Titel: Leere?
Genres: Drama, Sad, Romance
Warnings: Slash, Lemon (später) und anfangs Depri!Harry
Beta: Nici Black
Disclaimer: Alles -- Rowling, Idee -- Meine; bitte fragt wenn ihr euch was ausleihen wollt. Danke.

A/N: Ich hoffe, ihr hattet viel Spaß mit dem neuen Band? Nur zu eurer Beruhigung, hier kommen keine Spoiler vor. Diese FF ist noch vor HBP geschrieben worden... 'rot werd'


Kapitel 3

Am nächsten Morgen saß Harry in Geschichte der Zauberei und dachte, ungestört seitens Binns, darüber nach, was er in dieser Nacht geträumt hatte.

Flashback

Ein Mann war über einen Tisch gebeugt und konzentrierte sich auf das was vor ihm lag.

Harry blickte sich um. Er stand in einem Kellerraum, die Wände waren nicht mehr zu erkennen, denn die Regale nahmen die gesamte Wandfläche ein. In ihnen befanden sich Bücher oder Phiolen, die verstaubt und wild verstreut herumlagen. Der bloße Steinboden hatte vielleicht einmal grau ausgesehen, doch jetzt war er voller Dreck und Flecken, die sehr nach getrocknetem Blut aussahen.

Der Mann, der eine schwarze Zaubererrobe trug, hatte sich nicht bewegt.

Nachdem sich Harry sicher war, dass der Andere ihn nicht wahrnehmen konnte – er hatte versucht ein Buch anzufassen und glitt hindurch -, trat er an den Schreibtisch heran und musste sich verrenken, damit er um den Mann herumsehen konnte.

Es war ein Buch, das den Zauberer so faszinierte, in einer seltsamen Sprache, die sich ständig zu verändern schien. Waagrechte Striche wurden zu Kreisen und andersherum. Ein leichtes Raunen ging davon aus, das sich wie Stimmen anhörte.

Schlagartig wurde dem Jungen klar was er da vor sich hatte: ein Buch, geschrieben in der Schlangensprache Parsel. Nun, da er sich dessen bewusst war, konnte er auch die seltsamen Zeichen lesen und verstehen. Wort für Wort entzifferte Harry langsam den Text. Mit jedem Buchstaben wurde klarer, dass dort ein Rezept für einen Trank aufgeschrieben war.

Ein giftiger Trank. Aufgeschwemmter Wegerich, Schwanzhaare eines schwarzen Einhorns und geriebener Kröterich. Das alles ergab ein solch bösartiges Gebräu, dass ein einziger Tropfen aufgelöst in einem Glas Saft den sofortigen Tod brachte.

Harry lief es kalt den Rücken hinunter.

Für wen wohl dieses Gift gedacht war? Auf jeden Fall musste derjenige etwas Grausames verbrochen haben, wenn er so endgültig aus dem Weg geschafft werden sollte. Denn es gab zwar ein Gegengift, doch war der Zeitraum in dem man dieses einnehmen konnte nur wenige Sekunden lang. Also somit praktisch fast unmöglich, rechtzeitig zu handeln. Und dann auch noch so furchtbar kompliziert herzustellen; fast zwei Monate lang musste man brauen.

Wer also sollte um die Ecke gebracht werden? Außerdem, wer wollte damit töten?

Also wirklich Harry, dachte sich der Junge, er musste sich nur zur Seite drehen um zu sehen wer das Gift braute. Er bewegte den Kopf in Zeitlupentempo nach rechts. Als Harry in das Gesicht sah, wusste er, es war...

Flashback Ende

An dieser Stelle war Harry, in seine Decke verwickelt, aufgewacht und konnte sich einfach nicht erinnern, wer der geheimnisvolle Mann gewesen war. Er war noch wachgelegen und hatte weiter versucht sich das Gesicht ins Gedächtnis zurückzurufen: vergebens.

Sobald Neville dann aufgestanden war, folgte er ihm in die Halle zum Frühstücken und danach in Geschichte der Zauberei.

