen Figur, die den Boden seines Thronsaals verunreinigte.
"Steh auf, wenn ich mit dir rede." zischte Voldemort angewidert.
"J... Ja, M... Meister." rappelte sich die Ratte mühselig auf. Sein gesamter Körper schmerzte wie die Hölle und sein Verstand schien wie in Watte gehüllt zu sein. Doch er gehorchte und stand endlich gebeugt und schwankend vor seinem Lord. Aus seinem Mundwinkel sickerte Blut und das Haar klebte an seiner Stirn.
Voldemort seufzte und schwenkte nachlässig seine Hand in Richtung Pettigrews. Sofort erfüllte den ehemaligen Gryffindor frische Kraft und er stellte sich aufrechter hin.
"Danke, mein Lord." kam es erleichtert.
"Schweig und höre mir gut zu." schnitt ihn Voldemort ab. "Setze sofort Aktion Knochenmehl in Kraft." befahl der dunkle Lord.
Pettigrew schluckte und nickte dann ergeben.
"Es wird aber nicht einfach sein, mein Lord." wagte er einen Einwand. Er zuckte zurück, als sich Voldemort etwas auf seinen Thron verschob, aber es traf ihn kein Fluch.
"Ich weiß, dass es nicht einfach sein wird, du Narr. Doch ich weiß, dass sie morgen Vormittag einen öffentlichen Termin wahrzunehmen hat. Eine ausgezeichnete Möglichkeit. Amelia Bones muss sterben und alle sollen wissen, wer dafür verantwortlich ist." erklärte Voldemort grimmig. "Das wird diese Schafe Furcht und Respekt lehren." lächelte er leicht.
"Ja, mein Lord." neigte Peter Pettigrew ergeben das Haupt. Es gab keine Argumente die er vorbringen konnte, um seinen Meister von dessen Entschluss abzubringen. Nicht, dass er es auch nur versuchen würde. Peter hatte nicht so lange überlebt, weil er dumm war.
"Auch für dich, habe ich einen wichtigen Auftrag, meine schöne Bellatrix." richtete Tom das Wort an die Hexe.
"Ich höre und gehorche, mein Meister." säuselte die dunkelhaarige Frau erwartungsvoll.
"Ich möchte, dass du Potters Freunde tötest. Angefangen mit einer Aufgabe, die du nie zu Ende gebracht hast. Töte den jungen Erben der Longbottems und seine Großmutter, diese alte hässliche Hexe." forderte er.
Bellatrix fing an zu lächeln. Ein Lächeln, dass den anderen Todessern ein Schaudern über den Rücken jagte.
"Ich danke Euch, mein Lord." fing sie an zu lachen.
"Ich dachte mir schon, dass dich das aufheitert." war Voldemort amüsiert. "Wenn du mit den Longbottems fertig bist, soll das Schlammblut, Potters Freundin, die nächste sein. Nimm genug Männer mit. Ich möchte, dass Hermine Granger nicht als Jungfrau stirbt."
"Ihr seid zu gütig, mein Lord." meckerte Bellatrix böse.
"Wenn Potter seinen 16. Geburtstag feiert, wird er alleine sein." murmelte Voldemort grimmig.
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Remus Lupin hatte es sich in dem Sessel neben Harrys Bett mit einem Buch bequem gemacht. Seit vielen Tagen schlief nun der Junge und hatte sich bisher nicht einmal bewegt. Remus war in das Buch vertieft, als er eine Änderung bemerkte. Sofort sah er auf und sein Blick irrte zu Harrys regloser Gestalt. Intensiv sah er zu dem Jungen und wartete.
Hatte er sich geirrt? War alles nur Einbildung gewesen?
Gute 15 Minuten starrte er, bis ihm langsam die Augen tränten. Doch Harry rührte sich nicht.
Mit einem tiefen, enttäuschten Seufzen entspannte sich Remus und lehnte sich zurück.
Fehlalarm.
Wieder einmal.
"Bitte Harry. Welpe. Wach bitte auf." flüsterte Remus voller Verzweiflung und ergriff Harrys leblose Hand. Sanft massierte er die kühlen Finger und verlor sich in seinen Gedanken. Bilder von seinen toten Freunden stiegen vor seinem inneren Auge auf. Bilder von James, Sirius und Lily. Bilder aus den guten Zeiten, als alles noch in Ordnung war. Er war so tief in seinen Erinnerungen verstrickt, dass er nicht die einzelne Träne sah, die Harry langsam aus dem Augenwinkel sickerte.
