Titel: Leere?
Genres: Drama, Sad, Romance
Warnings: Slash, Lemon (später) und anfangs Depri!Harry
Beta: Nici Black
Disclaimer: Alles -- Rowling, Idee -- Meine; bitte fragt wenn ihr euch was ausleihen wollt. Danke.

Kapitel 4


Mit dem selben Atemzug, bei dem er die Augen öffnete, wusste Harry; heute würde er nirgendwo erscheinen müssen. Ein freier Tag.

Wann hatte er so etwas zum letzten Mal gehabt? In den Ferien? Nein, bei den Dursleys wurde er gezwungen mit zu frühstücken. Im sechsten Schuljahr? Da musste er nachlernen, was er verpasst hatte, und das war eine Menge. Also auch keiner. In den Ferien vor der sechsten Klasse? Damals hatte er alle drei Tage einen Brief zu schreiben, dass es ihm gut ging. Ebenfalls ausgeschlossen. Im fünften Jahr? Ja, da hatte er manchmal ein Wochenende frei gehabt. Das hieß, wenn Hermine ihn und Ron nicht zum Lernen zwang. Seine Freunde... waren nebensächlich.

Also war es zwei Jahre her, dass er manchmal keine Verpflichtungen hatte erfüllen müssen.

Harry setzte sich im Bett auf und blickte sich im Raum um. Rote Stoffe, glimmende Kohlen und bequeme Sessel. Er betrachtete die Vorhänge genauer.

Rot wie Blut. Wie sein Blut. Der Junge schüttelte panisch den Kopf.

Nein, nein. Er musst aufhören zu denken! Jetzt gleich, sofort!

Er schlug mit aufgerissenen Augen die Decke zurück und stolperte in den Raum hinein. Wohin er auch sah, immer hatte er Blut vor seinen Augen. Hysterisch drehte er sich im Kreis, griff sich seinen Mantel vom Bett, stürmte durch die Tür und rannte aus dem Schloss.

Sein Herz pochte im rasenden Rhythmus seiner Schritte, die ihn ohne Pause zum See trugen, zur Hälfte um die Wasserfläche herum, bis zu der Stelle an der Wald und Wasser zusammentrafen. Dorthin, wo er Sirius gerettet hatte. Vor drei Jahren. So lange war es her.

Er starrte mit leerem Blick auf die spiegelnde Fläche vor ihm.

Warum nur? Warum er? Waaaaaaaruuuuum?

Er wollte toben, schreien, um sich schlagen, doch der Junge konnte sich nicht rührten. Nur seine Hände verkrampften sich in die Robe.

Er konnte nicht mehr. Wollte nicht mehr. Brachte es nicht mehr über sich, Gefühle zu zeigen, den vereisten Panzer um sein Herz zu sprengen. Hatte keinen Grund mehr zum Leben, zum Lieben.

Was war Liebe? Ein schönes Gefühl? Konnte er überhaupt noch fühlen? Als er vorhin aufgewacht war, da hatte er doch gefühlt, nicht? Aber ein schönes Gefühl war das ganz sicher nicht gewesen.

Harrys Gedanken schweiften ab.

In den Ferien nach Sirius' Tod setzte die Veränderung schleichend langsam ein. Er wollte damals nicht fühlen und so hatte er nach und nach alles verbannt, was ihn verletzten konnte. Hinter mächtigen Türen wurde es eingegraben, die Pforten schloss er zu und versteckte auch den Schlüssel sorgfältig. Die Fenster der Seele, seine Augen, wurden leerer bis sich schließlich nichts mehr in ihnen spiegelte.

So wie in Snapes Augen.

Harry stieß ein Schnauben aus, das ein Lachen hätte sein können. Ja, mittlerweile war er diesem Mann eindeutig ähnlich geworden. Nur Snapes Zynismus hatte Harry noch nicht übernommen. Allerdings würde es den Jungen nicht mehr überraschen, sollte sich auch das einstellen. In seinem sechsten Jahr hatte der-Junge-der-lebt endlich begriffen, warum der Tränkemeister so unausstehlich war: eine Maske.

Mitleid durchflutete ihn. Mitleid für den verhassten schwarzhaarigen Mann. Denn der musste sicherlich schon seit seiner Kindheit diese Täuschung leben. Harry fragte sich seit dem letzten Jahr, ob der Severus Snape, der als Kleinkind sicherlich im Garten getollt hatte, überhaupt noch irgendwo, tief unter der Schale aus Spott und Häme zu finden war.