Und hier saß er seit über einer Stunde und grübelte über diesen Traum nach. Langsam aber sicher bekam er Kopfschmerzen. Kein gutes Zeichen.

Anscheinend wollte etwas in ihm nicht, dass er sich erinnerte. Aber so hässlich konnte der Mann nicht gewesen sein, sonst hätte er sich doch nur geekelt. Oder war er deswegen aufgewacht, das Gesicht stieß ihn ab? Das konnte er nicht glauben, Snape war garantiert nicht schöner und der war auch noch in Ordnung.

Uuuh, hatte er gerade gedacht, der Lehrer wäre hübsch? Igitt! Der Traum musste ihn mächtig verwirrt haben. Es gab, nach Harrys Meinung, so gut wie keinen der es mit Snapes Leichen Geier Gesicht aufnehmen konnte.

Ergo, die Chance gerade so einen Menschen erwischt zu haben, war gleich Null. Jetzt stand er wieder am Anfang; seine Gedanken drehten sich im Kreis.

In diesem Augenblick klingelte es zum Mittagessen. Die Klasse stand eilig auf und verlies schleunigst das Zimmer. 'Nur schnell weg von Binns', war die Devise. Harry hingegen ließ sich Zeit seine Notizen – die praktisch nicht vorhanden waren - einzupacken und dann zu Neville aufzuschließen.

In der Großen Halle angelangt, setzten sich die beiden und aßen schweigend ihren Braten mit dem Gemüse, das es an diesem Tag gab.

Fragend blickte Neville auf, «Was hast du denn jetzt, Harry?»

Der Genannte suchte seinen Stundenplan heraus und schaute nach.«Kräuterkunde. Warum?»

Nevilles Gesicht hellte sich auf, er grinste, «Dann haben wir ja zusammen Kräuterkunde!», er blickte den schwarzhaarigen Jungen lächelnd an, «Gehen wir gleich gemeinsam hin, ja?»

Harry sah in die glänzenden Augen und konnte den Wunsch einfach nicht ablehnen. Gestern erst hatte er sich gesagt, netter zu dem Jungen zu sein, nun musste er das auch durchziehen. Also nickte der Gryffindor einfach.

«Schön.», Neville machte eine kurze Pause, «Gehen wir?»

Wieder nickte Harry, hob seine Tasche auf und folgte dem anderen durch die Tür und zu den Gewächshäusern. Sie mussten ein paar Minuten warten bis der Rest ihrer Klasse erschien, dann wurden sie hineingelassen.

Professor Sprout stand kurz hinter der Tür und wies sie an, ihre Drachenhandschuhe anzuziehen.

«So, nachdem das erledigt ist, werden wir heute bei dem Spinosus einige Schnitte vornehmen müssen. Dazu gehen Sie zu zweit zusammen und nähern sich dem Farn. Ein Partner schneidet mit der Schere, die liegen da,», sie zeigte auf einen Karton links neben der Glastür, «die vorderen fünf Blattpaare ab. Aber passen Sie auf, dass Sie nicht mehr als fünf abschneiden, sonst schlägt Spinosus aus und wird versuchen Sie mit den Dornen zu erwischen. Der andere sammelt die Blätter ein und wirft sie in diese Säcke.»

Die Hufflepuff – Hauslehrerin wies auf mehrere Dutzend kleiner, braun-grüner Säckchen, die neben dem Karton mit den Scheren lagen.

«Als Hausaufgabe werden Sie über den Spinosus nachlesen und einen Aufsatz über zwei Seiten Pergament schreiben. Sie können anfangen.»

Sie nickte ihnen auffordernd zu und Harry sagte leise im aufkommenden Gerede: «Wäre besser wenn du schneidest, Neville.», und blickte den anderen Jungen bittend an.

Der war einverstanden, wusste er doch, wie wenig Talent Harry im Umgang mit Pflanzen hatte.

Nach einer guten halben Stunde in denen die Klasse, mehr oder weniger, ruhig gearbeitet hatte, waren Neville und der-Junge-der-lebte ein eingespieltes Team, das bis jetzt sogar das einzige war, welches noch keinen Kratzer abbekommen hatte.