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Frieden und Gelassenheit.
Das war der erste Eindruck, den Harry empfand, nachdem er sich seiner Umgebung gewahr wurde. Seine Erinnerungen waren leicht diffus, aber er wusste noch, dass er enormen Zorn verspürt hatte. Sein Zorn hatte eine Intensität gehabt, die er nicht für möglich gehalten hätte.
Doch nun war dieser Zorn von ihm gegangen und hatte nur Harry zurück gelassen.
Er konnte nicht sagen ob er bereits Stunden, Tage oder Wochen hier an diesem Ort war. Zeit schien hier nur eine sehr untergeordnete Rolle zu spielen, und so kümmerte es ihn nicht länger.
Der Ort.
Es war ein idyllisches Fleckchen. Große alte Bäume, mit weit ausladenden Ästen, die schwer an ihrem grünen saftigen Laub trugen. Saftige Wiesen, die eine Landschaft mit sanft gewellten Hügeln bedeckten. Der Himmel war strahlend blau und die Wolken wirkten wie kleine schneeweiße Schäfchen. Der Junge verspürte eigentlich keinen Hunger und nur gelegentlich etwas Durst. Wenn ihn das Verlangen überkam, trank er regelmäßig von der klaren Quelle, die zwischen den Bäumen, munter sprudelnd entsprang. Nie hatte er ein solch köstliches Wasser getrunken. Niemals zuvor. Es schien nicht nur seinen Durst zu löschen, sondern auch andere Bedürfnisse zu stillen. Er fror und schwitzte nicht, schlief wenig und war doch erholt. Harry trug nicht einmal Kleidung, aber schämte sich seiner Blöße nicht.
Dass Harry keinen anderen Menschen hier antraf, verwunderte den Jungen nicht. Irgendwie wusste er, dass dieser Ort nicht irdisch war. Doch es gab Tiere, die ihn manchmal aufsuchten. Füchse, Hasen, Dachse, Hirsche, Schlangen und sogar einen Wolf hatte er gesehen. Vögel zwitscherten munter und erzählten oft Geschichten.
Ja, Geschichten. Er konnte sich mit den Tieren unterhalten und sie hatten ihm erzählt, dass hier an diesen Ort, keine Kreatur die andere jagte.
Harry hatte nur lächelnd genickt als er es erfuhr. Es war im Grunde keine Überraschung gewesen. Nein, wahrhaftig nicht. Alles andere wäre ein Sakrileg. Der Junge hatte es einfach hingenommen und hatte sich nicht gewundert.
Da es hier nichts weiter zu tun gab, beschloss Harry seine Zeit zu nutzen und seine Okklumentiklektionen zu wiederholen. Hier verspürte er keinen Druck und keinen Zwang und er war verblüfft, wie einfach es ihm fiel. Stundenlang meditierte er, sondierte seine Erinnerungen und beurteilte sich selbst sehr kritisch.
Nicht alles was er in sich entdeckte, gefiel ihm wirklich.
"Oje!" seufzte er schwer. "Ich wünschte, Sirius wäre hier." seufzte er erneut.
Trauer überkam ihm plötzlich. Trauer um Sirius, um seine Eltern, um Cedric. Trauer über die vielen Menschen, die Voldemort und dessen Wahnsinn zum Opfer gefallen waren. Der Schmerz war so groß, so überwältigend, dass es ihn schier zu zerreißen schien. Es war zuviel, um zu handhaben.
Und so tat Harry etwas, was er seit langer Zeit nicht mehr gemacht hatte.
Er weinte.
Er weinte die Tränen eines verlorenen Kindes. Ein herzzerreißendes Schluchzen entwich seiner Brust und schüttelte seinen gesamten Körper.
Das Wispern der Bäume und das Zwitschern der Vögel verstummten. Stille breitete sich aus und nur das Weinen des Jungen war zu hören. Langsam kamen alle Tiere näher und versammelten sich um das weinende Kind. Sie blieben still und sahen mit wissenden und mitfühlenden Augen auf den Jungen. Die Äste des Baumes, unter dem Harry kauerte, senkten sich langsam herab und umhüllten den Jungen wie die Arme einer liebenden Mutter.