Immer mehr Ähnlichkeiten wurden mit der Zeit deutlich. Keiner von ihnen hatte Freunde. Jedenfalls sicher keine richtigen Freunde. Ron und Hermine zählte Harry nicht mehr zu seinen Freunden und Fred und George waren zu alt, um wirklich mit ihm befreundet zu sein. Nun, er hatte Neville; vielleicht, sicher war sich der Junge da nicht. Hm, Albus Dumbledore konnte man durchaus mit dem tollpatschigen Jungen vergleichen. Jemand den man "Freund" nannte, aber ihm nicht alles erzählte. Ja, man konnte das sagen.

Eine weitere Gemeinsamkeit war sicherlich, dass Snape und er nirgendwo wirklich willkommen waren. Harry bezweifelte, dass der Tränkebrauer nur wegen seines Wesens unter den Todessern geachtet wurde, sondern einfach, weil er der jüngste Meister seines Faches war, und das zu Recht. Denn egal wie wenig man den Lehrer leiden konnte, die ganze Schule stand zu der Meinung; Snape wusste was er tat. Dennoch erfreute sich der Mann nicht besonders großer Beliebtheit unter der "Seite des Lichts", als überführter Todesser akzeptierte man ihn nicht so einfach in der Gesellschaft.

Und Harry? Die Sklaven Voldemorts wollten seine Haut, am besten seinen Tod. In der Zaubererwelt handelte und behandelte man ihn als "Licht der Hoffnung", sah ihn als rohes Ei, oder bestenfalls als höhergestellt. Nicht sehr vorteilhaft um Freunde zu finden.

Die Schulglocke holte den Jungen aus seinen Gedanken.

Erstaunt stellte er fest, dass gerade die Sonne unterging. Er hatte den ganzen Tag hier gesessen und nachgedacht?

Leicht den Kopf schüttelnd stand Harry auf und ging ins Schloss zurück. Er schloss sich den anderen Schülern an, die in ihre Räume zurückkehrten. Er trat in den Gemeinschaftsraum und sah sich einem wütenden Ron gegenüber.

«Verdammt, wo warst du den ganzen Tag?», schnaufend atmete Ron aus.

Verwirrt blickte Harry den Rothaarigen an.

«Wir haben uns Sorgen gemacht!», mittlerweile lauschte der gesamte Raum gespannt, «Warum hast du niemandem was gesagt? Du sollst SOFORT zu McGonagall gehen. Die Lehrer haben dich nach dem Mittagessen gesucht. Geh!»

Und damit drückte der Gryffindor – Vertrauensschüler den Schwarzhaarigen wieder aus dem Portraitloch. Vollkommen überrumpelt stand Harry vor der Fetten Dame und konnte sich das überspitzte Verhalten nicht erklären.

«Er hat schon ein bisschen Recht, weißt du? Alle waren in Panik.»

Vorwurfsvoll blickte ihn das Portrait an, «Ich habe nichts gemacht.», versuchte Harry sich zu erklären.

Doch die Wächterin antwortete: «Das ist es ja gerade.», seine Füße trugen ihn zu McGonagalls Büro, während seine Gedanken wanderten.

Weil er nichts getan hatte, schrie man ihn an und machte sich Sorgen. In den letzten fünf Schuljahren war es genau entgegengesetzt, alle sorgten sich, wenn er irgendwas verbrochen hatte. Danach, nicht davor. Hätte, würde, könnte. Wie sehr ihm das auf die Nerven ging.

Er schüttelte leicht den Kopf. Einmal so und dann wieder anders. Die sollten sich endlich entscheiden!

Harry stand vor der Tür der Hauslehrerin, klopfte und wartete auf eine Antwort. Statt dessen wurde die Tür fast aus der Angel gerissen, von einer bleichen McGonagall, die ihn anstarrte. Sie stieß einen tiefen Seufzer aus und winkte ihn herein. Die Frau ließ sich auf einen Stuhl fallen.

«Potter, wo haben Sie gesteckt?», Sie blickte den Jungen durchdringend an.

«Am See.», Harry sah keinen Grund das zu verschweigen.