Ohne Vorwarnung ertönte ein kreischender Schrei: «Aaaaaaaaah! Ei... eine Schlaangeeeee!»

Ein Mädchen der Hufflepuffs stolperte rückwärts, die Hände vor das Gesicht geschlagen. Professor Sprout kam angerauscht und versuchte das schluchzende Bündel Mensch zu beruhigen.

Durch den plötzlichen Lärm erschrocken, zuckte Nevilles Hand eine Sekunde lang und schnitt prompt sechs, statt fünf Paare ab. Die Pflanze wackelte daraufhin kurz und katapultierte dann eine Ranke in Richtung der Jungen. Neville, der Sprouts Worte noch im Kopf hatte, lies sich nach hinten fallen, doch Harry, abgelenkt durch das Wort Schlange, bewegte sich keinen Millimeter zur Seite. Der Zweig schoss auf Harrys Gesicht zu, der nur im Augenwinkel eine Bewegung sah und den Kopf zur Seite drehte.

Zisch!

Ein Dorn traf Harrys Wangenknochen und ritzte kurz vor dem Haaransatz die Haut auf. Das Gift verschloss zwar die Wunde wieder in Sekundenbruchteilen, doch tat es trotzdem weh.

«Autsch.»

Harrys Hand schoss nach oben und legte sich über die kleine Narbe. Seine Augen blickten verwirrt auf den sich windenden Farn. Der Schmerz blitze kurz in seinem Bewusstsein auf und verschwand wieder; er war sehr viel mehr Schmerzen gewohnt.

Der Junge bekam nicht mit wie er von Neville zu Madam Pomfrey gezerrt wurde, er hatte endlich den einen Punkt gefunden, warum er den Traum nicht verdrängen konnte.

Parsel! Das Buch war in der Schlangensprache geschrieben. Der Mann aber hatte es gelesen.

Dieser Zauberer konnte Parsel! So weit Harry wusste, waren er und Voldemort die einzigen, die noch mit Schlangen sprechen konnten. Wer war also der rätselhafte Giftbrauer und Parselbeherrscher?

Voldemort sicher nicht, denn Harrys Narbe hatte im Traum nicht gebrannt, wie sie es sonst bei einer Vision vom Dunklen tat. Apropos, er hatte seit Sirius' Tod nicht mehr von diesem Verrückten geträumt. Warum eigentlich nicht?

Harry wurde aus seiner Gedankenwelt gerissen, als Madam Pomfrey ihn anwies, einen Traumlos-Schlaftrank zu trinken, sobald er auf seinem Zimmer wäre. Er sei vom Unterricht befreit und solle auch das Abendessen ausfallen lassen.

Wortlos nahm der Junge das Fläschchen, ging, in Begleitung von Neville, den die Krankenschwester angeheuert hatte, zum Gryffindor – Turm und legte sich in sein Bett.

Bevor er die verordnete Arznei schluckte, betete er noch kurz er möge noch einmal von dem geheimnisvollen Mann träumen.

Harry schloss die Augen und schlief den Abend und die Nacht durch.

Als er am nächsten Morgen die Augen öffnete, aufstand und sich anzog, wurde ihm klar, dass er nicht wie erhofft den Tränkebrauer gesehen hatte, sondern in Snapes Unterricht gesessen hatte und jedes Mal, wenn er den Mann ansehen wollte, sein Gesicht nicht hatte erkennen können, aber er wusste, dass es Snape sein musste!

Es war zum Verzweifeln. Da war jemanden der aktiv gegen Voldemort kämpfte und sogar schon ein Mittel gefunden hatte und sie konnten ihn nicht kontaktieren um sich zusammenzutun...

Denn Harry würde zwar den Lord töten, aber nur wenn es sich nicht vermeiden lies. Gäbe es eine andere Möglichkeit, bitte, sehr gerne! Der Junge war wirklich nicht scharf darauf, auf Leben und Tod kämpfen zu müssen.

