Titel: Leere?
Genres: Drama, Sad, Romance
Warnings: Slash, Lemon (später) und anfangs Depri!Harry
Beta: Nici Black
Disclaimer: Alles -- Rowling, Idee -- Meine; bitte fragt wenn ihr euch was ausleihen wollt. Danke.
A/N: Aaah! Entschuldigung!!! Es tut mir so leid 'auf Knien bettel'
Trotzdem ist das Kapitel heikeandrea gewidmet, die richtig getippt hat... Viel Spaß dir!
Kapitel 1
Viele Kilometer entfernt schlug jemand seine Augen auf. Der Blick des jungen Mannes wanderte im Raum umher bis er auf einen alten Kalender gerichtet war. Der Morgen des 1. Septembers begann.
Ein flüchtiges Lächeln zog über sein Gesicht. Harry war überrascht und wurde sofort wieder traurig. Er konnte es noch. Wie lange war es her, dass er seit Sirius... Nein, stop! Nicht daran denken Harry, ermahnte er sich selber. Trotzdem wanderten seine Gedanken weiter.
Alles war in Ordnung gewesen, selbst Umbridge war zu ertragen gewesen. Doch nun... war er allein. Ganz allein.
Das Schuljahr nachdem... jedenfalls, war es sehr einsam gewesen. Niemand konnte zu ihm durchdringen. Nicht dass sie es nicht versucht hatten. Hermine wollte ständig dass er "darüber" redete und Ron war doch tatsächlich einfach darüber hinweggegangen, als wäre nichts passiert. Hatte so leben wollen wie davor. Doch Harry war es unmöglich so weiterzumachen. Denn seit... diesem Augenblick lag sein Herz tot in seiner Brust. Kein einziges Gefühl drang noch zu ihm durch; jedes einzelne war abgeprallt.
In Dumbledores Büro war der Schock noch zu groß, als dass er diese Leere schon gefühlt hätte. Erst in den Ferien stürzte die Wahrheit über ihn herein: er ist tot! Und das hatte ihn vollkommen zerstört. Ja, körperlich gesehen ging es ihm gut, das Gesicht nur ein wenig blasser. Seelisch aber, war da nichts mehr was man "lebendig" nennen konnte. Er fühlte nichts, keinen Ärger, keine Wut und vor allem keine Freude. Selbst Malfoy hatte ihn nicht wecken können, dessen Worte waren einfach vorbeigerauscht.
Auch was die Lehrer sagten, war vorbeigezogen. Als seine Noten immer mehr in den Keller, oder, im Fall Hogwarts'; in die Kerker, fielen, hatte sich Harry durchringen können zu lernen. Er hatte die Bücher der sechsten Klasse auswendig gelernt und die Antworten auf die schriftlichen Fragen runtergeleiert. Dann vergrub er sich in anderen Büchern, denn Harry bemerkte, dass ihn kaum Jemand ansprach, wenn er las. Also tat er das den ganzen Tag, denn Quidditch wollte er nicht mehr spielen. Es erinnerte ihn zu sehr an... Sirius. Durch das ganze Lesen lernte er noch etwas. Wurde sogar besser. Nur bei Snape nicht.
Snape. Das war ein Fall für sich. Bei ihm war er von einem "Annehmbar" auf ein "Mies" gerutscht, und wurde deswegen sogar zum Direktor gerufen.
>Flashback
«Harry, weißt du warum du hier bist?»
Die sanfte Stimme des Schulleiters versuchte ihn zu erreichen. Doch nachdem Harry sich mehrere Minuten nicht geregt, sondern nur aus dem Fenster gestarrt hatte, war Dumbledore fortgefahren.
«Harry, Professor Snape hat mich auf deine Zaubertränkenote angesprochen», erwartungsvolle Stille, «und leider muss ich sagen, dass ich ihm zustimme. Du stehst im Moment auf "Mies", und sollte das bis zum Ende des Schuljahres so bleiben, wirst du die Klasse wiederholen müssen.»
Hier legte der alte Mann eine erneue Pause ein, um dem 16-Jährigen die Möglichkeit zu geben, etwas einzuwerfen. Ohne Antwort sprach er traurig weiter.
«Ich kann es leider nicht ändern, mein Junge.»