Harry weinte.
Er weinte um Sirius, der soviel erlitten hatte. Er weinte um seinen Vater, um seine Mutter, die ihr Leben für ihn gaben. Und er weinte auch für sich. Für das kümmerliche, einsame und lieblose Leben, dass er als Kind führen musste. Die Demütigungen, die ungerechten Strafen und die stillen Nächte im Schrank unter den Treppen. Als niemand, außer den Spinnen in seinen Schrank, sein Flehen hörte und das stille Weinen. Er hatte es bald aufgegeben zu hoffen und auch zu weinen.
Langsam senkte sich das Schluchzen, bis nur noch ein gelegentliches, krampfartiges Luftholen zu hören war. Seine Augen waren dick geschwollen, seine Wangen nass und seine Brust schmerzte. Gleichzeitig fühlte er eine tiefe Erleichterung. Noch mit geschlossenen Augen, kuschelte er sich in die sanfte, weiche Berührung des Baumes und schlief friedlich ein.
Einige Zeit später erwachte er wieder. Mit einem tiefen Seufzen richtete er sich auf und blinzelte. Dann fiel ihm wieder ein, was vor seinem Schlummer geschehen war. Normalerweise würde er jetzt Scham empfinden. Doch nicht diesmal.
Harry wusste, dass sein Kummer gerechtfertigt gewesen war. Auch er hatte das Recht auf Tränen. Mit einem kleinen Lächeln drehte er sich um und legte seine Hand flach auf die Borke des Baumes.
"Danke." flüsterte er voller Zuneigung. Er konnte fühlen, wie sie zurückgegeben wurde.
Er lächelte noch immer, als er zu der Quelle ging und sein Gesicht wusch. Nachdem er seinen Durst gelöscht hatte, kehrte er zu seinem Lieblingsplatz zurück und verharrte im Schritt.
Er war nicht alleine.
Eine junge Frau erwartete ihn bereits. Sie war unglaublich schön. Kein Mensch war so vollkommen. Und sie war schwer zu beschreiben. Harry fiel das lange blonde Haar auf, das in der Sonne wie Gold glänzte. Doch das war nicht das auffälligste Merkmal.
Nein, es waren ihre unergründlichen grünen Augen.
Sie hatten eine Tiefe die ihn in ihren Bann zogen. Eine Weisheit und ein Wissen, das kein Mensch sein eigen nannte. Sie leuchteten vor Wärme und Liebe und hielten gleichzeitig eine große Macht inne. Die Farbe unterschied sich von dem Grün seiner Augen. Es war dunkler, geheimnisvoller. Ein Grün des Waldes und der Natur. Und sie wirkten irgendwie vertraut. Ja, Harry war sich sicher, dass er nicht zum ersten Mal in diese Augen sah.
Harry brach nur mühselig den Blickkontakt und seine Augen huschten über ihren nackten Körper.
Nackt?
"Uhh-uuh?" stammelte er und wurde sich plötzlich seiner eigenen Blöße bewusst.
"Adäquate Begrüßung." schmunzelte die junge Frau.
"S... Sorry." wurden Harrys Wangen heiß und er bedeckte sich schüchtern. Gleichzeitig sah er zur Seite und nicht auf die nackte Gestalt vor ihm.
Sie lachte glockenhell und winkte ihn zu sich.
"Das ist nicht nötig, mein Kind. Siehe genau hin und prüfe was du verspürst." lächelte sie.
"Hinsehen? Ich soll Euch ansehen?" quiekste Harrys Stimme.
"Aber ja. Traue dich nur." lachte sie wieder dieses herrliche Lachen.
Harry hüstelte und tat dann, was sie von ihm verlangte. Er sah sie an. Gut eine Minute blickte er auf die nackte Frau vor ihm, bis er erkannte, was anders war.
Er verspürte keinen Reiz.
Er war ein knapp 16jähriger Teenager und hatte noch nie vorher eine nackte Frau in Natura gesehen. Vor allem nicht so eine unglaublich schöne nackte Frau wie sie ihm gegenüber stand. Mit diesem perfekten Antlitz, den herrlich geformten Brüsten und sanften Kurven genau dort wo sie hingehörten. Ihre Scham war bar jeglichen Haares und wirkte wie die eines jungen Mädchens. Ihre Haut wies keinen Makel auf und leuchtete wie Alabaster in dem Sonnenlicht. Eigentlich müssten seine Hormone rasen und all sein Blut sich in die unteren Körperregionen bewegen.