Einen stummen Seufzer später saß Harry am Frühstückstisch und aß seinen Toast. Er ließ seinen Blick wandern und kam schließlich am Lehrertisch an. McGonagall wirkte müde und abgekämpft, Dumbledore hatte zur Ausnahme mal kein Funkeln in den Augen sondern sah traurig aus der Wäsche. Und Snape... schien sich zu freuen.

Harry musste zweimal hinsehen um sicher zu sein, dass er sich nicht irrte. Die Augen des Mannes funkelten unheilbringend und sein Mund verzog sich zu einem, in seinem Fall großen, Lächeln.

Und der Junge wusste warum Snape so gute Laune hatte. Heute hatte der siebte Jahrgang Tränkeunterricht und somit war Snapes Lieblingsopfer in Reichweite: Er, Harry Potter. Doch eben jener Junge fühlte nicht im Ansatz, was sämtliche anderen Kursteilnehmer – einschließlich Sytherins – fürchteten: einen fröhlichen Tränkemeister.

Jedes Mal wenn der schwarze Mann besser aufgelegt war als sonst, wurden Punkteabzüge und sarkastische Kommentar an jedes Haus verteilt, auch an die Schlangen. Wenn dieser Mensch eins konnte, dann war es Angst einzujagen. Ein netter Snape war noch viel Furcht einflößender als ein Hippogreif, der wütend um sich schlug. Das wusste jeder auf der Schule. In dem Moment, wo das Furchtobjekt Nummer 1 aufstand, schluckten ungefähr fünfzehn Schüler trocken, verabschiedeten sich von ihren Freunden und schrieben ihr Testament.

Sie hasteten dem Mann hinterher, die Treppen zum Kerker hinunter und vor die Tür zum Klassenzimmer. Keine Sekunde nachdem alle anwesend waren, öffnete sich die Eichentür und die Schüler konnten eintreten.

Leise flüsternd betraten sie das Zimmer, setzten sich auf ihre Plätze – die Slytherins vorne und die Gryffindors in den hinteren Bankreihen – und sahen sich vorsichtig um.

Von seinem Platz in der letzten Reihe konnte Harry die Mitleidenden erkennen: acht Slytherins, einschließlich Malfoy, einen Hufflepuff, der sich wohl im Haus geirrt haben musste, vier Ravenclaws und drei Gryffindors: Hermine Granger, Dean Thomas und er selbst. Dass Hermine hier war, überraschte Harry nicht sonderlich, dennoch, Dean hätte er nicht erwartet.

Doch der schwarzhaarige Junge wurde aus seinen Überlegungen gerissen als Snape vom Pult an die Tafel trat und schweigend ein Rezept erscheinen lies.

«Diesen Trank werden Sie heute brauen, sofern Sie überhaupt lesen können.», seine Augen huschten über Dean, Harry und den einzelnen Hufflepuff, der vor Schreck anfing zu zittern.

«Doch zuerst... Potter, was ergibt Affodill und Wermut? Keine Ahnung, hm?», der Mann wollte schon weiterreden, obwohl Harry sicher antwortete: «Affodill und Wermut ergeben den Trank der Lebenden Toten. Er ist so stark, dass ein Aufwachen so gut wie noch nie vorgekommen ist, es ist legal ihn zu brauen.»

Snape war einen Moment so verblüfft, dass er vergaß zu antworten. Als er es dann tat, wusste der Gefragte, er würde keine Punkte für seine korrekte Antwort bekommen, «Na so was, Potter, haben Sie endlich gelernt ein Buch aufzuschlagen? Ein Wunder!», seine Stimme triefte nur so von Sarkasmus und Ironie, «Finch-Fletchley, wie nennt sich der Trank an der Tafel?»

Schon hatte sich der Lehrer wieder gefangen und fuhr mit seiner üblichen Mischung aus Sticheleien und offenen Beleidigungen fort. Trotzdem lies sich Harry nicht reizen, blieb ruhig und braute seinen Trank, der im Buch als "Letal" aufgeführt wurde und über Hautkontakt wirkte.