Als Harry ihn anschließend direkt ansah, war der alte Mann erstaunt gewesen. Normalerweise reagierte der Sechstklässler nicht einmal, wenn man Sirius erwähnte. Dumbledore setzte in dem Moment an um weiterzureden, in dem Harry leise sagte: «Wenn das alles war, gehe ich wieder.»
Der Junge stand auf und ließ einen vollkommen verblüfften Schulleiter in seinem Büro zurück, der mit Stille oder Nicht-Beachtung seiner Person gerechnet hatte, aber keinesfalls mit einer einfachen Aussage.
Und während Harry zurück in seinen Schlafsaal ging, grübelte der erfahrene Direktor darüber nach, dass ihm so etwas wohl noch nie passiert war.
>Flashback Ende
Nach diesem Gespräch las Harry mehr als jemals zuvor und vor allem konzentrierte er sich auf Zaubertränke. Er verschlang alles was über dieses Thema unter seine Nase kam und um Ostern herum stellten sich Erfolge ein. Aber nicht allein bei Snape, sondern in allen Fächern. So ziemlich in jedem schwankte er zwischen "Ohnegleichen" und "Erwartungen übertroffen", nur in Zaubertränke kam er nicht über ein "Erwartungen übertroffen". Doch selbst sein schulischer Aufschwung war ihm egal, nur eins wurde wichtig: wenn er las, musste er nicht das verarbeiten, was geschehen war.
Es interessierte ihn auch nicht, dass er langsam aber sicher Hermine Konkurrenz machte und jeder, einschließlich Snape – der den Teufel getan hätte und es aussprechen würde - sich wunderte, was mit Harry Potter los war. Seine ehemaligen Freunde, die ihn immer wieder mit Fragen quälten, gaben es schließlich auf und widmeten sich einander.
Tolle Freunde, dachte sich Harry damals, doch nach einer gewissen Zeitspanne verkroch er sich einfach weiter in seine Büchern und vergaß die beiden. Auch in den Ferien schrieben ihm die Zwei keine Briefe, selbst zu seinem 17. Geburtstag kamen nur die üblichen Grußkarten, die man überall kaufen konnte – und keine Geschenke. Der gewohnte Schulbrief kam, und auch eine Benachrichtigung vom Ministerium: er dürfe nun auch außerhalb der Schule zaubern, solle dies aber vor den Muggeln geheim halten. Ja, erkannte Harry emotionslos, er war ihnen egal.
Seine Gedanken wurden unterbrochen als Petunia Dursley, seine einzige verbliebene Blutsverwandte, das Zimmer betrat und sagte: «Mach uns das Frühstück, bring dein Zeug runter und warte dann im Flur auf Vernon!»
Ohne eine Regung zu zeigen, verließ sie den Raum. Während Harry die Treppe hinunterging und das Frühstück für seine "Familie" zubereitete, dachte er darüber nach wie seine Verwandten reagiert hatten, als er für die letzten zwei Monate seines Lebens im Ligusterweg wieder einzog.
Zuerst waren sie sehr überrascht gewesen, wie kalt Harry geworden war, und es fielen auch einige spitze Bemerkungen über dieses Thema, doch als der Junge nicht reagierte, vereinzelten sich diese und hörten schließlich ganz auf. Ab diesem Zeitpunkt wurde er nicht mehr angesprochen, außer es war unbedingt nötig, man hatte ihn sogar in Ruhe gelassen. Die einzige Arbeit, die er noch im Haushalt tun musste, war Frühstück machen.
Die Wahrheit war, die Dursley fürchteten sich schlicht und ergreifend vor dem Jungen. Seine Ausstrahlung war so düster geworden, dass sogar Dudley das Grausen bekommen hatte. Die Familie einigte sich schließlich darauf, Harry so wenig wie möglich zu Gesicht bekommen zu wollen.
Doch der-Junge-der-lebt wusste davon nichts und wartete ruhig auf dem Flur, bis Vernon in zwei Stunden verkünden würde, er solle seine Sachen in das Auto packen. Harry hatte diesmal seine gesamten Besitztümer verkleinert – er durfte ja mit 17 laut Ministerium zaubern – und in seinen riesigen Koffer gelegt. Hedwig thronte wie immer auf diesem.
Während der Fahrt nach King's Cross wurde eisernes Schweigen eingehalten. Und in dem Moment, in dem Harry seine Sachen aus dem Kofferraum gewuchtet hatte, startete der Onkel das Auto und ließ einen schweigsamen Jungen zurück.