Eigentlich.
Doch alles was Harry empfand, war nicht mehr, als würde er ein exquisites Kunstwerk betrachten. Wie zum Beispiel eine marmorne Statue. Wunderschön und perfekt in allen noch so kleinen Details.
Und absolut asexuell.
Er blinzelte und sah genauer hin. Nichts änderte sich. Langsam nahm er seine Hände von seiner Blöße und näherte sich jetzt ohne Verlegenheit der jungen Frau.
"Sehr schön. Komm, setze dich bitte zu mir." machte sie eine einladende Geste und ließ sich selbst, sehr grazil auf dem saftigen Grün nieder.
"Danke, Mylady." verneigte sich Harry respektvoll und nahm nicht ganz so elegant neben ihr Platz.
"Oh, ein Höflicher." lachte sie wieder und Harry fühlte Glück. Er könnte diesem Lachen stundenlang lauschen. Es war beruhigend und ließ ihn sich sicher und geliebt fühlen. "Du kannst mich Artemis nennen." lächelte sie ihn an.
"Danke, Artemis." lächelte er zurück. Dann runzelte er nachdenklich die Stirn. "Artemis? So wie die... Göttin?" fragte er vorsichtig.
"Ahh, man kennt mich also noch." lachte sie erneut und zwinkerte ihm zu.
"Meine Gott." ächzte Harry, was sie nur noch stärker lachen ließ.
"Keine Sorge, mein Lieber. Ich beiße nicht." neckte sie ihn.
Harry wusste nicht, ob er ihr glauben sollte. War sie wirklich die Göttin Artemis? Die Göttin der Jagd, des Mondes, des Waldes und die Hüterin der Frauen und Kinder? Zumindest beschrieb die griechische Mythologie die Göttin so. Sie hatte allerdings auch den Ruf unerbittlich, grausam und eine Männerhasserin zu sein, aber er konnte dieses Bild, mit der wunderschönen Frau vor ihm, einfach nicht in Einklang bringen.
"Ja und nein und danke." lächelte sie fein.
"Wie?" stutzte der Junge.
"Ich habe viele Namen, Harry Potter. Eine dieser Namen ist Artemis. Er gefällt mir sehr und ich benutze ihn oft. Ich wurde als die Göttin der Jagd angesehen, doch mein eigentliches Anliegen sind tatsächlich der Wald und die Kinder. Doch die Menschen rufen mich nur noch selten um meinen Beistand an. Und mein Ruf... nun, unerbittlich zu sein, ist nicht immer schlecht. Und grausam und eine Männerhasserin? Ich denke eher nicht. Die Menschen haben oft ein sehr falsches Bild von uns gezeichnet. Aber das alleine ist es nicht, warum wir nur noch selten diese Gefilde aufsuchen." erklärte sie leise.
"Warum? Warum seid ihr gegangen?" konnte sich Harry nicht länger zurück halten.
"Oh, wir sind nicht gegangen, Kind. Es ist genau anders herum. Die Menschen haben sich von uns gelöst." erwiderte sie.
"Aber ihr seid doch... Götter."
"Nicht wirklich. Die Menschen haben uns als Götter gesehen, aber dem ist nicht so. Ja, wir sind mächtig und unsterblich und wir existieren seit Anbeginn der Zeit, aber wir sind keine allmächtigen Gottheiten. Wir sind die Hüter und Beschützer der Schöpfung. Das ist unsere eigentliche Aufgabe. Und wir mischen uns nur selten in die Belange der Sterblichen ein." erklärte sie geduldig.
"Dann gibt es also keinen Gott?" war Harry, für ihn selbst überraschend, enttäuscht.
"Das habe ich nicht gesagt, Harry Potter. Ich habe nur uns erklärt." sah sie ihm in die Augen.
"Dann gibt es Gott?" fasste Harry schüchtern nach.
"Das muss jeder für sich selbst herausfinden." lächelte sie.
"Grr, ich hasse es, wenn man mir so ausweicht." stöhnte der Junge frustriert.
"Manche Antworten sind nicht leicht zu erhalten." kicherte sie unbeeindruckt. "Aber denkst du wirklich, so etwas Gewaltiges, Schönes und Einzigartiges wie die Schöpfung der Universen geschieht von ganz alleine?" hob sie eine elegant geformte Augenbraue.