Eine Doppelstunde lang sprach sich Snape in Rage und spottete versteckt über Sirius und Harrys Eltern. Dessen ungeachtet lies sich der-Junge-der-lebt nicht zu einer Antwort hinreißen und fühlte sich nicht einmal angegriffen. Er spürte gar nichts, als der Tränkemeister tückisch "mächtige Verwandte garantieren nicht für den Erfolg der Kinder" in seine Richtung zischte. Im Ganzen gesehen war es Harry vollkommen egal, was der Lehrer da vorne laberte, er würde sich nicht ablenken lassen. Schon einmal hatte er das getan und das Ergebnis war erschreckend gewesen.

Nein, ermahnte sich der Junge selbst, nicht daran denken. Dennoch konnte er nicht verhindern dass sein Hand zitterte. Ein Körnchen Pulver zuviel löste sich vom Glasrand und verschwand in seinem Trank, der sich sofort tiefschwarz färbte.

Snape, der in dieser Sekunde zu ihm trat, sah das unbrauchbare Gebräu einen Augenblick verächtlich an, dann schnarrte er:«Potter, wie können Sie so einen simplen Trank derartig versauen? Er ist nutzlos. Daher...», der Mann zückte seinen Zauberstab und schwang ihn kurz in Richtung Harrys Kessel, «... Null Punkte für Sie.»

Das schwarze Gemisch verschwand und lies einen sauberen Kessel zurück. Harry nickte stumm mit dem Kopf, räumte die noch unverbrauchten Zutaten zusammen und setzte sich auf seinen Stuhl um das Ende der Stunde abzuwarten.

Nach dem Klingeln zum Ende der Stunde stand der Junge auf und verließ wortlos das Zimmer, ging zum Mittagessen in die Große Halle und traf dort Neville, dem er in kurzen Worten erzählte was in der Stunde passiert war. Er vermied dabei auf den Lehrertisch zu sehen.

Neville aber tat es und zuckte zusammen, als er den Blick des schwarzhaarigen Mannes bemerkte, der unverwandt auf den-Jungen-der-lebte gerichtet war. Ein schnelles Blinzeln zu Harry und der Gryffindor wusste, Harry sah den starren Blick nicht.

Als das Essen vorbei war, ging Neville in das Schloss hinauf zu seinem Unterricht und Harry in den Gryffindor – Turm. Dort verbrachte er die zwei Freistunden die er hatte damit, seine Hausaufgaben zu erledigen. Anschließend machte er sich zu Zauberkunst auf.

An diesem Abend schlief er in dem Wissen ein, am nächsten Morgen frei zu haben.


Den letzen Tag hatte Severus Snape nichts getan als sich den folgenden Tag auszumalen. Er überlegte ausführlich wie er Potter quälen und welche Bemerkungen er fallen lassen würde. Alles in allem also ein sehr unterhaltsamer Tag.

Und heute war es soweit. Er könnte wieder sein Hassobjekt so richtig fertig machen. Er rieb sich gedanklich schon die Hände und hätte wohl laut gelacht, wenn da nicht die vielen Zeugen gewesen wären. Denn Severus saß in der Großen Halle. Also war lachen ausgeschlossen.

Aber er konnte zumindest ein paar Hufflepuff verschrecken, am besten die Erstklässler! Denen hatten die älteren Schüler garantiert einige Schauergeschichten über ihn erzählt, was er natürlich ausnutzte und seinem Ruf mehr als gerecht wurde. Manchmal war es schon lächerlich wofür ihn die Schüler hielten. Einmal schwor man Stein und Bein, er sei ein Vampir und am nächsten Tag war sich die ganze Schule einig, Dumbledore hätte ihn als Zombie wiedererweckt.

Das gesamte Lehrerkollegium amüsierte sich regelmäßig prächtig über die lebhafte Gerüchteküche und Severus selbst auch, sehr sogar, doch das gab er natürlich nicht zu. Apropos zugeben, dort betrat gerade jener Potter, über den er gerade nachgedacht hatte, die Halle.