Harry machte sich auf zur Absperrung. Auf dem Weg dorthin konnte er schon viele seiner Mitschüler aus Hogwarts erkennen. Colin Creevy mit seiner Kamera – die er nach wie vor am liebsten auf Harry richtete -, Ginny Weasly, alleine... Moment!
Der-Junge-der-lebte drehte schnell den Kopf. Die jüngere Schwester von Ron Weasly würde nicht allein in Muggellondon stehen. Mit den Augen suchte der junge Mann die Menschenmassen ab. Nein, er musste sich getäuscht haben. Die rothaarige Familie würde niemals ihren jüngsten Spross unbeaufsichtigt lassen.
Wieder vollkommen ruhig schlängelte sich Harry auf die Absperrung zum Gleis 9 3/4 zu. Schließlich beschleunigte er seine Schritte, durchbrach die Mauer und gelangte so auf den richtigen Bahnhof.
Wohin das Auge blickte waren Schüler und besorgte Eltern zu sehen. Viele Kinder hatten bereits ihre Umhänge an, die Erstklässler noch ohne Wappen, nur die Hüte waren nach wie vor eingepackt und warteten auf den Abend, um beim Willkommens-Bankett auf den Köpfen zu sitzen. Überall stiegen Schüler ein oder aus, gingen in die eine oder andere Richtung, redeten und schrieen durcheinander. Kurz gesagt: es herrschte Chaos.
Davon bekam Harry aber nicht viel mit. Sobald er die rote Lock gesehen hatte, war er, so schnell es ging, eingestiegen und hatte sich ein leeres Abteil in der Mitte des Zuges gesucht.
Er hievte den Koffer auf die Ablage über den Sitzen, öffnete das Fenster, dann Hedwigs Käfig und entließ seine Schleiereule mit den Worten: «Du kannst jetzt fliegen Hedwig. Wir sehen uns in Hogwarts.»
Die Eule kletterte kurz auf die Schultern ihres Besitzers, schuhute leise und beruhigend in sein Ohr, schwang sich durch das Fenster und war verschwunden. Nachdem seine tierische Freundin nicht mehr zu sehen war, setzte sich Harry auf einen Platz und schloss die Augen. Er schlief ein, noch bevor die Lock anfuhr.
Als er langsam erwachte, fiel ihm auf, wie kalt es im Abteil war. Er hatte vergessen das Fenster zu schließen. Harry öffnete die Augen und blickte auf einen Berg weißer Federn. In diesem Moment bemerkte Hedwig, dass er wach war. Sie drehte sich um, klackerte leise mit dem Schnabel und kuschelte sich näher an ihren Herrn.
Über sein Gesicht huschte die Andeutung eines Lächelns. Wenigstens hielt noch einer zu ihm. Dass es ein Tier war, hieß nichts. Hedwig bedeutete ihm mehr als alles in der Welt, sie zu verlieren wäre... katastrophal. Er würde einfach wegsterben. Denn nur seine Eule hielt ihn noch am Leben, nachdem alle, die ihm etwas bedeuteten, nicht mehr an seiner Seite waren. Gut, Dumbledore sorgte sich um ihm. Dennoch war sich Harry sicher, dass der alte Mann das nur tat, um der Prophezeiung gerecht zu werden. Ron und Hermine... sobald beide im selben Raum waren, wurde der Gryffindor nicht beachtet, und sollte doch einer mal alleine angetroffen werden, dann wollte derjenige nur über den jeweils anderen reden. Kurz: Harry wurde als Lückenfüller genutzt.
Ein Ruck ließ ihn aus seinen Gedanken auftauchen. Der Zug hatte angehalten. Der Junge zog seinen Umhang hervor, zog ihn über und trat auf den Gang, der schon vollgestopft mit Schülern war.
Harry ließ sich von der Menge aus dem Zug und zu den Kutschen schieben. Während er aus dem Fenster des Wagen sah, musterten ihn die zwei Ravenclaws, die mit ihm fuhren.Würde Harry Potter wieder solche schulischen Leistungen bringen wie letztes Jahr? Man munkelte sogar, der Gryffindor hätte vielleicht nach Ravenclaw gekonnt.