"Ohh." verstummte Harry.
"Yup. Ohh." lachte sie perlend.
"Yup? Ist das nicht etwas seltsam für eine Göttin?" kicherte Harry leise.
"Es kommt aus deinem Wortschatz, mein Lieber. Also beschwer dich nicht." kicherte sie mit. Sie klang jetzt wie jedes andere junge Mädchen.
Harry seufzte und wurde unmittelbar wieder ernst.
"Warum bin ich hier, Artemis?" fragte er sie.
"Ich habe mich schon gewundert, wann du diese Frage endlich stellen wirst, Harry James Potter." sagte sie liebevoll.
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Silver war nach dem Vorfall mit den Riesen zurück in sein Hotel gekehrt. Nachdem er wie üblich, seine Waffen gereinigt und neu bestückt hatte, verfiel er wieder in Meditation. Er wusste, dass die nächsten Tage und vielleicht Wochen, sehr stressig sein würden. Bisher hatte er nur einen Teil seiner gesteckten Ziele erreicht aber er gedachte nicht nachzulassen.
Wie würde Tom Riddle reagieren?
Dass er reagieren würde, war unausweichlich. Zu sehr hatte er den dunklen Lord gedemütigt.
Madame Bones war eines der voraussagbaren Ziele. Doch was waren die anderen?
Silver musste nicht lange nachdenken, um auf die nahe liegende Lösung zu kommen. Es gab ein paar Dinge die Voldemort im Wege standen. Eines war die Ministerin, das andere Albus Dumbledore.
Dann gab es noch das Hauptziel.
Harry Potter.
Und dessen Freunde natürlich.
Aber ja. Seine Freunde. Diese waren es, die Harry unter anderem von Riddle unterschied. Harry hatte wahre Freunde, die ihm treu waren. Keine Stiefellecker und Anbeter wie sie Tom Riddle aufwies. Was wäre Harry ohne seine Freunde?
Verdammt.
Es würde den Jungen zerbrechen, wenn jetzt auch noch seinen Freunden etwas geschah. Die Weasleys waren noch am besten geschützt. Die Longbottems? Schwer zu sagen, aber er konnte sich gut vorstellen, dass Bellatrix Lestrange dies gerne ändern würde. Am gefährdesten war Hermine. Als Muggelgeborene war ihr Heim so gut wie ungeschützt. Luna war ebenfalls nicht sicher.
Zeit, ein paar Vorbereitungen zu treffen.
Silver erhob sich geschmeidig und verschwand in der nächsten Sekunde aus seinem Hotelzimmer.
Er erschien in einer gepflegten Wohngegend, gut eine Fahrstunde von London entfernt. Sie unterschied sich gewaltig von der Siedlung in Little Whining, in der Harry aufwuchs. Keine gleichförmige Einfamilienhaussiedlung, wo eines wie das andere aussah. Nein, die Häuser hier waren sehr individuell, sehr gepflegt und mindestens ein bis zwei Preisklassen höher angesiedelt. Große Bäume säumten die stille Straße und die Laternen verbreiteten ein weiches Licht.
Hier residierten die Grangers. Angesehene Mitglieder der oberen Mittelschicht und sehr erfolgreiche Zahnärzte mit einer großen Privatpraxis. Und stolze Eltern einer außergewöhnlich intelligenten Tochter. Die wohl scharfsinnigste Hexe seit Lily Evans, die Hogwarts mit ihrer Anwesenheit beehrte. Doch all ihre Klugheit und ihr Wissen, würde Hermine nichts nützen, sollten die Todesser sie hier aufsuchen.
Silver kannte Hermines Adresse durch Harrys Erinnerungen. Harry selbst, war nie hier gewesen, aber er hatte seiner besten Freundin genug Briefe geschrieben.
Unbeachtet, stand der schlanke Teenager unter dem Baum vor dem Grangerhaus. Es war ein schönes, großzügiges Anwesen, etwa 2500 qm Meter Grundfläche. Der Vorgarten wies einen gepflegten Rasen und ein paar alte Bäume auf. Das Haus selbst, war von der Straße etwas zurück versetzt. Ein zweistöckiges Haus, mit vielen Giebeln und Kaminen.