Severus verfolgte mit den Augen wie der Junge sich setzte und zu frühstücken anfing. Äußerlich ließ er sich nichts anmerken, doch in Gedanken weilte er wieder in seinen Rachefantasien. Severus bemerkte nicht den Blick mit dem Potter ihn maß und auch nicht den überraschten Ausdruck in den grünen Augen, der aber sofort wieder von dem Schleier abgelöst wurde, der sich im letzten Jahr gebildet hatte.

Wieder aufwachend trank er seinen Kaffee aus und stand auf. Als er durch die Halle zu seinem Klassenzimmer ging, fielen ihm die schlagartig blass werdenden Gesichter seiner Schüler auf. Er grinste in sich hinein.

Jaaa, seine gute Laune betraf die Punktekonten der Häuser oft ziemlich negativ. Severus fasste sich wieder, setzte seinen Todesblick auf und öffnete die Tür mit einer kurzen Handbewegung.

Vorsichtig und wachsam betrat seine Klasse den Raum, setze sich und wurde still. Er musterte seinen UTZ – Kurs.

Eine handvoll Slytherins und noch weniger Ravenclaws. Sehr wenige hatten es dieses Jahr geschafft seinen Anforderungen zu entsprechen. Zur allgemeinen Überraschung war auch ein Hufflepuff hier. Das war schon fast eine Beleidigung. Er hatte den Sommer hinweg überlegt, wie er die Prüfungen gestalten konnte um solche... Diletanten auszuschließen. Und drei Gryffindors! Die daueraltkluge Granger, Thomas, der anscheinend echtes Talent besaß – und das als Gryffindor – und Potter, der sich zum Klassenbesten entwickelt hatte. Vor Besserwisser – Granger wohlgemerkt.

Gesamtbilanz: Deprimierend.

Seine Laune schlug von höhnisch in miserabel um. Sein Blick fiel auf Potter, der in der hintersten Reihe wohl dachte, er könne ihm entwischen. Aber nicht mit ihm.Er ließ den heutigen Trank an der Tafel erscheinen und wandte sich zu der Klasse um.

«Diesen Trank werden Sie heute brauen, sofern Sie überhaupt lesen können.»

Verächtlich sah er auf den Hufflepuff und die Gryffindors. Dann schlug ein Geistesblitz ein: «Doch zuerst... Potter, was gibt Affodill und Wermut? Keine Ahnung, hm?»

Das war typisch. Zum zweiten Mal fragte er schon dieses Kinkerlitzchen und der Junge konnte es immer noch nicht. Er wollte schon etwas sagen, als Potter überraschend doch noch antwortete: «Affodill und Wermut ergeben den Trank der Lebenden Toten. Er ist so stark, dass ein Aufwachen so gut wie noch nie vorgekommen ist, es ist legal ihn zu brauen.», seine Stimme schwankte nicht und keine Gefühlsregung war herauszuhören.

Einen Augenblick lang verschlug es Severus die Sprache. Der Junge hatte gelernt. Und zwar anscheinend ausführlich. In der Schulbibliothek war nur ein Buch zu finden, in dem die Auswirkungen auf den Körper und das Erwachen beschrieben wurden.

Er hatte den Jungen unterschätzt. Doch das war nicht das aktuelle Problem. Noch immer wartete die Klasse auf seine Antwort, «Na so was, Potter, haben Sie endlich gelernt ein Buch aufzuschlagen? Ein Wunder!»

Verflucht, warum konnte kein Slytherin diese Antwort geben? Darauf würde er Punkte geben. Aber Potter...

Er wandte sich dem ängstlichen Hufflepuff zu. Wie war noch Mal der Name? Ah ja...

«Finch-Fletchley, wie nennt sich der Trank an der Tafel?»

Jetzt hatte er sich wieder gefangen. Der weitere Unterricht verging schnell und Potter lies sich nicht provozieren. Nicht einmal einige, sehr sorgsam gewählte Bemerkungen über seine Eltern und seinen Paten ließen ihn sichtbar reagieren. Und Severus wurde langsam wütend. Warum regte sich der Kerl nicht mehr auf? Bisher traf noch jedes Wort ins Schwarze! Er beschloss noch einmal die Probe aufs Exempel zu machen und den Jungen von Hinten zu belauern.