Die Professorin barg den Kopf in den Händen und blickte anschließend wieder auf, «Warum haben Sie niemandem etwas gesagt? Die ganze Schule hat sich Sorgen gemacht, verdammt!», sie schlug mit der Faust auf ihren Schreibtisch.

«Was denken Sie sich eigentlich? Ihnen hätte sonst was passieren können! Todessserangriffe oder irgendein Tier vom Verbotenen Wald! Wahrscheinlich haben Sie wiedermal überhaupt nicht gedacht, typisch für Sie...»

McGonagall war, am Anfang noch besorgt, wieder aufgestanden und schritt nun außer sich vor Wut hinter ihrem Schreibtisch auf und ab.

Sie hatte in ihrem Zorn nicht bemerkt, welche Veränderung bei dem Jungen vor sich gegangen war. Harry zuckte sichtbar zusammen, als seine Verwandlungslehrerin anfing zu schreien.

Vor seinem inneren Auge liefen Bilder und Erinnerungen ab, die ihn zittern und erbleichen ließen.

Vernon, wie er ihn anschrie, Vernon, wie er ihn nach einer seiner Wutattacken schlug, Vernon, der ihm mit schriller Stimme drohte und in sein Zimmer warf, Sirius und Snape streiten, einander anschreiend, Todesser im Ministerium, die Flüche brüllten, unter Schmerzen schrien, Sirius, der durch den Vorhang fiel, Blut an den Wänden der Mysteriumsabteilung, Blut auf seinen Händen, Blut auf seiner Haut, Blut, Blut, Blut, Blut,...

Die grünen Augen aufgerissen, starrte Harry vor sich hin, in seiner Welt gefangen, unmöglich sich zu befreien, der Spirale aus Blut – Schmerz – Schuld – Blut zu entkommen.

«Himmel, Potter hören Sie mir überhaupt zu?», eine zornesgerötete McGonagall tauchte in seinem Gesichtsfeld auf.

Harry schloss schnell die Augen, verbannte diese Gedanken. Nicht jetzt... «Natürlich Professor. Ich werde nichts mehr tun.»

Seine Lehrerin öffnete den Mund, wollte antworten und wurde sich bewusst, dass der Junge keine Wiederworte gegeben hatte.

«Kann ich gehen?», der Junge blickte die Frau nicht an, sah auf einen Punkt an der Wand hinter ihr.

«N... natürlich Potter.»

Verwirrt beobachtete sie, wie Harry aus dem Zimmer ging, zurück in seinen Gemeinschaftsraum.

Die alte Frau seufzte. Vor zwei Jahren wäre ihr Harry nach dem ersten Wort in die Rede gefallen, und jetzt ließ er alles über sich ergehen. WAS war nur mit Harry Potter passiert? Doch zuerst musste sie Albus davon in Kenntnis setzen, dass der Gryffindor wieder aufgetaucht war.


Am selben Abend wurde eine Ordenssitzung einberufen. Sie fand im Grimmauld Place statt, der auch nach dem Tod des letzten Blacks noch betretbar war. Um den langen Küchentisch herum saßen die Ordensmitglieder und warteten darauf, dass Dumbledore die Sitzung eröffnete. Endlich blickte der alte Mann auf.

«Liebe Ordensmitglieder, ihr alle habt die Veränderungen von Harry Potter mitbekommen. Und wir müssen endlich darauf reagieren.»

Er maß die Anwesenden mit Blicken: die Weasleys mit Ausnahme von Ron und den Zwillingen, Alaster Mad-Eye Moody, Andromeda Tonks mit tintenblauem Haar, Mundugus Fetcher in eine Rauchwolke gehüllt und leise schnarchend, Severus Snape wie immer schlecht gelaunt und Minerva McGonagall.

«Der heutige Tag hat wieder gezeigt, was alles passieren könnte. Harry Potter ist heute morgen nicht zum Frühstück gekommen und sein Freund Ronald hat sich Sorgen gemacht.», hier nickte Molly Weasley und Severus musste sich einen skeptischen Blick verkneifen. Hatte diese Frau und der gesamte Orden noch nicht erkannt, dass Granger und der junge Weasley nicht mehr Potters Freunde waren? So offensichtlich, doch warum sahen es die anderen nicht?