Die Fenster waren dunkel, und zeigten, dass die Einwohner bereits schliefen. Umso besser. Silver machte sich sofort ans Werk und errichtete ein paar Schutzschirme. Antiapparations und Antiportschlüsselschirme waren selbstverständlich. Dazu machte er das Haus Feuerfest und hängte einen Alarmbann hinten an, um ihn unverzüglich zu benachrichtigen, wenn ein Angriff stattfindet.
Bisher waren die Schutzvorkehrungen nur Standart, wenn auch hoch angesiedelt. Doch Silver war noch nicht zufrieden. Also setzte er an die Ecken des Grundstücks ein paar Runensteine, die er geschickt, knapp unter der Oberfläche verbarg. Alleine diese Arbeit benötigte gut eine Stunde, bevor der Teenager zufrieden war. Jeder, der kein dunkles Zeichen trug, konnte sich dem Haus nähern und es betreten. Sollte jedoch ein Todesser versuchen, das Grundstück zu betreten, würde er eine unangenehme Überraschung erleben.
Silver grinste flüchtig, als er daran dachte und sah sich noch einmal um. Hatte er an alles gedacht?
"Ich denke, mehr ist nicht drin, ohne mich zu verraten." murmelte er und verschwand lautlos.
Der Fuchsbau, das Heim der Familie Weasley, war, wie erhofft, bereits gut geschützt. Es half natürlich, dass Bill Weasley ein Experte in Sachen Schutz war. Der älteste der Weasleyjungs hatte ordentlich gearbeitet und keine Lücken gelassen. Deshalb brachte Silver hier nur den stillen Alarm an.
Dann reiste er nur knapp einen Kilometer weiter zum Haus der Lovegoods, die ebenfalls in Ottery St. Catchpole wohnten, und erlebte mehr oder weniger das Gegenteil. Das Lovegoodhaus wies so gut wie keinen Schutz auf. Es gab ein paar alte und sehr schwache Schutzbanne, die bei einem Angriff sofort zusammenbrechen würden.
"Wie kann man nur so sorglos sein?" schüttelte er den Kopf bevor er sich an die Arbeit machte.
Knapp zwei Stunden brauchte Silver bevor er zufrieden war und zu seinem nächsten Ziel reiste.
Das Landgut der Longbottems zeugte von alten Reichtum und auch dem Adel der Longbottemfamilie. Es lag inmitten eines kleinen gepflegten Parks, der deutlich von Nevilles Liebe zu den Pflanzen zeugte. Alles blühte und gedieh prächtig und bot eine Oase des Friedens und der Stille.
Das Haus, wenn man hier von einem Haus reden konnte, hatte mindestens 30 Zimmer. Es wirkte eher wie das Schlösschen eines Landadeligen aus dem 19. Jahrhundert.
Silver blinzelte als er das alles sah und schüttelte auch hier den Kopf. Wenn auch aus anderen Gründen. Ihn verwunderte es, dass Neville nicht auch so ein pompöses Arschloch wie Draco Malfoy wurde.
"Hmm, muss an seiner gestrengen Großmutter liegen." stiegen Bilder von Augusta Longbottem vor seinem inneren Auge hoch. Das Bild brachte sogar Silver einen leichten Schauder ein.
Ein schneller Scann zeigte schnell auf, dass auch hier nicht alles zum Besten stand. Es gab zwar ein paar mächtige Schutzschirme, die aber nicht alles abdeckten. Es existierten ein paar kleinere Lücken, die zeigten, dass seit der Errichtung der Schutzschirme, das Anwesen gewachsen, beziehungsweise umgebaut wurde. Dabei hätte der Überfall vor 14 Jahren den Longbottems die Schwäche deutlich machen müssen.
Es war bereits der nächste Morgen, als Silver leicht erschöpft und ermüdet, in seine Suite zurückkehrte. Die Ergänzung und Angliederung des Schutzes am Longbottemanwesen, war auch der Hauptgrund für Silvers Müdigkeit. Er hatte hart gearbeitet und sich auch magisch verausgabt. Doch es war nichts, was nicht ein guter Schlaf wieder herstellen würde.
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Es war gut fünf Stunden später, als Silver aus seinem Schlaf gerissen wurde. Sofort war er hellwach und setzte sich blitzartig auf. Eine der Zielpersonen hatte sich bewegt und das hatte ihn alarmiert. Er brauchte nicht lange, bis er denjenigen identifizierte.