Doch Harry bemerkte die Blicke der anderen Schüler nicht. Seine Gedanken kreisten um die Einsortierung und wie er danach möglichst unauffällig in den Turm gelangen konnte. Er wollte nicht wieder so angestarrt werden wie in seinem sechsten Jahr.
Er wurde aus seinen Gedanken gerissen als die Kutschen anhielten. Ja, dieses Jahr würde es das letzte Mal sein, dass Harry hierher kam. Sein siebtes Schuljahr brach an. Und das hieß lernen, lernen und nochmals lernen. Für die UTZ-Prüfungen und für seinen zukünftigen Beruf: Auror.
Wieder in die Gegenwart zurückkehrend, betrat Harry die Große Halle. Alles war wie immer. Die vier Haustische mit den Wappen von Slytherin, Ravenclaw, Hufflepuff und Gryffindor standen in der selben Reihenfolge wie jedes Jahr in der Halle, und dahinter konnte man den Lehrertisch sehen, an dem gerade der Direktor Albus Dumbledore aufstand. Stille kehrte ein.
«Lasst die Einsortierung beginnen!»
Die großen Flügeltüren öffneten sich und Professor McGonagall führte die Erstklässler zum Sprechenden Hut, der schon auf dem dreibeinigen Stuhl stand und wartete. Wieder kehrte Stille ein.Plötzlich öffnete sich im Hut einen Aufschlag und begann mit seinem Lied:
«Lang vergangen,
Als ich entstanden,
Die Gründer hier
Schufen die Häuser vier:
Godric Gryffindor
Zog die mit Mut weit vor.
Doch sagt man,
Tapferkeit zu Töricht werden kann.
Helga Hufflepuff
Meint, Treue ist die Sach'.
Manche sagen, sieh,
Hilfsbereitschaft in Blindheit fiel.
Rowena Ravenclaw
Sie alle mit Wissen nähr'.
Nur geht es um,
Gelehrsamkeit ohne Ziel ist dumm.
Salazar Slytherin
List und Tücke wichtig sin'.
So es heißt,
Ehrgeiz die Freunde von dir reist.
Einsamkeit
Dich innerlich vereist.
Allein Liebe kann
Brechen den Bann.
So lasst mich schnell auf eure Köpfe 'rauf,
Dass ich euch in die Häuser teile auf.
Dies ist wofür ich gemacht:
Das ist meine Macht!»
Tosender Applaus brach los, doch darunter konnte man deutlich Geflüster hören: «So etwas hat er doch noch nie gemacht...», «Warum redet er von Liebe?» und «Normalerweise preist er doch nur die positiven Charakteristiken der Häuser, warum jetzt auf einmal nicht mehr?»
Auch Harry hatte sich gewundert weshalb der Hut sowohl die guten als auch die schlechten Eigenschaften der Häuser aufzählte. Das Gryffindors tollkühn waren und sehr oft auch einfach Gefahren nicht sahen wusste er aus eigener Erfahrung. Hätte er auf andere gehört, würde... er jetzt noch leben. In den Ferien war es Harry immer so vorgekommen, als müsste er nur nach Hogwarts zurückkehren müsste, damit er nicht mehr teilnahmslos alles über sich ergehen lassen würde, doch jetzt ging ihm auf: er war hier genauso einsam wie im Ligusterweg.
Als Dumbledore wieder zu sprechen ansetzte, verstummte das Gerede.
«Meine lieben Schüler und Schülerinnen: Willkommen in Hogwarts!», er lächelte warm über das Schülermeer, doch Harry fiel auf, dass auch er noch über die Worte des Hutes nachdachte.
«Wie jedes Jahr möchte ich den Erstklässlern einige Dinge sagen: der Verbotene Wald heißt nicht umsonst so, sondern es ist schlicht verboten ihn zu betreten. Die Gewächshäuser dürfen auch nur mit einer Lehrkraft betreten werden. Und Mr. Filch erinnerte mich zu sagen, Jeder, der wissen möchte welche Gegenstände auf dem Schulgelände verboten sind, solle in die Liste vor seinem Büro Einsicht nehmen. Jetzt bleibt mir nur noch eins: Haut rein!»
Mit diesen Worten eröffnete er das Bankett und die Schüler, einschließlich Harry, griffen nach den köstlichen Speisen, die die Hauselfen zubereitet hatten.