Er trat an den Kessel und konnte gerade noch sehen, wie sich der Trank von grün in schwarz veränderte.

Ja! Er konnte es also noch! Das war beruhigend. Und jetzt hatte er allen Grund Punkte abzuziehen. Weil der Junge den richten Trank mit nur einem... Stopp.

Severus' Pupillen weiteten sich schlagartig. Der Trank war grün gewesen! Er hatte sich von GRÜN zu SCHWARZ verändert. Wie zum Teufel war es Potter möglich gewesen einen korrekten Trank zu brauen?

Doch zuerst... «Potter, wie können Sie so einen simplen Trank derartig versauen? Er ist nutzlos. Daher: Null Punkte für Sie.»

Ein Schlenker mit dem Zauberstab später verschwand die schwarze Flüssigkeit. Ohne mit der Wimper zu zucken oder ihn anzusehen, räumte Potter seinen Platz auf und setzte sich.

Severus verdrängte den Vorfall und beendete die Stunde. Er sah den Jungen das Zimmer verlassen und blieb nachdenklich stehen. Potters Trank war richtig gewesen...

Er stieg langsam die Treppen hoch und setzte sich auf seinen Platz am Tisch. Seine Augen ruhten auf Potter, als könnten sie so sein Geheimnis ergründen.

Richtig... Wann hatte ein Schüler das letzte Mal diesen Trank beim ersten Versuch exakt gebraut? Er suchte nach jemandem in seiner Zeit als Lehrer und fand keinen. Auch als er noch Schüler gewesen war, konnte er sich an niemanden erinnern. Doch dafür hörte er nochmal die Worte seines Lehrers: «Ich bezweifle dass auch nur Einer von Ihnen diesen Trank einwandfrei brauen wird. So lange ich mich erinnere ist das noch keinem gelungen. Doch versuchen Sie zumindest Ihr Bestes zu geben.»

Auch Severus selbst war es nicht möglich gewesen, erfolgreich zu brauen. Dennoch meinte der Lehrer damals, sein Trank wäre noch der mit Abstand Beste gewesen. Er grübelte weiter und fand doch keine Lösung. Nicht einmal Granger oder Malfoy waren so dicht dran wie Potter gewesen. Er hatte das Pulver gesehen. Das war die letzte Zutat. Ein einziges Körnchen verunreinigte den Trank. Irgendetwas brachte Potters Hand zum Zittern. Doch was?

Und wenn das nicht geschehen wäre, hätte der Junge einen perfekten Letal-Trank gebraut? Wahrscheinlich schon. Also musste er Talent haben.

Doch das war etwas, das Severus Snape nicht zugeben konnte. Also verdrängte er diese Erkenntnis sorgfältig. Noch lange lag Severus wach im Bett und konnte nicht einschlafen. Doch sich eingestehen, dass Harry Potter der Grund dafür war, das tat er nicht.


heikeandrea
Hehe, es wäre vielleicht klüger gewesen, mir das nicht zu versprechen! Aber natürlich, schreib nur...

Reinadoreen
Harrys Weg ist falsch – für uns ist das klar. Aber für ihn? Wenn du denkst, dass ist die EINTIGE Möglichkeit Voldemort zu besiegen... Würdest du das nicht auch tun?

Wie man sieht, spielt Severus wirklich eine wichtige Rolle in dieser FF. Was für eine, das verrate ich nicht... 'smile'

Osiris Black
Danke! Diese FF geht ja vom "Orden des Phönix" aus, und da war (für mich zumindest) noch nicht klar, dass Harry sich später in Ginny verlieben würde. Deswegen wird sie keine so große Rolle spielen... Sorry.

Und zu Ron und Hermine... Die beiden haben es ja versucht! Sie wollten reden, helfen. Haben Briefe geschrieben und Wutausbrüche gehabt... Harry hat nur einfach völlig abgeblockt. Und irgendwann haben die beiden einfach aufgegeben etwas ändern zu wollen...

R&R

Dreamdance