Peter Pettigrew.
Die Ratte war in London aufgetaucht und das hatte sicher nichts Gutes zu bedeuten. Innerhalb von fünf Minuten war Silver startklar und suchte Pettigrews Signatur. Dann verschwand der Teenager mit blitzenden Augen. Zeit, auf Rattenjagd zu gehen.
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Pettigrew schluckte nervös, als er das Riddle-Landgut in Richtung London verließ. Sein Meister hatte ihm einen klaren Auftrag erteilt und er wusste nur zu gut, was ein Scheitern seinerseits für ihn bedeuten würde.
Er musste es klug anstellen und all seine Fähigkeiten ausspielen, um erfolgreich zu sein. Sein Glück war, dass die Auroren immer noch nicht wussten, dass er ein Animagus war. Ein gewaltiger Vorteil.
Peter erschien in einer der kleinen Seitengassen in der Nähe des Ministeriums und sah sich, mit dem Stab in der Hand, kampfbereit um. Niemand hatte seine Ankunft bemerkt und er entspannte sich etwas. Er hatte nicht vor, all die Vorgaben, die ihn sein Meister auferlegte, einzuhalten. Keineswegs beabsichtigte er, die Ministerin vor Augenzeugen zu töten. Das war viel zu gefährlich und sein sicheres Todesurteil und Peter Pettigrew hing sehr an seinem Leben. Es wäre nicht zum ersten Mal, dass er sich heraus reden würde. Bones' Tod war das Hauptziel und sicher wäre sein Meister damit zufrieden.
Pettigrew seufzte und dachte an den Cruatiusfluch, den er wahrscheinlich wieder einmal erleiden musste. Es war einfach ungerecht. Warum immer er? Er warf einen flüchtigen Blick auf seine Uhr und verwandelte sich. Die fette Ratte mit der silbernen Pfote fiel in der schmuddeligen Gasse gar nicht auf. Wurmschwanz schnupperte und trippelte schnell an der Mauer entlang. Der Animagus kannte sich hier gut aus. Schon oft war er hier für seinen Meister unterwegs gewesen und hatte die Gegend um das Ministeriumsgebäude ausgekundschaftet. Eigentlich war das gesamte Areal gut abgeschirmt, aber es gab Lücken. Sie waren nicht groß, aber für eine gewitzte Ratte ausreichend.
Niemand sah den kleinen grauen Nager das Ministerium betreten. Niemand sah, wie er sich, durch alte Rohrleitungen, seinen Weg in das Innere des angeblich so sicher abgeschirmten Gebäudes bahnte. Manche dieser Rohre waren seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt worden. Andere waren durchaus noch aktiv. Wurmschwanz rümpfte die Nase, als er durch einen besonders verdreckten Abschnitt hastig trippelte.
Was nahm er nicht alles auf sich, um seinem Meister zu Gefallen zu sein. Er watete hier wortwörtlich knietief durch Scheiße, um an sein Ziel zu kommen und wer dankte es ihm? Die fette Ratte schüttelte sich, als er endlich den mit Fäkalien verseuchten Abschnitt hinter sich gelassen hatte. Leider war es der einzige Weg zu seinem Bestimmungsort. Wurmschwanz wusste genau, wohin er wollte.
Ein schmaler langer Korridor. Eine direkte Verbindung zwischen dem Büro des Ministers und dem Presseraum. Treue Anhänger des dunklen Lords im Ministerium hatten die Ministerin seit langem beobachtet. Amelia Bones hasste es mit einer großen Garde von Leibwächtern durch das Ministerium zu marschieren. Schon als sie nur die Direktorin der magischen Strafverfolgungsbehörde gewesen war, hatte sie es so gehalten. Deshalb kürzte sie gerne ihren Weg ab und benutzte unter anderem diesen Verbindungstunnel.
Sie hatte seit ihrem Amtsantritt zwei Pressekonferenzen abgehalten und es war nicht unbemerkt geblieben, dass sie stets alleine im Vorraum auftauchte und dann erst mit ihren Leibwächtern den Presseraum betrat. Viele Minister hatten es so gehalten und es war Fudge gewesen, der Lucius Malfoy dieses kleine Detail verraten hatte.