«Er hat in Harrys Schlafzimmer nachgesehen, Neville gefragt aber den Jungen trotzdem nicht gefunden. Dann informierte er mich. Sämtliche Lehrer fanden ihn nicht, und wenn der Junge nicht bei einbrechender Dunkelheit zurückgekommen wäre, wir hätten uns ernsthafte Sorgen machen müssen.»

Wieder wunderte sich Snape, man machte sich erst nach Einbruch der Nacht richtige Sorgen? Was taten sie dann in der Zeit davor? Gerade wollte er eine entsprechende Bemerkung machen, als Molly ihm zuvor kam. Zu seinem Glück. Wie hätte es denn ausgesehen, wenn ausgerechnet er, Severus Snape...

«Aber wo war denn das arme Kind dann?»

Beruhigend nickte Albus der Frau zu, «Er saß den ganzen Tag am See, wie er Minerva hier erzählt hat. Bitte, meine Liebe, wie hat er denn reagiert als du ihn danach gefragt hast?»

Die Gryffindor richtete sich auf und begann: «Ich hatte ihn gerade gefragt, wo er denn gewesen wäre als er mir mit "Am See." antwortete. Ich fragte ihn dann warum er niemandem etwas gesagt habe und er meinte nur, dass er das nie wieder tun würde. Das war eigentlich alles. Mir ist nichts aufgefallen, er wirkte wie immer. Seine Augen waren glasig, aber sonst nichts Besonderes.»

Stille herrschte, bis Tonks ansetzte.

«Ich weiß, das haben wir schon einmal besprochen, doch hat keiner eine Ahnung was mit Harry passiert ist? Ich kann nicht glauben, dass er einfach so nicht mehr spricht.»

Verzweiflung schwang in ihrer Stimme mit. Severus erinnerte sich, dass die Aurorin nach dem Tod ihres Cousins eine Zeit lang ebenfalls nicht gesprochen hatte. Doch am schlechtesten verkraftete es wohl Lupin. Oder eher nicht, denn der Werwolf überlebte seine nächste Verwandlung nicht.

Warum trauerten alle so um den Hund? Sooo toll, war der Mann nun auch wieder nicht gewesen.

Moody blickte sie genervt an.

«Und noch einmal: wir wissen es nicht und damit endlich Schluss, Tonks!»

«Nana Alastor.», Albus hob beschwichtigend die Hand, «Dies ist nicht unser wichtigstes Problem. Zuerst sollten wir uns überlegen, wie wir Harry zurückholen können. Wir brauchen ihn und seine Kraft die Voldemort nicht kennt. Ohne ihn können wir nicht endgültig gewinnen und müssen nur noch mehr Verluste hinnehmen. Kann also jemand einen Vorschlag machen?», Stille senkte sich über den Raum, Jeder hing seinen Gedanken nach und suchte nach einer Lösung ihres Problems.

Auch Severus dachte über die verschiedenen Möglichkeiten nach. Man könnte den Jungen mit der Mysteriumsabteilung oder dem Grimmauld Place konfrontieren und damit entweder einen kompletten Zusammenbruch oder eine Stärkung von Harrys Willen erreichen.

Verschiedene bewusstseinseingreifende Tränke konnten angewandt werden. Oder der Imperius als radikalere Lösung.

Doch den Willensverlust konnten sie nicht nutzen, Dumbledore hatte erklärt, nur wenn Potter fühlte, würde der Dunkle keine Macht über ihn haben. Und gerade da lag das Problem. Der Junge zeigte keine Gefühle mehr. Hatte verschwommene und leere Augen.

Und Minerva sagte, als er in ihrem Büro saß, blickte er sie mit glasigen Augen an.

Severus blinzelte.

Glasig, das war was ihn gestört hatte. Glasige Augen traten nur bei Fieber oder beim Weinen auf. Der Junge machte aber einen recht gesunden Eindruck. Also musste er geweint haben. Warum?

Wenn der Orden das wüsste, sie hätten die Lösung der Gefühls – Frage.

Also, was brachte den Jungen dazu, den ganzen Tag auf den Ländereien von Hogwarst zu verbringen und zu weinen? Und dann am See! Normalerweise verkroch man sich doch zum Weinen. Am See konnte man ihn jederzeit finden, bei einer Suchaktion.