Gespräche kamen wieder auf und Harry hörte schweigend zu, wie seine Mitschüler über die neuesten Ausbrüche oder Übergriffe der Todesser diskutierten.Sein Blick schweifte durch die Halle, über die zwei anderen Tische hinweg zum Slytherintisch, an dem Draco Malfoy gerade vom Hühnchen aß, zum Lehrertisch, wo Dumbledore in ein Gespräch mit seiner Stellvertreterin McGonagall vertieft war, zu dem Verteidigungslehrer Professor Korander, der nach Umbridge die Stelle übernommen hatte und nun schon zwei Jahre an der Schule geblieben war, zu Snape, der nach wie vor miesepetrig in der Halle umher starrte. Einen Moment lang blickte der Tränkemeister in Richtung Gryffindortisch, doch nichts änderte sich in seinem Blick, jedenfalls nichts das Harry erkennen konnte.
Nachdem auch der Nachtisch verschwunden war, erhob sich der Schulleiter erneut.
«Nun da wir alle voll der Köstlichkeiten sind, wünsche ich euch eine Gute Nacht.»
Stühle knarrten und kratzten über den Steinboden der Halle, die Schülermasse schob sich aus der Halle und teilte sich in die verschiedenen Häuser auf, wobei die Vertrauensschüler die Erstklässler führten. Harry konnte, als sich Hermine an ihm vorbeischob, ihren Ärmel fassen. Auf ihren genervten Blick fragte er hastig: «Hermine, wie ist das Passwort für den Gryffindorturm?»
Sie seufzte, beugte sich zu ihm herunter und flüsterte: «Löwenhaar!»
Und noch bevor der Junge ein «Danke» hervorbringen konnte, war sie schon verschwunden. Ja, dachte sich Harry, während er zum Turm hinaufging, das Goldene Trio gab es nicht mehr. Vor der Fetten Dame sagte er das Passwort und konnte in den Gemeinschaftsraum. Er war, wie immer, in Rot/Gold gehalten, vor dem Kamin standen viele weiche Sessel und einige Tische waren in die Ecken des Raumes gerückt worden, um in der Mitte Platz für die Schüler zu schaffen, die sich unbedingt über die Ferien austauschen wollten.
Schweigend durchquerte Harry den gemütlichen Raum, stieg die Treppe hinauf und betrat seinen Schlafsaal. Obwohl, Saal konnte man es ja nicht mehr nennen. Er hatte vergessen, dass die Siebtklässler nur zu zweit schlafen.
Tatsächlich standen zwei Betten mit roten Samtvorhängen an der rechten Wand, zwischen ihnen ein Fenster mit zugezogenen Vorhängen. Genau gegenüber der Tür war noch ein Fenster eingelassen, ebenfalls geschlossen. Daneben stand ein volles Bücherregal. An der linken Wand war, neben dem Regal, ein Schreibtisch. Dann mittig, zwischen einem weiteren Tisch, fügte sich ein Kamin mit zwei bequemen Sesseln ein. Je ein Fenster war über den Schreibtischen zu sehen, verdeckt von schweren Vorhängen. Gleich links neben der Tür stand das Äquivalent des ersten Regals. Der Boden war mit flauschigen Teppichen ausgelegt.
Gemütlich, schoss es Harry durch den Kopf. Er trat an das Regal an der, der Tür gegenüberliegenden, Wand und las kurz über die Buchtitel.
«Wasserpflanzen des Mittelmeers», «Tropenkräuter und ihre Wirkungen in Heiltränken» und «Russische Gräser» waren nur einige der vielen Bücher, die fast ausschließlich über Kräuter handelten.
Wer wohl sein Zimmerpartner war? Ron auf alle Fälle nicht, dessen Schwerpunkt wäre Verteidigung gewesen. Ron beschloss zu Anfang des sechsten Schuljahrs, Verteidigung gegen die dunklen Künste – Lehrer zu werden. Und zu Hermines und Harrys erstaunen, hatte der Weasly seinen Berufswunsch gegen den seiner Eltern - Auror - durchgesetzt, die das gar nicht toll fanden. Doch Ron war nicht um eine Unze von seinem Wunsch abgewichen und so mussten sich Molly und Arthur Weasly fügen.