Voldemort hatte Pettigrew darauf hingewiesen und der Verräter der Potters hatte den Nutzen sofort erkannt. Es kam seiner hinterhältigen Natur entgegen und keiner würde im Weg sein, wenn er die Ministerin tötete.
Gut eine halbe Stunde vor dem Termin erreichte Wurmschwanz endlich sein Ziel. Der geheime Korridor war schlecht ausgeleuchtet und alte Möbelstücke und Aktenschränke säumten die Wände.
Es war einfach perfekt für einen Hinterhalt.
In einer der dunklen Ecken kauerte er und wartete geduldig ab. Wenn alles glatt lief, würde er längst aus dem Gebäude verschwunden sein, bevor man den Tod der Ministerin entdeckte.
Nach ein paar Augenblicken fühlte er einen Kälteschauer und die Haare seines Fells richteten sich etwas auf. Sofort hielt er schnüffelnd seine spitze Nase in die Luft und unterdrückte ein Fiepen. War er noch alleine?
'War nur meine Nervosität. Reiß dich zusammen, Peter.', dachte er erleichtert und entspannte sich wieder.
Dann hörte er Schritte näher kommen und er hielt sich bereit.
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Madame Bones wurde von Linda, um kurz vor 11 Uhr, noch einmal an den Pressetermin erinnert. Es war bereits die zweite Erinnerung und diesmal legte Amelia die Akten die sie gelesen hatte beiseite. Entschlossen erhob sie sich und strich ihre Roben noch einmal glatt. Sie verabscheute Pressekonferenzen zutiefst, aber wusste gleichzeitig, dass sie unumgänglich waren. Vor allem die heutige war wichtig für die Zukunft Britanniens.
Linda Peterson reichte ihr die Rede die sie geschrieben hatte und die Unterlagen für die Presse.
"Sie haben um 11:45 noch den Termin mit dem französischen Botschafter." warnte sie Linda.
"Mon Dieu." verdrehte Amelia leicht die Augen und Linda schmunzelte. "Oh je, ich bin wieder mal knapp dran." sah die Ministerin auf die Uhr. "Dann wollen wir mal. Schicken sie die Auroren nach unten. Sie sollen mich im Vestibül erwarten." befahl sie ihrer Sekretärin.
"Wie immer." lächelte Linda leicht.
Amelia winkte launig ab und öffnete die Tapetentür, die nur sie öffnen konnte. Das Öffnen der Geheimtür war nur dem rechtmäßigen Träger der Amtskette möglich, dem öffentlichen Zeichen ihrer Amtswürde. Schon der erste Minister für Magie trug dieses schöne Stück. Eine schwere goldene Kette mit einem Medaillon, das Merlin zugeschrieben wurde.
Tief in Gedanken schritt Amelia den düsteren Korridor entlang. Vorbei an den alten Aktenschränken und anderen ausgemusterten Möbeln. Sie hatte sich beim ersten Mal gefragt, warum keiner diese alten Sachen entsorgte. Bis sie einen genaueren Blick riskierte und feststellte, dass dies alles sehr wertvolle Antiquitäten waren. Einige waren Gastgeschenke von ausländischen Würdenträgern und andere private Stücke von ihren Vorgängern. Kein Wunder, dass das Büro des Ministers so elegant und stets so kostbar und gediegen eingerichtet war. Selbst Cornelius Fudge hatte ein oder zwei Stücke dazu beigetragen.
Also widmete sie den herumstehenden Möbelstücken keinen zweiten Blick und vernachlässigte ihre Wachsamkeit. Ihr Augenmerk lag auf der vor ihr stattfindenden Pressekonferenz. Die Ministerin hatte gut zwei Drittel des Ganges durchschritten, als sie auf einmal die wohl schrecklichsten zwei Worte, die in der gesamten Zauberwelt existierten, hinter sich vernahm.
"Avada Kedavra."
Sie fuhr herum und musste machtlos zusehen, wie der grüne Strahl mit unglaublicher Geschwindigkeit genau auf sie zuschoss.
Ihre Augen weiteten sich flüchtig und ihr Gehirn war wie taub. Doch sie wusste sofort eines.
Sie war so gut wie tot.
TBC...
A/N: Yup, wieder einmal ein kleiner Cliffie. Böses Grinsen. Wie hat euch meine Schilderung von Harrys Kummer und seiner Begegnung mit Artemis gefallen? Schreibt mir eure Meinung. Bis danne,
Marius