Wenn sie ihn aber nicht gefunden hatten, dann konnten sie nicht wirklich alles abgesucht haben. Oder es fand gar keine Suche statt.

Wieder blinzelte der Mann.

Er hatte gedacht, die Lehrer wollten vermeiden, dass er mit nach Potter suchen musste, wussten sie doch alle wie sehr er den Jungen mochte. Doch wenn man es so hinstellte...

Severus musterte Minerva und Albus. Der alte Mann blinzelte hinter seinen Brillengläsern nachdenklich, er strahlte Abwesenheit aus. Blitze da ein Grinsen hinter dem langen Bart durch?

Die Gryffindor – Hauslehrerin presste wie immer die dünnen Lippen aufeinander und rieb sich den Nasenansatz. Ihre Augen irrten über die Versammelten.

Er sollte aufhören zu fantasieren. Natürlich hatten sie Potter gesucht. Warum auch nicht? Er sollte sie schließlich vor Voldemort retten.

Noch einmal blinzelte der Tränkelehrer.

Diente Potter nur als Mittel zum Zweck? Nein, das war nun wirklich zu abwegig...

Zögernd durchbrach Minerva die Stille, «Man müsste ihn zum Fühlen bringen...», auf die Blicke der anderen fuhr sie schnell fort, «Also entweder Liebe oder Hass.»

Gerade wollte Arthur etwas erwidern, als Albus sich ruckartig aufrichtete und laut rief: «Das ist es!»

«Albus, wir wissen, dass Harry fühlen soll! Was ist daran so neu?», Alastor blickte skeptisch in Richtung Dumbledores, den er nun wahrscheinlich für vollkommen verrückt halten musste. Aufgeregt schüttelte der alte Mann den Kopf.

«Nein, du hast nicht ganz verstanden, mein Lieber. Die stärksten Gefühle sind Liebe und Hass. Und da wir mit Sicherheit wissen, dass Harry keinen liebt, müssen wir dafür sorgen dass er hasst.»

Doch Molly Weasly, die wie die meisten noch immer nicht verstanden hatte, worauf der Direktor hinauswollte unterbrach ihn: «Albus, willst du, dass wir D...du-weist-schon-wen zu Harry bringen?»

Zufrieden lies sich der Angesprochene auf seinen Stuhl zurückfallen, «Nein, Molly, nicht Voldemort. Wen hasst Harry nach Voldemort am meisten?»

Bis es bei der rothaarigen Frau endlich "Klick" machte, hatten die anderen schon verstanden. Sie blickten verstehend zu Severus Snape, der mit erschrocken aufgerissenen Augen nicht sehr erfreut aussah.

«Albus, dass kann nicht Ihr Ernst sein! Ich soll Potter...»

Der Schwarzhaarige hatte sich wieder in der Gewalt und sah nun voller Wut zu dem weißhaarigen Mann, der den flammenden Blick glücklich erwiderte.

«Doch Severus, doch. Das ist die einzige Möglichkeit, Harry geeignet wieder auf die richtigen Bahnen zu lenken. Du wirst in Harry wieder Gefühle wecken.», er blickte bestimmenden zu dem vor Wut kalkweißen Mann, «Damit ist die Versammlung beendet.»

Dumbledore erhob sich und verließ zielstrebig die Küche. Die anderen Mitglieder folgten ihm nicht minder schnell. Aber nicht, um ihren Aufgaben nachzukommen, sondern um dem Mann zu entgehen, der auf den Stuhl des Direktors starrte, als wolle er ihn in Flammen aufgehen lassen.

Wie konnte es dieser... dieser... manipulative Bastard wagen? Er sollte den Jungen dazu bringen etwas zu fühlen! Was hatte der alte Mann genommen?

Severus hielt es nicht mehr auf dem Stuhl, er stand sprungartig auf und schlug mit der Faust auf den Tisch.

Zum Teufel mit Dumbledore! Er und Harry Potter? Das ergab höchstens einige Fetzen auf der Krankenstation. Im Bestfall!

Der Mann legte den Kopf in den Nacken und stieß einen tiefen Schrei aus.

« Rrrrrrooooaaaaaaarhg!»

Vor Wut loderten seine Augen, die blicklos im Steinraum umherirrten. Wie, bitte schön, sollte er das anstellen? Den Jungen verhexen? Oder noch besser, ihn mit den Crucatius dazu bewegen, vor Schmerzen zu schreien? Alles drin, aber ihn zum Fühlen zu bringen...