Harry besah sich das zweite Regal. Dort standen eindeutig seine Bücher. «Verwandlung für Fortgeschrittene, Band 2», «Zaubertränke, Band 7» oder «Zauberkunst, Band 2»
Das waren die Grundbände, die er per Schulliste hatte kaufen müssen. Doch um seine Leselust zu stillen – bei den Dursleys war er nicht mehr sehr eingespannt gewesen – erstand er bei Flourish&Blott's zusätzliche Lektüre, vor allem über Zaubertränke und Verwandlung, das waren schon immer seine schwachen Fächer gewesen. Auch wenn man das jetzt nicht mehr wirklich behaupten konnte. Denn in beiden Fächern hatte er mit «Erwartungen übertroffen» abgeschnitten. So sehr sich Snape auch angestrengt hatte, Harry Fangfragen zu stellen und runterzumachen, der Junge-der-lebte konnte jede Frage richtig beantworten. Nicht, dass das Gryffindor Punkte eingebracht hätte, aber Snape war es nicht möglich gewesen welche abzuziehen.
Weiter darüber nachdenkend, wie sein letztes Schuljahr gewesen war, zog sich Harry um und legte sich ins Bett.Mit dem Gedanken, wessen Bett wohl das andere war, schlief er ein.
Severus Snape lief mürrisch einen Gang entlang. Warum nur musste er immer zum Willkommens-Bankett erscheinen? Hatte er Albus nicht klar genug gesagt, er wolle nicht? Und das ein paar hundert Mal. Aber nein, er MUSSTE!
Verächtlich schnaubend betrat der Mann die Große Halle und ging zu seinem Platz am Ende des Tisches. Noch waren die Kutschen nicht angekommen und der Saal still, bis auf die leisen Gespräche der Lehrer.
Snape warf einen bitterbösen Blick auf Professor Korander. Er mochte den Mann einfach nicht und auch wenn die anderen Lehrer sagten, er konnte niemanden leiden, so stimmte das nicht. Er fand sie nur ein wenig seltsam. Doch dieser Mann...
In diesem Moment öffnete sich die Flügeltür und riss so Snape aus seinen Gedanken.
Jetzt ging es wieder von vorne los. Wieder ein Jahr mit diesen unfähigen Schülern. Was hatte ihn damals nur geritten, dass er Albus' Stellenangebot angenommen hatte? Er schickte giftige Blicke in die Schülermenge und viele zuckten zurück oder beschleunigten ihre Schritte. Jaah. Das war doch jedesmal ein berauschendes Gefühl.
Er blickte weiter durch die Halle und lauschte den Worten des Hutes, der diesmal auch die schlechteren Eigenschaften der Häuser beschrieb. Soweit Snape wusste, war dies noch nie vorgekommen und die überraschten Gesichter der älteren Kollegen bestätigten diesen Gedanken. Normalerweise redete er nur etwas von wegen böser Slytherin und guter Gryffindor, doch dieses Mal auch von Liebe.
Snapes Blick verdüsterte sich nochmals um mehrere Nuancen. Dumbledores Rede bekam er nicht mit, erst das Essen auf den goldenen Tellern, riss ihn seinen Gedanken.
Hungrig machte er sich über einen Braten her und ließ dabei seinen Blick wandern. Als er Harry Potter, den Held der Nation erreichte, hätte er vor Schreck fast seine Gabel fallen lassen.
Der Blick des Jungen, der ihn gerade ansah, war absolut stumpf. Irgendwie gebrochen.
Snape fragte sich was mit dem Jungen los war. Zuerst verschlechterte er sich, dann zog er auf die zweitbeste Note an – und nicht einmal Severus Snape konnte leugnen, dass die Aufsätze gut waren – und jetzt sah er aus, als wäre er tot.
Kurz dachte Snape über die Möglichkeit, dass der Junge unter einem Imperius stand, nach und schob den Gedanken sofort beiseite. Er hatte gerüchteweise gehört, dass es Potter im vierten Jahr sehr schnell gelungen war, den Imperius des falschen Mad-Eye Moody abzuschütteln. Wenn Potter allerdings immer noch dem Tod seines nutzlosen Paten hinterher hing, nun, das war hervorragend! Dann konnte er ihn damit noch weiter fertig machen.
Und mit diesen triumphalen Gedanken rauschte Severus Snape, der Hogwartsinterne Zaubertrankmeister, in seine Gemächer im Bauch des Schlosses.
heikeandrea
Hach, danke für das Review! Ich hoffe, dir hat der weitere Verlauf gefallen?