Oh...!

Dieses Klappergestell von Zauberer, er würde ihn am liebsten...

Noch einmal drang der Schrei aus seiner Kehle, doch diesmal konnte der dunkel gekleidete Mann nicht verhindern, einen Teil seiner Magie freizusetzen.

Die Temperatur stieg an, die Luft waberte und ein Stuhl ging in Flammen auf. Schwarze und rote Funken stoben durch den Raum und nisteten sich im Holz des Tisches und der Stühle ein. Eine weitere Magiewelle lies drei weitere Hocker und einen Teil des Holztisches zu Staub zerfallen.

In dem alten Ofen, der noch ein Relikt des alten Black – Haushaltes darstellte, loderte ohne Vorwarnung ein tiefschwarzes Feuer auf und brach die Steine des Herdes auf. Sie verschwanden in den Flammen oder lösten sich in der Luft, aufgerieben von der Unmenge an Magie, die Severus verströmte.

An den Wänden entlang rieselte Staub auf den Boden, die Decke wackelte und die Tür wurde in den Gang hineingesprengt. Die Portraits schrieen erschrocken auf, bekamen sich nicht mehr ein und wurden noch hysterischer als sie die Magie spürten, die durch das Haus kroch.

Doch der Verursacher nahm das Chaos nicht wahr, sondern dachte nur weiter darüber nach, wie er diese Aufgabe bewältigen sollte.

Langsam beruhigte sich Severus und schloss schließlich die Augen. Als er sie wieder öffnete war die Wut aus ihnen verschwunden. Kalt blickte er auf das Durcheinander. Eine kurze Handbewegung beseitigte die Zerstörung.

Ruhig ging er durch den Gang und trat schließlich durch die Tür.

Die Portraits, die noch vor kurzem panisch waren, wurden sehr still, als der Mann an ihnen vorbei kam.

Severus Snape schloss die Eingangstür hinter sich. Das Klicken des Schlosses durchbrach als einziges Geräusch die Grabesstille.


Die Zeit flog dahin, die Blätter welkten und fielen schließlich. Eines Morgens erblickten die Schüler beim Aufstehen eine geschlossene Schneedecke.

In den Kerkern grübelte Severus noch immer über sein Problem nach und fand doch keine Lösung. Der Schulleiter und seine Stellvertreterin "erinnerten" ihn wöchentlich daran, und es kam ihm so vor, als würden sie ihn mit einer gewissen Verachtung anblicken. Er kam keinen Schritt vorwärst und nach einem Gespräch mit dem Direktor das praktisch nicht stattgefunden hatte – der alte Mann hatte ihn resolut abblitzen lassen – gab er es auf, sich zu wehren.

Der Schulalltag floss träge dahin und Lehrer als auch Schüler sehnten sich die Weihnachtsferien herbei.

Snape, weil er dann Ruhe vor den Schülern haben würde und Harry um sich auf die Prüfungen noch besser vorzubereiten.

Der Gryffindor bemerkte keine Veränderung im Verhalten seines Lehrers und dachte auch nicht darüber nach.

Ein jeder bewegte sich im geregelten Ablauf der Schule.

Auch Dumbledore hatte nicht viel Zeit nachzudenken und weiter seine Intrigen gegen Voldemort zu spinnen, denn der verhielt sich seltsam ruhig.

Schon seit Harrys sechstem Jahr hatte kein wirklich ernstgemeinter Angriff stattgefunden. Die aktuellen Geplänkel dienten nur dazu, das Ministerium auf Trab zu halten, dessen war sich der Direktor und Führer des Phönix – Ordens sicher.

So verging die Zeit und Weihnachten rückte näher.


Reinadoreen
Hm, deine Vermutungen der unbekannten Personen waren sehr interessant. Vor allem deine Idee des Lesenden hat mich sehr verblüfft, denn sie trifft viel Wahres, was sich in dieser FF erst noch ereignen wird. 'smile'

heikeandrea
Hehe, das praktische an dieser FF für euch Leser ist, dass sie schon fertig ist. Es wird also garantiert keine großen Pausen geben. 'kicher' Anschließend hoffe ich, dass dir dieses Kap auch gefallen hat.